Bei Westfalia, dem "Erfinder" des Campingbusses, sollen am Standort Rheda‑Wiedenbrück in den kommenden Monaten insgesamt rund 130 Arbeitsplätze wegfallen. Betroffen ist damit ein erheblicher Teil der Stammbelegschaff von derzeit 320 Mitarbeitenden. Zusätzlich lässt das Unternehmen 83 befristete Beschäftigungsverhältnisse auslaufen.
Als Hauptgrund nennt die "Westfalen Mobil GmbH", wie der Produktionsstandort von Westfalia in Rheda offiziell heißt, den angekündigten Rückgang des Auftragsvolumens durch einen "großen Kunden". Der Kunde wird nicht namentlich genannt, es handele sich hier um den derzeit größten Auftraggeber. Dieser habe erst vor wenigen Tagen mitgeteilt, die ursprünglich geplante Produktionsmenge für das laufende Geschäftsjahr um rund 30 Prozent zu senken.
Vor diesem Hintergrund habe sich das Management entschieden, die Organisation zu straffen und die Produktionskapazitäten am Stammsitz schrittweise anzupassen. Das Unternehmen verweist zudem auf einen bereits seit längerer Zeit bestehenden wirtschaftlichen Druck.
Lässt Ford weniger Nugget-Campingbusse bauen?
Es könnte sich bei dem Kunden um den Hersteller Ford handeln, für den Westfalia in Rheda-Wiedenbrück den Campingbus Nugget ausbaut. Ford wollte das auf Nachfrage von promobil nicht kommentieren. Dass Mercedes nicht mehr als großer Kunde gilt, ist aber sicher. Die Automarke aus Stuttgart hatte schon 2025 angekündigt, die Produktionsverträge für den Marco Polo nicht zu verlängern und lässt nur noch bis Mitte des Jahres Marco Polo Campervans bei Westfalia fertigen.

In Rheda-Wiedenbrück fertigt Westfalia seit den 60er-Jahren Camper, auch Auftragsfahrzeuge anderer Marken wie den Ford Nugget.
Westfalia-Geschäftsführer Can‑Kasim Dogan erklärte, die Entscheidung sei "außerordentlich schwergefallen", man wisse, was sie für die betroffenen Mitarbeitenden und deren Familien bedeute. Gleichzeitig sei der Schritt aufgrund der negativen Marktentwicklung "unumgänglich", um den Standort an veränderte Marktbedingungen anzupassen und wirtschaftlich stabil zu halten. Ziel sei es, die Maßnahmen in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern "verantwortungsvoll und mit größtmöglicher Sorgfalt" umzusetzen.
Marktkorrektur trifft Traditionshersteller
Nach Angaben des Unternehmens wurden Betriebsrat und Belegschaft am 9. März über die Pläne informiert. Westfalen Mobil kündigte an, umgehend Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufzunehmen, um einen Sozialplan sowie einen Interessenausgleich zu vereinbaren. Die Umsetzung soll möglichst sozial verträglich erfolgen.

Geschäftsführer der Westffalen Mobil GmbH Can-Kasim Dogan möchte die Stellen sozialverträglich abbauen.
Westfalen Mobil ordnet die Entwicklung in eine branchenweite Marktkorrektur ein. Bereits 2025 habe das Unternehmen auf absehbare Veränderungen im Caravan-Markt hingewiesen und eine Transformation eingeleitet. Nach dem Corona‑Boom sei die erwartete Korrektur inzwischen "mit voller Kraft" eingetreten: Ein massives Überangebot an Fahrzeugen, hoher Preis- und Wettbewerbsdruck sowie eine schwache Konjunktur in Deutschland führten zu spürbarer Kaufzurückhaltung, heißt es.
Mercedes beendet Zusammenarbeit
Rheda – Rückschlag Nummer zwei: Für den Standort ist es nicht die erste Belastungsprobe im Geschäft mit Großkunden. Zuletzt hatte Mercedes den Auftrag für den Marco Polo nicht verlängert. Die Produktion läuft zwar noch bis Mitte 2026 am Standort, anschließend wird Mercedes die Fertigung im Werk Ludwigsfelde bei Berlin selbst übernehmen. Da dieser Schritt lange bekannt ist, dürfte er nach aktuellem Stand nicht der unmittelbare Auslöser für den nun angekündigten Stellenabbau sein.
Für das Werk Rheda-Wiedenbrück wird der Westfalia Club Joker Urban damit noch mehr zum Hoffnungsträger. Er ist einer der wenigen Campervans der Eigenmarke, der noch am Hauptsitz produziert werden und ein wichtiges Projekt für die Van-Sparte des gesamten Rapido Konzerns. Als "GP1" ("Group Project 1") war er das erste gruppenweit entwickelte Reisemobil-Plattform.





