Mobil-Tour durch Marokko Carolin Hlawatsch
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Camper-Tour durch Marokko

Kleine Afrika-Runde im Winter

Bevor uns der Winter-Blues erwischt, machen wir uns weit nach Süden auf. Und drehen eine schöne Runde durch das wunderliche Königreich im Nordwesten des schwarzen Kontinents.

Eigentlich ist Marokko ja längst kein Ziel mehr nur für Abenteurer. Und doch haftet dem Land noch etwas Exotisches an: Fernes Afrika, Wüstensand und Shisharauch. Im Winter und Frühjahr locken gemäßigt warme Temperaturen um die 20 Grad zu einer Tour oder einem längeren Aufenthalt. Da lassen sich die Königsstädte Fès, Marrakesch, Meknès und Rabat ohne Schweißausbrüche erkunden, und der Sahara-Sand verbrennt nicht die Fußsohlen. Mag auch der Atlantik zu kalt zum Baden sein, es reizen doch die Strände jetzt zu langen Spaziergängen. Eine Regenzeit wie im südlicheren Afrika gibt es in Marokko nicht, höchstens kann es an der Küste zwischen November und Januar mal etwas nass werden.

Vier Wochen Rundreise in Marokko im Wohnmobil

Für unsere vierwöchige Rundtour setzen wir mit der Fähre vom spanischen Algeciras zum marokkanischen Hafen Tanger Med über. Tickets kaufen wir günstig direkt am Hafen von Algeciras – nicht an den schon 100 Kilometer vorher angezeigten Verkaufsstellen. Wir feilschen, wie es sich gehört, und bezahlen schließlich 200 Euro für Campingbus, zwei Personen und Hund.

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Warten auf die Fähre: Die Überfahrt von Algeciras in Spanien nach Tanger Meddauert etwa eineinhalb Stunden. Das Ticket gibt’s günstig direkt am Hafen.

Zufrieden reihen wir uns in die Schlange der auf die Fähre wartenden Fahrzeuge ein. Günstiger Moment, um unseren vierbeinigen Gefährten Yeti noch mal rauszulassen. Seine Papiere werden weder bei der Ein- noch später bei der Ausreise kontrolliert. Dennoch sollte man sie natürlich unbedingt dabeihaben.

Die Überfahrt durch die Straße von Gibraltar dauert eineinhalb Stunden. Yeti muss im Schiffsbauch im Mobil warten, denn Hunde sind an Deck nicht gestattet. Wir suchen einen Fensterplatz, um die springenden Delfine zu beobachten, die das Schiff begleiten.

Achtung, Giftköder gegen Streunerhunde

Von Tanger Med aus fahren wir in das 70 Kilometer entfernte Asilah. Der Fischerort empfängt uns mit einem entzückenden Sonnenuntergang. Den wollen wir genießen, statt noch im Dunkeln nach einem Stellplatz für die erste Nacht in Marokko zu suchen. Deshalb nutzen wir die nächstbeste Gelegenheit direkt an der Ortseinfahrt. Hier parken mehrere Reisemobile, deren Besatzungen wohl genau wie wir auf den enthusiastisch winkenden Mann in Warnweste hereingefallen sind. Es gelingt ihm ganz gut, zahlreiche Mobile auf „seinen“ Parkplatz zu lotsen.

20 Dirham, das sind etwa 2 Euro, dafür, dass wir bewacht stehen. Kein Wasser, kein Strom, immerhin direkt am weiten Strand. Leider liegt hier viel Müll herum. Wir müssen achtgeben, dass unser Hund nichts aufklaubt. Bekanntermaßen werden an vielen Stellen Giftköder ausgelegt, um die Zahl der Streunerhunde zu dezimieren.

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Asilah mit seinen weißen Häusern und blauen Türen.

Ein ganz anderes Bild ergibt sich am nächsten Tag in der schönen, weißgetünchten und aufgeräumten Altstadt. Beim Schlendern durch die Gassen treffen wir Thorsten aus Berlin. Der Marokko-Kenner führt uns auf den Markt und in einen Imbiss, in dem wir zwischen den Einheimischen Harira speisen, eine traditionelle Suppe aus Kichererbsen oder Linsen, Zwiebeln, Tomaten, Rindfleisch und Kräutern.

Thorsten ist es auch, der uns einen netteren, wenn auch sehr einfachen Campingplatz beinahe gegenüber von unserem „Straßen-Stellplatz“ zeigt. Uns zieht es jedoch weiter entlang der Küste gen Süden.

Auf den Spuren von Jimi Hendrix

Tolle Landschaften erstrecken sich südlich der Stadt Safi, etwa beim Dorf Sidi Yssahak. Am unverbauten Küstenabschnitt haben wir Dünen vor Weidelandschaft ganz für uns. Lediglich Landschildkröten und Hirten mit Ziegen und Eseln sind hier unterwegs.

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Am Strand von Essaouria tummeln sich Surfer, Dromedare, Quadfahrer, Pferde und Strandwanderer.

Nicht weit entfernt liegt die Hafenstadt Essaouira, wo wir uns den Strand mit Surfern und Quadfahrern, Dromedaren und Pferden teilen. Bei einer Strandwanderung in Richtung Diabat, mit Blick auf die Purpurinseln, wird es einsamer. In den 70er Jahren quartierte sich Jimi Hendrix für ein paar Tage in Diabat ein, heute kann man auf seinen Spuren wandeln. Zurück in Essaouira, suchen wir zum Essen die hier angesagte Alternative zum Restaurant auf: die Fischbuden am Platz Bab el Minzah, zwischen Fischerhafen und „Medina“, dem arabischen Wort für Altstadt. Dort stellen wir uns für kleines Geld einen Fischteller zusammen und speisen mit Blick auf den lebendigen Platz.

Essaouria gefällt uns mit seinem von Möwen umkreisten Hafen und seiner Medina, einem Labyrinth aus Gassen und Torbögen, in dem Kunsthandwerker lautstark ihre Waren feilbieten und sich Galerien und Cafés hinter kobaltblauen Türen verstecken.

Hier wollen wir eine Pause einlegen und checken auf dem „Camping Le Calme“ ein. Tatsächlich ist dieser Platz, zehn Kilometer südlich von Essaouira abseits der Küste beim Dorf Bouzama gelegen, eine Oase der Ruhe. Wir entspannen unter Arganbäumen und am Pool, und abends speisen wir hausgemachte Tajine im kleinen Gartenrestaurant, eine Spezialität aus dem aus Lehm gebrannten Schmortopf.

Erholt, sortiert und mit frisch gewaschener Wäsche im Gepäck geht es Richtung Antiatlas. Die Touristenhochburg Agadir lassen wir links liegen, stoßen dafür lieber in die bizarren Granitlandschaften und Berbersiedlungen rund um Tafraoute vor.

Unseren Camper parken wir direkt an den bunten Felsen von Tafraoute. Die vom belgischen Maler Jean Vérame bemalten Kullersteine „Les Peintures“ finden wir fünf Kilometer außerhalb der Stadt. 20 Tonnen Naturfarben soll der Künstler 1984 verbraucht haben, um all die Felsen zu bemalen, die hier kunterbunt herumliegen, als wären sie von einem Riesen zerstreut worden. Durch Witterungseinfluss sind die Farben inzwischen ein wenig verbleicht. Wer weiß, wie lange dieses irreale Szenario noch so zu sehen ist.

Afrika ist das zweite Zuhause von Rita und Freddy Reck.
Tipps

25 Grad im Winter

Die Region rund um die verschlafene Kleinstadt Tafraoute bietet interessante Ausflugsziele und zudem ein angenehmes Klima im Dezember und Januar – kaum Niederschlag und Durchschnittstemperaturen von 25 Grad –, also für alle Marokko-Überwinterer ein guter Ort zum Verweilen. Kein Wunder, dass die umliegenden Campingplätze im Winter manches Mal überfüllt sind.

Südeuropa
Tipps

Unsere Rundtour sieht nun einen kleinen Schlenker gen Norden nach Marrakesch vor, um dann in den Südwesten Marokkos vorzudringen. Nach einer aussichtsreichen Passage über den 2260 Meter hohen Tizi-n’Tichka-Pass führt unsere Strecke durch das von Palmen-Oasen gesäumte Draa-Tal, ehemals Handelsweg der Karawanen, die von Timbuktu nach Marrakesch zogen, zu den Dunes des Tinfou. Dieses kleine Areal Sandwüste ist ein Vorbote der Sahara und auch mit einem ganz normalen Reisemobil gut zu erreichen.

Wer aber Wüsten-Feeling pur spüren möchte, sollte weiterrollen bis Mhamid, dort das Mobil parken und bei einem der vielen Anbieter vor Ort eine Sahara-Tour mit Jeep oder Dromedar buchen. Da wir mit Yeti reisen, verzichten wir auf die Dromedar-Tour. Dabei müsste unser Hund lange Strecken im Wüstenklima neben dem Kamel herlaufen. Stattdessen wählen wir die Jeep-Variante. Hassan von „Saharatouring“ nimmt auch Hunde mit.

Wüste und Wasser

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Unterwegs im Atlasgebirge.

Noch eineinhalb Wochen Reisezeit bleiben uns in Marokko. Wir fahren zurück nach Ouarzazate und entlang der spektakulären Route der Kasbahs mit ihren Lehmburgen und Schluchten, um uns dann langsam wieder nach Norden vorzuarbeiten. Unterwegs machen wir einen Abstecher zu den gigantischen Ouzoud-Wasserfällen, die im mittleren Atlas aus über 100 Metern in die Tiefe stürzen. Sie sind auch bei Marokkanern ein beliebtes Ausflugsziel. Auch heute geht es hier recht wimmelig zu.

Zusammen mit Yeti kämpfen wir uns vorbei an den frechen Berberaffen und steigen Plattform um Plattform hinunter bis zum Fuß der Wasserfälle. Die schmalen Treppenpfade sind gesäumt von Cafés und Souvenirshops. Auf den steilen, stark frequentierten Wegen ist unser Hund immer wieder direkt auf Augenhöhe mit entgegenkommenden Kindern.

Mehrmals springen Frauen und Kinder erschrocken zur Seite. Zu diesem Ausflug sollte man nur ruhige, gut erzogene Hunde mitnehmen. Wir wandern weiter flussabwärts, die Wasserfälle stets im Blick. In der Afrika-Lounge des stimmungsvollen „Camping Zebra“ planen wir am Abend die nächsten Stationen.

Ein kleines Abenteuer erleben wir in den uralten Zedernwäldern zwischen den Orten Khénifra und Ifrane. Im Nationalpark Ifrane und Aguelma Azigza wandeln wir unter 600 Jahrealten Baumriesen und habendas Glück, in den Kronen Berberaffen hüpfen zu sehen. Sie gehören zur Gattung der Makaken, die ansonsten nur in Asien vorkommt.

Wir staunen, dass Marokko so grün sein kann. Hier auf über 1600 Meter Höhe ist es kühl und regnet ergiebig. Nach einer Nacht am Waldrand steckt unser Van jedoch im aufgeweichten Lehmboden fest. Wir warten an der nahen Straße, bis endlich ein Auto auftaucht. Großes Glück, es sind die Park-Ranger! Doch selbst mit ihrem dicken Jeep bekommen sie unser Wohnmobil nicht frei.

Aber in Marokko ist man nie lange alleine, selbst in den abgelegensten Gegenden nicht. Bald stehen acht hilfsbereite Männer im Schlamm, buddeln die Räder frei, verlegen flache Kieselsteine. Nach drei Stunden steht unser Bus matschbespritzt wieder auf der Straße. Und Yeti sieht ihm ganz ähnlich: Er hat die Wartezeit im Regen genutzt, um im Morast von Zeder zu Zeder zu streifen.

Einreisebestimmungen für Marokko

Ein Reisepass ist für die Einreise nötig, der zum Zeitpunkt des Marokko-Eintritts noch mindestens sechs Monate gültig ist. Ein Personalausweis reicht nicht aus. Als Tourist darf man ohne Visum bis zu 90 Tage im Land bleiben. Für längere Aufenthalte oder eine Arbeitstätigkeit muss man sich eine entsprechende Genehmigung von der Botschaft oder einem der Konsulate in Deutschland ausstellen lassen.

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Im Antiatlas pikst es schon mal unter den Pfoten.

Wer mit Hund in ein „nicht gelistetes Drittland“ einreist – Marokko ist ein solches Land – wird dabei weniger streng kontrolliert als bei der Wiedereinreise in die EU. In Marokko gibt es noch die Tollwut. Neben Chip oder Tätowierung und im EU-Haustierpass eingetragener gültiger Tollwutimpfung ist auch ein Tollwut-Titertest erforderlich. Die Blutentnahme kann vom Tierarzt durchgeführt werden, der das Blut dann zur Untersuchung in ein zugelassenes EU-Labor schickt. Wichtig: Die Blutentnahme darf frühestens 30 Tage nach Impfung gemacht werden.

Unterwegs auf Marokkos Straßen

Autobahn: Fahrbahnbelag meist in gutem Zustand, mautpflichtig, an den Auffahrten gibt es Ticket- oder Barzahl-Automaten, Kosten richten sich nach Fahrzeugklasse und gefahrener Entfernung. Achtung: Ausschließlich Barzahlung möglich. Rund 1000 Autobahnkilometer von Tanger nach Agadir kosten für Campingbusse und Reisemobile rund 480 Dirham (ca. 45 Euro). Tempolimit 120 km/h.

Landstraße: Weniger gut ausgebaut als Autobahn, weniger Tankstellen, dafür oftmals mit prachtvoller Landschaftskulisse. Deswegen, wenn es die Zeit erlaubt, unbedingt die Landstraße bevorzugen; größtenteils asphaltiert, selten Schotter-Abschnitte, Achtung: Auch Esel, Ziegen, Kutschen, Mopeds und Fußgänger sind hier unterwegs, Tempolimit 100 km/h.

Stadtverkehr: In den Städten oft wuselig, besser nicht in die Altstädte hineinfahren, außerhalb parken, an das Trinkgeld für den Parkwächter denken, viele Medinas, wie zum Beispiel Fès, sind ohnehin nicht mit dem Auto passierbar. Halteverbot an rot-weiß oder grün-weiß gestreiften Bordsteinen. Ruhe bewahren bei Hupkonzerten, die oft auf das Umspringen einer Ampel von Rot auf Grün folgen. Tempolimit innerhalb geschlossener Ortschaften 40 bis 60 km/h.

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