"Allein durch Norwegen? Mit einem alten Camper? Als Frau? Bist du verrückt?" Genau das haben mir Freunde und Familie gefragt, bevor ich losfuhr. Dabei gibt es viele Gründe, warum immer mehr Farhen allein campen. Drei Wochen, 6.000 Kilometer, nur ich und mein 17 Jahre alter Pössl Duett L. Das Ergebnis? Eine der besten Entscheidungen meines Lebens – und der Beweis, dass Norwegen das perfekte Land für Solo-Camper ist. Egal, ob du Anfängerin bist oder schon Roadtrip-Profi.
Warum? Weil Norwegen sicher, einfach und atemberaubend schön ist. Und weil du hier Freiheit spürst, wie nirgends sonst. Hier verrate ich, wie es wirklich ist, allein im Camper unterwegs zu sein – und warum es jede schaffen kann.
Der Start – Panne, Pannenhilfe und die erste Lektion in norwegischer Gelassenheit
Mein Camper hatte bisher nur eine Jungfernfahrt zum Chiemsee hinter sich. Drei Stunden vor Abfahrt streikt die Bordelektronik. Kein Ersatzteil, kein Supermarkt um die Ecke. Doch dann: Mein Vater hat denselben Elektroblock im Wohnmobil – und er passt. Norwegen, ich komme!
Die erste Hürde? Der Oslofjordtunnel – 7,2 Kilometer unter dem Meer, 134 Meter tief. "Sieben Prozent Gefälle", warnt das Schild. Plötzlich verstehe ich, warum: So steil, wie ich hinabfahre, geht es gleich wieder bergauf. Und ich bin nicht allein – Norwegen hat Dutzende dieser Tunnel. Jedes Mal ein mulmiges Gefühl: Was, wenn hier unten eine Panne passiert? Doch die Norweger bauen sie sicher, hell und gut befahrbar. Tipp: Einfach durchatmen, Radio lauter drehen und genießen.
Die erste Nacht: Schweden, Ravioli und das Gefühl von Freiheit
Weil ich gehört habe, dass Malmö "ein heißes Pflaster" sein soll, suche ich mir via Park4Night-App einen Stellplatz etwas weiter nördlich. Und dann passiert es: Ich öffne meine erste Dose Ravioli, blicke auf den idyllischen Segelhafen – und weiß: Das ist genau das, wovon ich geträumt habe. Kein Stress, keine Verpflichtungen. Nur ich, mein Camper und die Weite.
Mein erster Stopp in Norwegen? Ein Supermarkt, um meine Lieblings-Zimtschnecken "Gifflar" zu kaufen. Warum? Weil Nervennahrung auf Reisen essenziell ist – und weil Norwegen viel günstiger ist, als viele denken, wenn man bei Rema1000 oder Kiwi einkauft.
Preikestolen, Wespen und die erste große Wanderung
Feda, ein Dorf mit 386 Einwohnern – und einer der schönsten Badestellen Norwegens. Hier, zwischen weißen Holzhäusern und bunten Bootshäusern, fühle ich mich wie Pippi Langstrumpf. Und dann kommt der Moment, in dem ich mich frage: Mache ich das hier wirklich allein? Ja. Und es fühlt sich großartig an.

Der Preikestolen war auch Drehort der letzten Verfolgungsjagd im 2018 veröffentlichten Actionfilm Mission Impossible: Fallout.
Mein erstes Highlight: Die Wanderung auf den Preikestolen, eine der berühmtesten Felskanzeln Norwegens. 604 Meter über dem Lysefjord, acht Kilometer hin und zurück. Ich breche erst am Nachmittag auf – und treffe trotzdem noch Dutzende Touristen. Doch die Aussicht? Atemberaubend. Tipp: Nimm genug Wasser mit und genieße den Campingplatz in der Nähe – perfekt, um nach der Wanderung nicht mehr weit fahren zu müssen.
Und dann die Wespen. Beim ersten Markisen-Versuch stelle ich fest: Ich bin nicht allein. Eine ganze Horde hat sich in meiner Markise eingenistet. Die Lösung? Einfach weiterfahren – und akzeptieren, dass die Wespen mich die nächsten drei Wochen begleiten werden. Norwegen lehrt mich Gelassenheit.
Unterwassertunnel, Fähren und die schönste Straße der Welt
Norwegen ist das Land der Tunnel. Der Ryfylketunnel ist mit 14,4 Kilometern der längste und tiefste der Welt. Und ja, es ist ein komisches Gefühl, 292 Meter unter dem Meeresspiegel zu fahren. Aber die Norweger wissen, was sie tun: Die Tunnel sind sicher, gut beleuchtet und sogar mit Handyempfang.
Doch Norwegen hat noch mehr zu bieten:
- Die Atlanterhavsveien ("Straße im Meer") – 36 Kilometer pure Magie, mit Brücken, die sich über das Meer schlängeln. Achtung: Bei Wind kann der Camper zum Schaukelpferd werden!
- Die Fähren – entspannt, günstig und mit automatischer Kennzeichenerkennung. Einfach online registrieren und losfahren.
- Die Scenic Routes – 18 offizielle Touristenstraßen, die dich durch die schönsten Landschaften führen. Mein Favorit: Die Jæren-Route mit ihren schmalen Bergpassagen.
In Ålesund schlendere ich durch das vom Jugendstil geprägte Städtchen, erklimme die 418 Stufen auf den Stadtberg Aksla mit der wunderschönen Aussicht und grille am Abend auf dem zentral und doch trotzdem ruhig gelegenen Stellplatz mitten in der Stadt. Natürlich könnte man in Norwegen auch frei stehen, doch wo ich schon alleine unterwegs bin und jedes Knistern höre, gibt es mir ein sichereres Gefühl, immer andere Camper um mich herum zu haben.

Atlanterhavsveien: Der Ausblick des 189 Meter hohen Aussichtsberg Aksla in Ålesund ist jede Stufe wert.
Schon auf dem Weg in Richtung zu Hause versetzt mich der Campingplatz "Trollveggen Camping" an der imposanten Trollwand, mit 1.000 Metern die höchste Steilwand Europas, noch einmal ins Staunen. Selten habe ich mein Müsli im Bett, die Türen hinten weit geöffnet mit Blick auf das Bergmassiv, mehr genossen. Mit dieser Aussicht nehme ich innerlich Abschied und weiß, dass nun die anstrengende Fahrt nach Hause auf mich wartet. Ich greife zum Handy und schreibe meiner Familie und meinen Freunden eine WhatsApp-Nachricht mit exakt demselben Wortlaut. "Leute, diese ganze Reise war nicht nur die wohl beste Idee meines Lebens. Sie war sogar so gut, dass ich so schnell wie möglich wieder hierherkommen muss."
Die größten Sorgen vor der Reise – und warum sie unbegründet waren
"Wirst du nicht einsam?" Nein. Auf Stellplätzen trifft man immer andere Camper – und die Frage "Du bist ganz allein unterwegs?" führt schnell zu netten Gesprächen. Manche sehe ich sogar mehrmals wieder, Hunderte Kilometer weiter.
"Was, wenn du eine Panne hast?" Norwegen ist eines der sichersten Länder der Welt. Und die Norweger sind hilfsbereit bis zum Anschlag. Als ich auf einem Parkplatz die Motorhaube öffne, weil ich mir unsicher bin, ob ich genug Öl habe, hält sofort ein Einheimischer an und weist mir den Weg zur nächsten Werkstatt.
"Fühlst du dich als Frau allein sicher?" Absolut. Norwegen ist eines der sichersten Länder Europas. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt – weder auf Stellplätzen noch in abgelegenen Gegenden. Tipp: Nutze die Park4Night- oder die Stellplatz-Radar-App, um sichere Stellplätze zu finden.

Ein kleiner Blick auf die Auswahl beim Café "Brunsj og Briller".
Die wichtigsten Tipps für deine Norwegen-Solo-Reise
Anreise: Fähre oder Landweg?
- Fähre: Schnell und entspannt (Hirtshals Kristiansand, 2–4 Stunden).
- Landweg: Länger (ca. 8 Stunden mehr), aber perfekt, wenn du Schweden erkunden willst. Tipp: Die Öresundbrücke kostet für Camper unter 6 m ca. 68 Euro Maut.
Reisezeit: Wann ist die beste Zeit?
- Juni bis August: Die meisten Straßen sind geöffnet, die Tage lang, die Temperaturen angenehm (15–25 °C).
- Mai oder September: Weniger Touristen, aber einige Hochgebirgsstraßen können noch gesperrt sein.
Straßenverhältnisse: Was du wissen musst
- Europastraßen (E39, E6): Gut ausgebaut, aber oft ohne Mittelstreifen.
- Fylkesveier (Bezirksstraßen): Eng, kurvig, aber landschaftlich atemberaubend.
- Scenic Routes: Traumhafte Aussichten, aber oft steile Anstiege und Haarnadelkurven.
- Tunnel: Dutzende Unterwassertunnel – einfach durchatmen und genießen.
- Fähren: Kennzeichenerkennung macht es einfach. Einfach online registrieren (z. B. bei epass24.com).
Maut & Kosten: So sparst du Geld
- Maut: Automatische Erkennung, Rechnung kommt per Post. Tipp: Registriere dich vorab bei AutoPASS für Rabatte.
- Lebensmittel: Teuer, aber Rema1000 oder Kiwi sind günstiger als andere Supermärkte.
- Stellplätze: In der Hochsaison oft ausgebucht. Tipp: Vorab reservieren oder früh kommen.
Übernachten: Stellplatz oder Freistehen?
- Stellplätze: Sicher, mit Infrastruktur (Strom, Wasser, Entsorgung). Perfekt für Solo-Reisende.
- Freistehen: In Norwegen erlaubt ("Jedermannsrecht"), aber nicht mit Fahrzeugen. Tipp: Auf visitnorway.de findest du alle Regeln.
Stelplatz-Tipps Schweden:
- Lundåkrahamnen, Stuverigatan 43, 26135 Landskrona, lundakrahamnen.se
Stellplatz-Tipps Norwegen:
- Sjøterassen, 10 Hafsundveien, 3967 Stathelle
- Feda, 110 Fylkesveg 804, 4485 Feda
- Preikestolen Bobilparkering, 7 Preikestolen, 4105 Jørpeland
- Skånevik Bobilparkering, Skånasund 3, 5593 Skånevik
- Bratland Camping, Brattlandsvegen 6, 5268 Haukeland, bratlandcamping.no
- Jølster Panorama, 6843 Skei i Jølster, jolsterpanorama.no
- Skjerva Bobilparkering, Kjøpmannsgata, 6005 Ålesund, alesundbobil.no/parkering/skjerva-bobilparkering/
- Hustadvika Panorama, Bergsetvegen, 6430 Bud, hustadvikapanorama.no
- Trollveggen Camping, Romsdalsvegen 9241, 6300 Åndalsnes, trollveggen.com
- Hamar Bobilhavn, Brygga 12, 2317 Hamar, hamarbatforening.no/bobilcampen





