Viele Camperinnen und Camper unterschätzen die Kunst des richtigen Beladens. Doch eine falsche Gewichtsverteilung kann auf der Straße zur echten Gefahr werden – und bei Kontrollen teuer. Wenn Sie Ihr Wohnmobil zuladungsgerecht und sicher packen möchten, sollten Sie mehr beachten als nur Ordnung im Stauraum: Es geht um den Schwerpunkt, die Achslasten und konkrete Regeln. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Ihr Fahrzeug optimal beladen – mit Beispielrechnung, praktischen Tipps und einer 5-Schritte-Checkliste.
1. Warum die richtige Beladung so wichtig ist
Nicht das Gesamtgewicht allein entscheidet über die Sicherheit Ihres Fahrzeugs. Mindestens genauso relevant ist die Frage, wo sich das Gewicht im Aufbau verteilt. Liegt der Schwerpunkt zu hoch oder zu weit hinten, leidet die Fahrstabilität – vor allem bei Kurven, Bremsmanövern oder starkem Seitenwind. Falsch beladene oder überladene Fahrzeuge sind nicht nur gefährlicher unterwegs, sondern auch anfällig für versicherungstechnische Probleme im Schadensfall oder Bußgelder.
2. Schwerpunkt: Das A und O beim Beladen
Ein Wohnmobil reagiert auf Gewicht ähnlich wie ein vollgepackter Einkaufswagen: Befinden sich die schweren Gegenstände oben, kippt es schneller. Darum lautet die wichtigste Regel:
Schwere Gegenstände gehören so tief und mittig wie möglich ins Fahrzeug.
Typische Schwergewichte im Campingalltag:
- Getränkekisten
- Werkzeug
- Konserven
- Gasflaschen
- Ersatzakkus für E-Bikes
Ideale Stauraumorte dafür:
- Unterflurfächer
- Garage nahe der Hinterachse
- Bodennahe Stauräume im Innenraum
Leichte Objekte wie Kleidung, Schlafsäcke oder Kunststoffgeschirr gehören in die oberen Hängeschränke – am besten in Fahrtrichtung und mit Abstand zur Tür.
3. Zuladung: Wie viel dürfen Sie wirklich mitnehmen?
Die maximal erlaubte Zuladung berechnet sich aus dem zulässigen Gesamtgewicht abzüglich des fahrbereiten Leergewichts. Der Großteil klassischer Wohnmobile hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen, um für Fahrerinnen und Fahrer mit dem Klasse-B-Führerschein attraktiv zu bleiben. Da allerdings Innenausbau, Elektronik, Wasserleitungen und Co. immer ins Fahrzeug gehören, ist die Zuladung in dieser Gewichtsklasse nie besonders üppig. Wichtig: Viele unterschätzen dabei den Einfluss von Zubehör und Flüssigkeiten.
Beispielrechnung:

- Gesamtgewicht laut Fahrzeugschein: 3.500 kg
- Leergewicht: 3.050 kg
- + 220 kg Gas, Wasser, Diesel
- + 250 kg Passagiere
- = 130 kg Rest-Zuladung
Je mehr Zubehör – etwa Fahrradträger, Lithium-Batterien oder Solarpanels – Sie nachrüsten, desto weniger bleibt für Gepäck und Insassen übrig.
So viel wiegt Sonderausstattung im Wohnmobil
- Klimaanlage Wohnraum: 40 kg
- Markise: 38 kg
- Sat-Anlage: 20 kg
- Klimaanlage Fahrerhaus: 18 kg
- Backofen: 17 kg
- Panorama-Dachfenster: 15 kg
- Flachbildschirm: 11 kg
- Fahrradträger: 10 kg
4. Achslasten: Vorn wie hinten zählt jedes Kilo
Jede Achse hat ihre eigene maximale Belastbarkeit. Selbst wenn Sie das zulässige Gesamtgewicht einhalten, kann Ihr Fahrzeug überladen sein – nämlich dann, wenn die Gewichtsverteilung nicht stimmt. Besonders problematisch: beladene Heckgaragen und schwere E-Bikes auf dem Träger.
Unser Tipp: Lassen Sie Ihr Fahrzeug achsweise wiegen – zum Beispiel an öffentlichen Waagen bei Bauhöfen, Entsorgungsanlagen oder TÜV-Stationen.
5. Stauraum optimal nutzen: So geht’s richtig
- Küchenbereich: Nur leichte Gegenstände wie Geschirr, Gewürze, Besteck
- Garage: Alles Schwere – Stühle, Werkzeug, Kabeltrommel
- Oberschränke: Kleidung, Decken, Handtücher
- Fahrzeugmitte: Wasserkanister, Vorräte, Batterien – wenn möglich zentral und tief
Zusatz-Tipp: Verwenden Sie Antirutschmatten, Boxen mit Deckel und Spanngurte, um Klappern und Verrutschen während der Fahrt zu vermeiden.
6. Checkliste: In 5 Schritten sicher beladen
- Fahrzeug wiegen – idealerweise pro Achse
- Schweres Gepäck tief und mittig verstauen
- Leichtes Gepäck in Oberschränke legen
- Alle losen Teile sichern (z. B. mit Gurten oder Boxen)
- Vor Abfahrt alles überprüfen – inklusive Staufächer & Türen












