Abends ankommen, Motor aus, Bett machen. So war es bisher. Künftig könnte vor dem Zähneputzen noch ein weiterer Schritt nötig sein. Das Smartphone zücken. Die iKfz-App öffnen. Die Nacht anmelden.
Ab der Campingsaison 2026 müssen Reisende im Wohnmobil jede Übernachtung am Straßenrand digital registrieren. Startzeit eingeben. Standort bestätigen. Am Morgen wieder ausloggen. Wer das vergisst, riskiert Zusatzkosten. Das Pilotprojekt für die gesamte Bundesrepublik startet in Bayern.
Die rechtliche Basis ist eine geplante EU-Verordnung. Die Maßnahme ist Teil der neuen "Stationary Habitation Detection Directive". Ihr Ziel: herausfinden, ob ein Wohnmobil nur parkt. Oder ob jemand darin übernachtet.
Warum die Behörden alles so genau wissen wollen
Aus Sicht der EU ist Übernachten keine Nebensache. Wer schläft, nutzt den öffentlichen Raum intensiver. Länger. Persönlicher. Und damit anders als Personen, die nur kurz ihr Fahrzeug parken.
Bayern ist laut der neuesten Erhebungen des Statistischen Bundesamtes das Bundesland mit den meisten Campingübernachtungen – hier wirkt sich der seit 10 Jahren anhaltende Camping-Boom besonders stark aus. Vor allem ältere Menschen in großen und schweren Wohnmobilen sind dort unterwegs.
Deshalb soll künftig klar erfasst werden, wann aus Parken Urlaub wird. Einheitlich. Zunächst in Bayern, dann in Deutschland. Wenn das gelingt, wird das Projekt EU-weit ausgerollt. Die i-Kfz-App dient dabei als freiwillig verpflichtendes Selbstauskunftssystem.
Diese Auskünfte müssen Camper künftig erteilen
Offiziell geschieht dies zur Vereinfachung. Inoffiziell zur Kontrolle. Denn zur Übernachtungs-Registrierung in der i-Kfz-App müssen Reisende folgende Angaben machen:
- voller Name aller Mitreisenden
- Betteninformation im Womo (zur Erfassung der Gewichtsverteilung auf den Achsen)
- Größe, Alter, Gewicht aller Mitreisenden
- Ob es eine Toilette an Bord gibt (Inhalt der Toilettenkassette wiegt bei Übernachtungen schwerer)
Technik erkennt, ob jemand schläft
Zusätzlich sollen technische Indikatoren und KI helfen. Die mobilen Endgeräte, die mit der i-Kfz-App verbunden sind, können dank GPS-Tracking und Chat-GPT-/Grok-Überwachungstechnik campingspezifisches Verhalten erkennen. Dazu gehört Innenlicht in der Nacht. Bewegungen hinter Gardinen. Geräusche aus dem Fahrzeug. Auch Kaffeeduft am frühen Morgen gilt als starkes Signal für eine Übernachtung.
Die Daten werden zusammengeführt. Bewertet. Und am Ende klassifiziert. Das Ergebnis lautet dann entweder "ordnungsgemäßes Parken". Oder "wohn-ähnlicher Aufenthalt". Im zweiten Fall wird es kostenpflichtig.
Gebühren statt Verbote
Wichtig ist für Bayern und die EU ein Punkt besonders: Übernachten wird nicht verboten. Es wird nur bepreist. Auch auf eigentlich kostenlosen Parkplätzen.
Das Geld fließt beim Bayern-Pilotprojekt in ein neues Programm: "Mehr Kruzifixe in öffentlichen Gebäuden". Ministerpräsident Markus Söder begründet die Maßnahme mit "christlichen Werten" und der "Notwendigkeit, den öffentlichen Raum zu sakralisieren".
Die Höhe der Gebühr hängt von Dauer, Komfort und Intensität der Nutzung ab. Wer spät kommt, früh fährt und leise bleibt, soll weniger zahlen. Wer ausschläft, ausführlich Kaffee kocht und lange auf dem Klo sitzt, mehr.





