Der Glamour der Formel 1 scheint an diesem Mann einfach abzuperlen. Dabei ist er seit über 25 Jahren nicht nur mittendrin im Rennzirkus, sondern ganz vorne mit dabei: Nämlich immer dann, wenn sich einer der Boliden in Einzelteilen auf der Strecke verstreut, rast Bernd Mayländer im Safety Car raus, um das Feld einzufangen und an der Gefahrenstelle vorbeizubugsieren.
Zum Vorgespräch über seine noch junge Leidenschaft Camping empfängt der 54-jährige Schwabe in seinem Büro im Erdgeschoss des Wohnhauses. Er ist sportlich gekleidet – doch an den Füßen trägt er den ultimativen Beweis von Bodenständigkeit und Camper-Lifestyle: Crocs.
Dass wir darüber sprechen, warum und wie einer, der von März bis Dezember in der ganzen Welt unterwegs ist, zum Reisemobilisten geworden ist, liegt auch an Top Camping Austria. Der Verbund zwölf österreichischer Premium-Campingplätze hat den Rekord-Safety-Car-Fahrer (keiner vor ihm hat diesen Job je länger und zuverlässiger gemacht) als Schirmherr gewinnen können.
Das Campingleben der Familie Mayländer
Das Campingleben der Familie Mayländer, zu der Frau Myriam, die Zwillinge Samu und Bela und Golden Retriever Gin gehören, beginnt an Ostern 2023 ganz bescheiden als Test in einem gemieteten Campingbus. "Meine Frau wollte was Kleines", rechtfertigt Bernd Mayländer diese Wahl, die sich jedoch schnell als falsch herausstellte. Nicht nur, weil die defekte Heizung am Reschenpass zu Umkehr, Campertausch und Urlaubsneustart zwang, sondern auch, weil sich schon nach der ersten Nacht auf dem Campingplatz Natterer See Ernüchterung über das beengte Leben an Bord breitmachte.
Die zusammengepferchte Familie mit Hund erregte bei den netten Platznachbarn auf dem Ferienparadies Natterer See so großes Mitleid, so jedenfalls schildert es Mayländer, dass diese während einer Einladung zum Kaffee an Bord ihres Liners mit einem herzlichen "Das geht doch so nicht" die Empfehlung aussprachen, es unbedingt mal mit einem größeren Mobil zu versuchen. Überhaupt schwärmt Bernd Mayländer immer wieder von solchen netten Begegnungen – so wie mit den Platznachbarn in Sexten, die den Mayländers, an Pfingsten schon mit einem 6,80-Meter-Leih-Alkoven auf Kurztrip, bei größeren und kleineren Anfängerfragen mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben. "Camping verbindet brutal", fasst der Ex-DTM-Pilot zusammen, warum die Familie das Reisen mit dem Wohnmobil nicht direkt wieder an den Nagel gehängt hat.
Und natürlich schätzt Mayländer auch das Gefühl von Freiheit für sich, seine Frau und die Zwillinge. Dass er im Urlaub erkannt wird, stört ihn überhaupt nicht. "Noch habe ich keine einzige schlechte Erfahrung auf einem Campingplatz gemacht. Und ich hoffe, das bleibt auch so", sagt er schmunzelnd.
Der Familien Omnibus
Dass ein größeres Modell für die 4+1-Crew hermusste, war nach den ersten Touren ebenso schnell klar wie die Tatsache, dass das erste eigene Wohnmobil ein gebrauchtes sein würde. Erkenntnisse wie diese versteckt der bescheidene Schwabe gerne in einer Frage: "Wir sind Anfänger und kaufen uns gleich ein neues Ding? Nee."
Doch dass dieses Ding ein Liner wurde, war weder geplant noch absehbar. "Ein Freund hat einen Wohnmobil-Handel und einen älteren, gut ausgestatteten Concorde reinbekommen und mir gesagt, dass ich mir bei dem sicher sein kann, dass auch alles funktioniert", lacht Mayländer. Zwischen den Grand Prix in Las Vegas und Abu Dhabi habe er den Wagen heimlich abgeholt und in einer Halle nahe des Wohnhauses versteckt. "Als ich das Rolltor hochgefahren habe, hat meine Frau nur abgewinkt", erinnert er sich grinsend. Mittlerweile steht dort schon das zweite Modell, ebenfalls gebraucht, aber etwas länger, jünger und mit 204 PS samt Wandlerautomatik auch zeitgemäßer motorisiert. Manchmal, gesteht der Mann, der seit 1995 als Markenbotschafter für AMG im Einsatz und darum von Traumwagen umgeben ist, fahre er einfach kurz rüber, um den Liner anzuschauen.

Bernd Mayländer ist am Steuer seines Reisemobils ganz entspannt unterwegs.
Auch wenn er zugibt, anfangs Respekt vor dem "Omnibus" gehabt zu haben, fühlt sich Mayländer "sicher und relaxt" am Steuer. "Windschatten muss ich nicht mehr fahren, das mache ich auf der Rennstrecke", antwortet er auf die Frage nach seinem Lieblings-Reisetempo lachend.
Voll ausgestattet: Im Omnibus der Mayländers wurde an alles gedacht
Draußen vor der Tür stehen im Schnee ein Bistrotisch und die Bobs der Zwillinge. "Die breite Metalltreppe vor dem Eingang ist übrigens für Gin", grinst Mayländer. Die Hunde-Gangway reist in der Heckgarage mit, die groß genug wäre für ein Auto, aber auch so intensiv genutzt wird. Zum Beispiel für "Getränke für mehrere Wochen" und eine Mega-Kühlbox, deren gigantische Abmessungen Mayländer selbst überrascht haben. "Ich hatte keine Ahnung, wie groß so ein Teil ist, bis sie von der Spedition vor meinem Haus abgeladen wurde", lacht der Mann, der zugibt, eigentlich eine Schwäche für Vorzelte zu haben. In den Urlaub ans Zugspitz Resort mitgenommen hat er trotzdem keines der drei Modelle, obwohl "die Mayländers irgendwie immer alles mitnehmen".

Im Reisemobil der Mayländers ist immer alles dabei – auch für den Vierbeiner Gin.
Während der Kaffee in die Campingtasse perlt, erzählt Bernd amüsiert, dass er seit der letzten Stromrechnung nur noch mit Gas heize, auch wenn er dafür häufig die Flaschen tauschen muss. Apropos: In der Mega-Kühlbox lagern immer auch ein paar Flaschen von Mayländers eigenem Wein. Er greift nach einem Rosé, schaut auf die Uhr und lacht: "Mittag. Eigentlich die richtige Zeit." Die Crocs hätte es also gar nicht gebraucht als Beweis, dass Camping für Bernd Mayländer längst mehr ist als ein Hobby – auch wenn die Pulle am Ende zubleibt.





