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Füllstandsmesser im Test

Die Vermessung des Gases

Klopfen und schütteln genügt nicht, um den Füllstand einer Gasflasche zu ermitteln. Diese fünf neuen Mess-Systeme nutzen dafür präzise Waagen und Ultraschall. Foto: Andreas Becker 18 Bilder

Klopfen und schütteln genügt nicht, um den Füllstand einer Gasflasche zu ermitteln. Diese fünf neuen Mess-Systeme nutzen dafür präzise Waagen und Ultraschall. Doch wie genau sind sie wirklich? Test.

22.12.2017 Benjamin Köbler-Linsner Kommentare

Wenn Reisemobilisten nachts mal raus müssen, dann häufig, um eine leere Gasflasche zu ersetzen oder eben eine volle anzuschließen. Beruhigter schläft, wer über den Füllstand seiner Flasche informiert ist – vor allem in der Heizsaison.

Anzeigen für Batterie und Wassertank sind schon seit Jahren Standard. Jetzt drängen verstärkt auch Gasfüllstandsmesser mit komfortabler Fernanzeige auf den Markt.

Neuentwicklungen bei den Messgeräten

Wir haben uns genau angesehen, was diese neuen Geräte können und wie sie sich auf Reisen bewähren. Zur Überwachung und Messung des Flascheninhalts nutzen die Hersteller der fünf Probanden zwei Methoden: Während die Systeme von Brunner, Cara-Control und Liquid-Level das Gewicht der Gasflasche ermitteln, führen die Testkandidaten von Gaslock und Truma eine Ultraschallmessung durch. Maßgeblich unterscheiden sich die Produkte dieser zwei Kategorien durch ihre Größe. Denn während die Wiegeplatten im Gaskasten spürbar Platz beanspruchen, fallen die Ultraschallgeräte deutlich zierlicher aus. Ausreichend genau sind sie fast alle: Keines der Testgeräte mit prozentualer Anzeige weicht mehr als fünf Prozent vom tatsächlichen Füllstand einer mit exakt 8,3 Kilogramm Gas gefüllten Alugasflasche ab.

Da jeder Gaskasten anders dimensioniert ist, sollten Reisemobilisten vor dem Kauf einer Wiegeplatte unbedingt prüfen, ob das gewünschte Modell überhaupt Platz findet. Dabei wäre es natürlich wünschenswert, wenn Fachhändler stets eine Platte zur Anprobe bereithieten. Beim Einstellen einer 11-Kilo-Gasflasche ist es oft hilfreich, den Flaschenkopf zuerst in den Gaskasten einzuführen. Beim Herausnehmen der Flasche muss zuerst der Boden herausgezogen werden, ansonsten stößt das Ventil an die obere Kante des Gaskastens an.

Brunner und Truma liefern ihre Füllstandsanzeigen ohne eigene Anzeige aus. Stattdessen stellen beide Anbieter eine App für Android- und Apple-Geräte zum Download bereit. Bei Brunner schlägt sich das fehlende Display im Preis nieder. Mit 99 Euro ist die Gaswaage W8 die günstigste Wiegeplatte im Test. Ob eine App oder ein externes Anzeigegerät die bessere Wahl ist, muss jeder Camper für sich entscheiden. Beide Lösungen haben Vor- und Nachteile. So lassen sich nachträgliche Änderungen und Updates der Software nur bei einer App realisieren. Ein fest im Reisemobil installiertes Display ist dagegen jederzeit im Blick. Auch hinsichtlich der Stromversorgung gibt es zwei unterschiedliche Herangehensweisen. Während drei der getesteten Messgeräte über Batterien mit Strom versorgt werden, holen sich zwei Füllstandsanzeigen per Kabel Strom vom Bordnetz. Dabei muss aber ein Loch in den Gas- oder Deichselkasten gebohrt und anschließend abgedichtet werden. Die Sicherheitsvorschriften zum Explosionsschutz erfüllen beide Methoden.

Anders als die Wiegeplatten haften die mit Ultraschall arbeitenden Sensoren magnetisch an der Flasche. Bei Trumas Level-Control ist die Gefahr besonders hoch, dass das teure Messgerät mit der leeren Flasche zur Tauschstation wandert, denn der Sensor hängt, von oben kaum sichtbar, am Flaschenboden – bei Alugasflaschen übrigens mittels eines mitgelieferten Klemmadapters aus Blech. Um das Verlustrisiko zu minimieren, liefert Truma ein magnetisches Hinweisschild mit, das als Warnung gut sichtbar an der (Stahl-)Flasche angebracht werden sollte.

Mit gebräuchlichen Gasflaschen kommt der Großteil der Wiegeplatten problemlos zurecht, denn das Taragewicht der Flasche lässt sich individuell eingeben. Die Waage von Cara-Control bietet allerdings keine Auswahl für 5-Kilo-Flaschen. Bei den Ultraschallgeräten scheidet der Gaslevel für Alugasflaschen aus, da er, anders als Trumas Level-Control mit Adapter, ausschließlich als Magnetversion erhältlich ist.

Brunner

Mit nur 660 Gramm ist die W8 die leichteste Gaswaage im Test. Beim Flaschentausch bewegt sich die Platte jedoch mit. Eine Befestigungsmöglichkeit mit Klebepads oder einer Verschraubung wäre daher sinnvoll. Die Koppelung von Messgerät und App funktioniert dank eines auf der Wiegeplatte aufgeklebten QR-Codes problemlos. Bevor sich die App nutzen lässt, muss sich der Reisemobilist allerdings registrieren. Dieser Schritt hat aktuell noch keine sichtbaren Auswirkungen, zukünftig sollen über das Benutzerprofil jedoch detaillierte Auswertungen über den eigenen Gasverbrauch möglich sein. Auf dem Smartphone oder Tablet stellt die App den aktuellen Füllstand in Prozent grafisch dar. Zusätzlich sind Angaben zum Gasverbrauch und der voraussichtlichen Restlaufzeit der Gasflasche zu sehen. Die Wiegeplatte ist außerdem mit einem Thermometer ausgestattet und übermittelt die gemessene Temperatur an die App. Das ist mehr als nur eine Zusatzfunktion, denn die Wiegeplatte W8 sollte nur bei Temperaturen über –10 Grad verwendet werden. Für Reisen in kältere Regionen bietet Brunner ein Erweiterungsset namens „Arktic-Kit“ an, das den Temperaturbereich auf bis zu –40 Grad erweitert. Die Gaswaage W8 ist eine Ansage: Für weniger als 100 Euro erhält der Reisemobilist eine Füllstandsanzeige, die leicht zu bedienen ist und gleichzeitig umfangreiche Funktionen bietet. Nachteil: Nutzbar ist das Gerät nur für Smartphone-Besitzer.

  • Messmethode: Gewicht
  • Art der Übertragung: kabellos aufs Smartphone
  • Stromversorgung: Batterie

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Cara-Control

Fast 380 Euro ruft Reimo für die Gaswaage von Cara-Control auf. Damit ist sie das teuerste Produkt im Testfeld und die Erwartungen waren entsprechend hoch. Doch bereits während der Konfiguration machte sich Ernüchterung breit. Die Bedienung des Anzeigedisplays ist umständlich, da alle Einstellungen über eine einzige Taste durchgeführt werden. Die Bedienungsanleitung hält eine Art Fahrplan bereit, der den Nutzer anhand unterschiedlich langer Tastendrücke (kurz, mittellang und lang) zu den jeweiligen Untermenüs führt. Lässt man die Taste einmal zu früh oder zu spät los, muss man wieder von vorn anfangen. Neben der aktuell verfügbaren Gasmenge in Prozent zeigt das Display weitere Werte wie eine Temperaturwarnung, zu starke Neigung oder die Batteriekapazität an. Die Darstellung der entsprechenden Symbole ist recht klein und monochrom. Die Edelstahlplatte kann im Gaskasten entweder mit Klebepads oder mit vier Schrauben befestigt werden. Sowohl die Wiegeplatte als auch das Display werden mit Batterien betrieben. Die Datenübertragung erfolgt per Funk. Eine Eigenschaft hebt die Gaswaage von Cara-Control hervor: Sie ist mit einem Alarm ausgestattet, der bei freigesetztem Gas anschlägt. Der Alarm reagiert auf plötzlichen Gewichtsverlust und löst einen Warnton sowie eine blinkende Hintergrundbeleuchtung der Anzeige aus.

  • Messmethode: Gewicht
  • Art der Übertragung: kabellos mit eigenem Display
  • Stromversorgung: Batterie

Liquid-Level

Ganz frisch auf dem Markt ist die Gasfüllstandsanzeige Camping Companion. Von den Wiegeplatten der Konkurrenz unterscheidet sie sich vor allem dadurch, dass sie über ein Kabel am Bordnetz angeschlossen wird. Die Oberseite der Platte ist mit Wülsten in unterschiedlichen Radien versehen. Diese Aufstellringe sorgen dafür, dass die Gasflasche, unabhängig von der Größe, mittig platziert ist. Die Platte selbst wird nicht fest im Gaskasten installiert. Solange eine Gasflasche auf der Wiegeplatte lastet, verrutscht sie aber auch nicht. Das Anzeigedisplay ist ein Hingucker. Der Füllstand lässt sich auf dem kleinen Farbbildschirm in Prozent grafisch hübsch im Tachodesign ablesen. Das Anzeigegerät ist in zwei Varianten erhältlich: einmal für den Festeinbau sowie als flexibles Standgerät. Darüber hinaus zeigt das Display den aktuellen Verbrauch und die daraus folgende voraussichtliche Restlaufzeit der Gasflasche an. Sind zwei Wiegeplatten im Einsatz, zeigt das Display die Werte beider Gasflaschen parallel an. Übertragen werden die Messwerte von der Wiegeplatte zum Display per Funk. Das Anzeigegerät kann an einer USB-Steckdose oder einem 220-Volt-Netzteil betrieben werden. Das System von Liquid-Level kostet 229 Euro für eine Gasflasche, für günstige 60 Euro mehr gibt es eine zweite Wiegeplatte dazu.

  • Messmethode: Gewicht
  • Art der Übertragung: kabellos mit eigenem Display
  • Stromversorgung: Kabelanschluss ans Bordnetz

Gaslock

Der Gaslevel ist ein einfach zu handhabendes Ultraschallmessgerät. Das Prinzip ist ähnlich wie bei den bereits seit Jahren erhältlichen Gascheckern in Stiftform: Der Sensor haftet magnetisch an der Seitenwand der Gasflasche an und signalisiert, ob auf der Höhe des Messgeräts Flüssiggas erkannt wird oder nicht. Dies erfolgt über ein Anzeigegerät in Form eines grün beziehungsweise rot leuchtenden Gasflaschensymbols. Dieses ist über ein drei Meter langes Kabel mit dem Sensor verbunden. Strom bezieht der Gaslevel vom Bordnetz, daher muss beim Einbau mindestens ein Loch gebohrt werden. Hinsichtlich der Genauigkeit kann der Gaslevel nicht mit den Vergleichsprodukten mithalten. Denn der Reisemobilist erhält durch die jeweilige Farbe der LED nur einen groben Hinweis über den aktuellen Füllstand der Gasflasche. Wer jedoch auf detaillierte Auswertungen und Prognosen verzichten kann, findet mit dem Gaslevel eine funktionale und sehr günstige Möglichkeit, vor drohendem Gasnotstand gewarnt zu werden. Sinnvoll ist es, das Messgerät im unteren Bereich der Flasche anzubringen. Dann warnt die rot leuchtende Anzeige davor, dass die Gasfüllung demnächst zur Neige geht, und es bleibt noch ausreichend Zeit, um die Flasche zu tauschen. Einschränkung: Der Gaslevel funktioniert nur bei Stahlflaschen. An dem Preis von 80 Euro gibt es nichts auszusetzen.

  • Messmethode: Ultraschall
  • Art der Übertragung: kabelgebunden auf eigenes Display
  • Stromversorgung: Kabelanschluss ans Bordnetz

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Truma

Mit dem Level-Control könnte das Camperleben so einfach sein: Das Ultraschallmessgerät hängt am Flaschenboden und sendet eine detaillierte Auswertung der Messergebnisse auf das Smartphone. Unter optimalen Bedingungen funktioniert die Messung auch tadellos. In der Praxis ist das sensible Messgerät aber anfällig für Beschädigungen und Funktionsstörungen. Dazu trägt auch bei, dass der Level-Control nur in Verbindung mit einer iNet-Box funktioniert. In unserem Dauertester brach die Verbindung zum Level-Control mehrmals ab, was Truma auf eine zu große Entfernung zwischen iNet-Box und Gaskasten zurückführte. Erst nachdem ein Truma-Techniker die Box versetzte, war das Signal ausreichend stabil. Aber auch der Umgang mit dem Messgerät selbst birgt Tücken. Besonders sensibel ist das Koppelkissen, das die Ultraschallwellen aussendet. Ist es verschmutzt, schlägt die Messung fehl. Daher sollte der Flaschenboden vor der Anbringung des Sensors gesäubert werden. Wird die Flasche einmal versehentlich ohne die beigelegten Kunststofffüße abgestellt, verformt sich der Gumminippel und liefert fehlerhafte Messergebnisse. Wir empfehlen, die Füße auf jeden Fall fest zu montieren, da die Bodenfreiheit ansonsten bei jedem Flaschentausch erneut geprüft werden muss. Der Preis von 150 Euro ist angemessen. Eine robustere Verarbeitung und die Möglichkeit, das Gerät auch ohne iNet-Box nutzen zu können, wären wünschenswert.

  • Messmethode: Ultraschall
  • Art der Übertragung: kabellos via iNet-Box aufs Smartphone
  • Stromversorgung: Batterie

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Füllstandsmesser im Gaskasten

Eine Leserfrage zum Test: Laut der entsprechenden DIN-Norm heißt es, dass in einem Gasflaschenkasten keine elektrischen Anschlüsse vorhanden sein dürfen. Schließt das auch die Gas-Füllstandsmesser mit ein?

Ulrich Sichler, per E-Mail

Die von Ihnen genannte DIN EN 1949 schließt tatsächlich elektrische Anschlüsse im Gaskasten wegen Brandgefahr aus. Unter Punkt 5.7 sind aber auch zwei Ausnahmen von dem Verbot aufgeführt: a) Kleinspannungs-Ausrüstungsteile und b) Kabel ohne Verbindungsstellen, die durch den Flaschenaufstellraum durchgeleitet werden. Die batteriebetriebenen Geräte fallen in die Kategorie Kleinspannungs-Ausrüstungsteile und stellen keine Zündquelle im Sinne der Vorschrift dar. Und die Zulassung der kabelgebundenen Wiegeplatte ist durch den Unterpunkt b) abgedeckt.

Fazit

Lieber simpel und funktional statt Hightech – Camping ist keine Raketenwissenschaft. Darum ist es zweitrangig, ob die Gasflasche noch zu 70 oder 76 Prozent gefüllt ist. Viel wichtiger ist, dass das Messgerät den Bedingungen des Alltags, insbesondere Flaschenwechseln mit unsauberen oder rostigen Flaschen, standhält. Und unter diesem Aspekt haben die technisch simpler konstruierten Messgeräte klare Vorteile gegenüber dem sonst durchdachten Truma Level-Control. Enttäuscht hat im Direktvergleich die Gaswaage von Cara-Control. Denn das Anzeigegerät lässt sich nur umständlich bedienen, und die Darstellung auf dem einzeiligen Display ist nicht zeitgemäß. Brunner und Liquid-Level machen die Messergebnisse ihrer Wiegeplatten dagegen mit gut ablesbaren Grafiken sichtbar. Wer die Bedienung per App bevorzugt, findet mit der Gaswaage Brunner W8 eine gute Lösung zu einem erstaunlich günstigen Preis. Etwas außen vor ist der Gaslevel von Gaslock, da er nicht auf die detaillierte Darstellung des Füllstands ausgelegt ist. Aber gerade das macht ihn zur richtigen Wahl für diejenigen, die es lieber simpel mögen, aber rechtzeitig vor der Gasflaute gewarnt sein wollen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
promobil Heft 12/2017
Heft 12 / 2017 15. November 2017 148 Seiten Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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