Adria Twin 640 SGX Ingolf Pompe
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Adria Twin 640 SGX (2022) im Test

Adria Twin 640 SGX (2022) im Test Hubbett-Campingbus für Familien

Er ist der Trend-Grundriss schlechthin in der Ducato-Klasse: Dank Hubbett im Heck bietet der Twin 640 SGX von Adria genügend Platz für Fahrrad & Co.  Wie steht’s um seine sonstigen Qualitäten?

Korrekterweise muss man in der Modellbezeichnung des hier getesteten Adria Twin 640 SGX noch ein "Sports" ergänzen. Dieser Beiname kennzeichnet zur Saison 2022 die neu aus der Taufe gehobene Baureihe innerhalb der Twin-Campingbus-Familie. Gemeinsam ist allen Sports-Modellen – vier sind es insgesamt – das Aufstelldach samt Zusatzbett.

Die Ausstattungs-Varianten des Adria Twin

Den im Sommer 2020 vorgestellten 640 SGX gibt es auch oben ohne, und zwar in den Ausstattungslinien Plus (ab 51.599 Euro) und Supreme (ab 52.999 Euro). Natürlich ist die Sports-Variante eine ganze Ecke teurer: Rund 58.000 Euro Grundpreis stehen an. Familien, für die der SGX mit seinen vier Schlafplätzen durchaus in Frage kommt, die aber üblicherweise etwas preissensibler sind, müssen sich dafür ganz schön strecken.

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Die Einrichtung ist modern, hell und holzdekorlos. Angenehm und hochwertig: die textile Verkleidung rund um das Fenster an der Sitzgruppe.

Immerhin ist der Sports bereits okay ausgestattet. Das Niveau entspricht weitgehend dem Supreme, etwa mit seitlichen Rahmenfenstern, Klimaanlage und Panoramadachfenster über dem Fahrerhaus. Für den empfehlenswerten 140-PS-Diesel sind weitere 1.400 Euro fällig. Und wer sich für die Kombination mit 160 PS und Maxi-Chassis entscheidet, überschreitet ganz locker die 60.000-Euro-Marke.

Über eine Auflastung auf 4,25 t Gesamtgewicht sollte man ernsthaft nachdenken: Die Zuladung des Testwagens, bei dem neben anderen Extras auch 130 Kilo Aufstelldach mit auf die Waage drücken, beträgt nur 280 Kilo. Das ist für zwei schon grenzwertig, für vier klar zu wenig.

Auch das De-Luxe-Paket für 2.999 Euro muss man ehrlicherweise einkalkulieren, denn einige darin enthaltene, unverzichtbare Extras wie die Fahrerhaus-Verdunkelung, der Gasflaschen-Crashsensor oder die elektrische Trittstufe sind einzeln gar nicht lieferbar.

Nimmt man noch eine Metalliclackierung, wenigstens den kleineren 7-Zoll-Moniceiver samt Rückfahrkamera und eine Markise dazu, steht für summa summarum 68.500 Euro ein Campingbus vor der Tür, der nichts Wesentliches vermissen lässt.

Der Trend-Grundriss

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In Längsrichtung ist das Heckbett etwas kurz. Querschlafen geht aber auch.

Ganz im Gegenteil: Nicht ohne Grund ist der Grundriss des 640 SGX in der Ducato-Klasse aktuell so populär, denn er geht – besonders beim Stauraum – weit über das hinaus, was übliche Quer- oder Einzelbetten-Modelle zu bieten haben. Die Sache mit dem höhenverstellbaren Heckbett hat Adria durchdacht umgesetzt.

Obwohl sich der Twin – anders als die Vorreiter dieser Aufteilung – mit dem halbhohen Ducato-Dach begnügt, wächst der Kofferraum bei maximal angehobenem Bett auf stattliche 1,47 Meter Höhe; das reicht locker für gängige Tourenräder, die so geschützt im Innenraum statt auf einem separaten Heckträger mitreisen können.

Auch die lichte Breite fällt mit fast 1,20 Meter großzügig aus; die seitlichen Möbelstollen sind sehr schlank, obwohl links auch zwei 11-kg-Gasflaschen untergebracht sind – ein großer Vorrat, wenn man bedenkt, dass weder die Diesel-Heizung noch der Kompressorkühlschrank darauf zurückgreifen.

Maximal stehen rund 3.200 Liter Stauvolumen zur Verfügung, die sich leicht nutzen lassen, eben weil man auf Knopfdruck bequem rankommt. Da macht es wenig, dass die Schubladen unter dem Bett nur zugänglich sind, wenn dieses oben ist. Zur Ladungssicherung dienen vier Zurrösen. Praktisch ist der robuste Boden aus Aluriffelblech und die Schottwand, die den Heckstauraum bei Bedarf vom vorderen Bereich trennt.

Vorteile und Nachteile der Betten

Die große Hubhöhe des Betts hat aber auch eine Kehrseite. Damit die Liege weit nach oben fahren kann, sind die Hängeschränke darüber sehr klein; die Kapazität für Klamotten ist so nicht sonderlich üppig. Daher sollte man sich gut überlegen, statt des 80- einen größeren 138-Liter-Kühlschrank zu ordern, denn das ginge zulasten des Kleiderschranks darunter. Bleiben noch die Dachstaukästen über der Sitzgruppe und etwas Platz in der Sitztruhe und im Podest unter dem Tisch.

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Die Konstruktion des Aufstelldachs ermöglicht im Heck ein Dachfenster. Vorn lässt sich das Zelt ganz öffnen.

Das Bett selbst kann man in der untersten Position einfach entern. In Längsrichtung ist die Länge – links 1,68, rechts 1,80 Meter – ziemlich knapp. Jedoch stehen, weil Gurte und Schienen für die elektrische Höhenverstellung an Kopf- und Fußende installiert sind, in der Breite rund 1,95 Meter zur Verfügung. Quer oder diagonal liegt man also besser – das ist zwar ungewöhnlich, aber angewöhnbar. Allerdings geht das nicht mehr, wenn man das Bett auf halber Höhe nutzt – weil etwa die Räder nachts drinnen bleiben sollen –, denn die Breite schrumpft dann auf 1,34 Meter. In dem Fall dient zum Aufstieg eine Leiter.

Eine weitere Leiter hilft beim Aufstieg ins Dachbett. Schön luftig ist es hier oben, maximal naturnah in Sachen Geräusch und Temperatur, und wer will, kann sich’s noch offener einrichten: herrlich in lauen Sommernächten, sofern man mit 1,19 Meter Breite klarkommt. An fast zwei Meter Liegelänge gibt’s indessen nichts auszusetzen. Und auch die Ausstattung verdient Lob.

Sitzgruppe, Küche und Bad

Die Sitzgruppe hebt sich mit ein paar Besonderheiten vom Klassenstandard ab. Zwar gibt es mittlerweile für viele Vans ein großes Dachfenster über dem Fahrerhaus, aber beim Twin muss man doch die Größe (und den Lichteinfall) hervorheben. Der Tisch samt ausdrehbarer Zusatzplatte für den Beifahrerplatz ist groß und will mit zwei Becherhaltern punkten.

Deren Nutzen ist indes etwas fraglich: Effektiv kostet die eingelassene Kunststoffschale Abstellfläche auf der Platte, und wenn zwei Passagiere hinten mitfahren, sollte man den Tisch zur Sicherheit ohnehin besser ganz abbauen. Praktisch und für Familien empfehlenswert ist die Option, Isofix-Kindersitze auf der Rückbank einfach und kippsicher befestigen zu können.

Mit einer Edelstahlspüle, elektrischer Kocherzündung, einer kleinen Zusatzabstellplatte und einer Ablage an der hinteren Wand ist die Adria-Küche funktional eingerichtet. Nicht so schön ist die billig wirkende Plastikarmatur. Der Kompressor kühlt effektiv verderbliche Waren, und auf weitere Vorräte und Geschirr warten drei breite Schubladen und ein Hängeschrank.

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Schnörkellos mit breiten Schubladen, kleinem Klappbrett. Optional gibt es einen 140-Liter-Kühlschrank.

Hinter dem engen Durchgang zwischen Sitzbank und Küchenblock (42 cm) weitet sich der Gang wieder, und so kommt man gut ins Bad, dessen Gestaltung etwas plastikhaft geraten ist. Nicht sonderlich spendabel ist das Twin-Bad außerdem mit Stauraum, Spiegelfläche und sonstiger Ausstattung. Eine Steckdose für den Fön etwa findet sich nur in der Küche gegenüber. Die Dusche wiederum, die entsteht, wenn man die Waschtischwand zur Seite dreht, lässt sich gut und einfach nutzen.

Bordtechnik und Basisfahrzeug

Natürlich gilt es dabei, sparsam zu sein mit 100 Litern Frischwasser; es ist jedoch ein absolut üblicher Vorrat, den die Tauchpumpe durch das sauber verlegte Leitungsnetz befördert. Auch sonst ist der Twin ein gut verarbeiteter und technisch solider Vertreter seiner Gattung, der in der Testwagenkonfiguration auch Rücksicht auf die Stellplatznachbarn nimmt: Die elektrische Schließhilfe zieht die Schiebetür nämlich flüsterleise ins Schloss.

Fahrerisch ist der Ducato ein altbekannter, unkomplizierter und mit optionalen 140 PS absolut ausreichend motorisierter Reisebegleiter. Eigenheiten wie die straffe Federung, den vergleichsweise großen Wendekreis, die hohe Sitzposition und die niedrige Frontscheibe muss man in Kauf nehmen, kann das aber auch. Kritik verdient jedoch die eingeschränkte Sicht in den rechten Außenspiegel: Die Faltverdunkelung der rechten Seitenscheibe deckt das Weitwinkelfeld des Spiegels fast vollständig ab. Da gibt es bessere Lösungen.

Das fiel uns auf

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 Hell, offen und luftig wirkt die Sitzgruppe dank des großen Fensters (Serie) über dem Fahrerhaus.
 Vorn lässt sich der Zeltbalg schön weit aufzippen. Mücken bleiben dank Gaze trotzdem draußen.
 Ein Schalter trennt bei Bedarf – etwa für Ruhezeiten – die Bordbatterie vollständig vom Aufbaunetz.
  Dank kleiner Hängeschränke kann das Bett zwar weit hochfahren, viel Stauraum ist hier aber nicht.
  Im Testwagen war noch ein sehr schlichtes Kontrollbord eingebaut. 2022 kommt ein neues.
 Ja, der Toilettenschacht! Wenn hier was ausläuft, ist das kein Spaß.

Adria Twin 640 SGX (2022)

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Grundriss Adria Twin 640 SGX.

Basis Fahrzeug: Fiat Ducato
Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg
Sitz-/Schlafplätze: 4/4
Grundpreis: 57.999 Euro
Testwagenpreis: 65.897 Euro

Ausstattung Testwagen (Auszug)

  • 140 PS/160 PS u. Maxi-Chassis (–/50 kg): 1.400/3.500 Euro
  • Auflastung 3,5 Maxi auf 4,25 t zGG (0 kg): 599 Euro (nicht im Testwagen enthalten)
  • De-Luxe-Paket: Nebelscheinwerfer, Rückfahrwarner, Fenster in Hecktür links, Fahrerhausverdunkelung, Fliegenschutzschiebetür, el. Einstiegsstufe, Ambientebeleuchtung, Ladebooster, Gasfl.-Crashsensor, isol. u. beh. Abwassertank, Abdeckung für Kocher und Spüle, Lederlenkrad, Kühlergrill u. Skidplate schwarz u. a. (30 kg): 2.999 Euro (empfohlen)
  • Markise (38 kg): 1.199 Euro (nicht im Testwagen enthalten)

Wertung

(maximal 5 Punkte möglich)

  • Wohnen: 3,1 Punkte
  • Beladen: 2,8 Punkte
  • Technik: 3,7 Punkte
  • Fahren: 3,2 Punkte
  • Preis & Service: 2,8 Punkte

Fazit

Nicht nur der riesige Heckstauraum macht diesen Adria attraktiv. Auch der moderne Ausbaustil und viele Details gefallen. Das Aufstelldach lockt besonders Familien, zumal die clevere Konstruktion ein Dachfenster über dem Heckbett ermöglicht. Doch das funktioniert nur mit 4,25 t Gesamtgewicht. Zwei Personen sind mit dem 640 SGX oben ohne besser dran. Erfreulich: die saubere Verarbeitung.

Technische Daten

Adria Twin
Grundpreis 57.999,00 €
Aufbau Campervan
Maße 636 x 205 x 259 mm
Leistung 88 kW / 120 PS
Motor 120 Multijet
Sitze mit Gurt 4 bis 4
Schlafplätze 4 bis 4
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Adria Twin
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