Das 24-h-Rennen am Nürburgring ist legendär und für mich und hunderttausende andere Motorsportbegeisterte jedes Jahr ein Pflichttermin. Irgendwie ist es jedes Jahr auf's neue wie Heimkommen, wenn man zwischen wummernden Bässen, Grillgeruch und knatternden Generatoren gemeinsam mit den bekannten Gesichtern am Lieblingsstreckenabschnitt Stellung bezieht.
Die verrücktesten Lager am Nürburgring
In meinem Fall halte ich dem Streckenabschnitt "Brünnchen", einer der Partyhochburgen, seit über 20 Jahren die Treue, auch wenn es mich zum Campen mittlerweile auf die ruhigere Wiese gegenüber der angrenzenden Straße verschlagen hat. Eine Besonderheit beim Festivalcamping am Ring ist die Materialschlacht, die bereits eine Woche vor dem Rennen neben der Strecke beginnt. Mit mehrstöckigen Baugerüsten, lagerfeuerbeheizten Swimmingpools und allerlei kreativen Konstruktionen sowie riesigen Musik-, Stromerzeugungs- und Lichtanlagen bereiten sich die Fans feuchtfröhlich auf das Mega-Rennevent vor.
Auf der Wiese gegenüber dem Brünnchen gibt es zwei größere Fangruppen. Zum einen lassen "die Holländer" jedes Jahr die Sau raus, die mit einem riesigen Aufblas-Maskottchen das Dach ihres 40-Tonnen-Party-Sattelschleppers schmücken. Direkt daneben ist das Revier der "Kiesbettschlampen", die mit eigenem Bierwagen, weithin sichtbarem Fahnenmast und einem riesigen Baustellen-Starkstromgenerator groß auffahren.

Einmal im Jahr lassen „Die Holländer“, wie die Fangruppe im Brünnchen heißt, die Sau raus, bzw. aufs Dach ihres Party-Sattelzuges.
Meine Vorbereitungen bestehen in diesem Jahr darin, den Dauertester mit einem Fernsehhalter, einem Smart-TV sowie einem mobilen Router und einer mobilen Sat-Anlage auszustatten. Durch die Wetterprognose mit viel Regen und teils einstelligen Temperaturen will ich das Rennen auch im Fernsehen schauen können, wenn es draußen zu ungemütlich wird. Für die gemütlicheren Stunden wandern mit dem Kampa Mod 250 ein großes Zelt und ein mobiler Gas-Pizzaofen auf die Packliste. Zum Trimmen der Stützlast wandern letztere in die Sitztruhen der Hecksitzgruppe. Dass dafür alle sperrigen Sitzpolster aus dem Weg geschafft werden müssen, ist ebenso schlecht gelöst wie die ungeschützt im Stauraum verlegten Heizungsrohre.
Ausverkauft: Wenn selbst Campingplätze knapp werden
Aufgrund des angekündigten Verstappen-Hypes – ein Formel-1-Weltmeister fährt schließlich nicht jedes Jahr mit – fahre ich bereits Dienstag statt Mittwoch vor dem Rennen an den Ring, da durch die Strahlkraft des Niederländers neue Zuschauerrekorde erwartet werden. Und tatsächlich heißt es kurz nach meinem obligatorischen Landschaftsbild am Hotel Hohe Acht gegen 11.00 Uhr: "Sorry, die für Camping notwendigen Event-Tickets sind restlos ausverkauft."
Damit hatte ich zwar nicht gerechnet, umdrehen ist nach knapp 340 Kilometern Anreise aber auch keine Option. Nach einigen Telefonaten findet sich dann aber doch eine Lösung und ich kann bei leichtem Nieselregen mein Lager für eine Woche Festivalcamping beziehen.

Just als die Sonne für einen Augenblick auftaucht, scheint die Tour zu scheitern. Zum Glück findet sich eine Lösung und der Bedarfscampingplatz kann bezogen werden.
Alltag zwischen Rennstrecke und Campingplatz
Bereits in der ersten Nacht erinnert mich das Bett daran, dass der De Luxe der Einsteigerklasse zuzuordnen ist. Die knautschig weiche Federkernmatratze gibt viel zu stark nach und vereitelt einen guten Schlaf für meine Gewichtsklasse. Ansonsten schlägt sich der 460 UFe gut. Die Heizung ist ausreichend dimensioniert und alle Wohnbereiche sind komfortabel geräumig. Einzig eine Schuhklappe vermisse ich recht schnell, da sich die matschigen Schuhe im schmalen Eingang stapeln. Für die Stromversorgung kommt eine Powerstation zum Einsatz, die mittels mobilem Solarpaneel jeden verfügbaren Sonnenstrahl einfängt. Da sich die Sonne allerdings nur äußerst selten blicken lässt, bin ich sehr dankbar, als mich mein Nachbar einlädt, mich mit an das Netz des Baustromgenerators zu hängen.
Während das Rennen Samstag um 16 Uhr startet, beginnen die ersten Camper schon mit den Abreisevorbereitungen. Die folgenden 24 Stunden ist der Nürburgring erfüllt vom leider nicht mehr ganz so brachialen Sound der Rennwagen (neue Gesetzgebung), die sich nicht nur durch die gesamte Nacht ein spektakuläres Rennen liefern.

Während auf der Strecke um Sekunden gekämpft wird, herrscht hinter dem Rennzaun ausgelassene Partystimmung unter den Petrolheads.
Max Verstappen als Zuschauermagnet
Eine Besonderheit der Rennserie ist die Kombination aus anspruchsvoller Strecke und verschiedenen Rennklassen, die mit insgesamt 161 gemeldeten Autos alle parallel fahren. Für Rennaction sorgen die permanenten Überholmanöver auf der engen Strecke, die sich durch das teils große Leistungsgefälle zwischen den Rennklassen ergeben. Max Verstappen mit der Startnummer 3 auf seinem Mercedes AMG wird seinem Ruf als einer der besten Fahrer jedenfalls mehr als gerecht und rettet seinen Boliden einmal spektakulär, als dieser nach einer Hügelkuppe Unterluft bekommt und droht, abzuheben. Erst ein technischer Defekt vereitelt, dass das Verstappen-Team aufs Sieger-Treppchen fährt.
Für mich heißt es am Rennsonntag nach dem Frühstück ebenfalls packen und mich in die schier endlose Schlange der Abreisenden einreihen. Kurz vor 16.00 Uhr steuere ich dann einen Rastplatz an und schaue mir den Rest des Rennens samt Zieleinlauf im Stream an. Auf der restlichen Heimfahrt genieße ich einmal mehr die genialen Zugfahrzeugqualitäten der aktuellen V-Klasse. Dank potentem Diesel, Allrad und Automatik fährt sie auch im Gespann wie auf Schienen und überzeugt mit fein regelnder Assistenz.










