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Zulassung für selbstausgebaute Wohnnmobile

Richtlinien für Reisemobile

TÜV Rheinland Foto: Reichel, Becker 4 Bilder

Wer einen Selbstausbau in Angriff nehmen will, muss nicht nur handwerklich versiert sein, sondern auch den Paragraphendschungel kennen. Denn die Richtlinien für Wohnmobile sind hart.

Die einen finden einfach kein passendes Wohnmobil von der Stange und haben ganz eigene Vorstellungen, wie ihr Traumwagen aussehen soll. Die anderen pflegen die Tradition des Selbstausbaus mit geringen Mitteln, peppen Kleinbusse und Lieferwagen auf, um für den nächsten Urlaub gerüstet zu sein.

Darauf kommt's an: Zulassung als Pkw oder Nutzfahrzeug

Schwarz fahren kann teuer werden: Wird ein Umbau zum Reisemobil nicht behördlich abgenommen, bleibt es bei der ursprünglichen Klassifizierung. Dies kann weitreichende Folgen haben. Gesetzlich gelten Wohnmobile als Unterklasse von Pkw. Ist das Basisfahrzeug bereits als Pkw zugelassen, gilt ein Ausbau als Ladung, der entsprechend § 22 StVO gesichert werden muss.

Für die Zulassung hat die nicht erfolgte Umschreibung zum Sonderfahrzeug keine Auswirkungen. Anders sieht es bei Fahrzeugen aus, die als Nutzfahrzeug zugelassen sind. Werden die Anforderungen an die Transporteigenschaften eines Lkw nicht mehr erfüllt, erlischt die Betriebserlaubnis.

Die Richtlinien sind hart

Die gültigen EG-Richtlinien zur Zulassung eines Fahrzeugs als Wohnmobil machen es Hobby-Ausbauern nicht leicht, ihre Träume zu verwirklichen. Nicht einmal, seit die Maßgabe, nach der Wohnmobile mit einer Stehhöhe unter 1,70 Metern als Pkw zu besteuern waren, Ende 2012 aus dem Kraftfahrzeugsteuergesetz gestrichen wurde. Denn so ganz einfach gestaltet sich das Projekt Reisemobil nicht.

Zwar fordert die StVZO nur Schlaf- und Sitzgelegenheiten, Tisch und Raum für Gepäck. Doch die Zulassungsstellen bei TÜV und DEKRA haben zum Teil unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein „So. Kfz Wohnmobil“ ausmacht. Ausrüstungsgegenstände, also das eingebaute Mobiliar, müssen bis auf den Tisch dauerhaft und fest mit dem Wagen verbunden sein und nur unter Zuhilfenahme von Werkzeug entfernbar sein. Sterngriff oder Flügelmuttern gelten somit nicht als feste Anbringung.

Möbelkanten Foto: Reichel, Becker
Die Kanten an Möbeln und Tischen müssen abgerundet oder abgeschrägt sein, um die Gefahr von Stoßverletzungen auszuschließen.

Sicherheit hat oberste Priorität: Bei allen Prüforganisationen wird darauf geachtet, ob Türen oder Klappen während der Fahrt geschlossen bleiben. Dem TÜV Nord zufolge stellt die reine Möbelbefestigung in der Praxis selten ein Problem dar. Anders sieht es mit scharfen Kanten aus, die sowohl durch die Fahrzeugkonturen bedingt sein können als auch durch den Möbelbau. Außenkanten von 90 Grad an Schränken oder Arbeitsflächen werden vom TÜV Nord moniert, gefordert wird eine Abschrägung auf 2,5 Millimeter oder die Verwendung von entsprechenden Gummilippen. Mit Hobel oder Schleifmaschine lassen sich Kanten jedoch prima entschärfen.

Vorsicht bei Küche und Gepäck

freistehender Gaskoscher Foto: Reichel, Becker
Frei stehende Gaskocher werden vom TÜV nur selten akzeptiert.

Als „Herd“ wurden in der Vergangenheit mitunter Gaskartuschen-Kocher akzeptiert, sofern sie für Innenräume zugelassen waren. Das hat sich mittlerweile geändert:

  • DEKRA und TÜV Rheinland bestehen nun auf einen festen Einbau des Kochfeldes.
  • Der TÜV Nord hält hingegen die Verwendung von transportablen, einflammigen Gaskartuschen-Kochern als Kochgelegenheit für möglich, wenn der Kocher für den Betrieb einen festen Stand aufweist und eine sichere Unterbringung gewährleistet ist.
  • Für den TÜV Süd kommen Spirituskocher in Frage, die sowohl für den Innenraum geprüft sind als auch verschraubt werden können. Davon wiederum hält der TÜV Rheinland gar nichts.

Als Alternative für Ausbauer, die keine komplette Gasanlage einbauen wollen, kommen fest einbaute Elektroplatten in Betracht. Diese müssen jedoch nach VDE-Vorschriften fest verdrahtet sein sowie mit Sicherungsschutz und einer entsprechenden Außensteckdose versehen sein.

Vorgaben zur Größe der Gepäckunterbringung machen die Rechtsvorschriften nicht. Urlaubsgepäck und Utensilien müssen jedoch aufbewahrt und auch gelagert werden können. Für den TÜV Süd reicht ein Küchenblock mit Kasten aus. Der TÜV Rheinland ist zufrieden, wenn der Kofferraum eines Kleinbusses mit eingezogenen Böden ausgestattet ist.

Und was noch?

Von einem Anspruch auf Autarkie steht in der EG-Richtlinie nichts, somit spielt sie für den TÜV Nord auch keine Rolle. Anders beim TÜV Rheinland: Der geht davon aus, dass jemand, der kochen will, auch mit Frisch- und Abwasser hantiert. Ob dieses in gesicherten Kanistern oder fest eingebauten Tanks mitgeführt wird, spielt keine Rolle. Eine Toilette dagegen wird nicht verlangt. Wohl aber weist man darauf hin, dass der § 35c der StVZO, wonach geschlossene Fahrzeuge über eine Heizung verfügen müssen, auch für den Bereich Wohnen gilt. Möglich sind hier die Varianten Gas-, Elektro- und Standheizung. Unerheblich bei Kleinbussen ist die Anforderung zweier, voneinander unabhängiger Fluchtwege.

Merkblatt zu den Anforderungen an ein Wohnmobil

Selbstausbau Foto: Reichel, Becker
Ein wohnlicher Eindruck des Selbstausbaus wird von Rechts wegen nicht verlangt, macht aber bei der Zulassungsprüfung einen guten Eindruck.

Wenige Zeilen lang ist die EG-Richtlinie zum Thema Selbstausbau, sechs Seiten umfasste das – inzwischen jedoch zurückgezogene – Merkblatt des VdTÜV zu den Anforderungen an ein Wohnmobil. Obwohl rechtlich nicht bindend, kann der Prüfer noch auf die alten Regelungen zurückgreifen. Musste der Wohnbereich nach den Vorgaben des Merkblattes „den Eindruck eines für Wohnzwecke geeigneten Raumes hervorrufen“, steht davon heute nichts mehr in den Vorgaben.

Lösungen mit im Laderaum eingelegter Luftmatratze und Gaskartuschen-Kocher hält die DEKRA zur Eingruppierung als Wohnmobil nicht für akzeptabel. „Apfelsinenkisten gehen nicht, Bömmelchen an der Gardine müssen nicht sein“, bringt es der TÜV Rheinland auf den Punkt.

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