Pflege der Dichtungen Andreas Becker, Ingolf Pompe, Dominic Vierneisel, Benjamin Köbler-Linsner
Pflege der Dichtungen
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Gummis reinigen und pflegen
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Pflege der Wohnmobil-Dichtungen

Wie Sie Ihre Gummiprofile pflegen und austauschen

Am Reisemobil finden sich viele Meter Gummidichtungen. Deren regelmäßige Reinigung und Pflege verlängert ihr Leben. Notfalls müssen sie auch mal getauscht werden. Beides kein Hexenwerk.

Die Erfindung von Gummi war ein Meilenstein. Nur ausgerechnet der Erfinder Charles Nelson Goodyear hat nie so richtig Kapital draus schlagen können. Zudem ist er an den Folgen der Forschung gestorben. Aber er hinterließ der Welt die Vulkanisation von Kautschuk und Schwefel zu einem elastischen und strapazierfähigen Material, das aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken ist. Den Reifenhersteller Goodyear gründete übrigens Frank Seiberling 1898 und benannte seine Firma zu Ehren des Erfinders der Vulkanisation.

Bei Campingfahrzeugen findet sich allerlei Gummi. Vor allem als Dichtung. 40 Meter sind schnell beisammen. Gummi ist elastisch und strapazierfähig, hat eine hohe Beständigkeit gegenüber Witterungseinflüssen. In der Herstellung lässt er sich je nach Einsatzzweck gut in seinem Härtegrad steuern.

Gummis reinigen und pflegen

Mit einfachsten Mitteln sind die Dichtungen gereinigt und wieder auspoliert. Tatsächlich empfehlen Hersteller einfach Wasser und Talkum. Spezielle Pflegemittel lassen sich besonders gut auftragen.

Reinigung mit Wasser

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Timo Großhans
Spezielle Reiniger sind nicht notwendig. Wasser reicht. Einzig der Lappen sollte nicht fusseln.
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Schon der erste Strich zeigt, wie viel Schmutz auf dem Gummi liegt. Einfach abwischen.

Pflege mit Talkum

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Auch ein großer Fensterhersteller empfiehlt Talkum. Was Hauptbestandteil von Babypuder ist.
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Lässt sich mit einem Lappen oder direkt mit der Hand auftragen. Vorsicht bei der Dosierung.

Pflege mit Pflegemittel

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Pflege mit Pflegemittel: Bei chemischen Pflegern sollte man nur zur Gummipflege vorgesehene Mittel verwenden.
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Aus der Tube lassen sich schnell große Mengen verarbeiten. Dann glänzt der Gummi wieder.

Zur Gummipflege gehört als erster Schritt das Saubermachen. Wenn Sand und Dreck mit im Spiel sind, zunächst mit einem Pinsel, einem Handfeger oder Staubsauger. Auf jeden Fall etwas mit weichen Borsten verwenden und dabei vorsichtig vorgehen. Ein fusselfreies Tuch hilft auch und natürlich Wasser. Auf die Frage bei Dometic Seitz, Hersteller von Caravaning-Fenstern, wie man den Gummi ihrer Fenster reinigen und pflegen solle, bleibt der Tipp tatsächlich sehr bodenständig und natürlich. Kaltes Wasser ohne Reinigungsmittel wird empfohlen und dann die Nachbehandlung des trockenen Gummis mit Talkum. Pulverisierter Talk. Fertig. Das weiche und wasserabweisende Pulver minimiert die Reibung an besonders beanspruchten Stellen und lässt Gummi und Blech übereinandergleiten. Die Dichtungen werden damit bis zur Sättigung eingerieben. Vor allem früher hat man es für Baby-Popos verwendet, damit die alten Stoffwindeln nicht so scheuern. Der Nachteil am Puder: Er lässt sich schwer aufbringen und der Auftrag muss häufiger wiederholt werden. Ein nicht unwesentlicher Vorteil: Talkumhaltiger Babypuder ist billig. Zwar immer weniger zu finden, aber eine 100-g-Dose Puder aus dem Drogeriemarkt kostet rund 1,50 Euro und ist nicht nur günstig, sondern eignet sich zur Gummipflege im Camper, sogar mit ausdrücklicher Zuliefererempfehlung.

Als natürliche Alternative wird gern der sogenannte Hirschtalk genannt, ein tierisches Fett vom Hirsch, dem man eine lange Wirkung nachsagt. Zumindest schwören auch Sportler darauf, Reibstellen auf der Haut damit vorzubeugen.

Pflegemittel aller Art

Aber die Kosmetikindustrie der Autobranche hat noch mehr auf Lager. Gummipflegemittel gibt’s einige am Markt. Für sie spricht die manchmal sehr einfache Art des Auftragens mit einem Schwammpilz am Ende der Tube. Ihnen sind auch meist Mittel beigemischt, die zusätzlich das Anfrieren bei Frost verhindern, Pilzbildung eindämmen und auch die Oberfläche wieder besonders glänzend machen. Aber auch sie können den Gummi nicht in seiner chemischen Struktur wieder "auffrischen", aber sie schützen ihn, indem sie sich auf seine Oberfläche legen und damit Verschleiß verhindern.

Viele Camper verwenden Silikonsprays oder Reinigungs- und Schmieröle. Silikon in Gummipflegemitteln findet man vor allem, weil sich die Pasten damit besser verarbeiten lassen. Im Profibereich wie in Autowerkstätten,die auch Lackierarbeiten ausführen, verzichtet man auf Silikon. Grund: Selbst kleinste Verunreinigungen mit Silikon verhindern einen sauberen Lackauftrag. Grundsätzlich sollte man bei allen Mitteln darauf achten, dass sie gummiverträglich sind. Was aber nicht heißt, dass sie bei der Verjüngung helfen.

3 Pflegeprodukte für Gummiprofile im Test

Von den zahlreichen Pflegeprodukten am Markt haben wir drei ausprobiert. Sie unterscheiden sich durch die Art des Auftrags. Besonders einfach und schnell anzuwenden ist der Gummipflege-Stift von Nigrin. Mit seiner Schwammspitze lassen sich die Dichtungen leicht nachfahren. Der Auftrag ist gleichmäßig. Über den Testzeitraum von mehreren Wochen verhinderte das Nigrin-Mittel das Festkleben der Dichtungen wirkungsvoll. 

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Die Pflegecreme von Rot-Weiss wird mit einem Mikrofasertuch in die Dichtungen einmassiert.

Etwas aufwendiger ist die Gummipflege von Rot-Weiss aufzutragen. Die dickflüssige Emulsion aus der Tube wird auf ein Tuch gegeben und mit diesem die Dichtung satt und fest eingerieben. Auf diese Weise reinigt das Produkt zudem sehr gut, wie am immer fleckiger werdenden Lappen zu erkennen ist. Selbst spröde wirkende Gummis werden durch die Behandlung wieder beeindruckend weich, geschmeidig und tief schwarz glänzend.

Der dritte Reiniger von Cleanofant pflegt gleichzeitig Gummis und Kunststoff. Für die Reinigung größerer Flächen ist die Sprühflasche sinnvoll, doch bei der Gummipflege empfanden wir sie als eher unpraktisch. Das flüssige Mittel wird auf einen Schwamm gegeben und damit auf die vorgereinigten Gummis aufgetragen. Ein weiterer Grund, warum es nur für ein "bedingt empfehlenswert" reicht: Die Flasche ist ziemlich teuer. Das Resultat geht insgesamt in Ordnung.

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Gummis am Wohnmobil prüfen

Doch irgendwann altert und verschleißt auch der beste Gummi, und er wird brüchig und porös. Diesen Alterungsprozess kann man nicht ewig aufhalten, aber hinauszögern. Dazu gibt es beliebte Hausmittel und Pflegeprodukte aus dem Fachhandel. Verschleißen die Gummis zu arg, lassen sie sich auch austauschen.

Neben der Alterung, zum Beispiel durch UV-Strahlung, ist der Verschleiß Ursache für defekte Gummis, die dann nicht mehr dichten. In erster Linie sollen sie natürlich Wasser abhalten, aber auch Fahrtwind und Vibrationen dämpfen, die während der Fahrt entstehen. Beim Freizeitfahrzeug müssen Gummis das an vielen Stellen. An Fenstern, Klappen, Dachhauben, Aufbautüren ... Bei Kastenwagen und Teilintegrierten auch an den Türen des Basisfahrzeugs. Und daher lohnt es sich, mal selbst eine Arbeitsliste für das eigene Mobil zu erarbeiten, um den Zustand aller Gummis in den Blick zu bekommen.

Bei den Herstellern wird das Thema Gummidichtungen unterschiedlich hoch gehängt. So hat zum Beispiel die Firma Fiat keine besondere Handlungs- oder Pflegeempfehlung für die Dichtgummis in ihren Fahrzeugen. In der Werkstatt werden sie auf Sicht kontrolliert und gegebenenfalls getauscht. VW empfiehlt die regelmäßige Reinigung mit Wasser und ihrem firmeneigenen Gummipfleger. Knaus prüft im Rahmen der Dichtigkeitsprüfung alle Dichtungen und empfiehlt auch deren regelmäßige Pflege. Idealerweise bei jedem Einlagern und Frühlingsfitmachen sollten sämtliche Dichtungen mit handelsüblichen Pflegemitteln behandelt werden.

Lebensdauer hängt von vielen Faktoren ab

Die Lebensdauer lässt sich schwer benennen. Zu unterschiedlich sind die Einflussfaktoren wie UV-Strahlung, Temperatur und mechanische Belastung. Bei einem VW T4 California aus dem Redaktionsfuhrpark finden wir keinen kaputten Gummi, nur leichte Alterungsspuren. Die Dichtungen von 1996 sind alle noch in einem durchaus guten Zustand. Wechseln muss man keine. Bei einem Fiat Ducato, auch aus dem Fuhrpark der Redaktion und deutlich jüngeren Datums, gibt’s schon einige mechanische Beeinträchtigungen an der Fahrertür, und zwar weil er nicht richtig saß. Da scheuerte die Tür an der Schwallwasserdichtung, der äußeren der zwei Türdichtungen. Daher ist es ratsam, die Gummidichtungen regelmäßig auf den korrekten Sitz hin zu überprüfen und nachzudrücken. Je nach Art werden die Dichtungen auf ein Blech geklemmt oder in einer Führungsleiste gehalten.

Auch Blütenpollen können in die Dichtungen eindringen. Selbst wenn das Fahrzeug nur steht, der feine Staub findet sich überall. Und so wie dieser lagern sich auch andere Partikel ab und können entweder zu abrasiven Beschädigungen führen oder, wenn es sich um Streusalz handelt, ganz einfach Rost auslösen. Vor allem in den Türbereichen sammeln sich Steinchen, Sand, Staub, besonders bei Kastenwagen mit ihren großen Schiebe und Hecktüren. Durch die Bewegung der Karosserie können die Gummis dann aufscheuern und werden regelrecht zerrieben.

Gummidichtung an vorgehängten Fenster tauschen

Gummidichtung an Fenstern tauschen
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Der Austausch von Dichtungen ist auch für den Laien meist gut machbar. Vor allem an Klappen, Rahmenfenstern und Türen. Hier muss man nur Geduld beim Einfädeln mitbringen. Gegebenenfalls mit etwas Spülmittel nachhelfen, damit die Gummis besser in die Nut flutschen. Bei vorgehängten Fenstern wird’s kniffliger. Dichtungen bekommt man beim Hersteller oder bei Caravaning-Händlern. Je nach Bedarf als Meterware, mit passender Länge, Form und Breite.

Gummidichtungen der Fahrertür tauschen

Gummidichtung der Fahrertür tauschen
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Leserfrage zum Thema Gummidichtungen

Als ich in promobil über die Pflege der Gummidichtungen gelesen habe, dass man keine Mittel verwenden solle, die Silikon enthalten, war ich zunächst ratlos. Eine Begründung für diese Aussage bleibt ihr nämlich schuldig.

Es kann zur Gummipflege Silikon-Spray verwendet werden, wenn dieses frei von Alkoholen, Lösemitteln und Tensiden ist. Alle Sprays, die die zuvor genannten Inhaltsstoffe enthalten, können das Acrylglas angreifen, wenn der behandelte Dichtungsgummi auch nur einen kurzen Kontakt zur Scheibe hat. Unbedenklich für die Gummipflege ist Talkum-Pulver oder schlicht Baby-Puder. Er wird leicht in den Gummi einmassiert, bis sich die Oberfläche glatt anfühlt. Der Puder verhindert, dass Gummi und Fenster aneinander kleben. Weil sie übereinander gleiten, wird der Gummi nicht nach und nach zwischen den Bauteilen zerrieben.