Die Offroad-Caravan-Manufaktur Crawler stammt – anders als man auf den ersten Blick vermuten könnte – nicht aus den USA, sondern aus der Türkei. Der Offroad-Caravan ALP 560 ist etwas über sieben Meter lang. Er fällt hierzulande jedoch nicht nur durch sein markantes Erscheinungsbild aus dem Rahmen, sondern auch durch eine Reihe technischer und konzeptioneller Besonderheiten.
Vor allem der Preis lässt aufhorchen: Mit einem Grundpreis von deutlich über 70.000 Euro überschreitet der ALP 560 den in Deutschland üblichen Kostenrahmen für einen Wohnwagen dieser Größenklasse spürbar. Umso bemerkenswerter ist, dass der Innenraum zwar modern, hochwertig und durchdacht gestaltet ist, auf den ersten Blick jedoch nicht den ausgeprägten Luxuscharakter klassischer Premium-Caravans deutscher Hersteller vermittelt.
Damit drängt sich zwangsläufig die zentrale Frage auf: Wofür bezahlt man hier tatsächlich? Welche technischen Lösungen, konstruktiven Besonderheiten und Nutzungsvorteile rechtfertigen diesen Preis – und wie ordnet sich der Crawler ALP 560 im Vergleich zum etablierten Angebot auf dem deutschen Markt ein?
Innovative Hecklösung: Eine Panoramaterrasse

Das Heck klappt nach oben und nach unten auf.
Das unangefochtene Highlight des ALP 560 ist die Heckwand, die sich in zwei Teilen komplett öffnen lässt:
- Die untere Hälfte klappt wie eine Lkw-Ladefläche nach unten.
- Die obere Hälfte wird durch zwei Druckfedern nach oben geöffnet und bildet ein kleines Dach für die so entstehende Terrasse.
Über den fortgesetzten Gang zwischen Sitzgruppe und Küchenzeile gelangt man direkt nach draußen auf die so entstandene kleine Terrasse. Die normale Eingangstür befindet sich auf der rechten Längsseite, direkt ums Eck. Diese Lösung schafft eine einzigartige Verbindung zwischen Wohnraum und Außenbereich.
Außerdem ermöglicht der breite Durchgang der Heckklappe, wenn auch eingeschränkt durch die Sitzmöbel, Motorräder und Fahrräder einfach im Mittelgang zu verstauen.
Kantig, breit, robust: Optik, Aufbau und Fahrwerk des ALP 560
Die Kabine des ALP 560 ist 5,6 m lang und etwa 2,7 m hoch, mit einer durchgehenden Innenhöhe von etwas über 2 m. Die Breite von 2,45 m Breite kommt dem Innenraum zugute. Dadurch muss der ALP 560 allerdings Abstriche im Hinblick auf die Aerodynamik hinnehmen.
Seine kastige Form mit abgeflachten Kanten verleiht ihm eine streng geometrische Optik, während längsseitig angebrachte Leisten dynamische Akzente setzen und den Retro-Look betonen. Insgesamt erinnert der Caravan äußerlich entfernt an den Vickers Morecambe über den wir Ende vergangenen Jahres berichteten.
Mit einem Leergewicht von 1.700 kg ist der ALP 560 zwar kein Leichtgewicht, doch für einen Offroad-Caravan dieser Größenordnung gilt er eher als schlank. Möglich wird dies unter anderem durch das Aluminium-Chassis, das das Gewicht deutlich reduziert.
Für ein sicheres und komfortables Fahrverhalten auf unterschiedlichstem Terrain sorgt eine unabhängige Radaufhängung sowie die erhöhte Bodenfreiheit. Trotzdem soll sich der ALP 560 auch für normale Pkw und reguläre Straßen eignen.
Viel Raum, klare Linien und ein ungewöhnliches Heckkonzept

Der geräumige Innenraum ist ein Vorteil des kastigen, wenig aerodynamischen Aufbaus.
Der kantige Aufbau des Offroad-Anhängers sorgt für einen großzügigen Innenraum, der im starken Kontrast zur dezenten Retro-Optik außen steht. Farblich dominieren Hellgrau, Cremeweiß und Ulme, wodurch eine freundliche und moderne Atmosphäre entsteht.
Der Grundriss legt den Fokus auf die u-förmige Sitzgruppe im Heck, die zur rechten Seite des Caravans öffnet. Eine lange Küchenzeile betont das offene Wohnküchen-Ambiente. Insgesamt wirkt der Wohnraum klar strukturiert und unaufgeregt.
Funktional statt verspielt: das Bad als Schmutzschleuse
Ebenfalls außergewöhnlich ist die zweite Außentür des Crawler-Caravans platziert. Sie leitet direkt in das kompakte Bad im Bug. Praktisch, wenn man in besonders schmutzigen Gefilden unterwegs ist.
So dient das Bad als Schmutzschleuse. Dieses besteht im Wesentlichen aus einer Thetford Kassettentoilette und einem Klappwaschbecken sowie einer Duscharmatur mit Regenduschkopf an der Wand. Der Handtuch-Heizkörper an der Wand deutet bereits auf die Heizart hin.
Laut der Serienausstattungsliste ist das Bad mit Raptorlack beschichtet. Eine interessante Lösung, denn Raptorlack ist ein 2-K-Polyurethan-Beschichtungssystem, das ursprünglich für Ladeflächen von Pick-ups entwickelt wurde. Er ist extrem kratz-, stoß- und abriebfest, widersteht gängigen Reinigungsmitteln und ist durch die strukturierte Oberfläche sogar rutschfest. Wobei letzteres durch die ausgelegten Laminatfliesen wieder relativiert wird, die einen stilistischen Akzent setzen.
Schlafen im französischen Doppelbett

Die Sitzgruppe wird zum zweiten Bett.
Geschlafen wird in einem eher unspektakulären französischen Doppelbett neben dem Bad im Bug. Es besitzt eine Liegefläche von 190 x 140 cm. In der Nähe befinden sich Schränke und Schubladen für die Kleidung. Ein zusätzliches Bett mit 180 x 130 cm entsteht bei Bedarf in der Sitzgruppe.
Besondere Erwähnung verdient darüber hinaus die Küchenausstattung. Hier sind bereits serienmäßig eine Herd-Ofen-Kombi von Thetford mit drei Gasflammen sowie ein 150-Liter-Kühlschrank verbaut. Die ungewöhnlich lange Küchenzeile bietet außerdem viel Platz in den Ober- und Unterschränken, wo optional auch eine Spülmaschine oder eine Waschmaschine Platz finden.
Heizung, Isolierung und Energie: Wie autark ist der ALP 560 wirklich?
Wie sinnvoll das angesichts der Wasserkapazitäten von 40 Litern Frischwasser und 30 Litern Abwasser ist, ist eine andere Frage. Diese sind für einen Offroad-Wohnwagen ohnehin ordentlich unterdimensioniert.
Für Wärme sorgt bei tiefen Temperaturen eine Eberspächer-Heizung, die Wasser- und Luftheizung kombiniert. Eine elektrische Fußbodenheizung gibt es gegen fast 4.000 Euro Aufpreis. Drinnen (oder draußen) gehalten wird die Wärme durch eine Kombination aus 18 mm Armaflex-Isolierung und einer speziellen Keramikbeschichtung. Ein Fortschritt im Vergleich zum letzten Crawler, der noch allein auf die isolierende Keramik-Beschichtung setzte. Hier geht es zum Praxis-Test des Crawler Batu 535.
Teurer Grundpreis, viele Optionen: Für wen sich der ALP 560 rechnet

Die optionale Spülmaschine im Caravan ist eine luxuriöse Auswahlmöglichkeit.
Ohne zusätzliche Kosten kann zwischen verschiedenen Polsterfarben gewählt werden, die von Nebelgrau bis Mintgrün reichen. Wer hingegen den stilechten Raptor-Lack wünscht, muss dafür knapp 8.000 Euro einplanen. Das mattweiße Exterieur ist mit 880 Euro Aufpreis vergleichsweise moderat bepreist.
Wer bei einem Offroad-Caravan Energieautarkie erwartet, sollte sich allerdings auf spürbare Zusatzkosten einstellen. Statt der serienmäßigen 100-Ah-Gel-Batterie kostet eine moderne Lithiumbatterie von Victron Energy 852 Euro Aufpreis für 220 Ah beziehungsweise 4.150 Euro für 330 Ah.
Für besonders energieintensive Anwendungen stehen zudem 5-kWh-Lithiumbatterie von Ecoflow für 5.600 Euro zur Verfügung – das entspricht etwa 390 Ah bei 12,8 V. Sinnvoll ist diese Ausbaustufe vor allem dann, wenn man sich für optionale Großverbraucher wie die Waschmaschine (1.690 Euro), eine der beiden Klimaanlagen oder den Electrolux-Geschirrspüler (700 Euro) entscheidet. Solarmodule und Wechselrichter beginnen preislich bei 650 Euro für die kleinste Ausführung.
Neben sehr spezifischem Zubehör wie einer Gewehrhalterung oder Halterungen für Angelausrüstung ist auch ein Teil der üblichen Camping-Ausstattung aufpreispflichtig. Die auf den Bildern gezeigte elektrische Markise schlägt mit 2.400 Euro zu Buche, das passende Markisenzelt kostet weitere 1.420 Euro. Grill und Außen-Gasanschluss liegen jeweils bei knapp 300 Euro, während Fliegennetze für Eingangstür und Hecköffnung mit 1.200 Euro veranschlagt werden.
Unterm Strich summieren sich diese Extras schnell zu einem beträchtlichen Aufpreis auf den ohnehin hohen Grundpreis. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass der Crawler ALP 560 in puncto Individualisierung und Luxus-Zubehör eine außergewöhnlich breite Auswahl bietet – sofern man bereit ist, diese auch zu bezahlen.
Wo kann ich Crawler in Deutschland kaufen?
Das Crawler-Händlernetz umfasst bisher drei Händler in Deutschland und einen direkt an der Schweizer Grenze bei Basel, was für Interessenten eine gute Basis für Beratung, Verkauf und Service bietet – auch wenn die Marke in Deutschland noch vergleichsweise jung ist.












