Hersteller von Ausstattungskomponenten für Wohnmobile und Wohnwagen setzen auf dem Caravan Salon ebenso wichtige Impulse. 2025 könnte das den Durchbruch der Trenntoilette als Serienausstattung bedeuten. Denn die beiden wichtigsten Badausstatter der Branche stellen neue Modelle für den Festeinbau vor: Thetford die S 220 und S 260 und Dometic die CTT 4000.
Antreiber dieser Entwicklung ist im Hintergrund das Start-up Arwinger aus Hamburg. Das Unternehmen baut seit Jahren Sets für Wohnmobile und Wohnwagen, mit denen sich Kassettentoiletten bekannter Hersteller mit wenig Aufwand in Trenntoiletten umrüsten lassen.
Unkomplizierte Umrüstkits
Das Umrüstsystem von Arwinger, das es mittlerweile für viele Chemietoiletten von Thetford gibt, ist sehr clever: Einbauende müssen einfach das Sitzteil der fest montierten Chemietoilette abnehmen und durch das Inlay mit Trennfunktion von Arwinger ersetzen. Darunter kommt in den Toilettenschacht die zweigeteilte Kassette. Der Abschnitt für Feststoffe fasst 9 Liter, der für Flüssigkeiten 7. Sind die Behälter voll, können sie von außen über das Kassettenfach der ursprünglichen Chemietoilette entnommen werden. Wichtig: Die Basis der Toilette sowie Brille und Deckel müssen bei den meisten Kits für Thetford-Toiletten nicht ausgetauscht werden. Außer es handelt sich um Banktoiletten, bei denen muss auch die Sockel getauscht werden, allerdings durch einen exakt angepasste. Große Veränderungen im Bad sind nicht notwendig – anders als bei den fest einbaubaren Trenntoilettensystemen einiger Konkurrenten.
Arwinger bietet die Umrüstkits eigentlich zur Nachrüstung an. Das System hat jedoch längst Wohnmobilhersteller überzeugt. Westfalia oder Clever bieten es optional bei einigen Modellen an. Den Einbau übernehmen in der Regel Händler. "Wir merken, dass das Interesse an Trenntoiletten immer größer wird und sich das Thema weiter verbreitet", sagt Mareike Jahns von Arwinger.
Arwinger ist ein Hamburger Start-up, gegründet im Frühjahr 2021, das sich auf modulare Campervan-Ausbauten spezialisiert hat und zugleich die Kassettentrenntoilette entwickelt hat. Das Unternehmen verkauft Umrüst-Sätze, mit denen sich Chemie-Kassettentoiletten zu Trenntoiletten mit Kassette umrüsten lassen. Das Sortiment umfasst Sets und Austauschmodelle für die Thetford-Serien C200, C220, C250, C260 (699 Euro bis 799 Euro) sowie für die Bankmodelle C400 und C500 (999 Euro).
Thetford legt eigene Trenntoilette nach
Ebenfalls wahrgenommen hat das steigende Kundeninteresse an Trenntoiletten Thetford, eine Branchengröße. Bereits auf dem Caravan Salon 2024 zeigte das Unternehmen einen Prototyp, den es zu einer Trenntoilette mit Kassette weiterentwickelte. Angekündigt wurde sie schon im Frühling. Die S-Serie (220 und 260) basiert auf den Thetford Chemie-Kassettentoiletten C220 und C260 in der S-Version. Für diese gibt es dann auch die Umrüstkits SK 220 und SK260 (599 Euro).
"Eine bestimmte Zielgruppe zeigt wachsendes Interesse an Trenntoilettensystemen, bestärkt durch die Argumente Nachhaltigkeit und flexible Leerung", erklärt Norbert van Noesel, Marketing Manager bei Thetford. Er ist sich zwar sicher, dass die Fahrzeughersteller weiter die Chemie-Kassettentoilette bevorzugen und eher die Umrüstkits ins Angebot aufnehmen. Es sei jedoch wichtig, dass Wohnmobilmarken den Endverbrauchern Trenntoiletten-Systeme der großen Ausrüster anbieten könnten.

Anders als viele andere Umrüstkits beinhalten die Thetford‑Lösungen (SK 260 im Bild und SK 220) eine vollständige Toilettenschüssel. Das erleichtert die Montage, sorgt für zusätzliche Stabilität – und ermöglicht gleichzeitig, dass der vorhandene Korpus, Sitz und Deckel weiterverwendet werden können. Eine patentierte Platte deckt die Abfälle und unterstützt die Trennung.
Durch die Lösungen von Thetford und Arwinger löst sich zumindest ein Teil der Vorbehalte, die viele Campende gegenüber Trenntoiletten haben, buchstäblich in der Außenluft auf. Denn beide Hersteller setzen auf ein zweiteiliges Kassettensystem, das von außen entnommen wird. Niemand muss also mit dem Flüssigkeitsbehälter oder den getrockneten Reststoffen durchs Wohnmobil laufen. Thetford deckt die Kassette von oben mit einer patentierten Platte ab und entgegnet damit Bedenken wegen mangelnder Hygiene. Bei Arwinger muss die Feststoffabdeckung per Hand aufgelegt werden.
Wie funktionieren Trenntoiletten?
Trenntoiletten, auch Trocken‑Trenntoiletten genannt, trennen bereits beim Toilettengang die Ausscheidungen: Urin und Feststoffe werden in zwei separaten Behältern gesammelt – ganz ohne Wasser oder chemische Zusätze, wodurch Gerüche deutlich reduziert werden.
Die festen Ausscheidungen werden in einem separaten Feststoffbehälter aufgefangen und meist mit einem pflanzlichen Einstreu wie Kokosfasern, Miscanthus- oder Strohpellets und Aktivkohle abgedeckt, wodurch die Feuchtigkeit entzogen und Geruchsbildung vermieden wird. Nach Gebrauch lassen sich die Feststoffe oft – abhängig vom Modell – in kompostierbaren Beuteln entweder über den Restmüll entsorgen oder kompostieren.
Trenntoiletten kommen ohne Wasser und chemische Zusätze aus, sparen wertvolles Frischwasser und bieten durch getrennte Behälter für Urin und Feststoffe eine geruchsärmere, nachhaltigere Entsorgung und längere Autarkie.
Weil Urin und Feststoffe getrennt aufgefangen werden, kommt es nicht zur Geruchsbildung, die typischerweise durch die Vermischung mit Wasser entsteht. Zudem entzieht Streumaterial wie Kokos‑ oder Stroheinstreu dem Feststoff Feuchtigkeit, wodurch Faulgase verhindert werden.
Arwinger und Dometic setzen auf Partnerschaft
Dass Arwinger bisher keine Nachrüstsysteme für Chemie-Kassettentoiletten von Dometic anbieten konnte, liegt daran, dass für die Umrüstung der Schacht in der Basis vergrößert werden müsste. Da es das Start-up nicht darauf belassen wollte, ging Gründer Sven Mahn auf den Großserienhersteller zu. Aus der Anfrage wurde eine Kooperation, deren Ergebnis die neu entwickelte Kassettentrenntoilette Dometic CTT 4000 ist. Auch hier verrät der Name wieder, dass das System auf einer klassischen Chemietoilette aufbaut: der Dometic CT 4000. Für die gibt es dann gleich ein Upgrade-Kit aus Trenntoiletten-Sitz und Kassette – für Campende, die schon ein Wohnmobil mit der CT 4000 haben und lieber auf das Trennsystem umsteigen wollen.

Der Dometic CT 4000 Toilettensitz und die Arwinger Kassette ergeben die Kassettentrenntoilette Dometic CTT 4000 zum Festeinbau in Wohnmobile.
Arwinger lizenziert seine Patente an Dometic, das darauf aufbauend eine hochmoderne Trenntoilette herstellt. Der Großserienhersteller vertreibt das System über seine weltweiten Vertriebsnetze. Dass das für Trenntoiletten ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Serienausstattung sein könnte, glaubt auf dem Stand von Arwinger auf dem Caravan Salon jeder Mitarbeitende. "Wir werden in Zukunft mehr Trenntoiletten in Wohnmobilen sehen", sagt Gründer Sven Mahn. Sein Start-up kann sich unterdessen auf seine Wurzeln konzentrieren und den Nachrüstmarkt bedienen. Die Kits stellt Dometic in seinen Werken her, wodurch Arwinger seine Preise senken kann, weil der große Partner effizienter produziert.