Gespanne zahlen drauf: Warum Tempoverstöße mit Wohnwagen besonders teuer sind

Bußgelder für Gespanne
Warum Temposünden mit Wohnwagen teurer sind

vom Campingprofi seit 1959
ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.02.2026
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Caravaning, Wohnwagen, Zugfahrzeug, Autobahn
Foto: Hans-Dieter Seufert

Wer mit dem Pkw und angehängtem Wohnwagen unterwegs ist, genießt Freiheit, Flexibilität und das Gefühl, das eigene Zuhause immer dabei zu haben. Gleichzeitig gelten für Wohnwagen-Gespanne im Straßenverkehr andere Regeln als für Solo-Pkw – insbesondere beim Thema Geschwindigkeit. Vielen Campenden ist zwar bewusst, dass mit Wohnwagen langsamer gefahren werden muss, doch wie schnell Tempoverstöße spürbare finanzielle und rechtliche Folgen haben, ist weniger bekannt.

Gerade auf längeren Urlaubsfahrten, auf freien Autobahnabschnitten oder beim Mitschwimmen im Verkehr entsteht leicht der Eindruck, ein paar Kilometer pro Stunde mehr seien unproblematisch. Tatsächlich stuft der Gesetzgeber Pkw, sobald sie Anhänger ziehen, jedoch als deutlich risikoreicher ein. Längere Bremswege, verändertes Fahrverhalten und eine höhere Anfälligkeit für Seitenwind führen dazu, dass Verstöße strenger geahndet werden als bei Pkw ohne Anhänger.

Für Caravan-Reisende lohnt es sich daher, die geltenden Geschwindigkeitsgrenzen und Bußgelder genau zu kennen – nicht nur zur Vermeidung von Strafen, sondern auch für eine sichere und entspannte Fahrt mit dem Gespann.

Warum Pkw mit Wohnwagen strenger behandelt werden

Ein Wohnwagen verändert das Fahrverhalten des Zugfahrzeugs grundlegend. Beschleunigung, Bremsweg und Spurtreue unterscheiden sich deutlich vom Solobetrieb. Besonders bei Notbremsungen oder Ausweichmanövern kann ein Gespann instabil reagieren. Deswegen sieht die Straßenverkehrsordnung für Pkw mit Anhänger reduzierte Höchstgeschwindigkeiten vor.

Grundsätzlich gilt:

  • 80 km/h für Pkw mit Wohnwagen auf Landstraßen und Autobahnen
  • 100 km/h nur mit spezieller Tempo-100-Zulassung und ausschließlich auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen

Diese Einschränkungen wirken sich direkt auf den Bußgeldkatalog aus. Wer mit Wohnwagen zu schnell fährt, wird nicht wie ein normaler Pkw-Fahrer behandelt, sondern fällt unter die strengeren Regelungen für Gespanne. Wer schon mit 10 km/h zu viel erwischt wird, zahlt im Gespann 10 Euro mehr, als nur mit dem Pkw.

Bußgelder: Schon geringe Überschreitungen werden teuer

Tempoverstöße mit Wohnwagen ziehen höhere Bußgelder nach sich als vergleichbare Verstöße ohne Anhänger. Bereits kleine Überschreitungen können spürbare Konsequenzen haben:

  • Bis 10 km/h zu schnell: höheres Bußgeld als beim Pkw allein
  • 16 bis 20 km/h zu schnell: deutlich steigende Geldstrafe, häufig bereits ein Punkt in Flensburg
  • Ab 26 km/h zu schnell: bei Wiederholung innerhalb eines Jahres droht zusätzlich ein Fahrverbot
  • Sehr hohe Überschreitungen (über 60 km/h): Bußgelder bis zu rund 800 Euro, zwei Punkte und bis zu drei Monate Fahrverbot

Der Gesetzgeber setzt hier bewusst strenge Maßstäbe, da ein zu schnelles Gespann im Ernstfall ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen kann – nicht nur für die Insassen, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer.

80 oder 100 km/h: Wo die Unterschiede entscheidend sind

Für viele Camperinnen und Camper ist die Tempo-100-Zulassung ein wichtiger Komfortfaktor, da sie auf Autobahnen ein entspannteres Mitschwimmen im Verkehr ermöglicht.

Wichtig für die Praxis:

  • Tempo 100 gilt nicht auf Landstraßen
  • Innerorts bleiben die allgemeinen Tempolimits bestehen
  • Bei Kontrollen wird streng geprüft, ob die Voraussetzungen eingehalten werden

Wer sich auf die 100 km/h verlässt und die Strecke oder Straßengattung falsch einschätzt, riskiert schnell ein Bußgeld – selbst ohne bewusstes Rasen.

Fazit