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Wohnmobil: Warum ist der Fiat Ducato so beliebt?

Wohnmobil-Basisfahrzeuge Fiat Ducato in den Top 5 der Pkw-Neuzulassungen

Camping boomt – und somit auch die Verkäufe des Fiat Ducato. Denn: Fast alle Campingbus- und Wohnmobilherstellern in Europa bauen auf den italienischen Trasporter. Das Gros der Freizeitfahrzeuge basiert auf dem Ducato. Doch wieso?

Der Fiat Ducato ist ein Bestseller – und hat mittlerweile einen festen Platz in den Top 10 der Neuzulassungen bei den Pkw in Deutschland. Von Januar bis September 2020 wurden laut KBA (Kraftfahrzeug-Bundesamt) 36.492 Fiat Ducato neu zugelassen. Besser in der Statistik stehen in den ersten drei Quartalen dieses Jahres nur VW Golf, Tiguan, Passat und Ford Focus da.

Fiat profitiert vom Campingboom

Doch das ist nicht der erste Rekord 2020 für den Ducato. Erstmals schaffte es bei den Fahrzeugneuzulassungen eine Wohnmobil-Basis auf Platz zwei der Gesamtbestseller. Im Mai 2020 wurden insgesamt 6.511 Fiat Ducato neu zugelassen, nur der VW Golf zählte mehr. Der Grund: Wegen der Corona-Krise haben viele Menschen wohl vor einem Auto-Neukauf zurückgeschreckt, insgesamt brach der Fahrzeugmarkt ein und es wurden 49,5 Prozent weniger Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahresmonat zugelassen.

Doch die Lust am Camping und an Wohnmobilen ist ungebremst und boomt. Das zeigt die Zulassungsstatistik. Laut Kraftfahrtbundesamts (KBA) verzeichnet das Segment der Reisemobile bei den Neuzulassungen trotz Krise Wachstum. Der Caravaning Industrieverband spricht davon, dass die Caravaning-Branche im ersten Halbjahr 2020 insgesamt 5,75 Milliarden Euro Umsatz generierte.

Gut für Fiat: Beinahe jedes zweite Wohnmobil in Deutschland basiert auf dem Ducato. Das bestätigen auch aktuellen Bestandszahlen des Kraftfahrzeug-Bundesamt für 2020. Am Stichtag 1.1.2020 waren insgesamt 1.931.837 Wohnmobile in Deutschland gemeldet, 4,6 Porzent mehr Wohnmobile als am 1.1.2019. Die Top-Plätze der Basisfahrzeuge bei allen zum Stichtag sehen folgendermaßen aus:

Wohnmobil-Bestand 2020 nach Basisfahrzeugen

  1. Fiat Ducato: 48 Prozent (282.285), Zuwachs* +10,5 Prozent
  2. VW Transporter: 12 Prozent (72.852), Zuwachs +9,3 Prozent
  3. Ford Transit/Tourneo: 7 Prozent (41.370), Zuwachs +8,4 Prozent
  4. Mercedes Sprinter: 4,5 Prozent (26.540), Zuwachs +12,3 Prozent
  5. Citroën Jumper: 5 Prozent (29.262), Zuwachs +34,8 Prozent
  6. Iveco Daily: 2 Prozent (11.322), Zuwachs +8,9 Prozent
  7. Peugot Boxer: 2 Prozent (10.443), Zuwachs +36 Prozent

*Zuwachs = Veränderung aller gemeldeten Fahrzeuge zum Vorjahr.

In der promobil-Leserwahl besetzt der Fiat Ducato seit Jahren die Pole-Position. Immer wieder, so auch 2020, wird er von den Lesern zum beliebtesten Basisfahrzeug gewählt. Da kann man sich nur wundern und fragen:

Warum ist der Fiat Ducato so ein beliebtes Wohnmobil-Basisfahrzeug?

Für die Erklärung muss man einen Blick weit zurück in die Fahrzeug-Historie werfen, in das Jahr 1982. Damals rollte der erste Ducato Kleintransporter vom Band. Die Produktionsstätte war (und ist bis heute) Sevel mit Sitz in Italien. Die Societa Europea Veicoli Leggeri, die Europäischen Gesellschaft für leichte Nutzfahrzeuge, ist ein Joint-Venture von Fiat und Peugot/Citroën.

1. Einmalige technische Voraussetzungen

Für die Wohnmobil-Ausbauer war die erste Generation des Fiat Ducato eine kleine technische Revolution: Der Frontantrieb war eine Neuheit in dieser Fahrzeugklasse. Der moderne Quer-Frontmotor hatte zur Folge, dass die gesamte Fahrzeugtechnik im Fahrerhaus unterkommt – und die Wohnmobil-Hersteller den kompletten hinteren Teil des Fahrzeugs ganz nach ihren Wünschen und Vorstellungen ausbauen konnten.

Ein weiterer Vorteil des Fiat Fronttrieblers ist es, dass er relativ leicht ist im Vergleich mit zu VW Crafter oder Mercedes Sprinter. Der Fiat Ducato kommt ohne Kardanwelle an, um die Hinterachse anzutreiben, auch das Differenzial an der Hinterachse fehlt. Die Gewichtersparnis, die dadurch entsteht, ist vor allem in der immer belieber werdenden 3,5-Tonnen-Klasse wichtig. Ein weiterer Vorteil: Je leichter das Basisfahrzeug, desto mehr Zuladung bleibt für den Wohnmobilisten.

Als einer der ersten Hersteller preschte Dethleffs vor und baute das erste Alkovenmobil auf Basis des Fiat Ducato. Das Fahrzeug fand sofort großen Zuspruch bei den Wohnmobil-Gemeinde. Das Resultat: Immer mehr Reisemobilhersteller folgten dem Beispiel und begannen Ducatos auszubauen. Viele dieser Wohnmobil-Modelle aus den 80er-Jahren werden Klassiker.

35 Jahre Fiat Ducato
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2. Gute Zusammenarbeit mit der Caravaning-Branche

Nicht nur technisch, auch wirtschaftlich machte Fiat einiges richtig: Die Marke erkannte die Möglichkeiten, die der Reisemobil- und Campingbus-Markt bietet. Einerseits pflegte Fiat gute und dauerhafte Kontakte zu den Reisemobil-Firmen. Fiat schaffte es besser als die Marken VW, Mercedes und Ford kontinuierlich mit der Branche zusammenzuarbeiten. 

Andererseits stellte sich Fiat mehr und mehr auf die Caravaning-Branche ein. So kann man sagen, dass  beim Modellwechsel 2006 ein Chassis speziell für die Branche gebaut wurde. Vertreter einiger Reisemobil-Marken wurden vorab zu Probefahrten eingeladen, um zu sehen, wie der Ducato als Basisfahrzeug ankommt und funktioniert. 

3. Günstige Preise und Rabatte

Ein weiterer Grund dafür, warum fast jedes zweite Wohnmobil die Fiat-Ducato-DNA trägt, sind die guten Preise, die Fiat den Campingfahrzeug-Ausbauern macht. Fiat war aufgrund der Nachfrage in der Lage, Fahrzeuge in großen Mengen kostengünstig zu produzieren. Ein Band bei Sevel ist einzig für die Herstellung von Basisfahrzeugen reserviert. Bei VW hingegen wird jedes Chassis für die Caravaning-Branche individuell konfiguriert, was sich auf die Kosten niederschlägt. 

Fiat konnte durch die effiziente Produktion ein einmaliges Preis-Leistungs-Verhältnis für Reisemobil-Hersteller schaffen. Des weiteren gibt Fiat einen recht hohen Rabatt, wenn ein Hersteller exklusiv auf Fiat ausbaut. Die Marke setzt alles daran, Exklusivlieferant für einige Marken zu sein.

4. Besonderer Kundenservice für Camper

Fiat kümmert sich nicht nur um die Hersteller, sondern auch um die Camper selbst. Der Hersteller ist in ganz Europa vor Ort, wenn ein Reisemobilist Hilfe mit seinem Fahrzeug benötigt. 1.800 Werkstätten sind im Netzwerk von "Fiat Camper Assistance" und kennen sich mit den speziellen Bedürfnissen von Campern aus. Insgesamt kann man mit einem Fiat-Ducato-Basisfahrzeug über 6.500 Fiat-Werkstätten in ganz Europa anfahren und bekommt fachmännische Hilfe. 

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5. Vielseitigkeit 

Das Fiat-Ducato-Chassis passt bis heute nicht nur konzeptionell ins Bauschema der Reisemobil-Produzenten, es ist das einzige für das es einen Alko-Fahrzeugrahmen gibt. Dieser Rahmen ermöglicht, das Basisfahrzeug für die verschiedensten Einsatzmöglichkeiten als Reisemobil zu optimieren. 

Ein Vorteil ist, dass das Fahrzeug tiefer abgesenkt werden kann und so ein Doppelboden möglich wird. Oftmals ermöglich erst dieser technische Kniff, dass ein Wohnmobil wirklich winterfest statt nur wintertauglich ist. 

Ein weiterer Vorteil ist der variable Radstand dank Alko-Rahmen. Der Randstand kann in 10-Zentimeter-Schritten verschoben werden – ein großer Vorteil für das Umsetzen neuer, komfortabler Grundriss-Ideen.  

Fazit zum Fiat Ducato

Fiat hat früh das Potenzial der Caravaning-Branche erkannt und sich um dieses Marktsegment gekümmert, sowohl auf Hersteller- als auch auf Kundenseite. Da verwundert es nicht, dass so viele Reisemobile und Campingbusse einen Fiat-Motor unter der Haube haben, obwohl bei den Pkws andere Marken dominieren. Bravissimo, Fiat!

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