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Wohnmobil-Tour an der unteren Elbe

Das Alte Land zwischen Hamburg und Cuxhaven

Untere Elbe Altes Land Stade Foto: Thomas Zwicker 32 Bilder

Das Ufer der unteren Elbe ist eine wunderschöne Landschaft. Ihr Zentrum, das Alte Land, gilt als Deutschlands Obstgarten Nummer eins. Bericht von einer geruhsamen Tour stromabwärts mit dem Wohnmobil.

Der große Strom rauscht sozusagen direkt neben unserem Bett vorbei, riesige Seeschiffe ziehen am Fenster des Wohnmobils entlang, kleine Yachten tuckern stromaufwärts. Auf dem Stellplatz von Grünendeich in der Samtgemeinde Lühe wohnen wir nur ein paar Meter von der Elbe entfernt, bei Hochwasser kriegt man hier dem Vernehmen nach nasse Füße. Direkt nebenan liegt ein Parkplatz für Motorräder samt etlichen Kiosken, da kann es auch schon mal etwas lauter werden. Wenig Schatten, kaum Grün, die Sani-Station ein Stück weit entfernt – dieser Platz ist keine pure Idylle, dafür bietet er die volle Packung Elb-Feeling. Und wir sind hier mitten im Alten Land, dem Sahnestück auf unserer Tour stromabwärts von Hamburg in Richtung Cuxhaven.

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Obstanbau und Bienenvölker

Untere Elbe Altes Land Äpfel Foto: Silke Tokarski

Ein paar Kilometer entlang der Elbe oder landeinwärts spaziert oder geradelt, schon reiht sich ein bildschöner Obsthof an den anderen. Um Obstanbau dreht sich eigentlich alles hier an der unteren Elbe und speziell im Alten Land. Diese rund 170 Quadratkilometer große Region am linken Flussufer zwischen Hamburg und Stade gilt als größter Obstgarten der Republik. Jeder dritte deutsche Apfel stammt von dort, zudem werden Kirschen, Birnen und Pflaumen angebaut. Zwischen den kleinen Dörfern, Deichen und Wasserläufen ziehen sich endlose Baumreihen, und wenn Ende April, Anfang Mai die rosa-weiße Blüte beginnt, so ist das ein zauberhafter Anblick. Alljährlich wird dann auch die Blütenkönigin gekrönt.

Die Bestäubung der Pflanzen ist ein logistischer Kraftakt, viele tausend Bienenvölker werden dazu eigens ins Alte Land gebracht. Wann genau sich die Natur so prachtvoll entfaltet, kann man am „Blütenbarometer“ des Tourismusvereins Altes Land online ablesen. Im Herbst werden dann als Lohn alleine gut 300.000 Tonnen Äpfel geerntet, allen voran die leckere Sorte Elstar.

Ein Besuch im Alten Land lohnt aber nicht nur zur Blüte- und Erntezeit. Die mehr als 600 Obstbauern öffnen ihre Tore oft und gerne für Urlauber. In ihren Hofläden werden außer Früchten auch Marmelade, Spirituosen, selbstgebackener (Apfel-)Kuchen, Souvenirs oder sogar schon mal Altländer Trachten verkauft. Man kann Rundfahrten per Bimmelbahn zu den schönsten Höfen und Fachwerkhäusern machen mit ihrem weißen Gebälk, roten Gestein und ihren reich verzierten „Brauttüren“ oder auch eine Apfelbaum-Patenschaft eingehen – der Baum wird dann mit eigenem Namen gekennzeichnet und die Ernte im Herbst in Empfang genommen, meist bei einem zünftigen Hoffest.

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Untere Elbe: Von Hamburg nach Cuxhaven

Begonnen hat unsere Tour in Hamburg, und auch dort steht das Wohnmobil erste Reihe Mitte direkt an der Elbe – der Stellplatz am Strand Pauli ist laut, teuer und bar jeder Serviceleistung, dafür liegt er unschlagbar zentral. Links Landungsbrücken, rechts Fischauktionshallen, vor der Nase Hafen und Werft und die U-Bahn-Station nur einen Katzensprung entfernt. Damit sind blitzschnell alle Highlights der Hansemetropole erreicht, das fängt bei Alster, Jungfernstieg und der frisch eröffneten Elbphilharmonie an und hört mit der nahegelegenen Reeperbahn noch lange nicht auf.

Nicht so spektakulär, aber ebenfalls eine ausgiebige Besichtigung wert sind die kleineren Ziele elbabwärts. Buxtehude zum Beispiel, Märchenstadt mit malerischem Fleth im historischen Zentrum und Hase-und-Igel-Brunnen zu Ehren des hier spielenden alten Volksmärchens. Jork mit seiner zipfelmützigen Kirche und einer Holländer-Windmühle namens Aurora, quasi Hauptort des Alten Lands. Das kleine Twielenfleth und andere Dörflein direkt an den langen grünen Elbdeichen, auf denen hunderte Schafe als genügsame Rasenmäher unermüdlich im Einsatz sind und dafür sehr viel Ansehen bei den Altländern genießen.

Die alte Hansestadt Stade, einst wichtiger und reicher als Hamburg, ist unbedingt einen ganzen Tagesbesuch wert – man steht gut auf dem ruhigen und günstig gelegenen Stellplatz am Schiffertor, gelangt in wenigen Minuten ins Zentrum. Speist dort vortrefflich in den gastlichen Stätten rund um den alten Hansehafen, spaziert dann vielleicht auf der Denkmalroute zu den historischen Bauten und Museen, etwa zum Schwedenspeicher.

GLÜCKSTADT Mit seinen 12 000 Einwohnern ist dieser Ort schon wegen des hübsch umbauten Marktplatzes ein architektonisches Kleinod Foto: Silke Tokarski, Thomas Zwicker

Vom Norden zurück in den Süden

Weiter nach Norden geht es am nächsten Tag durch schöne Orte wie Wischhafen und Neuhaus mit der Wissenschafts-Ausstellung Natureum. Oder man nimmt die schnellere B 73, macht vielleicht Pause in Wingst mit dem großen Zoo oder später in Otterndorf samt Grünstrand, Sole-Therme und historischem Zentrum. Am Badeort Cuxhaven mit markanter Kugelbake, großem Fischereihafen und langen Stränden mündet der Fluss dann in die Nordsee.

Von dort setzt auch eine große Elbfähre in rund 90 Minuten über ans rechte Elbufer nach Brunsbüttel (Mobil samt allen Insassen 30 bis 50 Euro), eine schöne Fahrt über den großen Strom. Richtung Süden kann es nun via Glückstadt nach Hamburg zurückgehen. Wir aber verbleiben am linken Ufer und hängen noch ein paar Tage im Alten Land dran – leise, aber heftig haben wir uns nämlich in Deutschlands größten Obstgarten verliebt.

promobil-Tipps für eine Wohnmobil-Tour durchs Alte Land

Unterwegs auf dem Elberadweg

Auf dem Elberadweg sind Steigungen Mangelware. Foto: Silke Tokarski, Thomas Zwicker

Mehr als 800 Kilometer weit erstreckt sich der Elberadweg entlang des großen Stroms quer durch Deutschland, und die finalen Etappen führen ab Hamburg auf beiden Seiten des Flusses bis hinunter nach Cuxhaven. Von den Stellplätzen der Region ist es nie weit bis zum nächsten „Einstieg“ in das Wegenetz – die einzelnen Teilabschnitte sind auf der Webseite www.elberadweg.de als Karte dargestellt und beschrieben. Dazu gibt es Infos zu Punkten wie Gastronomie, Radservicestationen, Sehenswürdigkeiten, zu Fährbetrieben, Streckeneinschränkungen und mehr. Also: Das Wohnmobil einfach mal stehen lassen und einen oder mehrere Tage mit dem Stahlross zwischen Obsthöfen, Deichen und schönen Orten am Fluss entlangradeln – es lohnt sich.

Elbinsel Lühesand

Eine Insel im Fluss: Lühesand ist gut drei Kilometer lang, bis zu 700 Meter breit und mit einer winzigen Fähre zu erreichen – ein wahres Idyll. Auf dem stillen Eiland liegen ein beliebtes Gasthaus und ein Campingplatz vornehmlich für Dauercamper. Wer sich als Tagesbesucher bei Sonnenuntergang nicht von der Insel losreißen mag, kann auch einen Caravan vor Ort mieten – oder das eigene Wohnmobil nach Anmeldung mit der Fähre übersetzen lassen. www.luehesand.de

Die Region des Alten Landes im Überblick

Sechs Richtige rund um die untere Elbe

Am Elbufer ganz im Norden der Republik locken nicht nur Natur und Ruhe, sondern auch Orte und Städte von unterschiedlichstem Charakter. Sechs besonders schöne stellen wir hier kurz vor – jede ist einen Besuch wert.

1) Cuxhaven: Hier ist das Wasser allgegenwärtig: Das Heilbad mit seinen langen Grün- und Sandstränden liegt direkt an Nordsee und Elbe. 49.000 Menschen leben in der schönen Stadt am nördlichsten Punkt Niedersachsens. Nicht verpassen: einen Ausflug auf die vorgelagerte Insel Neuwerk, um Bernsteine zu finden.

2) Otterndorf: Die rund 7.300 Einwohner zählende, kleine „Grüne Stadt am Meer“ bietet einen historischen Kern, die Sole-Therme, einen Pony-Express für gemütliche Rundfahrten und den schönen Campingplatz „See Achtern Diek“. Vom nahen Deich lassen sich gut die Weite der Elbmündung und die großen Schiffe bewundern.

3) Glückstadt: Mit seinen 12.000 Einwohnern ist dieser Ort schon wegen des hübsch umbauten Marktplatzes ein architektonisches Kleinod – dort finden auch die beliebten „Glückstädter Matjeswochen“ statt. 2017 wird außerdem das 400-jährige Bestehen des Orts gefeiert. Im Hafen liegt das Segelschulschiff „Rigmor“.

4) Stade: Die historische Handelsstadt mit ihren 46.000 Einwohnern liegt am Rand des Alten Landes. Der einstige Reichtum lässt sich an den schönen Bürger- und großen Speicherhäusern erkennen. Es locken viele sehenswerte Museen und Ausstellungen, etwa der Schwedenspeicher oder das Museumsschiff Greundiek.

Untere Elbe Altes Land Hamburg Foto: Thomas Zwicker

5) Hamburg: Cruise Days, Hafengeburtstag, „Hamburger Dom“ – zu jeder Jahreszeit platzt der Veranstaltungskalender aus allen Nähten. Highlight der 1,8-Millionen-Einwohner-Metropole ist neben Alster und Hafen natürlich die jüngst eröffnete Elbphilharmonie mit großer Aussichtsplattform und tollem Spielplan.

6) Buxtehude: Die rund 40.000 Einwohner zählende „Märchenstadt“ zwischen Hamburg und Altem Land bietet ein historisches Zentrum mit schönen Fachwerkhäusern und der St.-Petri-Kirche aus der Hansezeit. Auf dem romantischen Fleth im Zentrum liegt auch das alte Plattboden-Frachtschiff „Ewer Margareta“.

Information

Nützliche Informationen zu Orten, Attraktionen, Veranstaltungen, Obstanbau und Naturhighlights rund ums Jahr am linken Ufer der Elbe finden sich u. a. auf der Seite vom Alten Land.
 
Die Website des Holsteinischen Tourismusverbands liefert Infos über die Region am rechten Ufer der Elbe rund um Glückstadt.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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