Die Bremer Marke Greenlander stellt sein Expeditionsmobil Sherpa auf eine zweite Basis. Nach dem Iveco Daily rollt der kompakte Offroader jetzt auch auf dem Mercedes Sprinter 419 CDI 4x4 vor. Was sich ändert, was bleibt – und warum das Smart-Frame-Konzept den Unterschied macht.
Mercedes Sprinter 419 CDI als Basisfahrzeug
Greenlander setzt beim Sprinter-Sherpa auf den 419 CDI mit 140 kW (190 PS) starkem Dieselmotor und semipermanentem Allradantrieb. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 4.100 kg bleibt das Fahrzeug unterhalb der bald EU-weit relevanten 4,25-Tonnen-Schwelle. Noch benötigen Campende dafür zwar mindestens den Führerschein der Klasse C1, sobald die Führerscheinnovelle umgesetzt ist, reicht der aufgemotzte B-Führerschein.
Serienmäßig verbaut Greenlander ein Infotainmentsystem mit Navigation, eine Rückfahrkamera sowie einen digitalen Rückspiegel. Die Praxis wird zeigen müssen, wie sich der AWD des Sprinters gegenüber dem zuschaltbaren Allrad des Iveco Daily im Gelände schlägt. Auf Asphalt dürfte der Sprinter seine bekannten Stärken ausspielen: komfortableres Fahrverhalten, leiserer Antrieb und das dichtere Mercedes-Servicenetz.
Kabine aus Naturfaserverbundstoffen
Das Herzstück des Sherpa bildet auch auf dem Mercedes Sprinter die Wohnkabine aus natufaserverstärkten Kunststoffen (NFK). Greenlander nutzt dafür ein Sandwich-Material mit NFK-Deckschichten und einem Kern aus recyceltem PET. Dieser Werkstoff stammt ursprünglich aus der Bootsbau-Sparte des Unternehmens, wo er über mehr als ein Jahrzehnt entwickelt wurde. Er verbindet geringes Gewicht mit hoher Stabilität und setzt ein klares Nachhaltigkeitssignal gegenüber konventionellem GFK.
Die Kabine misst 4.160 x 2.200 x 2.190 mm und bietet eine Stehhöhe von 2.020 mm. Rundum kommen Echtglasfenster zum Einsatz, darunter ein 1.700 x 550 mm großes Panoramafenster am Heck. Jedes Fenster liefert Greenlander mit Insektenschutz und Rollos aus. Auf dem Dach sitzt ein Gepäckträger aus Edelstahl, an Heck und Beifahrerseite ermöglichen Airline-Schienen die Montage von Fahrrad- oder Reserveradträgern. Rechts führt eine klappbare, integrierte Treppe zur Haupttür.
Grundriss des Sherpa: Wohnen auf 4,16 Metern Kabinenlänge
Auf knapp 4,2 Metern Kabinenlänge packt Greenlander einen erstaunlich vollwertigen Grundriss. Das Querbett im Heck misst 2.000 x 1.400 mm. Eine Matratze mit zwei Härtegraden – mittelfest und fest – liegt auf einem Lattenrost, der sich anheben lässt und direkten Zugang zur darunterliegenden Heckgarage gewährt. Ablagen auf der Fahrerseite über dem Bett schaffen zusätzlichen Stauraum.

Die Wohnkabine des Greenlander Sherpa ist außen wie innen identisch, unabhängig davon, ob sie auf einem Mercedes Sprinter oder einen Iveco Daily sitzt.
Davor schließt sich ein Sitzbereich mit zwei gegenüberliegenden Bänken und einem Tisch an, der sich zum Gästebett umbauen lässt. Drei Oberschränke und ausziehbare Schubladen unter den Bänken bieten Stauraum im Wohnbereich. Praktisch: Die rechte Schublade besitzt eine 12V-Steckdose – ideal für eine Kühlbox.
Die Küche gegenüber bietet eine 1.200 x 600 mm große Arbeitsplatte, eine Edelstahlspüle, zwei Induktionskochfelder und einen 140-Liter-Kompressorkühlschrank. Acht Schubladen, zwei Oberschränke und ein Hängeschrank für Kleidung runden die Ausstattung ab. Das Bad am Einstieg umfasst Waschbecken, Handbrause mit Wandhalterung, Handtuchheizkörper, Komposttoilette und eine belüftete Dachluke.

Trotz der kompakten Maße der Wohnkabine ist das Bett im Heck lang und breit.
Die Heckgarage bietet Innenmaße von 1,40/0,90 x 2,05 x 0,70 m. Zwei Klappen gewähren Zugang von außen.
Komplett gasfrei: die Ausstattung Greenlander Sherpa
Greenlander verfolgt in der Grundausstattung ein gasfreies Konzept. Statt Gaskocher und Gasheizung setzt der Sherpa auf Induktionskochfelder und eine Diesel-Wasserheizung mit Fußbodenheizung in allen Bereichen. Die Energie liefert ein LiPo-Akku mit 200 Ah Kapazität, erweiterbar in zwei Schritten auf 600 Ah und 1200 Ah. Ein 3.000-VA-Wechselrichter versorgt auch leistungshungrige Verbraucher. Auf dem Dach liefern Solarpanels mit 310 Watt Leistung die Energie nach, ein Booster und 230V-Landstrom-Ladung komplettieren die Elektrik-Anlage.
Für 6.600 Euro Aufpreis können sich Campende das Gaspaket dazu buchen, das aus einem LPG-Gastank besteht, an den ein Gasofen und ein Gasherd angeschlossen sind. Geheizt wird über Gas auch dann nicht.
Digital zeigt sich der Sherpa zeitgemäß. Ein 5G-WiFi-Router mit Dual-SIM hält die Verbindung, ein zentrales Bedienpanel mit Bildschirm steuert alle Systeme. Selbst die Garage ist mit 230V-, 12V- und USB-C-Anschluss (100 W) versorgt. Der Frischwassertank fasst über 200 Liter, der Grauwassertank über 100 Liter, die Pumpe liefert 18,9 Liter pro Minute bei 5,2 bar.
Smart-Frame-Konzept: Ein Aufbau, zwei Basisfahrzeuge
Die wichtigste Innovation hinter dem Sprinter-Sherpa liegt im Smart-Frame-Konzept. Greenlander hat eine vorinstallierte Substruktur entwickelt, die sämtliche Versorgungssysteme – Wasser, Elektrik, Heizung, Sensorik – bereits integriert. Diese Zwischenebene verbindet Kabine und Fahrgestell und macht den Aufbau weitgehend unabhängig vom Basisfahrzeug.
Die Kabine selbst fertigt Greenlanders Partner Boxmanufaktur – vom CNC-Zuschnitt der großformatigen NFK-Paneele über die strukturelle Verklebung bis zum Einbau von Fenstern und Türen. Als Rohkarosserie geht sie dann nach Bremen, wo Greenlander sie über den Smart Frame mit dem jeweiligen Chassis verbindet. Dass die Kabinenmaße und der Grundriss beim Sprinter-Sherpa identisch zum Iveco-Modell ausfallen, belegt: Das Konzept funktioniert.
Für Greenlander öffnet der Sprinter damit den Zugang zu einem deutlich breiteren Kundenkreis. Für die Caravaning-Industrie könnte die Systembau-Kabine aus Naturfaserverbundstoffen wichtig werden, weil sie eine Blaupause für die industrielle Herstellung von Wohnmobilaufbauten mit modernen Materialien liefert. Bei diesem Schritt Next Horizon Mobility, das Unternehmen hinter Greenlander, ein wichtiger Akteur, der mit großen Unternehmen der Branche daran arbeitet, NFK auf den Serieneinsatz vorzubereiten. Dabei ist unter anderem die Dethleffs-Studie E.home Eco entstanden, für die die Next Horizon Tochter Greenboat die NFK-Kabine entwickelte.

Für die Außenhaut des Dethleffs e.home Eco lieferte Greenboats die Flachs-Sandwichpaneele – dasselbe Bremer Unternehmen, aus dem die Marke Greenlander hervorgegangen ist.
Preis und Verfügbarkeit des Expeditionsmobils
Den Grundpreis für den Sprinter-Sherpa setzt Greenlander bei knapp 265.900 Euro an. Dazu gibt es verschiedene Ausstattungspakete:
- Owl Talon Offroad Räder/Reifen: 5400 Euro
- Gas Package: 6.000 Euro
- Zusatz-Batterien: Power Plus 600 Ah – 5.700 Euro, Autonomy-Pro 1200 Ah – 10.800 Euro
- Diesel-Zusatztank 140 L: 2.800 Euro
Kompakte Außenmaße: 6,50 Meter Gesamtlänge
Mit rund 6.500 x 2.200 x 3.200 mm (L x B x H) fällt der Sprinter-Sherpa für ein Expeditionsmobil bemerkenswert kompakt aus. Viele Konkurrenten in der Klasse kratzen an der 7-Meter-Marke oder überschreiten sie deutlich. Das Resultat ist ein Expeditionsmobil, das wuchtig wirkt, aber handhabbar bleibt, ob auf engen Bergstraßen, in südeuropäischen Bergdörfern oder auf Park- und Stellplätzen.
Bei einem Leergewicht von circa 3.400 kg Kabine inklusive Fahrzeug bleiben rund 700 kg für Passagiere, Wasser, Proviant und Ausrüstung. Wer lange autark unterwegs sein will, muss hier sorgfältig kalkulieren – zumal allein der volle Frischwassertank über 200 kg auf die Waage bringt.
Technische Daten zum Greenlander Sherpa auf Mercedes Sprinter
- Basisfahrzeug: Mercedes-Benz Sprinter 419 CDI 4x4
- Motor: Diesel, 140 kW (190 PS)
- Antrieb: Semipermanenter Allrad (Torque on Demand)
- Radstand: 3.665 mm
- Zul. Gesamtgewicht: 4.100 kg
- Leergewicht (Fahrzeug + Kabine): ca. 3.400 kg
- Zuladung: ca. 700 kg
- Tankinhalt Diesel / AdBlue: 93 l / 25 l
- Gesamtfahrzeug (L x B x H): ca. 6.500 x 2.200 x 3.200 mm
- Kabine (L x B x H): 4.160 x 2.200 x 2.190 mm
- Stehhöhe innen: 2.020 mm





