Tschüss, Kurbel-Chaos! Automatische Hubstützen für Wohnwagen: 5 Systeme im Vergleich

Automatische Hubstützen-Systeme für Wohnwagen
Diese Systeme stoppen das Kurbel-Chaos!

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.05.2026
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Wer kennt es nicht? Der Wohnwagen steht schief, die Stützen sind nur mit akrobatischen Verrenkungen zu erreichen – und dann heißt es: Kurbeln, bücken, fluchen. Selbst wenn die Hersteller die Sechskante bis zum Stoßfänger verlängern: Vier Füße auszufahren, bleibt eine kleine Geduldsprobe.

Doch es gibt eine Lösung, die das Camping-Leben revolutioniert: automatische Stützen. Ein Knopfdruck genügt, und in weniger als zwei Minuten steht der Wohnwagen sicher. Aber Achtung: Nicht alle Systeme nivellieren automatisch. Wer das kann, setzt auf aufwändige Technik – und das hat seinen Preis.

Elektrische und hydraulische Systeme

Die Mehrheit der Systeme setzt auf 12-Volt-Elektromotoren an den Kurbelspindeln.

  • Nur die Level-C-Anlage von E&P arbeitet vollständig hydraulisch.
  • Eine Mischung aus elektrischen und hydraulischen Komponenten nutzt HPC: Die vier Stützen surren motorisch auf und ab, zwei Hydraulikstempel am Achskörper besorgen den seitlichen Niveauausgleich.
  • Bei Enduro und Knott arbeiten die Stützen zu diesem Zweck mit dem Rangiersystem zusammen, das den Wohnwagen einseitig auf einen Keil bugsiert.

Wer über ein Upgrade des Wohnwagens mit automatischen Stützen nachdenkt, braucht eine Bordbatterie. Da anzunehmen ist, dass an vielen Wohnwagen ein Rangiersystem verbaut ist, ist der Stromspeicher bereits an Bord. Natürlich lässt sich die Nachrüstung von elektrischen Stützen, Rangiersystem und Bordstrom auch in einem Rutsch kombinieren. Diese Kombination auch ins Produkt weitergedacht haben Alko, Enduro und Knott: Bei allen dreien fungieren die Fernbedienungen respektive Apps als Steuerung für Stützen und die eigenen Rangiersysteme.

Alko UP4 im Detail

Das Stützensystem UP4 ist eine elektrisch betätigte Eckstützenanlage für Wohnwagen mit Alko-Chassis. Es ersetzt die serienmäßigen Kurbelstützen durch vier angetriebene Spindelstützen, die über eine Funkfernbedienung gemeinsam abgesenkt und einzeln nachgestellt werden können.

Nach dem Abstellen des Fahrzeugs werden alle vier Stützen elektrisch bis zum Bodenkontakt ausgefahren; anschließend können die Stützen einzeln angesteuert werden, um die Fahrzeuglage in geringem Maße in Längs- und Querrichtung auszugleichen. Die Elektronik schützt mit einer Leistungsbegrenzung davor, den Wohnwagenboden zu überlasten. Die Abstützteller "Big-Foot" gehören zum Lieferumfang.

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Alko

Das Ausfahren der Stützen dauert laut Hersteller rund 60 Sekunden. Beim UP4 werden die Kurbelsechskante mit einer speziellen Abdeckkappe blockiert, die damit quasi auch als zusätzlicher Diebstahlschutz dient. Mit dem beiliegenden Spezialadapter können sie dennoch manuell aus- und eingekurbelt werden. Da es die Motoren nicht separat gibt, sind im Set vier neue Schwerlaststützen enthalten.

Mit der Fernbedienung der UP4 können Kunden auch den günstigeren der beiden Alko-Rangierantriebe namens Ranger steuern, da beide Geräte dasselbe Steuergerät nutzen. Wer den teureren Rangierantrieb Mammut hat oder möchte, muss aktuell noch beide Fernbedienungen mitführen und separat nutzen.

Alko UP4

  • Preis: 1.638 Euro (UVP), aktueller Marktpreis: 1.374 Euro
  • Min./max. Stromaufnahme: 6/24 Ampere
  • Zusatzgewicht: ca. 17,5 kg (ohne Batterie)
  • Max. zul. Gesamtgewicht: 2.500 kg

Enduro Autosteady: Elektrische Nachrüstung

Das elektrische Stützensystem Autosteady von Enduro kann an bestehenden Stützen von Alko, Knott und BPW als Antriebseinheit günstiger nachgerüstet oder im Komplettset mit vier neuen Stützen von Alko oder Knott gekauft werden.

In jedem Fall enthalten sind ein elektronisches Steuergerät, vier Kunststoff-Stützenteller gegen Einsinken und die Fernbedienung. Die kann auch für alle Enduro-Rangiersysteme verwendet werden – nicht aber andersherum. Wer die Stützen und den Enduro-Rangierantrieb per Smartphone oder Tablet bedienen möchte, kann das Gesamtsystem um den Bluetooth-Adapter BC101 (ca. 70 Euro) erweitern.

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Enduro

Vollautomatisch nivellieren kann, wer sich das Top-Rangiersystem EM 515 FL dazukauft. Denn der 515 FL verfügt über eine "Finding Level"-Taste, die den Antrieb stoppen soll, sobald der Wohnwagen in Längsrichtung in der Waagerechten steht. Die Autosteady-Stützen erledigen dann den Rest. Im Falle einer entladenen Batterie können die Stützen über den Sechskant langsam (max. eine Umdrehung pro Sekunde) gegen die leichten Widerstände der Motoren auf- und abgekurbelt werden.

Enduro Autosteady

  • Preise: 1.150/1.399/1.399 Euro (UVP), aktueller Marktpreis: ca. 875/1.150/1.150 Euro
  • Min./max. Stromaufnahme: 12/36 Ampere
  • Zusatzgewicht: 2.000 kg
  • Max. zul. Gesamtgewicht: 13,5 kg (ohne Stützen)

E&P Level C: Hydraulische Nivellierung

Hydraulikspezialist E&P gehört seit einigen Jahren zum Alko/Dexko-Imperium. Das Level C ist eine automatische, vollhydraulische Nivelliereinrichtung. Zwei am Achskörper montierte Stempel sorgen für den seitlichen Ausgleich von zumindest geringen Höhenunterschieden, die ebenfalls mit Öldruck arbeitenden Eckstützen sorgen für die Ausrichtung des Wohnwagens in Längsrichtung.

Der Pumpenblock mit integrierter elektronischer Wasserwaage und Drucksensorik wird am Unterboden des Wohnwagens montiert. Da Zu- und Rücklauf zu allen sechs Hydraulikzylindern gelegt, befüllt und entlüftet und zudem das Bedienteil samt Display eingebaut werden muss, ist der Montageaufwand mit bis zu acht Stunden hoch. Überlastungen des Wohnwagenbodens durch zu weites bzw. starkes Ausfahren einer Eckstütze verhindert die Elektronik via Drucküberwachung.

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Andreas Becker

Für die Notbedienung muss für rund 500 Euro ein manueller Pumpenblock separat erworben und eingebaut werden: Das fest eingebaute Bedienteil kann entfallen, wenn sich Kunden gegen Aufpreis für das tragbare, in einer im Wohnwagen montierbaren Halterung gelagerte Touchpanel entscheiden.

Ein ebenfalls optionaler Bluetooth-Adapter erlaubt die Steuerung per Smartphone. Wer möchte, kann die hydraulischen Achsstempel auch separat kaufen und die Eckstützen weiterhin manuell ausdrehen. Das Level C ist am Markt nicht einzeln, sondern nur inklusive Einbau im Fachbetrieb erhältlich.

E&P Level C

  • Preis: 4.995/5.299 Euro (UVP m. Einbau), aktueller Marktpreis: 3.990/5.350 Euro (f. Alko/Knott-Stützen)
  • Min./max. Stromaufnahme: 11/17 Ampere
  • Zusatzgewicht: ca. 20 kg
  • Max. zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg

HPC Hydraulik: Vollautomatisches System

Aus der Kombination aus hydraulischen Achshebern und elektrischen Eckstützen stellt der niederländische Hydraulik-Spezialist das vollautomatische Nivelliersystem HPC.C3 zusammen. Für die seitliche Ausrichtung im ersten Schritt sorgen zwei Hydraulikstempel an der Achse. Elektrisch angetriebene Stützen, die laut HPC von Knott zugeliefert werden, übernehmen das Nivellieren in Längsrichtung sowie die Stabilisierung des Wohnwagens.

Gesteuert wird das System über die firmeneigene, kostenlose App. Der Nivellierungsvorgang soll nach 90 Sekunden abgeschlossen sein.

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Ingo Wagner

Neben der größten Ausbaustufe C3 offeriert HPC, ganz ähnlich wie E&P, auch abgespeckte Versionen C1 und C2. C1 beinhaltet nur die hydraulischen Achsstützen, C2 nur die elektrischen Ausdrehstützen. Im Falle eines Problems mit der Stromversorgung können die Stützen mit der Kurbel und die hydraulischen Achsstempel per Handpumpe bedient werden.

Das Gesamtsystem wiegt laut Hersteller nur 18 Kilogramm und soll in Deutschland rund 4.000 Euro kosten. Der Einbau kommt noch dazu.

HPC.C3

  • Preis: ca. 4.000 Euro (UVP)
  • Min./max. Stromaufnahme: k.A.
  • Zusatzgewicht: ca. 18 kg
  • Max. zul. Gesamtgewicht: 3.000 kg

Knott KLS: Automatisches Nivelliersystem

Die Zutaten für das Levelsystem von Knott sind vier elektrische Eckstützen, ein Lagesensor als elektronische Wasserwaage und die Knott-App. Da die App mit den Bluetooth- und App-fähigen Rangierantrieben von Easydriver (Modelle Pro und Infinity) kommuniziert, entsteht im Zusammenspiel von Stützen, Rangierantrieb und stufenlosem Auffahrkeil ein automatisches Nivelliersystem.

Der Lagesensor ermittelt die seitliche Schräge der Parzelle und empfiehlt, ob der stufenlose Auffahrkeil vor oder hinter das Rad gelegt werden soll. Besteht die Möglichkeit, dass die Keilhöhe nicht ausreicht, meldet die App das. Bei ausreichender Höhe fährt der Wohnwagen automatisch so weit auf die Schräge, bis er gerade steht.

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Still Production

Eingriffe sind jederzeit möglich. Dann fahren die vorderen Stützen herunter und gleichen das Längsgefälle aus, bevor die hinteren den Wagen abstützen. Erst dann drehen sich alle vier Stützen gleichzeitig und damit verwindungsfrei noch ein bis zwei Umdrehungen aus. Möglich macht das die Bluetooth-Kommunikation der Stützen untereinander. Durch die Wasserwaage funktioniert das System auch mit jedem anderen Rangierantrieb – dann jedoch nicht automatisch. Bis die App samt Nivellier-Update erhältlich ist, dauert es noch ein paar Tage.

Das Set inklusive Spindelmotoren, Kabelstrang und Wasserwaage, aber ohne Stützen kostet 1.597, mit Stützen 1.714 Euro. Das Update schaltet, sobald verfügbar, dann alle Möglichkeiten frei. Die Motoren passen an vorhandene Knott-Stützen ab Modelljahr 2027, sind aber auch an bestehenden Alko-Schwerlaststützen nachrüstbar.

Bei Hobby-Wohnwagen kann durch Eingabe der FIN-Nummer auf knott.de herausgefunden werden, ob die Nachrüstung schon jetzt funktioniert. Im Falle eines Totalausfalls der Elektrik können die Stützen normal auf- und abgedreht werden. Und auch für den Rangierantrieb gibt es eine Entriegelung.

Knott KLS

  • Preis: 1.598/1.714 Euro (m./o. Stützen & o. Rangiers.)
  • Min./max. Stromaufnahme: 12/25 Ampere
  • Zusatzgewicht: ca. 18 kg + Rangiersystem
  • Max. zul. Gesamtgewicht: 2.500 kg

Wo ist die Grenze der Hubstützen-Systeme?

Alleine mit den vier Kurbelstützen sollte und kann man eine seitlich abfallende Parzelle nicht ausgleichen. Die Stützen dienen, der Name sagt es, allein dafür, den Wohnwagen zu stabilisieren und gegen Kippen zu sichern. Um Seitenneigung auszugleichen, muss der Wohnwagen an der tieferliegenden Seite über den Reifen bzw. die Achse angehoben werden, eben per Achsstütze, Auffahrkeil oder Luftkissen.

Fazit