Endlos heiß duschen mit nur 3 Liter Wasser im Wohnmobil: So funktionieren Kreislaufduschen.

Kreislaufduschen für Camper erklärt
Endlos duschen mit demselben Wasser im Wohnmobil

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.02.2026
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Foto: Getty Images

Frischwasser gilt im Camper als die knappste Ressource. Während sich Strom durch Solar, Lichtmaschine oder Landstrom relativ flexibel nacherzeugen lässt und Gas zunehmend durch elektrische Lösungen ersetzt wird, bleibt der Wasservorrat physisch begrenzt durch Tankgröße, Gewicht und Platz. Besonders beim Duschen wird dieses Problem deutlich: Jede Minute unter der klassischen Camperdusche verbraucht mehrere Liter Wasser – ein Luxus, den sich viele nur sehr kurz erlauben.

Mit sogenannten Kreislaufduschen tritt ein technischer Ansatz auf den Plan, der dieses Grundproblem neu denkt. Systeme wie die "Dauershower (2.0)" versprechen nahezu unbegrenzte Duschzeiten bei minimalem Wasserverbrauch. Doch wie funktioniert das technisch, wie alltagstauglich ist das Konzept – und wo liegen die Grenzen?

Wasser als limitierende Ressource im Camper

Typische Wohnmobile verfügen über Frischwassertanks zwischen 80 und 120 Liter. Gleichzeitig liegt der Wasserverbrauch herkömmlicher Campingduschen bei etwa 4 bis 8 Liter pro Minute. Selbst bei sparsamer Nutzung wird Duschen damit schnell zur größten Einzelbelastung des Wasservorrats. Hymer, die sogar von rund 25 Litern pro Person und Tag allein fürs Duschen ausgehen, verdeutlichen die Dimension des Problems.

Die Konsequenz ist bekannt: kurzes Abduschen, Wasser zwischendurch abstellen, Komfortverzicht. Größere Tanks wären eine Lösung, scheitern jedoch häufig an Gewicht, Bauraum und Kosten – zumal ein größerer Frischwassertank auch einen entsprechend dimensionierten Abwassertank nach sich zieht.

Das Prinzip der Kreislaufdusche

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Dominic Viereisel

Kreislaufduschen setzen genau an diesem Punkt an. Ihr Kernprinzip besteht darin, das Duschwasser nicht sofort als Abwasser zu entsorgen, sondern es während des Duschens im System zu halten, aufzubereiten und erneut zu verwenden.

Technisch arbeiten diese Systeme mit zwei Betriebsmodi:

  • Frischwassermodus: Wie bei einer herkömmlichen Dusche: Wasser aus dem Frischwassertank wird mit Warmwasser aus dem Boiler gemischt und nach der Nutzung in den Abwassertank geleitet.
  • Kreislaufmodus: Das bereits verwendete Duschwasser wird:
    • am Ablauf aufgefangen,
    • durch einen mechanischen Filter von Haaren und Partikeln befreit,
    • mittels UV-C-Desinfektion entkeimt,
    • elektrisch nachgeheizt
    • und erneut zur Duschbrause gepumpt.

Im Kreislauf befinden sich dabei lediglich etwa 2 bis 3 Liter Wasser, die kontinuierlich zirkulieren. Die Duschdauer ist damit praktisch nicht mehr durch den Wasservorrat begrenzt.

Wasserverbrauch: drastische Reduktion

Der entscheidende Vorteil liegt im Verbrauch: Ein kompletter Duschvorgang benötigt bei einer Kreislaufdusche insgesamt rund 5 Liter Frischwasser – unabhängig von der Duschdauer. Dieses Wasser wird primär für das initiale Befüllen des Systems sowie für das abschließende Klarspülen im Frischwassermodus benötigt.

Im Vergleich dazu reduziert sich der Wasserverbrauch um ein Vielfaches. Gleichzeitig sinkt auch die Belastung des Abwassertanks, was die Standzeit ohne Ver- oder Entsorgung deutlich verlängert. Für längeres autarkes Stehen, Wintercamping oder sportlich aktive Reisende ist das ein relevanter Zugewinn.

Komfort und Duschgefühl

Ein weiterer Effekt betrifft den Duschkomfort. Während klassische Sparlösungen im Camper häufig mit geringem Druck einhergehen, erreichen Kreislaufduschen im Umlaufbetrieb Durchflussmengen von etwa 7 bis 8 Litern pro Minute. Damit bewegen sie sich spürbar näher am Duschgefühl einer Haushaltsdusche.

Die Temperatur wird konstant gehalten, da das Wasser im System kontinuierlich nachgeheizt wird. Bei sehr hohen Temperatureinstellungen kann der Durchfluss leicht reduziert werden, um die Heizleistung auszugleichen – ein bewusstes Regelverhalten zugunsten der Temperaturstabilität.

Subjektiv entsteht dadurch ein deutlich entspannteres Duscherlebnis, bei dem Zeitdruck und "Wasserstress" entfallen.

Hygiene: berechtigte Frage, technische Antwort

Der häufigste Einwand gegenüber Kreislaufduschen lautet: Man duscht im eigenen, bereits benutzten Wasser. Technisch betrachtet greift diese Verkürzung jedoch zu kurz.

Die Systeme kombinieren:

  • einen Edelstahl-Grobfilter zur Entfernung von Haaren und Partikeln,
  • eine UV-C-LED-Desinfektion, wie sie auch in Trinkwasseraufbereitungen eingesetzt wird.

Zwar ist die Entkeimungsleistung beim Duschen durch Shampoo und Trübstoffe etwas geringer als bei klarem Wasser, sie bleibt jedoch auf einem hohen Niveau. Zusätzlich werden die Filter nach jedem Duschvorgang automatisch rückgespült, sodass Rückstände im Abwassertank landen. Wer möchte, kann jederzeit in den Frischwassermodus wechseln und sich mit klarem Wasser abspülen.

In der Einordnung ist das Kreislaufwasser hygienisch unkritischer als etwa ein Vollbad – wenngleich es selbstverständlich kein Trinkwasser ersetzt.

Technische Anforderungen: Wasser sparen gegen Strom tauschen

Der große Preisvorteil beim Wasser wird durch einen erhöhten Energiebedarf erkauft. Kreislaufduschen benötigen:

  • 12 Volt Gleichstrom (ca. 10 A) für Pumpe, Steuerung und UV-C-Einheit
  • 230 Volt Wechselstrom für einen elektrischen Durchlauferhitzer mit einer Leistung von bis zu 2.400 Watt

Damit ist ein leistungsfähiger Wechselrichter zwingend erforderlich. Der Energieverbrauch liegt bei etwa 0,3 kWh pro 10 Minuten Duschen, was ungefähr 25 Ah aus einem 12-V-Bordnetz entspricht.

Ohne entsprechende Batteriekapazität und Wechselrichterleistung ist der Betrieb nicht sinnvoll möglich. Kreislaufduschen verschieben das Autarkieproblem somit vom Wasser hin zum Strom.

Weitere Nachteile: Geräusch, Wartung, Preis

Neben der Elektrik gibt es weitere Aspekte, die berücksichtigt werden müssen:

  • Geräuschentwicklung: Eine zusätzliche Pumpe erzeugt während des Duschens hörbare Geräusche, insbesondere bei wandnaher Installation.
  • Wartung: Trotz automatischer Filterreinigung ist eine gelegentliche manuelle Kontrolle notwendig.
  • Kosten: Mit einem Anschaffungspreis von rund 2.900 Euro (zuzüglich Einbau) handelt es sich klar um ein Luxusprodukt. Der Gegenwert liegt nicht in der Notwendigkeit, sondern im Komfort.

Fazit