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Fahrradtransport und Träger

Das Fahrrad im Wohnmobil transportieren

Fahrradtransport Foto: Andreas Becker 27 Bilder

Der Stauraum im Heck von Kastenwagen ist oft groß genug, um darin Fahrräder zu transportieren – fehlt nur noch ein sicheres Haltesystem. Der Test zeigt, ob Innenraumträger für Pkw helfen können.

05.03.2017 Benjamin Büchner

Eine Menge Platz ist oft zwischen den seitlichen Kästen im Heck von Querbett-Campingbussen. Je nach Modell reicht es bei hochgeklapptem Bett, um zwei bis drei Fahrräder geschützt vor schlechtem Wetter und Dieben zu verstauen und noch zwei Campingstühle mit Tisch dazu. So werden die Modelle auch häufig von ihren Herstellern angepriesen. Eine ordentliche Fahrradhalterung hat aber bisher niemand dazu geliefert.

Manchmal findet man Zurrösen am Boden, durch die wenigstens ein Spanngurt geführt werden kann. Das Rad steht dann zwar sicher, das Verzurren ist aber mühsam. Die einschlägigen Hersteller von Fahrradträgern aus der Caravaning-Branche bieten auch keine wirklich passenden Modelle. Mancher Träger für die Heckgarage passt zwar auch in den Stauraum eines Campingbusses. Die Systeme sind mit ihren Verankerungen in den Seitenwänden und den Auszugschienen aber oft so groß, dass Türen an den Seitenkästen versperrt würden.

Die Lösung

Eine Lösung des Problems könnten die für große Pkw wie Kombis, Minivans oder Kleinbusse angebotenen Innenraumträger sein. Einer der bekanntesten ist der Vergo des japanischen Herstellers Minoura. Seine Konkurrenten Bikeinside, Radstand und Radfazz wurden allesamt von pfiffigen Ingenieuren aus Deutschland entwickelt. Der Radfazz hat sogar schon den Weg in die Wohnmobilbranche gefunden. Hymer bietet ihn als Original-Zubehör für Heckgaragen und die Hymer-Car-Campingbusse an.

Gemeinsam ist den Systemen, dass sie alle mit Gabelhalterungen ausgestattet sind. Das Vorderrad muss also zuerst abmontiert werden, danach wird die Gabel auf den Träger gesteckt und fixiert. Alle vier Hersteller bieten Aufnahmen für Schnellspanner mit neun Millimeter Durchmesser oder Steckachsen mit 15 Millimeter Durchmesser an. Damit sind die gängigen Achsstandards von üblichen guten Trekkingrädern, Rennrädern und Mountainbikes abgedeckt.

Die getesteten Varianten der Innenraumträger sind durchweg breit genug, um drei Räder zu transportieren. Direkt nebeneinander ist das aber selbst im 112 Zentimeter breiten Stauraum des promobil-Dauertest-Globecar kaum möglich. Dafür kann beim Radstand-Träger das Zwischenprofil mit der Achsaufnahme um 16 Zentimeter verstellt werden, was schon in der Grundausstattung ein versetztes Einladen der Räder ermöglicht. Dem Radfazz liegen für solche Fälle ebenfalls Verlängerungsprofile bei. Für den Bikeinside gibt es als Zubehör Extender.

Kein Muss, aber empfehlenswert ist der versetzte Einbau indes schon bei zwei Rädern. Wenn die Bikes nicht Griff an Griff stehen, lassen sie sich dichter zusammenstellen. So bleibt daneben mehr Platz für Gepäck. Werden die Fahrradlenker zudem um 90 Grad gedreht, rücken die Gestelle noch enger zusammen.

Die Bedienung der Gabelaufnahme und damit die Befestigung der Räder geht in allen vier Fällen gut von der Hand. Beim Bikeinside stört allerdings der Übergang zwischen den beiden Teilen der Teleskopschiene beim seitlichen Verschieben. Zudem fehlt die Möglichkeit, die Aufnahme zu verdrehen. Am Vergo ist der Drehgriff relativ schwergängig, mit dem die Verklemmung des Gabelhalters geöffnet wird.

Vier Innenraumträger – drei Arten des Einbaus

Der Minoura Vergo ruht auf gummierten Füßen und wird einfach in den Innenraum gestellt. Der Bikeinside besteht aus einer Teleskopschiene mit Kunststoffstoppern, die zwischen die Seitenwände geklemmt wird. Radstand und Radfazz haben feste Verankerungen. Beide Hersteller bevorzugen dafür in den Boden eingelassene oder an den Seiten befestigte Schienen als Aufhängung für das Grundprofil der Träger. Alternativ bieten sie Winkelbefestigungen, Hakenschrauben oder Klicksysteme für Bodenösen und Rändelschrauben für Bodengewinde an. Diese Version kommt im Test zum Einsatz, weil im Dauertester schon Gewinde vorhanden sind. Zurrschienen oder Einziehgewinde können je nach Fahrzeugmodell auch nachgerüstet werden.

Die feste Verankerung im Boden erweist sich eindeutig als Vorteil der Radfazz- und Radstand-Träger. Sicherer können die Räder nicht stehen. Selbst bei Vollbremsungen sitzt der Träger fest. Es besteht also nicht die Gefahr, dass die Ladung sich selbstständig macht – ganz nach Straßenverkehrsordnung.

Obwohl auch der Bikeinside beim Bremstest nicht verrutscht, traut man dem Klemmmechanismus und der Kunststoffstange bei extremeren Verzögerungen nicht die nötige Haltekraft zu.

Der Hersteller gibt in der Bedienungsanleitung auch an, dass der Träger bündig an einer Rückenlehne oder einer Kante anliegen sollte. Gleiches gilt für das Hinterrad, sollte das Fahrrad gegen die Fahrtrichtung ausgerichtet sein. Diese Aufgabe kann bei Campingbussen eventuell die Schottwand oder der Kabelkanal zwischen Stauraum und Gang übernehmen. Beim Minoura Vergo ist es noch wichtiger, einen festen Punkt zu finden, an den Träger oder Hinterrad anstoßen. Seine gummierten Füße stehen vielleicht auf Autoteppichen sicher, auf glatteren PVC-Böden von Campingbussen traut man es ihnen aber nicht wirklich zu.

Obwohl die Hinterräder auf der Fahrt nicht hin- und herrutschten, ist zusätzliches Verzurren empfehlenswert. Spanngurte liefern alle Anbieter gleich mit.

Standsicherheitstest Foto: Andreas Becker

So testet promobil

Die Innenraumträger sind für den Fahrradtransport in Pkw gedacht, wo die engen Platzverhältnisse Bikes und Träger meist von selbst in Position halten. Da im Stauraum von Kastenwagen mehr Platz ist, macht die Standsicherheit 40 Prozent der Bewertung aus. Es galt für die Träger, Bremsmanöver und temporeiche Kurvenfahrten zu überstehen. Qualitätseindruck und Stabiliät machen 15 Prozent der Endnote aus. Immerhin hängen an den Haltern bisweilen Fahrräder, die mittlere vierstellige Summen wert sind. Die Montage der Träger trug ebenfalls mit 15 Prozent zur Endabrechnung bei. 30 Prozent zählte schließlich die Handhabung bei der Befestigung des Rads auf dem Träger. Dabei stand die Gabelaufnahme im Fokus: Je leichter sich die Aufnahme verschieben und verstellen ließ und die Gabel fixiert werden konnte, umso mehr Punkte erhielt der Träger.

Plattformträger für Schwergewichte

E-Bikes, Roller oder gar Motorräder bringen für Hecktürenträger zu viele Pfunde auf die Waage. Wer sie nicht in den Innenraum packen will, kann auf Plattformträger zurückgreifen. Diese werden direkt an das Chassis des Kastenwagens montiert und sind somit deutlich belastbarer. Lange war die Handhabung der Plattformen an Kastenwagen umständlich, weil sie den Zugang zu den Hecktüren versperrten. Um vom Kastenwagen-Boom der letzten Jahre mehr zu profitieren, haben sich die Trägerhersteller neue Lösungen einfallen lassen. Die Plattform des Slide-Port von Linnepe lässt sich zum Beispiel mitsamt der Ladung zur Seite schieben. Danach kann man die rechte Hecktür problemlos öffnen. Der Slide-Port trägt 170 Kilo Ladung und wiegt 50 Kilo. Liberco Systems hat beim Soccoro A500 einen anderen Weg gewählt. Die Plattform wird nach hinten weggeschoben. Um an den Laderaum zu kommen, muss man dann zwar über die beiden Streben klettern, dafür gehen beide Türen auf. Sawikos Plattform Agito wird zur Seite geschwenkt, wenn ein Zugang zum Stauraum gewünscht wird. Das größte Modell trägt 150 Kilo, was etwa einem Motorroller und einem Fahrrad entspricht. Nicht schwenkbar ist die Kawa II. Dafür glänzt sie wie der Slide-Port von Linnepe mit einer Auffahrschiene für Roller. Ein Detail, das vielen anderen Plattformträgern fehlt.

Sawiko Foto: Sawiko
Fiamma Carry-Bike Foto: Fiamma Carry-Bike

Die wichtigsten Heckträger für Kastenwagen

Doppelt wichtig ist das Thema Tragfähigkeit bei Fahrradträgern für Hecktüren: zum einen natürlich, wie viel Nutzlast sie tragen dürfen. Zum anderen geben die Kastenwagen-Hersteller oft vor, mit welchem Höchstgewicht ihre Türen und Klappen belastet werden dürfen. Fiat macht es sich in dieser Hinsicht relativ einfach und gibt ab Werk für den Ducato gar keine Heckträgersysteme frei. Der jeweilige Trägerhersteller ist damit in der Haftung, sollten die Hecktüren bei der Nutzung beschädigt werden. Exakte Angaben sind aber auch von anderen Basisfahrzeug-Herstellern schwer zu bekommen. Als Richtwert kann man zwei bis drei Fahrräder rechnen, mit Träger also rund 40 bis 60 Kilo. Heckträger bieten dabei den Vorteil, dass kein Platz im Innenraum verloren geht. Sie verlängern aber – ähnlich wie Plattformträger – das Fahrzeug um ein gutes Stück, was oft beim Rangieren nicht bedacht wird.

Vorsicht gilt auch beim Schließen der Hecktüren. Die Schienen der Heckträger ragen meist über die Türbreite hinaus und haben schon manchen Hinterkopf malträtiert – Vorteil für den Futuro von Sawiko mit eigenem Schwenkmechanismus.

Fazit

Innenraumträger sind auch in Kastwagen mit entsprechend breitem Stauraum zu gebrauchen. Die Systeme mit festen Verankerungen haben dabei die Nase vorne. Für mehr Sicherheit lohnt sich auch die Nachrüstung von Schienen oder Gewinden.

Die Heckträger auf einen Blick

1. Aluline Euro-Carry

  • Fiat Ducato und Schwestermodelle
  • 40 kg Nutzlast
  • 2 Fahrräder
  • keine E-Bikes
  • Schienenträger klappbar
  • Modelle für andere Basisfahrzeuge: Ford Transit, Mercedes Sprinter, Renault Master, VW T5/T6 und Crafter
  • Preis ab 369 €

2. Fiamma Carry-Bike

  • Fiat Ducato und Schwestermodelle
  • 35 kg Nutzlast
  • 2 Fahrräder
  • keine E-Bikes
  • Schienenträger klappbar
  • Modelle für andere Basisfahrzeuge: Ford Transit Custom und Transit, Mercedes Vito und Sprinter, Renault Trafic und Master, VW T5/T6 und Crafter
  • Preis ab 289 €

3. Sawiko Futuro

  • Fiat Ducato und Schwestermodelle
  • 80 kg Nutzlast
  • 3 Fahrräder
  • 2 E-Bikes (mit verstärkten Schienen)
  • schwenkbar, Schienenträger klappbar und optional absenkbar
  • keine Modelle für andere Basisfahrzeuge
  • Preis ab 1650 €

4. Thule Elite G2

  • Fiat Ducato und Schwestermodelle
  • 35 kg Nutzlast
  • 2 Fahrräder
  • E-Bikes beim Modell Lift V16
  • Schienenträger klappbar und optional absenkbar
  • Modelle für andere Basisfahrzeuge: Mercedes Sprinter, VW T5/T6 und Crafter
  • Preis ab 419 €

Fahrradträger für den Innenraum

1. Bikeinside

  • Info: www.bikeinside.de
  • Breite: 80 bis 175 cm
  • Befestigung: verstellbare Teleskopschiene
  • Gabelaufnahmen: Schnellspanner (9 und 10 mm), Steckachse (15 und 20 mm)
  • Zubehör: Kettenblattschoner, Verlängerung der Gabelaufnahme
  • Getestete Version: Grundträger 1,2 bis 1,75 Meter
  • Preis: 75 € Träger + je 33 € Gabelaufnahmen
Bewertung
Eindruck/Stabilität (15 %): 4
Aufbau (15 %): 4
Handhabung (30 %): 4
Standsicherheit (40 %): 3,5
Gesamtnote: 4

2. Minoura Vergo

  • Info: www.minoura.jp
  • Breite: 99 cm
  • Befestigung: gummierte Füße aus Kunststoff
  • Gabelaufnahmen: Schnellspanner (9 und 10 mm), Steckachse (15 und 20 mm)
  • Zubehör: Laufradhalter, Halter für Hinterbau
  • Getestete Version: Vergo TF 2
  • Preis: 99 € Träger inklusive 2 Gabelaufnahmen
Bewertung
Eindruck/Stabilität (15 %): 4
Aufbau (15 %): 5
Handhabung (30 %): 4
Standsicherheit (40 %): 2
Gesamtnote: 3,5

3. Radfazz

  • Info: www.radfazz.de
  • Breite: Anfertigung nach Maß (105 cm)
  • Befestigung: Gewinde in Boden (Klicksystem, Hakenschraube/Winkelbefestigung an Bodenösen, Adapterstück, Bodenschiene)
  • Gabelaufnahmen: Schnellspanner (9 und 10 mm), Steckachse (15 und 20 mm)
  • Zubehör: Laufradhalter, Verlängerung der Gabelaufnahme
  • Getestete Version: Radfazz für Wohnmobile mit zwei Gabelhaltern
  • Preis: 130 € Träger + je 65 € Gabelaufnahmen
Bewertung
Eindruck/Stabilität (15 %): 5
Aufbau (15 %): 5
Handhabung (30 %): 5
Standsicherheit (40 %): 5
Gesamtnote: 5

4. Radstand

  • Info: www.radstand.de
  • Breite: Anfertigung nach Maß (112 cm)
  • Befestigung: Gewinde in Boden (Klicksystem, Hakenschraube/Winkelbefestigung an Bodenösen, Adapterstück, Bodenschiene)
  • Gabelaufnahmen: Schnellspanner (9 und 10 mm), Steckachse (15 und 20 mm)
  • Zubehör: Laufradhalter, Verlängerung der Gabelaufnahme
  • Getestete Version: Radstand B mit zwei Standardzwischenprofilen
  • Preis: 100 € Träger + je 25 € Gabelaufnahmen
Bewertung
Eindruck/Stabilität (15 %): 5
Aufbau (15 %): 3
Handhabung (30 %): 5
Standsicherheit (40 %): 5
Gesamtnote: 4,5

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