Nicht jedes Freizeitfahrzeug kommt ab Werk mit moderner Bordsteuerung. Gerade in Einsteiger- und Mittelklasse bleibt es oft bei einfachen LED-Anzeigen für Wasserfüllstand und Batterieladezustand. Herstellerlösungen mit Smartphone-Steuerung (z. B. Hymer, Hobby) sind bisher eher die Ausnahme.
Für viele Modelle sind nachrüstbare Steuerungssysteme deshalb eine interessante Option: Sie ersetzen das vorhandene System oder erweitern dessen Funktionsumfang.
So funktionieren Nachrüstsysteme (kurz erklärt)
Im Kern bestehen diese Systeme aus:
- Zentralrechner/Steuerzentrale: Hier laufen die Daten verschiedener Sensoren zusammen.
- Sensoren: Erfassen Zustände wie Füllstände, Temperaturen, Spannungen etc.
- Aktuatoren/Stellglieder: Setzen Steuerbefehle um (z. B. Lampe schalten).
- Anzeige & Bedienung: Je nach System über Panel, Tablet oder Smartphone.
Die Daten werden nutzerfreundlich dargestellt (z. B. Kacheln, Werte, Warnungen). Befehle laufen umgekehrt zurück zur Zentrale und werden dort in Schaltaktionen übersetzt.
Drei Nachrüstsysteme im Vergleich: Was kann welches?
1. Camper Jarvis (Newcomer mit "Smart-Knob")

Fällt der Smart-Knob aus, übernimmt eines der Module den Job als Steuerzentrale.
Camper Jarvis ist noch ein recht neues System. Auffällig ist vor allem das Bedienkonzept:
- Zentraleinheit als "Smart-Knob": Anzeige und Steuerung in einem Drehknopf.
- Haptisches Feedback am drehbaren Außenring (einstellbar).
- Warnungen über LED-Ring im Sockel und auf einem 1,43-Zoll-Display.
- Smartphone-Steuerung: Browser- und Bluetooth-basiert.
- Kabellose Verbindung zwischen Modulen (weniger Verkabelungsaufwand).
- Smarte Automationen möglich: z. B. Kühlschrank wird automatisch kälter geregelt, wenn gerade viel Solarstrom verfügbar ist.
- Ausblick/Weiterentwicklung:
- Künftig soll das System auch Sicherheitsfunktionen bieten
- und mit "Matter Thread" (Smart-Home-Standard) kompatibel werden.
Kernidee: Moderne, kompakte Bedienzentrale + Funkmodule + Automations-Potenzial.
2. Revotion (System aus "Brain" + vielen "Nodes")

Die übersichtliche Kachel-Optik lässt sich dabei ganz nach Belieben zusammenstellen und frei anordnen.
Revotion setzt auf ein stark modular aufgebautes System:
- "Brain" = Steuerzentrale
- "Nodes" = Funktionselemente (Sensoren oder Schaltrelais)
- Pro Gerät/Funktion an Bord, das gesteuert oder ausgelesen werden soll, wird ein Node zugewiesen.
- Nodes kommunizieren drahtlos mit dem Brain.
- Anzeige/Bedienung zeitgemäß auf Display, Tablet oder Smartphone.
- Bedienpanels: je nach Einbausituation 4 Zoll oder 8 Zoll.
- Stärke: sehr große Vielfalt an Nodes entsprechend viele Einsatzmöglichkeiten.
- Optik/Interface: übersichtliche Kachel-Optik, die sich frei zusammenstellen und anordnen lässt.
- Preis: Basis-Set startet bei ca. 1.000 Euro.
Kernidee: Sehr viele Module + flexible Darstellung gut, wenn man viel integrieren will.
3. E‑Trailer (App-only, günstiger Einstieg, einfache Installation)

Seit fast zehn Jahren auf dem Markt, ist die Anzahl an verfügbaren Modulen und Funktionen stetig gewachsen.
E‑Trailer funktioniert ohne eigenes Display und wird komplett per Handy oder Tablet bedient. Das System ist seit fast zehn Jahren am Markt und kommt bei einigen Caravan- und Reisemobilherstellern "inkognito" zum Einsatz (als Basis von Herstellersystemen im Hintergrund).
Die zentrale Einheit bietet bereits:
- Wasserwaagefunktion
- Spannungsüberwachung
- in der Plus-Variante: Positionsbestimmung
- Nahfeld-Steuerung per Bluetooth.
- Fernzugriff (Internet): Wer ortsunabhängigen Zugriff will, muss 70 Euro/Jahr für Internetanbindung einplanen.
- Vorteile laut Text:
- simple Installation
- niedriger Einstiegspreis ab 250 Euro
- Erweiterungen/Module möglich:
- Tankfüllstände
- Reifendrucküberwachung
- Temperaturfühler
- Sicherheitssensorik
Kernidee: Niedrige Einstiegshürde, schnell startklar, stark App-orientiert.
Weitere Systeme: Victron & Truma (eher Spezialisten)
Neben den drei Nachrüstlösungen haben auch Komponentenhersteller smarte Anzeigen/Steuerungen im Blick – oft mit Fokus auf ihren Kernbereich:
Victron Energy (Cerbo GX)
- Sehr stark bei Energieflüssen (z. B. Solar) und Batterieladeständen.
- Kann zusätzlich auch Tankfüllstände oder Temperaturdaten anzeigen.
- Einschränkung: Diese Daten müssen per Kabel am entsprechenden Eingang eingespeist werden.
Truma (I‑Net X Pro & Connect Box)
- Steuerungsmöglichkeiten entwickeln sich weiter.
- Ziel: Reisemobilhersteller sollen Funktionen, die früher separate Displays brauchten, im neuen Heizungsbedienteil bündeln:
- I‑Net‑X‑Pro-Panel (4,3 Zoll)
- Für Steuerung von unterwegs: I‑Net‑X‑Connect Box nötig.
- Mobilfunkverbindung wird nach zwei Jahren kostenpflichtig (Abo).





