Frankreich ist für Camper kein Geheimtipp – eher ein verlässliches Versprechen, das sich bei jeder Reise neu einlöst. Und das zu jeder Jahreszeit und auch in Zeiten von Engpässen auf den Camping- und Stellplätzen. Kaum ein anderes Land in Europa verbindet landschaftliche Vielfalt, funktionierende Camping-Infrastruktur und entspannte Reisekultur so selbstverständlich. Wer mit Reisemobil und Caravan unterwegs ist, findet hier nicht nur Ziele, sondern Möglichkeiten. Fünf Gründe, warum Frankreich zu den erklärten Lieblingszielen des Autors gehört.
1. Ein Land, fast ein Kontinent
Landschaftliche und klimatische Vielfalt
Von der Côte d’Azur bis in die Normandie, vom Elsass ins Katharerland, von der Dordogne nach Burgund oder weiter bis an den Atlantik: Frankreich fühlt sich weniger wie ein einzelnes Reiseland an, sondern wie ein kleiner Kontinent. Alpen und Pyrenäen begrenzen das Land, Vogesen und Zentralmassiv strukturieren es, dazwischen wechseln sich Wälder, Weinberge, Hochebenen und Küstenlinien ab. Und vergessen wir nicht Korsika, wo sich das Ganze in konzentrierter Form wiederfindet.

Der Natursteinbogen Pont d’Arc gilt als Pforte der Ardèche-Schlucht. Viele Campingplätze liegen in der Nähe.
Diese Vielfalt ist für Camper ein Geschenk. Wer möchte, kombiniert Wanderurlaub mit Badepause, Surfspot mit Kulturstadt, Bergpanorama mit Dorfromantik. Dazu kommen Regionen, die erstaunlich dünn besiedelt sind – ein Nebeneffekt des französischen Zentralismus mit dem Fokus auf der Hauptstadt Paris. In der Provinz viel Raum für Natur, Ruhe und jene Zwischenstopps, die man nicht geplant hat, aber behalten möchte.
Städte wie Paris, Marseille oder Bordeaux setzen urbane Kontrapunkte, viele kleinere Orte punkten mit hervorragend erhaltener historischer Bausubstanz. Museen sind oft modern aufbereitet, Audioguides – nicht selten auch auf Deutsch – machen Kultur niedrigschwellig zugänglich. Und klimatisch? Ganz im Süden am Mittelmeer mild genug zum Überwintern, in der Bretagne und Normandie selbst im Hochsommer angenehm frisch, in den Bergen schneesicher. Frankreich passt sich an – nicht umgekehrt.
Tipp: Die Region Dordogne bietet eine beeindruckende Mischung aus Geschichte und Natur. Ein besonders schöner Ort ist Sarlat-la-Canéda, ein hervorragend erhaltenes mittelalterliches Städtchen, das für seine Gastronomie und Märkte berühmt ist.
2. Stellplätze in Serie
Ausgezeichnete Infrastruktur für Camper
Frankreich ist das Land der Camper-Infrastruktur; in keinem anderen europäischen Land gibt es so viele Stell- und Campingplätze. Rund 11.000 Campingplätze bilden das Rückgrat, ergänzt durch Tausende Stellplätze, die als Aire de Service oder schlicht Aire bezeichnet werden. Diese Vielfalt ist kein Zufall, sondern Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung mit reisenden Gästen.

Camping Sandaya – Le Soleil Vivarais: Die Poolanlage des Camps umfasst Rutschen sowie einen Wasserfall.
- Besonders charakteristisch sind die kommunalen Camping municipal: meist überschaubar, funktional ausgestattet, selten spektakulär – aber zuverlässig, gepflegt und oft angenehm gelegen.
- Wer mehr Komfort sucht, findet ihn ebenso: vom naturnahen Platz bis zum Fünf-Sterne-Resort. Ein vorbildlicher Service ist das Village-Étape-System, das Orte in Autobahnnähe als camperfreundliche Zwischenstopps ausweist – inklusive Stellplatz und entsprechender Beschilderung.
- Das Netzwerk Camping-Car-Park wächst in den letzten Jahren kontinuierlich und festigt einen definierten Ausstattungsstandard.
Der größte Vorteil dieser Infrastruktur: Spontanes Reisen ist möglich. Auch in der Saison findet sich meist noch eine Ausweichmöglichkeit. In Hotspots – etwa im Hochsommer an der Mittelmeerküste – kann es natürlich gleichwohl eng werden. Doch oft genügt ein kleiner Schlenker ins Hinterland, und die Lage entspannt sich spürbar.
Tipp: Auch wenn Paris ein städtischer Hotspot ist, ist es gut mit dem Camper zu erreichen. Die Stadt bietet nicht nur viel Kultur und Geschichte, sondern auch viele praktische Stellplätze.
3. Günstig Campen
Moderate Preise und faire Alternativen
Das große Angebot wirkt preisdämpfend – ein einfacher, aber wirkungsvoller Zusammenhang. Frankreich gehört zu den camperfreundlichsten Ländern Europas, auch finanziell. Übernachtungspreise von rund 15 Euro auf kommunalen Plätzen sind keine Ausnahme, sondern vielerorts Normalität.

Direkt am Col du Lautaret liegt der Wohnmobilstellplatz Parking in Villar-d'Arène 2052 Meter über Normalnull. Hier gibt es Höhenluft, ruhige Einsamkeit und atemberaubende Alpenblicke.
Selbst hochwertige Campingplätze bleiben im europäischen Vergleich preislich moderat. In der Nebensaison sind Übernachtungen auf Fünf-Sterne-Anlagen für unter 30 Euro durchaus realistisch. In der Hauptsaison ziehen die Preise logischerweise an, doch Alternativen sind meist nicht weit.
Eine lange Tradition in Frankreich hat France Passion. Das Netzwerk verbindet Reisemobilisten mit landwirtschaftlichen Betrieben: Winzer, Bauernhöfe, Käsereien und andere. Zwei bis drei Stellplätze, meist ohne Infrastruktur, dafür mit direktem Kontakt zum Betrieb und seinen Produkten. Zusammen mit dem Buch, in dem alle angeschlossenen Betriebe aufgelistet sind, erwirbt man eine Vignette, die zur kostenfreien (oft einmaligen) Übernachtung bei den Betrieben berechtigt. Authentischer lässt sich Frankreich kaum erleben.
Tipp: Die Bretagne bietet nicht nur wunderschöne Küstenlandschaften, sondern auch eine reichhaltige Geschichte, die in den Städten wie Saint-Malo oder Quimper lebendig wird.
4. Pausen mit Niveau
Saubere Raststätten und praktikable Parkmöglichkeiten
Zur Reisekultur gehört mehr als der Übernachtungsplatz. Frankreich punktet auch dort, wo andere Länder Schwächen zeigen: bei Raststätten und Parkflächen. Autobahnrastplätze sind häufig ansprechend gestaltet, Pausen werden nicht zur Pflichtübung, sondern zur willkommenen Unterbrechung. Und ja: Die Sanitäranlagen sind in der Regel sauber und gepflegt – ganz im Gegensatz zu manch öffentlicher Autobahnparkplatz-Toilette in Deutschland, die oft in einem so gruseligen Zustand sind, dass man das bordeigene WC mit Freuden vorzieht.
Auch abseits der Autobahn finden Camper oft geeignete Parkmöglichkeiten. In vielen Orten gibt es am Rand größere Flächen, die das Abstellen von Reisemobilen ermöglichen – außerhalb der Hochsaison nicht selten kostenfrei. Übernachten ist dort meist nicht erlaubt, aber für Stadtbesuche oder Besorgungen sind diese Parkplätze Gold wert.
5. Essen wie Gott – auch auf vier Rädern
Kulinarische Vielfalt, regional und zugänglich
Essen wie Gott in Frankreich – das ist nicht ohne Grund ein geflügeltes Wort. Die kulinarische Vielfalt des Landes ist eng mit seinen Landschaften verknüpft. Flammkuchen im Elsass, Austern in der Bretagne, Crêpes und Galettes an der Atlantik-Küste, frischer Fisch entlang des Mittelmeers. Dazu weltberühmte Käsesorten, Trüffel aus dem Périgord, einfache, ehrliche Küche auf dem Markt – und eine Qualität, die auch ohne Sternedekor überzeugt.

Der französische Käse ist wohl die bekannteste Spezialität des Landes.
Für Camper bedeutet das: kurze Wege zu guten Produkten. Wochenmärkte, Hofläden, kleine Bäckereien – oft reicht ein Spaziergang vom Stellplatz. Wer möchte, kocht selbst auf hohem Niveau. Wer nicht, findet fast überall eine Brasserie, die regionale Klassiker serviert. Frankreich macht es einem leicht, gut zu essen – und schwer, sich zu beschweren.
Tipp: In der Provence kann man die besten regionalen Produkte direkt vom Markt kaufen – von Lavendel über Olivenöl bis hin zu frischen Tomaten. Besondere Highlights sind die Städte Aix-en-Provence und Avignon, die nicht nur kulinarische Spezialitäten bieten, sondern auch eine reiche Kulturgeschichte haben.





