Schockverliebt beim Caravanhändler: Da steht er, der heiß ersehnte Traum-Caravan. Der Grundriss passt für zwei, die Sitzgruppe lädt zum Verweilen ein und die Küche lässt keine Wünsche offen. Endlich der Richtige!
Doch wer sich beim Caravankauf nur von Gefühlen leiten lässt, kann später böse Überraschungen erleben. Nicht einkalkulierte Kaufnebenkosten, zu geringe Zuladungsreserven, falsch eingeschätzte Folgekosten und zu spät entdeckte Mängel – die Liste möglicher Fehler beim Caravankauf ist lang. CARAVANING zeigt, worauf Sie beim Kauf eines Caravans unbedingt achten sollten, damit die große Liebe nicht zum teuren Frust wird.
1. Servicebedarf nicht unterschätzen
Nachrüstungen, Dichtigkeitsprüfungen, Garantieabwicklung oder Reperaturen, der Servicebedarf rund um Wohnwagen ist relativ hoch. Der reine Kaufpreis sollte deshalb nicht das alleinige Entscheidungskriterium sein. Wichtig ist auch ein Händler mit Werkstatt, der vom Wohnort nicht zu weit weg ist. Wer zum Schnäppchenpreis auf der Messe kauft, kann auf Verkäufer treffen, deren Betrieb am anderen Ende Deutschlands liegt. Die eingesparten Euros beim Kaufpreis sind schnell wieder futsch, wenn der Händler am Wohnort keine Fremdkunden betreuen will.
2. Zuladungsreserven realistisch kalkulieren
Wer die Gewichtsangaben eines Caravans einschätzen möchte, muss die zugrunde liegenden Vorgaben kennen. Die in den technischen Daten meist angegebene "Masse in fahrbereitem Zustand" enthält das Leergewicht der Serienausstattung mit Gasvorräten (Alu- oder Stahlflaschen) und Frischwasser im Fahrbetrieb (je nach Hersteller). Zieht man von der zulässigen Gesamtmasse diese Masse ab, erhält man die Zuladung in der Serienausstattung.

Rangiersysteme erleichtern ankuppeln und einparken, bringen aber auch einiges an Gewicht auf die Waage.
Eine realistischere Grundlage liefert das CARAVANING-Leergewicht, das in jedem Test penibel radweise gewogen wird. Dabei ist die Wasseranlage komplett gefüllt und die vorgesehene Anzahl an Stahlgasflaschen sind mit an Bord. Mit dem so ermittelten Zuladungswert lässt sich realistisch kalkulieren, ob es reicht für das Gepäck und die gewünschte Sonderausstattung.
So viel wiegt Zubehör
- Rangiersystem: 28 bis 84 kg.
- Vorzelt: 16 bis 84 kg.
- Markise: 9 bis 54 kg.
- Sat-Anlage (fest): 34 kg.
- Dachklimaanlage: 30 kg.
- Bordbatterie: 10 bis 30 kg.
- Fahrradträger: 10 bis 20 kg.
- Flachbildschirm: 4 bis 5 kg.
3. Wiederverkaufswert bedenken
Wer einen Caravan kauft, denkt zunächst nicht an den Wiederverkauf – doch irgendwann kommt dieser Zeitpunkt. Worauf Interessenten schon beim Kauf achten sollten, hat uns Wolfgang Thein, Inhaber von Caravan-Thein in Schweinfurt erläutert. Entscheidend ist vor allem eine ausreichende Zuladungsreserve, da sie die Nutzungsmöglichkeiten erweitert und beim späteren Verkauf eine breitere Käuferschicht anspricht. Ebenso kann sich eine beim Kauf vergleichsweise günstige Vorbereitung für eine Klimaanlage inklusive Dachverstärkung auszahlen. Viele andere Ausstattungsdetails lassen sich dagegen problemlos nachrüsten. Beim Wiederverkauf ist außerdem der Zustand wichtiger als Alter oder Zahl der Vorbesitzer, sagt Wolfgang Thein. Wer seinen Wohnwagen pflegt, kann
4. Folgekosten bedenken
Auch die Folgekosten müssen bedacht werden. Dazu zählen:
- Die obligatorische Haftpflichtversicherung und der Kaskoschutz, deren Preise sich abhängig vom Versicherer stark untercheiden.
- Kfz-Steuer, die je angefangene 200 Kilogramm mit 7,46 Euro berechnet wird.
- Wer den Caravan nicht auf dem eigenen Grundstück abstellen kann, muss zusätzlich mit Kosten für einen gemieteten Abstellplatz rechnen. Je nach Größe des Caravans und Ausstattung des Abstellplatzes kann dieser zwischen 25 und 275 Euro pro Monat kosten.
- Da die Kosten für die obligatorische Dichtigkeitsprüfung sehr unterschiedlich ausfallen können, fragt man am besten den Händler vorher nach der jeweiligen Höhe.
- Alle zwei Jahre fallen außerdem die Gasprüfung (40 bis 80 Euro) sowie die Hauptuntersuchung für rund 60 Euro an

Wer keine Möglichkeit auf dem eigenen Grundstück hat, sollte Kosten für einen Abstellplatz vor dem Kauf abklären und bei den laufenden Kosten mit einkalkulieren.
5. Kaufnebenkosten einkalkulieren
Wer nur auf den Listenpreis schaut, kann beim Kaufabschluss eine unangenehme Überraschung erleben. Denn die Überführungskosten, also die Fracht vom Caravanwerk bis zum ausliefernden Händler geht üblicherweise extra.Nicht immer sind sie in der Preisliste, meist im "Kleingedruckten", zu finden
- Bei inländischen Modellen sind das keine so gravierenden Beträge.
- Bei Importfahrzeugen kommen höhere Kosten zusammen.
- Mit 800 bis 1.200 Euro muss man hier in der Regel rechnen.
Zusätzlich werden meist noch die Kosten für die erste TÜV-Abnahme und die Zulassung berechnet, teils auch für die EG-Übereinstimmungsbescheinigung (CoC) bei EU-Importen. Ob weitere Kosten etwa für die Einweisung entstehen, erfragt man am besten vor Kaufabschluss beim Händler.
Insgesamt können sich die Zusatzkosten auf mehrere tausende Euro summieren. Deshalb listet man am besten schon vor Vertragsunterzeichnung alle Nebenkosten auf und rechnet sie ins Budget mit ein.
6. Zahlung möglichst sicher abwickeln
Auch wenn die Vorfreude auf das eigene rollende Zuhause manches überstrahlt, sollte der Ablauf beim Kauf eines Caravans klaren Regeln folgen. Welche das sind, hat uns Kai Dhonau, Präsident des Deutschen Caravaning Handels-Verbands (DCHV) und selbst Inhaber eines Handelsbetriebs, erläutert.
- Nach der verbindlichen Bestellung prüft der Händler die Verfügbarkeit oder ordert das Modell beim Hersteller.
- Erst mit der Auftragsbestätigung wird eine Anzahlung fällig. Sie liegt laut Kai Dhonau meist zwischen 5 und 20 Prozent, üblich sind 10 Prozent, bei besonderen Ausstattungswünschen können es auch 20 Prozent sein.
- Für besondere Einbauten wird häufig eine separate Vorabrechnung gestellt, wenn das Fahrzeug individuell angepasst wird.
- Bei einer Vollfinanzierung kann die Anzahlung entfallen, weil die Bank die Bonität bereits geprüft hat.
- Bei der Bezahlung gilt das klassische Zug-um-Zug-Verfahren: Üblich sind 50 Prozent bei Übergabe der Zulassungspapiere, der Rest bei Abholung.
- Wer per Echtzeitüberweisung zahlen möchte, sollte vorab mit der Bank klären, ob sein Limit ausreicht. So bleibt der Moment der Schlüsselübergabe ungetrübt, denn ohne Zahlung wird der Händler das Fahrzeug nicht aus der Hand geben.
Stutzig sollte man werden, wenn ein Händler die vollständige Kaufpreiszahlung ohne Übergabe der Papiere verlangt oder eine deutlich höhere Anzahlung als branchenüblich fordert. Das A und O beim Kauf ist laut Kai Dhonau eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Verkäufer und Kunde. Wer den Händler noch nicht kennt und Bewertungen im Internet prüft, sollte sich nicht von einer guten Gesamtbewertung blenden lassen, sondern gezielt auf Auffälligkeiten vor allem in neueren Rezensionen achten.
Wer sein bisheriges Fahrzeug in Zahlung gibt und es noch vor Übergabe des neuen Caravans dem Händler überlässt, geht ein gewisses Risiko ein, wenn der Fahrzeugwert deutlich über der üblichen Anzahlung liegt, warnt Dhonau. Er rät Kunden, die Fahrzeugpapiere zu behalten, bis das Fahrzeug tatsächlich verkauft wird. Erfolgt das vor Übergabe des bestellten Caravans, überweist der Händler den Erlös abzüglich der üblichen Anzahlung.
7. Liefertermin vereinbaren
Aktuell haben viele Händler mehr Neufahrzeuge im Bestand als in den Vorjahren, und auch die Lieferzeiten für Bestellfahrzeuge sind deutlich kürzer geworden. Dennoch sollte man im Kaufvertrag einen Liefertermin vereinbaren. In den meisten Bestellformularen wird ein unverbindlicher Liefertermin genannt, der vom Verkäufer überschritten werden darf. Erst wenn dieser Termin erheblich überschritten ist, üblich sind bei Neufahrzeugen etwa sechs Wochen, kann der Käufer den Verkäufer mit einer angemessenen Nachfrist zur Lieferung auffordern.

Vor der Vertragsunterzeichnung gilt es, die Zusatzkosten, Zahlungsmodalitäten, eine eventuelle Inzahlungnahme und die Lieferfristen zu klären.
Verstreicht auch diese Frist, sind der Rücktritt vom Vertrag oder Schadensersatzforderungen grundsätzlich möglich. Anders verhält es sich bei einem verbindlich vereinbarten Liefertermin. In diesem Fall gerät der Verkäufer schneller in Verzug, ohne dass der Käufer lange abwarten muss. Ein solcher Fixtermin ist beim Caravankauf aber eher unüblich. Wer beim Lieferverzug eine Handhabe haben will, sollte unbedingt darauf achten, dass überhaupt ein Liefertermin, wenn auch unverbindlich, im Kaufvertrag festgehalten wird. Nur so lässt sich später nachvollziehen, ab wann gegebenenfalls eine Nachfrist gesetzt werden kann.
8. Übernahme sorgfältig dokumentieren
Für die Übergabe sollten sich Campende viel Zeit nehmen und alles genau begutachten und dokumentieren. Wer in der Aufregung nur schnell die Übernahmebestätigung unterschreibt, ärgert sich später womöglich über unentdeckte Mängel oder Funktionen, die er nicht richtig verstanden hat. Schäden oder Fehlfunktionen, die erst zu Hause oder bei der ersten Fahrt auffallen, lassen sich im Nachhinein schwerer reklamieren als direkt bei der Übergabe.
Zu einer sorgfältigen Übergabe gehört mehr als ein kurzer Rundgang:
- Alle wichtigen Aggregate sollten vor Ort erklärt und getestet werden: Heizung, Kühlschrank, Toilette, Wasserpumpe, Beleuchtung und Markise.
- In einem schriftlichen Übergabeprotokoll sollten sämtliche erkennbaren Mängel festgehalten, vom Händler bestätigt und möglichst mit Fotos dokumentiert werden.
- Konkrete Nachbesserungsfristen sind besser als ein vages "Wird noch gemacht". Ein fest vereinbartes Datum schafft Verbindlichkeit.
9. Nutzung realistisch planen
Wer ein Fahrzeug wählt, das nicht zu den eigenen Gewohnheiten passt, muss es möglicherweise bald mit Verlust wieder verkaufen.

Sind die Kinder nicht mehr ganz so klein, sollte man über ein Hubbett über der Sitzgruppe anstelle von Stockbetten nachdenken.
Solche Fehlentscheidungen lassen sich vermeiden, wenn Campende die Nutzung vor dem Kauf realistisch planen. Entscheidend sind dabei mehrer Faktoren:
- Wenn Kinder oder Enkel ebenfalls mit dem Gespann fahren sollen und nur die Führerscheinerweiterung B96 besitzen, darf die Kombination aus Zugfahrzeug und Caravan maximal 4.250 kg zulässige Gesamtmasse haben. Für schwerere Gespanne ist der aufwendigere Anhängerführerschein der Klasse BE erforderlich.
- Bei den Schlafplätzen lohnt sich ein genauer Blick in die Zukunft: Stockbetten sind ideal für kleine Kinder, werden aber unpraktisch, wenn die Kinder älter werden oder zusätzliche Erwachsene mitreisen.
- Eine zum Bett umbaubare Sitzgruppe oder ein Hubbett können flexiblere Lösungen sein, insbesondere wenn mehrere Generationen mit dem Caravan reisen wollen.





