Deutschland-Tour Heiko P. Wacker
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Campervan durch Deutschland: Von Süd nach Nord

Camping-Deutschlandtour von Süd nach Nord Ein VW-Caddy-Camper reist durch die Republik

Urlaub in der Heimat? Für manche ein Widerspruch, für andere die Garantie für erreichbare Sehnsuchtsorte – und so manche Überraschung. Wir haben mal nachgeschaut, vom Süden bis in den Norden. So habt ihr Deutschland noch nie erlebt!

Wir haben uns vorgenommen, den Camperhorizont vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt des Landes aufzuspannen. Klar, von Oberstdorf bis Sylt braucht es einen Tag, dann sieht man aber nix! Und deshalb ist nicht die schnellste, sondern die kürzeste Route mitten ins Herz der Nation unser Weg.

Gegangen wird der mit dem kleinsten California aller Zeiten, die Heckküche samt Gaskocher erlaubt dem Caddy gar eine Wohnmobilzulassung, während das formidable Bett über die umgelegte Sitzbank geklappt wird. Die indes ließen wir ob des Stauraums zu Hause. Mit dabei sein sollte dafür das optionale Glasdach, es macht den Caddy zum Hotel der tausend Sterne. So baut man Autos zum Leben!

Oberstdorf

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Kurz nach Oberstdorf halten wir in Immenstadt.

Wer eine Campingreise ganz im Süden der Republik beginnt, der startet indirekt in Kanada – denn von dort brachte "mein Schwiegervater, der Geiger Adolf", die Idee eines Stellplatzes nach Oberstdorf.

Das ist über 30 Jahre her, seitdem ist die Anlage gewachsen, "aktuell haben wir 200 Plätze", meint Christoph entspannt, während er die Tür zum Wasserkraftwerk öffnet. Mitten auf dem Areal dreht sich seit 1959 eine Turbine, "mit nur einer Revision", wie der Inhaber stolz verkündet. Ökostrom mit Tradition: Was ein guter Start in diese Tour!

Es sei denn, es regnet, in Oberstdorf schüttet es gar, wer das Dress im Stehen wechseln will, dem bleibt der Raum unter der Heckklappe. Dafür rollen wir dank Allrad lässig aus der Pfütze, die mal Wiese war, mit einem größeren Reisemobil ebenso undenkbar wie ein Parkplatz in Sonthofen. Wir sind mit Christian Walcher verabredet, dem Braumeister des Hirschbräu, seit 1657 wird eigenes Brunnenwasser zu einem köstlichen Gebräu veredelt, der dunkle "Holzar" ist echt süffig! Wir nehmen ein paar Flaschen mit. Für uns – und andere. Dazu später mehr.

Kempten & Neu-Ulm

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Anna Sophia Donderer in ihrer Rolle als charmante Etruskerin.

Via Immenstadt rollen wir gen Kempten, am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt in die Erasmus-Kapelle frei, die Gruft unterm St.-Mang-Platz bietet tiefe Einblicke. Das Untergeschoss der im 19. Jahrhundert abgerissenen Kapelle hat viel erlebt, es war Beinhaus wie auch Weinstube der Ratsherren, heute ist es dank der Bürger nicht verfüllt, sondern Ort einer feinen Dauer- und Multimediaausstellung. Bis in die Antike zurück blickt man in Cambodunum, der ältesten schriftlich erwähnten Stadt Deutschlands: Oberhalb des Zentrums von Kempten erhebt sich ein Tempelbezirk, heute ist er als Teilnachbau am originalen Ort zu besichtigen.

Wir haben Glück, just endet eine Veranstaltung, die hübsche Etruskerin Velia Seithi gestattet sich ein Lächeln und uns einen Schnappschuss der besonderen Art. Im Allgäu muss man immer mit allem rechnen, erst in Memmingen, dem "Tor zum Allgäu", verlassen wir die Region. Der kleine Cali bleibt stur auf Kurs, stetig rollen die Kilometer unter dem deutlich kommoderen Fahrwerk hindurch. Wir unterhalten uns beim "Done" über das Thema, in Neu-Ulm sitzt man lässig an der Schrebergartenkolonie: Pommesfans seien gewarnt, der Ulmer Spatz ist gerissen, schon manche Fritte wurde im Tiefflug abgegriffen!

Weiter nördlich bestimmt ein Schloss die Kulisse, der einstige Sitz der Hellensteiner dominiert Heidenheim an der Brenz, Fußballer kennen den schwäbischen Zweitligaverein. Und nachdem wir ja nun flotte 90 Kilometer durch Baden-Württemberg fuhren, rollen wir zurück nach Bayern, direkt in die "gute alte Zeit", die Touristen in Rothenburg ob der Tauber zu finden hoffen. Ehrlich, sie werden selten enttäuscht!

Würzburg – immer eine Empfehlung

Nicht minder beliebt: Würzburg! Wer kann, der gönnt sich ein Gläschen auf der Mainbrücke, zudem ist hier der Bocksbeutel zu Hause. Die coole Flasche ist derart begehrt, dass in der "Bürgerspital Weinstuben" darauf verwiesen wird, die mundgeblasenen Schmuckstücke im Haus zu belassen. Es sei denn, man erwirbt die erlesenen Tropfen zur Mitnahme, die bis 1316 zurückreichenden Ursprünge der Stiftung machen staunen, bis heute wird der soziale Gedanke des Patriziers Johann von Steren gepflegt, das eigene Weingut zählt zu Deutschlands ältesten. Wir genießen feine Küche und große Historie – und sind zufrieden.

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Bernd Düker treffen wir auf dem Campingplatz Rhönperle, hier reist ein Lebemensch in der „Hektik“ der Fruchtfolge.

Das ist auch Bernd Düker, just gönnt er sich ein Bier vorm Bauwagen, der an einem 1980er-Renault hängt, einem Traktor freilich. "Irgendwann hab ich gemerkt, dass mir meine Heimat dann doch am besten gefällt. Wir haben ein wunderschönes Land, eine phantastische Gastronomie – und deshalb gibt es im Bauwagen auch höchstens mal ein Frühstück oder eine Brotzeit." Er streckt die Füße aus: "Wenn ich mit dem Gespann unterwegs bin, dann steht der Genuss im Vordergrund – das passt auch zum Konzept einer langsamen Reise."

Er hätte mit seinem Trecker keine Probleme, zum Mittelpunkt Deutschlands vorzudringen, und auch unser Allrad-Caddy würde es über die Wiesen bis zur Steinstele schaffen, die geographische Zentralstelle unseres Landes. Aber das gehört sich nicht, die 300 Meter bewältigen wir auch so, doch erst kurz vor dem Ziel nahe dem Dörfchen Besser kündigt ein Schild die stille Sensation an. Der Stein steht einsam auf einer Wiese, die freilich auch mal nass sein kann.

Dr. Wolfs Wunderkammer

Also Schuhe abwischen! Für Hann. Münden wollen wir stadtfein sein, Dr. Wolfs Wunderkammer erwartet uns mit einer Melange des Verwunderlichen, das einzigartige Museum ist ein Gesamtkunstwerk mit wohl 2000 Objekten im alten Fachwerkhaus von 1734. Staunen ist garantiert, "ich wundere mich wieder" steht auf einem Button an der Wand, Dr. Wolf, Universal-Dilettant, integrales Objekt und Teil des Inventars trägt den Button selbst. Wer eintritt, der kann nicht wissen, was ihn erwartet, das Innere ändert sich stetig. Alte und moderne Artefakte des Alltags sind wunderbar in kontextuelle Beziehungen gesetzt, rote Fäden pfeilen durch die Räume, die sich der Tradition herrschaftlicher "Wunderkammern" verpflichtet sehen. Unser Tipp: Reingehen, staunen!

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Wundern erwünscht! Dr. Wolfs Wunderkammer.

Raufgehen wiederum sollte man die 238 Stufen, um St. Johannis in Göttingen zu besuchen: Nachdem der letzte Türmer 1921 aus seiner Wohnung ausgezogen war, lebten auf den rund 50 Quadratmetern Studenten, mietfrei wohlgemerkt, dafür musste Besuchern samstags die Tür geöffnet werden, welch Lokalkolorit! "Leider war die Geschichte der wohl höchsten Studenten-WG nach einer Brandstiftung zu Ende", bedauert Jörg Scharmach, der uns Stadt und Turm zeigt. Heute befindet sich eine Kapelle in den beiden Stockwerken, zudem wird samstägliches Turmblasen geboten.

Zielstrebig nach unten geht es hingegen immer wieder für die vier Tonnen wiegende Mintrop-Kugel, regelmäßig fällt die gewaltige Stahlmurmel in den Muschelkalk, um künstliche Beben zu erzeugen. Vor mehr als hundert Jahren wurde in Göttingen die moderne Geophysik begründet, heute ist die Wiechert’sche Erdbebenwarte eine voll funktionsfähige seismologische Messstation und ein begehbares Technikmuseum zugleich.

So vehement sich die Stahlkugel in den Boden bohrt, so leicht kommt das Fagus-Werk in Alfeld daher, der Glasbau ist nicht ohne Grund Weltkulturerbe: Erstaunlich, welchen Mut der Unternehmer Carl Benscheidt an den Tag legte, als er Walter Gropius 1911 bat, eine Fabrik zu errichten, wie es sie noch nicht gegeben hatte. Mit einer Vorhangfassade! Das Ensemble scheint regelrecht zu schweben.

Stadtführung in Hildesheim

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Hildesheim, Mariendom, hier wächst auch die „tausendjährige Rose“.

Das gilt auch für die Bernwardtür im Dom zu Hildesheim, "dabei wiegt dieses Bronzekunstwerk zwei Tonnen", erklärt Annegret von Loeben, die uns später durch die Stadt und zunächst durch die Bischofskirche, eine der ältesten Deutschlands, führt. Baugeschichtlich geht sie bis ins 11. Jahrhundert zurück, die 4,72 Meter hohen Türflügel wurden 1015 in Auftrag gegeben, noch heute lassen die Reliefs staunen. Man verliert sich in den 16 Feldern zur biblischen Heilsgeschichte – doch das Dommuseum wartet, Evelyn Otto kennt die Sammlung in allen Facetten. Schätze, die bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, wie das "Gründungsreliquiar", oder Gold- und Silberarbeiten aus dem 17. und 18. Jahrhundert werden in würdigem Ambiente gezeigt.

Doch auch die Moderne hat ihren Platz, vor zehn Jahren begann der Umbau des Museums, "es sollte mehr an den Dom gerückt werden", erklärt Evelyn Otto, während sie auf die faszinierenden Blickachsen hinweist. Doch auch die Innenstadt ist eine Reise wert: Am Markt jubiliert das Fachwerk rund ums Knochenhaueramtshaus, das Gildehaus der Fleischer erfuhr einen glücklichen Wiederaufbau.

Gerne würden wir noch bleiben, doch unser Caddy will kurz nach Hause, Hannover liegt auf der Route, das "Kunden Center" in sonntäglicher Ruhe. Weil wir aber nett gefragt haben, dürfen wir auf den Vorplatz rollen – und endlich mal hab ich den Spielplatz-Bulli für mich alleine. (Nein, ich hab nicht vor, je erwachsen zu werden!) Wobei wir ehrlicherweise gestehen müssen: Der Caddy wird in Poznan gefertigt. Trotzdem ist die Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover zu Hause, seitdem die Bulli-Fertigung 1956 an der Leine begann, nachdem Wolfsburg der Nachfrage nach Käfer und Transporter nicht mehr gewachsen war.

Altes Land

Doch zieht es uns nicht nach WOB, sondern nach HH, via Tunnel queren wir die Elbe, im Alten Land laufen die Vorbereitungen für die Apfelernte. Wir allerdings werden von Alexander Buck bei "W.A.T.T. Craft Beer" erwartet, das steht für Wolle, Alex und zwei Jungs namens Thomas, zu viert produziert die lokal verwurzelte Brauerei gut 4000 Liter im Jahr. Experimentierfreudig entstehen immer mal neue Sorten, der Absatz geschieht über Hofläden und Kneipen, auch der Durst der Laufkundschaft sollte nicht unterschätzt werden. Fürs Foto stellen wir zudem jene Flaschen mit auf den Tisch, die uns Christian Walcher mit auf den Weg gab. Rund 900 Kilometer durften sie im Caddy durch die Nation gondeln, gern geschehen! Die Brauer des Nordens wollen den hopfigen Gruß aus dem Süden in trauter Runde genießen. "Prost – und Danke", meint Alexander.

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Ein kultiger Bulli ist auf dem Autozug noch auf Sylt keine Seltenheit.

Wir indes schauen nach Norden, der Zug bringt uns nach Sylt, stilecht reisen wir ob der Bauhöhe des Caddy auf dem Oberdeck. Lässig im Auto sitzend rollen wir durch die See, stoisch gelassen schauen uns die Kühe nach. Quirliger? Westerland! Es ist Saison, die Insel brodelt! Die Straßen sind voll, die Restaurants am Abend auch, am Strand sonnen sich die Menschen. Wie paradox! Das beste Wetter bietet die Reise zum Ende, abends spazieren wir noch eine Weile am Strand, es wird still überm Sand. Wind, Meer und die Möwen liefern den passenden Soundtrack, um die Fahrt nun ausklingen zu lassen.

Reise-Resümee auf dem Campingplatz

Auf dem Morsumer Campingplatz erwartet uns Christian Jürgensen, die coole Socke will wissen, was wir alles erlebt haben. Und so berichten wir von Männern mit Turbinen und Bier-Enthusiasten aus Süd und Nord. Wir erzählen von der charmanten Etruskerin und der Studi-WG im Turm. Es fällt die Mintrop-Kugel und der Autozug startet, wir schwärmen von Hildesheim, dem Fagus-Werk, dem Spielplatz-Bulli und natürlich von Dr. Wolf. Und so merken wir, wie vielschichtig die Reise war, prall und ungeheuer fett! "Das wird doch Wochen dauern, das alles zu begreifen", meint Christian. Jupp, wird es. Wie schön ist das!

Epilog: Spät in der Nacht wache ich kurz auf und sehe durchs Panoramadach gleich zwei Sternschnuppen. Und während ich wieder einschlafe, da denke ich mir, dass die über ein ziemlich spannendes Land fliegen. Sollte man mal hinfahren...

Stell- und Campingplätze der Deutschland-Tour

Wohnmobilstellplatz Oberstdorf 87561 Oberstdorf (D) 112 Bewertungen 15 EUR/Nacht
Camping am See International 87740 Buxheim (D) 2 Bewertungen 28 EUR/Nacht
Campingplatz Tauberromantik 91541 Rothenburg ob der Tauber (D) 8 Bewertungen 26,70 EUR/Nacht
Campingplatz Rhönperle 97786 Motten (D) 8 Bewertungen 26 EUR/Nacht
Stellplatz an der Spiegelburg 34346 Hann. Münden (D) 4 Bewertungen 21 EUR/Nacht
Regenbogen Camp Dransfeld 37127 Dransfeld (D) 1 Bewertung 33 EUR/Nacht
Campingpark Humboldt See 31020 Salzhemmendorf (D) 2 Bewertungen 25 EUR/Nacht
Campingplatz Bergmühle 31188 Holle (D) 5 Bewertungen 17,50 EUR/Nacht
CampingOase Eider 25779 Hennstedt (D) 2 Bewertungen 19,50 EUR/Nacht
Camping am Mühlenhof 25980 Sylt (D) 3 Bewertungen 23 EUR/Nacht

Fazit

Eine Reise durch Deutschland lohnt sich! Viele Stops mit zum Teil unerwarteten Highlights zeigen: Im Micro-Camper, hier ein VW Caddy, lassen sich hervorragende Roadtrips machen.

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