Mercedes Sprinter (2018)
Mercedes Sprinter (2018)
Mercedes Sprinter (2018)
Mercedes Sprinter (2018) 31 Bilder

Neuer Mercedes Sprinter (2018) im Test

10 Dinge, die bei der ersten Fahrt auffielen

Wie fährt der neue Sprinter? Nach der Weltpremiere im Februar 2018 durften wir uns endlich hinters Steuer setzen. Wir zeigen 10 Details, die uns bei der ersten ausführlichen Probefahrt mit dem Transporter besonders aufgefallen sind.

Mercedes-Benz hat promobil zu einer ersten Testfahrt mit dem neuen Sprinter eingeladen. Wir sind den Transporter sowohl in der Innenstadt Amsterdams als auch auf der Autobahn gefahren. Dabei hat er bei uns folgende Eindrücke hinterlassen:

Zum ersten Mal klettern wir hinters Lenkrad und drehen ausgiebige Testrunden mit verschiedenen Varianten. Natürlich interessiert uns der neue Fronttriebler besonders, denn der soll Mercedes im Reisemobilsegment künftig satte Zuwächse bescheren. Die Vorteile – gut 50 Kilo Mindergewicht, geringerer Preis,tieferer Rahmen – überwiegen den Nachteil der schwächeren Traktion.

Test des 143-PS-Diesel

Mercedes Sprinter (2018)
Dominic Vierneisel
Gute Nachrichten gibt es auch für die Camping-Branche: Mercedes bietet Reisemobilherstellern erstmalig mit dem Vorderradantrieb neue Aufbau-Möglichkeiten.

So weit die Theorie. Wir gehen auf Tuchfühlung, greifen uns aber erst einmal einen silbernen Hecktriebler. Im Cockpit kamen zu den zahlreichen Ablagen in der dritten Generation noch ein paar hinzu. Nutzwert und Ergonomie liegen auf hohem Niveau; auch die Sitze sind bequemer. Das hochwertige, in Höhe und Neigung verstellbare Lederlenkrad liegt gut in der Handund wirkt mit seinen vielen Bedientasten ebenso Pkw-haft wie der Start-Stopp-Knopf. Mit dem Schlüssel in der Tasche erwecken wir den 143-PS-Diesel zum Leben.

Es ist die zweite von vier Leistungsstufen des bekannten Vierzylinder-Diesels mit 2,2 Liter Hubraum. Brummig meldet der sich dienstbereit, was gar nicht so recht zu den mondänen Glanzlackoberflächen um das 10,25 Zoll große Touchdisplay passt. Während die Anmutung im Fahrerhaus eine ganze Klasse hochwertiger erscheint, ist in Sachen Geräuschdämmung kein großer Fortschritt feststellbar. Ab Tempo 90 dringen auch Windgeräusche vernehmlich ins Fahrerhaus.

Davon abgesehen wirkt der neue Sprinter mit Hinterradantrieb in vielerlei Hinsicht sehr vertraut. Der Hecktriebler fährt und federt immer noch wie ein schweres Fahrzeug. Das Fahrwerk macht seine Sache sehr ordentlich und filtert Unebenheiten komfortabel weg. Wie gewohnt schaltet sich das manuelle Sechsgang-Getriebe etwas knochig. Der Motor läuft tapfer, sprüht aber auch nicht gerade vor Elan. Es reicht zum Vorwärtskommen, aber drunter würden wir’s nicht machen.

Test des 163-PS-Diesel

Mercedes Sprinter (2018)
Dominic Vierneisel
Das Außendesign und die Linienführung des Sprinters sind unverkennbar aus dem Hause Mercedes.

Für lange Strecken scheint uns die nächstkräftigere Variante geeigneter. Also: Umstieg in den hubraumgleichen Diesel mit 163 PS, und der ist definitiv ein Fortschritt. 50 Newtonmeter mehr Drehmoment sorgen für lässigere Kraftentfaltung. Weil man die Gänge nicht ausdrehen muss, ist die Geräuschkulisse zurückhaltender. Daran hat auch das Getriebe seinen Anteil. Die Siebengang-Automatik hangelt sich flink und geschmeidig durch die Fahrstufen. Dankschneller Wandlerüberbrückung verpufft kaum Leistung in der Hydraulik.

Ein weiterer Vorteil der Automatik: Weil der Wählhebel an der Lenksäule angebracht ist, entsteht in der Mittelkonsole Platz für eine weitere Ablage. Zusätzlich gibt es Schaltpaddel am Lenkrad. Erstmals ist die 7G-Tronic auch für die Varianten mit Allradantrieb verfügbar. Noch eine Schippe drauf legt Mercedes beim Fronttriebler. Der nächste Wagen wartet, diesmal mit dem neuen Wandlergetriebe mit neun Gängen. Ob man die wirklich braucht? Einen wirklich entscheidenden Vorteil gegenüber der Siebengang-Variante können wir auf den gut hundert Testkilometern nicht feststellen. Beim Verbrauch ist ebenfalls kein Unterschied erkennbar.

Der Fronttriebler erstaunt beim Fahren dennoch. Die Federung ist ebenso auf Komfort getrimmt wie beim Hecktriebler, wirkt jedoch noch eine Spur weicher, was auch am längeren Radstand liegen mag, der zum Zweckder Traktionsverbesserung mehr Last auf die Vorderachse bringt. Bei Bodenwellen tauchen die Federbeinetief, manchmal sogar etwas poltrig ein. Die größte Überraschung ist aber, dass sich der Fronttriebler insgesamt leichtfüßiger anfühlt als der Hecktriebler. Eines wird mancher sicher vermissen. Den sahnigen V6-Diesel, das stärkste Aggregat derzeit im 3,5-Tonnen-Segment, bietet Mercedes zwar weiterhin an, aber nur für die Versionen mit Heckantrieb. Im Kastenwagen mit Vorderradantrieb sind 143 PS das Maximum – viele direkte Wettbewerber bieten potenziell mehr.Als exklusives Zugeständnis an Reisemobilfahrer gibt es allerdings den Vierzylinder in einer auf 177 PS und 400 Nm erstarkten Variante; der Fahrspaß dürfte da nicht zu kurz kommen, und zur guten Fahrbarkeit des neuen Sprinter trägt obendrein die elektrische, angenehm direkte Lenkung bei. Spielend leichtgängig im Stand, nimmt die Servounterstützung mit zunehmender Geschwindigkeit ab.

Können die Assistenzsysteme punkten?

Allerdings bleibt Daimler hinter den Möglichkeiten zurück, ist bei den Assistenzsystemen nicht restlos konsequent. Der Spurhaltewarner etwa lotst beim ungewollten Überfahren von Begrenzungslinien den Sprinter nur über Bremseingriffe, also nicht über die Lenkung und deshalb auch nicht so zuverlässig in die Spur zurück. Anders als etwa der VW Crafter parkt der Sprinter auch nicht selbstständig ein. Dafür hilft optional ein Parkpaket mit vier Kameras, die im Mitteldisplay eine Rundumsicht des Fahrzeugs aus der Vogelperspektive zeigen. Gut funktioniert zudem der neue Abstandsassistent Distronic, der im Kolonnenverkehr feinfühlig, in vier Stufen einstellbar die Distanz zum Vordermann regelt und (mit Automatik) notfalls sogar bis zum Stillstand bremst. Staufahrten werden so deutlich entspannter. Lobenswert: Die radarbasierte Technik ist auch für integrierte Reisemobile verfügbar. Der Seitenwindassistent bleibt serienmäßig an Bord.

1. Start-Stopp-Knopf

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Dominic Vierneisel
promobil-Chefredakteur Dominic Vierneisel im neuen Sprinter

Wer erstmals in den neuen Sprinter einsteigt, wird eines vergeblich suchen – ein Zündschloss. Stattdessen gibt es, wie in vielen modernen Pkw einen Knopf zum Starten des Motors. Den Schlüssel kann man getrost in der Tasche lassen oder in einer der vielen Ablage deponieren. Funktioniert, sofern man mit dem Fuß auf der Bremse steht (Automatik) oder das Kupplungspedal getreten hat.
Fazit: Flehentlich danach verlangt haben wir nicht, aber man gewöhnt sich schnell ein und spart sich einen Handgriff.

2. Elektrische Parkbremse

Links neben dem Lenkrad, knapp unterhalb des Lichtschalters liegt dieser kleine Hebel, der eigentlich ein Schalter ist. Er aktiviert im Stand die optionale elektrische Feststellbremse, löst sich aber beim Losfahren allein, ohne das der Fahrer noch mal aktiv werden muss. Ein Ausstattungsmerkmal, das bisher in der 3,5-Tonnen-Klasse einmalig ist. Wozu man das braucht? Zum Beispiel, um bei Drehen der Vordersitze nicht mit dem Handbremshebel in Konflikt zu geraten, was unweigerlich passiert, ob er nun links oder rechts des Sitzes oder abklappbar gestaltet ist. Ein Fußfeststellbremspedal nach dem Muster vieler Mercedes-Pkw wäre dabei zwar auch nicht im Weg, aber darüber ließe sich nicht die Zugkraft aufbringen, die man für ein so schweres Fahrzeug wie den Sprinter bräuchte.
Fazit: Ein echtes Reisemobilfeature.

3. Aktiver Abstandsassistent Distronic

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Dominic Vierneisel
Über Lenkradtasten lässt sich der Abstandsassistent steuern.

Von den vielen Assistenzsystemen, die der neue Mercedes Sprinter an Bord hat, ist der Abstandsregeltempomat ein ganz wichtiges, denn es erhöht Fahrsicherheit und Fahrkomfort gleichermaßen. Ab 20 km/h lässt sich der Tempomat aktivieren und hält dann aktiv den Abstand zum Vordermann ein. Einstellen lässt sich dieser in vier Stufen. Wird der Wagen in der Kolonne langsamer, bremst der Sprinter automatisch ab. Auch bis zum Stillstand, sofern das Fahrzeug mit einer Automatik ausgestattet ist.
Fazit: Klappt auf der Probefahrt gut und zuverlässig, reagiert auf einscherende Fahrzeuge sensibel, aber nicht überhektisch. Praktischer Helfer im Stau und auf längeren Autobahnetappen.

4. MBUX

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Dominic Vierneisel
Sprachbefehle für MBUX

„Hey Mercedes, ich habe Hunger.“ Kaum gesagt, schon listet der riesige 10-Zoll-Multimedia-Bildschirm die Restaurants in der Nähe auf. In die Lage dazu versetzt ihn ein neues Multimediasystem namens MBUX (Mercedes Benz User Experience), das über ein Kommunikationsmodul Verbindung zum Internet hält. Im Prinzip handelt es sich bei MBUX um ein weiter entwickeltes Sprachbediensystem, mit dem sich auch Fahrzeug- und Navigationsfunktionen steuern lassen. Ganz neu dabei ist auch die Nutzung von „what3words“, einem Adresssystem, über das Ziele besonders präzise benannt werden können, etwa auch dann, wenn ihnen weder Straße noch Hausnummer zugewiesen werden kann; denken Sie doch mal an die einsame Badebucht auf Korsika. Jedes drei mal drei Meter große Planquadrat hat dabei einen Namen aus drei Worten, die man in einer entsprechenden App findet. Natürlich funktioniert auch die konventionelle Zieleingabe via Sprachbefehl; und zwar zuverlässig. Aber dennoch hat MBUX Grenzen. Die Temperatur im Auto etwa lässt sich so nicht regeln. Außerdem lösen wir das System während der Probefahrt mehrfach versehentlich aus, weil es Teile unserer Unterhaltung als Handlungsaufforderung interpretiert.
Fazit: Innovativ, und auf jeden Fall zukunftsorientiert, aber braucht man das? Auf jeden Fall ausbaufähig.

Futuristisch lässt die aufwendige Zweifarblackierung den Harmony II von Bürstner wirken.
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5. Cupholder

An Ablagen im Cockpit des neuen Mercedes Sprinter mangelt es ja keinesfalls. Trotzdem hätten die Entwickler mehr Mühe auf die Cupholder verwenden sollen. Diejenigen auf dem Armaturenbrett – bei geschlossenen Fächern sind es auf jeden Fall zwei in der Mitte, bei offenen Ablagen kommen zusätzlich zwei weitere an den Seiten hinzu, sind allesamt nur drei bis vier Zentimeter tief und lediglich für kleine Flaschen oder Dosen geeignet, die bei jeder Kurven und Bremsung herauszukippen drohen. Als Reisender möchte man ja aber doch gelegentlich seinen großen Kaffee-Thermobecker während der Fahrt griffbereit unterbringen. Oder?
Fazit: Der Cupholder ist nichts für sehr durstige Fahrer.

6. Ablagen

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Dominic Vierneisel
Ablage fürs Smartphone

Nochmal die Ablagen, denn das Angebot ist wirklich kaum zu toppen: Auf dem Cockpit gibt es allein drei, wahlweise sogar offen oder geschlossen. In die Fächer über den Köpfen, oberhalb der Sonnenblenden passen ganze Aktenordner, wahlweise Stellplatzführer. In den Schalen in der Mitte finden Schlüssel und Co. Platz. Und wohin mit dem Smartphones? Dafür gibt es sogar mehrere Möglichkeiten. In der Nähe der USB-Buchse in der Mittelablage befindet sich auch ein Feld, über das sich entsprechende Taschentelefone sogar induktiv laden lassen. Und direkt unter den Warmlluftdüsen in der Mitte liegen zwei schmale Fächer, in den vermutlich auch Samsung Galaxy S 17 und iPhone 28 Platz finden werden. Und das sogar auf rutschsicherem Kunststoff.
Fazit: Die Ablaggemöglichkeiten sind smart und durchdacht.

7. Elektrische Sitzverstellung

Dem Elektriker, dem Gipser, dem Paketzusteller dürfte dieses Merkmal herzlich egal sein, denn er wird es vermutlich nie zu Gesicht bekommen. Bei Reisemobilisten hängt der Fall davon ab, welche Sprinter-Extras die Auf- und Ausbauhersteller mit in ihre Preislisten aufnehmen. Und ganz gewiss ist unter den Kunden der eine oder andere, der sich in seinem Pkw regelmäßig von solchem Komfort nebst Sitzheizung verwöhnen lässt.
Fazit: Auf jeden Fall kommt dadurch ein wenig von der Mondänität großer Reiselimousinen in die 3,5-Tonnen-Klasse.

8. LED-Scheinwerfer

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Dominic Vierneisel
LED-Scheinwerfer

Ganz klar, LED-Scheinwerfern gehört die Zukunft. Optional gibt es nun auch für den neuen Mercedes Sprinter LED-Hochleistungsscheinwerfer. Sie haben eine gleichmäßigere Lichtverteilung, größere Leuchtweite, der Fahrer ermüdet langsamer und der Gegenverkehr wird nicht mehr geblendet. Zudem leben LEDs länger als herkömmliche Glüh- oder auch Xenonlampen.
Fazit: Die Hochleistungsscheinwerfer sind ein lohnendes Extra für alle Käufer, die auf Sicherheit bedacht sind.

9. „Aktiver Spurhalteassistent“

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Dominic Vierneisel
Aktiver Spurhalte-Assistent

Das ist eigentlich schon das Standardprogramm; selbst für den schon etwas älteren Fiat Ducato gibt es je nach Optionsliste ein Assistenzsystem, dass den Fahrer beim ungewollten Verlassen der Spur mit einem Brummton warnt. Mercedes geht beim neuen Sprinter noch einen Schritt weiter. Überfährt der Wagen eine seitliche Begrenzungslinie, ohne das der Fahrer geblinkt oder dem System sonst ein erkennbares Zeichen seiner Wechselabsicht gegeben hat, macht ein heftig vibrierendes Lenkrad auf die Gefahr aufmerksam. In bestimmten Situationen bremst das System bei ausbleibender Reaktion des Fahrers das Auto einseitig ab. Der gewünschte Effekt des Zurückführens in die Spur bleibt bei unserer Probefahrt jedoch das eine oder andere Mal aus.
Fazit: Aktiv greift hier nur die Bremse ein. Konsequenter und im Zweifel sicherer wäre, wenn auch die Lenkung mit aktiv würde, wie das etwa beim VW Crafter der Fall ist. Die Möglichkeiten dafür sind durch die ansonsten angenehme, elektrische Lenkung immerhin vorhanden.

10. 360-Grad-Kamera

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Dominic Vierneisel
Navigieren via 360-Grad-Ansicht

Aktiv greift die Lenkung des neuen Mercedes Sprinter übrigens auch beim Einparken nicht ein. Doch ansonsten ist der Wagen in der Lage, den Fahrer dabei bestmöglich zu unterstützen. Etwa durch das Parkpaket, das es in unterschiedlichen Ausbaustufen gibt. Die höchste in Kombination mit einer 360-Grad-Kamera und Sensoren an Front, Heck und Seiten. Die Bilder von vier Kameras werden zu einer fotorealistischen Draufsicht auf das Fahrzeug zusammengerechnet. Diese wird beim Einlegen des Rückwärtsgangs links im großen Mitteldisplay angezeigt. Rechts daneben erscheint deutlich größer das Bild der Rückfahrkamera. So lassen sich die Abstände zu allen Seiten zentimetergenau abschätzen. Der Drive Away Assist scannt zusätzlich die Umwelt und leitet vor einer Kollision oder bei querende Verkehr eine Bremsung ein.
Fazit
: Auch wenn ausgebaute Kastenwagen, für die das System vermutlich ausschließlich zu haben sein wird (nicht aber für aufgebaute Mobile) zu den handlichen Freizeitfahrzeugen zählen, sind ihre Ausmaße nicht zu unterschätzen. Zudem: Was direkt hinter dem Fahrzeug passiert, ist für den Fahrer oft nicht genau auszumachen

Fazit

Viel Evolution. Die Anmutung macht einen großen Schritt vorwärts. Besonders gespannt sein darf man auf neue Reisemobile mit Frontantrieb.

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