Tirol ist für viele bis heute gleichbedeutend mit Winter und Skigebiet – dabei lebt der Westen Österreichs längst von zwei starken Jahreszeiten. Im Sommer ziehen Wanderwege, Bike-Routen, Klettersteige und Bergseen genauso viele Gäste an wie im Winter die Pisten. Für Camper ist das ein handfester Vorteil: Wer mit Reisemobil oder Gespann unterwegs ist, kann sich je nach Wetter, Lust und Saison immer wieder neu positionieren – mal nah an der Bergbahn, mal am See, mal stadtnah für einen Kulturtag.
Tirol liegt außerdem für viele Reisende aus Deutschland auf dem Weg Richtung Italien – oft ist der Blick dann vor allem nach Süden gerichtet. Umso überraschender ist, wie schnell aus dem geplanten Zwischenstopp ein eigenes Reiseziel werden kann: Gerade im Sommer bietet die Region mit ihren Bergen, Seen und Tälern genug Vielfalt für mehrere Tage (oder Wochen) und ist damit weit mehr als bloße Transitzone. Dazu kommt eine Infrastruktur, die auf Aktivurlaub ausgelegt ist: Viele Campingplätze liegen in unmittelbarer Nähe zu den Bergen, manche sind auf Wintercamping spezialisiert, andere auf Familienurlaub mit Badeangeboten oder auf sportliche Gäste, die morgens direkt in die Trails oder ins Skigebiet starten wollen. Und weil die Wege kurz sind, lassen sich alpine Naturerlebnisse und urbane Abwechslung oft an einem Tag verbinden – etwa mit einer Wanderung am Vormittag und einem Stadtbummel am Nachmittag.
Winterkomfort & Glamping: Naturcamping Kuprian

Winterfest und komfortabel: Am Naturcamping Kuprian in Huben (Ötztal) sind zahlreiche Stellplätze auch in der kalten Jahreszeit nutzbar – inklusive winterfester Ver- und Entsorgung sowie Gasanschluss direkt am Platz.
Eine ruhige Basisstation für das Ötztal findet man in Huben bei Längenfeld. Naturcamping Kuprian ist ein Familienbetrieb (dritte Generation), den es seit 1959 gibt – und der trotz spürbarer Investitionen der letzten Jahre bewusst Campingplatz bleiben will, nicht Ferienpark. Rund 150 Stellplätze verteilen sich auf ein Gelände, das eher individuell wirkt als streng in Reihen "aufgefädelt". Der Untergrund ist teils steinig, zugleich aber gut befestigt – praktisch, wenn es regnet oder wenn schwere Fahrzeuge auf dem Platz rangieren. Seine größte Stärke spielt Kuprian im Winter aus. Der Platz ist ganzjährig geöffnet und bietet laut Betreiber 120 winterfeste Stellplätze mit Frischwasser- und Abwasseranschluss. Das außergewöhnliche Komfortmerkmal ist der direkte Gasanschluss am Stellplatz: Wintercamper hängen ihr Fahrzeug ans Netz und müssen nicht permanent Gasflaschen tauschen. Dazu kommen die üblichen Standards wie WLAN/TV – insgesamt ein Setup, das sich im O‑Ton fast "wie ein Haus" anfühlt: hinstellen, anschließen, bleiben.
Für ein Naturerlebnis mit Aha-Effekt lohnt sich der Stuibenfall bei Umhausen. Dort, bei Tirols höchstem Wasserfall, stürzt das Wasser 159 Meter in die Tiefe. Gleich daneben wartet einer der spektakulärsten Klettersteige des Landes. Weitere Ausflugsklassiker sind das Ötzi-Dorf oder, am Taleingang, die actionlastige Area 47. Wer es filmreif und mit mehr Action mag, fährt weiter nach Sölden. Aber dazu gleich mehr.

Glamping am Hang: Die „Bergnester“ von Naturcamping Kuprian sind ganzjährig nutzbare Mietunterkünfte mit Panoramafenstern – oben schlafen, unten wohnen, die Sanitäranlagen liegen im Hauptgebäude.
Ein zweites Standbein am Kuprian sind die drei "Bergnester" – kleine, ganzjährig nutzbare Glamping-Häuser in Hanglage (Baujahr 2021/2022), gedämmt und beheizt. Sie sind zweigeschossig organisiert (unten Wohnen, oben Schlafen) und setzen auf große Panoramafenster, die den Blick in die Berge und nachts in den Himmel öffnen. Wichtig als Erwartungsmanager: Die Sanitäranlagen liegen im Hauptgebäude; Bergnest-Gäste nutzen dort auch Spinde. Preislich arbeitet der Platz mit dynamischen Tarifen: Als grobe Richtwerte nennen die Betreiber etwa 45 bis 50 Euro für kleinere Stellplätze, größere Plätze mit teils Panorama-Lagen können je nach Saison bis etwa 100 Euro kosten; die Bergnester liegen ungefähr zwischen 160 Euro (Zwischensaison) und bis zu rund 230 Euro pro Nacht (Hauptsaison).
Bergbahn-Fußweg & 007-Blick: Camping in Sölden

Kerngeschäft des Campingplatzes in Sölden ist der Ski-Tourismus, denn hier sind die Wege zwischen Aufbautür und Skilift sehr kurz.
Sölden ist das Gegenteil von "nur Tal und Ruhe" – eine Skimetropole, die ihre Infrastruktur längst auch im Sommer nutzt. Das macht den dortigen Campingplatz so attraktiv für alle, die kurze Wege schätzen: Vom Camper bis zur Gondel sind es laut Betreiber nur wenige Minuten zu Fuß. Wer Ski fahren, biken oder wandern will, spart sich damit den klassischen Skigebiets-Logistikstress: kein Bus, kein Parkplatzsuchen – einfach in Skistiefeln vom Camper zum Lift. Der Platz versteht sich klar als Aktivcamping-Standort. Dazu gehören Trocknungsmöglichkeiten für nasse Outdoor-Kleidung ebenso wie ein großer Wellnessbereich (rund 500 m²) – mit Sauna-Angeboten, die laut Betreiber im Preis inbegriffen sind und ohne Timeslots funktionieren: kommen, gehen, bleiben, wie es nach dem Sport passt. Sauberkeit und Service werden als zentrale Qualitätsfaktoren betont; gereinigt werde bis in den Abend hinein – im Winter, wenn Schnee, Salz und Matsch den Betrieb fordern.
Doch Sölden hält auch für Nicht-Skifahrer Aktivitäten bereit. Das ist beispielsweise der Ötztaler Moped-Marathon, der den Ort (und das Tal) regelmäßig als Eventkulisse nutzt. Dann wird auf dem Campingplatz geschraubt und gefachsimpelt. Ebenso erzählerisch dürfte ein Ausflug mit der Gaislachkogelbahn sein. Dort geht es hinauf zum Gaislachkogel, wo die Ausstellung "007 Elements" an den Bond-Film "Spectre" erinnert, der rund um Sölden gedreht wurde. Wer also einen Tag "ohne Höhenmeter aus eigener Kraft" einbauen will, bekommt hier eine Mischung aus Bergbahn, Ausstellung – und Aussicht.

Auf dem Gaislachkogel und vom Berg runter wurden 2015 Szenen – unter anderem eine spektakuläre Verfolgungsfahrt – für den Film „Spectre“ gedreht.
Der Platz wurde in den vergangenen Jahren umfassend modernisiert und setzt wie inzwischen viele Campingplätze auf dynamische Preise. Derzeit werden dort zudem die Kapazitäten erweitert. Bisher lag die Anlage bei knapp unter 100 Einheiten; durch die Erweiterung sollen es künftig knapp unter 140 werden (rund 30 Stellplätze plus etwas Zeltwiese). Die neuen Parzellen werden bis etwa 120 m² groß, mit einem naturnäheren Areal Richtung Kühtrainschlucht als neuem Ruhepol. Als Preisanker nennt der Betreiber im Sommer etwa 49 Euro pro Nacht (inklusive zwei Personen, 5 kWh Strom und vieler Inklusivleistungen), im Winter ab etwa 69 Euro; in nachfragestarken Zeiten kann es deutlich höher werden – Spätbucher können je nach Auslastung auch im Bereich um 100 Euro landen.
City & Berge: Ferienparadies Natterer See

Keine halbe Stunde entfernt von Innsbruck liegt der Campingplatz Natterer See, der neben Badespaß auch unterschiedliche Unterkunftsarten zu bieten hat.
Wer Tirols urbane Seite erleben will, kommt an Innsbruck nicht vorbei. Die Landeshauptstadt ist Universitätsstadt, historisch geprägt und gleichzeitig von Bergen eingerahmt – eine Kombination, die man selten so nah beieinander bekommt. Über Jahrhunderte hinweg war Innsbruck war Scharnier am Brenner und wurde unter den Habsburgern zeitweise zur Residenzstadt. Das kann man bis heute im Zentrum sehen – etwa an Hofburg und Hofkirche. Schnell versteht man, warum sich ein kurzer Kulturtag hier erstaunlich leicht in eine Alpenreise integrieren lässt. Lohnenswert ist eine geführte Stadtbesichtigung, denn dort lässt sich beispielsweise erfahren, warum in der Hofkirche zwar das monumentale Grabmal Kaiser Maximilians I. steht, der Habsburger aber nie dort bestattet wurde: Er ließ sich in der Burg von Wiener Neustadt beisetzen.
Als Naturbasis mit Stadtnähe bietet sich der Campingplatz Natterer See bei Natters an. Er liegt nur wenige Kilometer außerhalb Innsbrucks. Auch der Ort selbst hat eine erzählenswerte Geschichte: Der Badesee ist nicht natürlich entstanden, sondern wurde ab 1928 künstlich angelegt; 1930 wurde eröffnet. Camping kam Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre dazu und wurde über die Jahrzehnte ausgebaut. Heute ist der Natterer See weniger klassischer Stellplatzplatz als ein vielseitiger Betrieb mit großem Unterkunftsmix.

Stolz zeigt der Campingplatz-Betreiber seine kostbaren und kostspieligen Fische, denen er allen Namen gegeben hat und auf Nachfrage Preis gibt.
Neben klassischen Stellplätzen gibt es Gästezimmer und Ferienwohnungen sowie Mietunterkünfte in sehr unterschiedlichen Formaten: Mobilheime, Schlaffässer, Safarizelte, Wood Lodges – und als ungewöhnlichstes Angebot Floating Homes, die auf dem See schwimmen. 2021 wurde zudem in die Infrastruktur investiert: Ein älteres Gebäude wurde komplett entkernt, es entstanden zwei neue Sanitäranlagen und Ferienwohnungen im Obergeschoss. Als neuer "Signature"-Baustein wurde ein abgeschlossener Ruhebereich eröffnet, der "Secret Koi Garden" – ein gestalteter Garten mit technisch aufwendigem Koi-Teich. Auch hier arbeitet man mit Dynamic Pricing und positioniert sich bewusst im gehobenen Segment. Für die Hauptsaison wurden Stellplätze teils ab 83 Euro pro Nacht genannt (je nach Kategorie und Nachfrage).
Familienresort & Schlechtwetter-Plan B: Erlebnis Resort Aufenfeld

Im Zillertal gibt es ebenfalls eine große Auswahl an Campingplätzen. Einer davon ist der Platz Aufenfeld, der wegen seines reichhaltigen Freizeitangebots besonders bei Familien beliebt ist.
Das Zillertal gilt als eine der bekanntesten Ferienregionen Tirols – mit einem Schwerpunkt auf Outdoor und Action, aber auch mit einem überraschend breiten Kulturangebot im Sommer (Theaterfestivals, Konzerte, Veranstaltungen in den Orten). Gleichzeitig ist das Tal relativ schmal, und genau deshalb hat sich die Camping-Infrastruktur historisch eher in großen, ausgebauten Campingplätzen gebündelt als in vielen reinen Stellplatzanlagen.
In Aschau liegt mit dem Erlebnis Resort Aufenfeld ein Platz, der das Prinzip "Camping als Ferienanlage" auf einer Fläche von rund 12 Hektar und mit rund 350 Touristenstellplätzen und Mietunterkünften konsequent umsetzt. Der Charakter ist entsprechend: viel Angebot, viel Infrastruktur, viel Programm. Wer hier steht, bekommt vor allem ein wetterunabhängiges Angebot: ein Hallenbad mit Sportbecken, Kinderbereich, 60-Meter-Rutsche und Ruheraum. Das könnte der Plan B für Familien an Regentagen sein. Seit Ende 2025 hat der Platz zudem einen neuen Spabereich mit verschiedenen Saunen, Dampfbädern und Ruheräumen. Und auch der Winter denkt man mit: Skilager und Skiverleih werden ebenso genannt wie ein Übungslift am Resort und ein kostenloser Skibus zu umliegenden Skigebieten.

In wenigen Minuten ist man so auf einem Gipfel wie dem Ahorn oberhalb von Mayrhofen. Von dort lassen sich ausschweifende Wanderungen machen und die Natur genießen.
Wer im Zillertal noch ein Ausflugsziel sucht, das sich vom "typischen Gipfelprogramm" abhebt, findet es in Mayrhofen: Auf dem Ahorn liegt eine Greifvogelstation, die als höchstgelegene Europas gilt. Falkner Thomas Wechselberger zeigt dort Adler, Bussarde und Eulen – und betont, dass Greifvögel nicht dressiert werden wie Haustiere: Jede Vorführung verläuft anders, weil der Vogel entscheidet, ob er fliegt.
Kurzfakten & Kontakt
Camping in Sölden (Ötztal)
- Adresse: Wohlfahrtstraße 22, 6450 Sölden, Österreich
- Preis (Richtwerte, dynamisch): Sommer ab ca. 49 €/Nacht (inkl. 2 Pers., 5 kWh Strom, Wellness); Winter ab ca. 69 €/Nacht; in Spitzenzeiten deutlich höher möglich
- Telefon: 00 43/52 54 26 27
- Internet: www.camping-soelden.com
Ferienparadies Natterer See (Natters bei Innsbruck)
- Adresse: Natterer See 1, 6161 Natters, Österreich
- Preis (Richtwerte, dynamisch): Hauptsaison-Stellplätze teils ab ca. 83 €/Nacht (je nach Kategorie/Nachfrage)
- 6161 Natters, Natterer See 1
- Telefon: 00 43/5 12 54 67 32
- Internet: https://www.natterersee.com
Erlebnis Resort Aufenfeld (Aschau im Zillertal)
- Adresse: Aufenfeldweg 10, 6274 Aschau im Zillertal, Österreich
- Preise (Richtwerte): Camping ab 56,10 €; ACSI-Richtpreis 95,20–136,20 € (je nach Saison/Platz
- Telefon: 00 43/52 85 29 16
- Internet: https://www.camping-zillertal.at/





