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Zulieferer für Wohnmobile im Überblick

Alles über Alko, Dometic, Truma und Co

Zulieferfirmen stehen selten im Rampenlicht. Dabei sind sie für die CAMPINGBRANCHE essenziell. Was wird wo von wem produziert – und wie stemmen sich Zulieferer gegen die aktuelle Corona-Krise?

Chassis, Fenster, Heizung, Toilette, Kühlschrank und Co.: Die meisten technischen Komponenten eines Reisemobils baut der Hersteller nicht selbst, sondern kauft sie von spezialisierten Anbietern zu und baut sie ein. Diese Zulieferfirmen sind wichtige, oftmals weniger bekannte Player in der Branche. promobil hat sich die wichtigsten Marken und Gruppen mal genauer angeschaut – ein Überblick.

Die vergangenen Monate reihten sich für die Reisemobilbranche erneut zu einem Jahr voller Rekorde. Zwischen März 2019 und Februar 2020 verzeichnete das KBA 56 601 Neuzulassungen. Ein Plus von 20,6 Prozent. Allein im Februar wurden fast 5.000 Fahrzeuge neu zugelassen, ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 50,2 Prozent und somit ein neues Allzeithoch. Von den steigenden Verkaufszahlen profitieren auch die Zulieferer. Analog zur gestiegenen Produktion von Freizeitfahrzeugen ist deren Erlös im Geschäftsbereich Caravaning kontinuierlich mitgewachsen. promobil hat deshalb zahlreiche Sieger der zusammen mit dem Schwestermagazin CARAVANING jährlich durchgeführten Leserwahl – mit mehr als 24.000 Teilnehmern – unter die Lupe genommen. Dabei wurde schnell klar: Viele der Firmen erweitern im Zuge der steigenden Nachfrage stetig ihr Produktportfolio. Verstärkt kommt es dabei auch zu Übernahmen kleinerer Unternehmen durch größere Player. Das führt zu einem Konzentrationsprozess innerhalb der gesamten Branche. Soll heißen: Viele kleinere Firmen gehören inzwischen großen, global agierenden Gruppen an. Welche Auswirkungen hat das für die gesamte Branche?

Eines haben viele Reisemobile gemein: den Vorderradantrieb. Und das aus gutem Grund. Neben einem geringen Gewicht erlaubt die Antriebsart niedrige Aufbauten, die für ein komfortableres Fahrverhalten sorgen. Hier kommt Alko ins Spiel. Genau genommen heißt das Unternehmen Alko Fahrzeugtechnik und wurde 1931 von Alois Kober – daher der Name – gegründet. Inzwischen versorgt die Firma als Fahrwerksspezialist die Branche mit speziellen Tiefrahmen. In Zusammenarbeit mit Fahrzeugherstellern, insbesondere mit Fiat und Mercedes-Benz, entstand ein Leichtbauchassis mit Breitspurfahrwerk. Das hat viele Vorteile: Die Abnehmer können nicht nur den Grad der Tieferlegung, sondern auch den gewünschten Radstand ordern. Damit sind die Ausbauer bei der Grundrissgestaltung deutlich flexibler. Möglichmacht das eine spezielle Hinterachskonstruktion, so sind beispielsweise die Räder einzeln aufgehängt. Drehstäbe übernehmen die Federung. Stand heute sollen die rund 3.000 Mitarbeiter an den weltweit mehr als 40 Standorten Unternehmensangaben zufolge fast 300.000 Chassis gebaut haben. Die meisten der Arbeiter befinden sich seit dem 1. April jedoch in Kurzarbeit. An einigen internationalen Standorten musste die Produktion aufgrund behördlicher Vorgaben vorübergehend ganz ausgesetzt werden.

Super-Light-Chassis von Alko

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Alko Fahrzeugtechnik: Das Hybrid-Chassis: Die Motorleistung von 90 kW kann zugeschaltet werden.

Einer der Hauptabnehmer ist Hymer – noch. Das Super-Light-Chassis, kurz SLC, mit integriertem Doppelboden hat Alko exklusiv für den Hersteller aus Bad Waldsee entwickelt. Umso mehr dürfte es nun schmerzen, dass Hymer auf der CMT mitteilte, die Chassis in einer eigens dafür gebauten Produktionshalle künftig selbst anfertigen zu wollen. Auf Nachfrage antwortet ein Sprecher des Unternehmens: "Insgesamt verbindet Hymer und Alko Fahrzeugtechnik eine lange und gute Geschäftsbeziehung. Diese etablierte Zusammenarbeit setzen wir auch zukünftig mit verschiedenen Projekten fort." Wie genau diese Zusammenarbeit aussehen wird, konnte oder wollte man nicht weiter ausführen. Trotz diesem Wegfall sieht sich Alko für die Zukunft gut gerüstet, möchte auch im Zuge der Elektrifizierung des Verkehrs einen Teil beitragen und stellte 2019 ein Hybrid-Chassis vor. Die elektrische Reichweite des Tiefrahmens mit zusätzlich angetriebener Hinterachse soll bei bis zu 100 Kilometern liegen. Antrieb und Akku sind zwischen den Längsträgern platziert. Noch in diesem Jahr sollen erste Prototypen folgen.

Doch längst hat sich Alko nicht nur auf den Bau von Chassis fokussiert. Im Gegenteil: In der jüngsten Vergangenheit war man fleißig auf Shoppingtour, kaufte reihenweise kleinere Firmen auf. Alko übernahm in den letzten acht Jahren knapp zehn Unternehmen, darunter Marken wie Sawiko (Trägersysteme), E&P Hydraulics (hydraulische Levelsysteme) oder Aguti (Fahrersitze) und weitete so Stück für Stück das Portfolio aus. 2016 kam es zum großen Zusammenschluss mit Dexter Axle – quasi das nordamerikanische Pendant. Unter dem Dach der Dexko Global Inc. agiert man seither als Weltmarktführer für Chassis-Komponenten.

Ein ähnliches Vorgehen legt auch Lippert Components Industries, kurz LCI, an den Tag. Das Unternehmen kauft seit nun fast zwei Jahrzehnten verstärkt in Europa Firmen auf. 1994 begann der Konzern – der auch in der Boots- und Güterbranche tätig ist – erstmalig in den Reisemobilmarkt zu investieren. Lag der Fokus damals auf den Bau von Chassis und Fenstern, erweiterte der amerikanische Zulieferer in der Vergangenheit peu à peu sein Produktportfolio. Die Strategie ist dabei klar erkennbar: Europa scheint für die Amerikaner mit zweistelligen Wachstumszahlen im Campingmarkt besonders reizvoll zu sein. In den letzten 20 Jahren kam es zu mehr als 50 Übernahmen, allein 20 davon im Reisemobilsegment außerhalb der nordamerikanischen Wohnmobilindustrie. Zuletzt verkündete man den Kauf des niederländischen Fenster- und Türenherstellers Polyplastic.

Neben dem Vertrieb von Acrylglasfenstern konzentriert sich Lippert Components Industries besonders auf den Verkauf von Türen, (Hub-)Bettsystemen und Slide-outs. Auf dem Heimatmarkt ist man mit den ausziehbaren Erkern und mehr als 150.000 produzierten Exemplaren längst zum Branchenführer aufgestiegen. LCI besitzt in diesem Bereich über 80 Patente. Auch in Europa läuft das Geschäft. Herstellung und Vertrieb übernimmt in der EU die LCI-Tochter Projekt 2000 mit Sitz in Italien, in Deutschland agiert Reimo als Distributor. Zu den Kunden zählten in der Vergangenheit unter anderem Adria, die Knaus-Tabbert-Gruppe, die Pilote-Gruppe, Reimo und RS Motorhomes aus Yorkshire.

LCI liefert weltweit

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Lippert Components Industries: Am Tag fertigen die LCI-Mitarbeiter bis zu 2000 Türexemplare für den weltweiten Markt.

Inzwischen liefert LCI seine Waren außer in Europa rund um den Globus an Hersteller in Australien, Thailand oder Südafrika. Entsprechend der hohen Nachfrage erreichen die produzierten Stückzahlen schwindelerregende Höhen: Mehr als 24.000 Fenster, 2.000 Eingangstüren und 2.800 Matratzen werden an den mehr als 65 Standorten weltweit hergestellt – am Tag, versteht sich.

Bei solchen Zahlen kommt man schnell ins Schwitzen. Gut, dass es mit Dometic einen weiteren Zulieferer gibt, der mit seinen Produkten bei den Kunden für einen kühlen Kopf sorgt – und deshalb bei der Leserwahl in den Kategorien "Klimaanlagen" und "Kühlschränke" regelmäßig die Goldmedaille abstaubt.

Baltzar von Platen und Carl Munters waren es, die zu Beginn der zwanziger Jahre den verrückten Einfall hatten, kalte Luft durch Wärme zu erzeugen. Genauer gesagt versuchten sie, durch Wärmezufuhr ein Kältemittel zum Zirkulieren zu bringen. Die Idee des Absorberkühlschranks war geboren.

Es sollte nicht nur bei einer Idee bleiben. 1923 erwarb das schwedische Unternehmen Arctic die Herstellungsrechte. Zwei Jahre später kaufte eine Firma für Haushaltsgeräte namens Electrolux dieses auf. In den Folgejahren vertrieb man Millionen von Kühlschränken – zunächst für den Haushalt.

Zu Beginn der 50er Jahre investierte Electrolux erstmals in den Freizeitbereich, baute Kühlschränke für Reisemobile und gab der Sparte einige Jahre später einen eigenen Namen Dometic. In der Folge übernahm man – ähnlich wie Dexko und LCI – zahlreiche Marken. Seit 2001 steht Dometic als Teil der EQT-Gruppe auf eigenen Beinen und akquiriert fleißig weiter. Heute zählen Firmen wie Waeco (Kühlsysteme, Autozubehör), Prostor (Markisen) und Seitz (Fenster) zur Gruppe. Sie operieren heute mehrheitlich unter dem Markennamen Dometic. Mit dem jüngsten Zukauf, dem Zelthersteller Kampa aus Großbritannien, erweiterte die Gruppe abermals ihr Portfolio. Die Investments zeigen, wie breit die Schweden inzwischen aufgestellt sind.

Für Aufsehen sorgte jedoch jüngst die Schlagzeile, Dometic wolle die Produktion von 300.000 Kühlschränken nach China verlagern. Was das für den Traditionsstandort Siegen bedeuten würde, ist derzeit noch ungewiss. Zu einer Stellungnahme war das Unternehmen bislang nicht bereit. In China würden die Produktionskosten deutlich niedriger ausfallen. Als börsennotiertes Unternehmen mit einem jährlichen Milliardenumsatz geht es eben ums Geschäft.

Thetford

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Thetford: Darf in keinem Reisemobil mit Bad fehlen: die Kassettentoilette, hier mit Drehfunktion.

Wenn es um das wahre Geschäft geht, ist Thetford der Ansprechpartner Nummer 1 im Reisemobilsegment. Seit seinem Bestehen stellt das Unternehmen Toilettensysteme her und unterstrich seine Marktführung bei der vergangenen Leserwahl mit rund 83 Prozent auf eindrucksvolle Weise.

Gegründet wurde Thetford 1963 in den USA, genauer gesagt in Ann Arbor im US-Bundesstaat Michigan. Seit 1988 gehört das Unternehmen zur Recreational Vehicle Group der Dyson-Kissner-Moran Corporation, einer inhabergeführten und internationalen Holding.

Die europäische Zentrale im niederländischen Etten-Leur ist Dreh- und Angelpunkt für die weltweite Logistik. Neben einer eigenen Produktionsstätte – in der je Schicht unter anderem rund 700 Kassettentoiletten, aber auch 300 Kühlschränke und 1.350 Serviceklappen hergestellt werden – wird von hier der gesamte Warenverkehr koordiniert und an Kunden in über 65 Ländern vertrieben.

Da das Geschäft mit dem Geschäft so gut läuft und die globale Produktion von Reisemobilen weiter stark anwächst, hat Thetford den Standort Etten-Leur um ein neues Vertriebszentrum ausgebaut. Das sogenannte European Distribution Center hat eine Fläche von 11.000 Quadratmetern und bietet laut Unternehmen ausreichend Platz für die hergestellten Produkte. Platz, den man jetzt aufgrund der fehlenden Logistik zur Lagerung benötigen dürfte. Im April musste ein Großteil der Fabriken schließen, auch der so wichtige Standort in Etten-Leur.

Truma Spitzenreiter beim Thema Heizen

Das Thema Heizen im Reisemobil verbinden Urlauber mit großer Wahrscheinlichkeit mit einer Firma: Truma.

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Truma: Die Truma- Combi-Heizungen kommen im Reisemobil meist an der Sitzgruppe unter.

Diese Vermutung bestätigt sich beim Blick auf die Rangliste der Leserwahl, in der das Unternehmen die Kategorie "Heizungen" seit Jahren souverän anführt. Mit dieser Auszeichnung und dem 70-jährigen Bestehen hatte der Zulieferer mit Sitz im bayerischen Putzbrunn 2019 gleich doppelt Grund zur Freude. Stand heute haben die Bayern nach eigenen Angaben mehr als sechs Millionen Wärmequellen verkauft.

Bis dahin war es ein langer Weg: Um seine Schüler auf der Abendsprachschule in den Nachkriegsjahren trotz Stromsperren unterrichten zu können, entwickelte Philipp Kreis eine Gasleuchte. Er war von seinem Produkt so überzeugt, dass er 1949 sein eigenes Unternehmen gründete und es kurzerhand nach dem damaligen US-Präsidenten Harry S. Truman benannte. Der Mann, der durch den Marshallplan den Wiederaufbau Deutschlands ermöglichen sollte.

Kreis war es auch, der in den 60er Jahren den S-förmigen Wärmetauscher entwickelte. Bis heute ist er Bestandteil eines jeden flachen Heizkörpers, der platzsparend an der Wand montiert wird. Es folgten weitere Produkte: 1961 die erste Wohnwagenheizung Truma-matic und 1969 der Gasdruckregler Duomatic, Vorbild für die heutige Duo-Control CS mit integriertem Crashsensor. Sechs Jahre später präsentierten die Putzbrunner die Trumatic E-Heizung, der Vorgänger der heutigen Vario Heat. Seit 1997 gehört zudem auch Alde, der schwedische Hersteller von Warmwasserheizungen, zu Truma.

Zu den bekanntesten und erfolgreichsten Produkten zählen aber wohl die Combi-Heizungen. Sie heizen den Wohnraum, erwärmen in einem integrierten Boiler das Wasser und lassen sich je nach Modell mit Gas, Strom, Diesel oder als Hybridvariante nutzen. An einem Tag bauen die mehr als 700 Mitarbeiter weltweit mehrere hundert Exemplare davon.

2011 erweiterte Truma sein Portfolio auch um eine Dachklimaanlage und trägt mit Produkten wie dem iNet System – mit dem unter anderem Heizung und Klimaanlage per App über das Smartphone gesteuert werden können – seinen Beitrag zur Vernetzung im Reisemobil bei. Ein Thema, das man zukünftig auf Produktseite verstärkt vorantreiben möchte.

Apropos Vernetzung: 1997 expandiert das Unternehmen erstmals und gründet eine Tochtergesellschaft in Großbritannien. Zehn Jahre später kommen Niederlassungen in Italien und Schweden mit dazu, China und die USA folgen. In den Vereinigten Staaten baute man seine Aktivitäten jüngst durch ein neu eröffnetes Headquarter mit eigener Klimakammer weiter aus.

Auswirkungen der Corona-Krise

Zu den Hauptabnehmern zählen mittlerweile Reisemobil- und Wohnwagenhersteller in ganz Europa – darunter auch der Groß- und Fachhandel – sowie China, die USA und Australien. In Down Under versucht Truma seit letztem Jahr durch die Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner Leisure-Tec die Präsenz weiter auszubauen. Außerdem übernahm man das Hauptsponsoring dreier großer Camping-Messen für die nächsten drei Jahre.

"Australien ist nach den USA und Europa der drittgrößte Caravaning-Markt weltweit und für uns von strategischer Bedeutung", erklärt Geschäftsführer Alexander Wottrich diesen Schritt, der fortan auf unbestimmte Zeit aber erst einmal einer operativen Zwangspause unterliegen dürfte.

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Truma: In einer Kältekammer testet Truma unter Extrembedingungen seine Produkte auf Funktionalität.

Denn auch Truma bekommt die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren, zumal man mit Italien und den USA Niederlassungen in besonders stark betroffenen Ländern besitzt. Den Betrieb musste Truma deshalb stark einschränken. Einige Mitarbeiter aus den Bereichen Entwicklung und IT arbeiten von zu Hause aus, andere in Kurzarbeit. Zu Lieferengpässen soll es nicht kommen: "Dank unseres gut gefüllten Lagers können wir alle Erstausrüster beliefern, die ihre Werke wieder geöffnet haben", teilt eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage mit.

Auch andere Firmen haben mit Corona zu kämpfen. Als die Pandemie in Deutschland ihren Anfang nahm, sorgte vor allen Dingen ein Unternehmen für Aufsehen: Webasto. Mitarbeiter des Zulieferers hatten sich bei chinesischen Kollegen mit dem Virus infiziert.

Abseits der Schlagzeilenversorgt das Unternehmen mit Sitz in Stockdorf bei München die Branche unter anderem mit Heiz- und Kühlsystemen und legt ein ähnliches Verhaltensmuster an den Tag wie die bereits erwähnten Weltkonzerne.

So investiert die Gruppe, zu der unter anderem auch die Marken Whale (Heizungen, Pumpen und Boiler) und Isotherm (Kühlschränke) gehören, mit mehr als 13.000 Mitarbeitern im Zuge der Elektrifizierung des Mobilitätssektors seit 2017 in die Entwicklung von Ladetechniken und übernahm den Geschäftsbereich Efficient Energy Systems von Aero Vironment, einem amerikanischen Technologieunternehmen.

Gleiches gilt für die Thule Group mit über 2.200 Mitarbeitern. Früher vor allen Dingen als Zubehör-Anbieter im Pkw-Bereich bekannt, stieg man mit dem Kauf von Markisenhersteller Omnistor in den Reisemobilmarkt ein. Anfang des Jahres kaufte Thule den US-Anbieter Denver Outfitters. Mit den Dachträger-Produkten versuchen die Schweden mit Sitz in Malmö das eigene Campingangebot weiter auszubauen.

Satellitenanlagen

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle die Sparte um Satellitenanlagen. Mit Ten Haaft Oyster, Kathrein und Alden stehen bei der aktuellen Leserwahl drei Firmen auf dem Treppchen, die weder in der Vergangenheit eingekauft noch verkauft wurden. Auch Teleco Spa sei hier als Anbieter genannt. Gemeinsam mit Telair SRL – spezialisiert auf Klimaanlagen und Elektrokomponenten – gehören sie zur italienischen Teleco Group. Auch in anderen Produktsegmenten gibt es solche unabhängigen Hersteller noch zuhauf. Alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Fiamma aus Italien, Spezialist für Markisen, Fahrradträger und Campingzubehör, zählt sicher mit zu den größten.

Auch Reisemobilhersteller selbst übernehmen inzwischen Zulieferer. So kaufte die Erwin Hymer Group zum Beispiel 2014 den Fahrwerksspezialisten Goldschmitt. Auch Hobby beliefert sich seit langer Zeit mit der hauseigenen Rendsburger Feuerverzinkerei selbst mit Chassis.

Der Report bestätigt: Das Segment boomt – zu Recht. Denn es sind schließlich auch die Zulieferer, die maßgeblich für Weiterentwicklungen von Produkten sorgen, mit ihren Innovationen Mobile und Branche vorantreiben und somit das Reisen auf Rädern dauerhaft komfortabler machen.

Gleichzeitig steht den Ausbauern für diverse Komponenten oftmals nur eine begrenzte Anzahl an Anbietern zur Verfügung. In der Wirtschaft bezeichnet man diesen Zustand als Oligopol. Der Branche selbst scheint das nicht zu schaden: Die steigenden Umsätze führen dazu, dass vor allem Big Player aus Amerika auf dem europäischen Markt aktiv werden und sich kleinere Firmen einverleiben. Auch europäische Unternehmen stellen sich mit Blick auf ihr Produktportfolio durch interne Neuentwicklungen – oder ebenfalls durch externe Zukäufe – immer breiter auf.

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Markisen erfreuen sich bei den promobil-Lesern großer Beliebtheit – schon ab Werk.

Dies führt zwangsläufig zu einem Konzentrationsprozess innerhalb der gesamten Zuliefererindustrie. Ähnlich wie bei den Reisemobilherstellern sammeln sich heutzutage viele in der Vergangenheit noch unabhängige Unternehmen unter dem Dach großer Organisationen, Tendenz weiter steigend.

Die Zulieferer im Überblick

Alko Fahrzeugtechnik

  • Standorte: Hauptsitz in Kötz (Bayern), über 40 Standorte in Asien, Australien, Europa und Südamerika
  • Mitarbeiterzahl: ca. 3.000
  • Produkte: u.a. Anhängevorrichtungen, Chassis, Federungssysteme, Stützensysteme, Trägersysteme
  • Umsatz 2019: 569 Millionen Euro
  • Website: www.alko-tech.com

Dometic

  • Standorte: Hauptsitz in Stockholm (Schweden), 27 Standorte weltweit
  • Mitarbeiterzahl: ca. 7.200
  • Produkte: u.a. Fenster, Klimaanlagen, Kühlschränke, Markisen, Stromerzeuger, Toilettensysteme, Zelte
  • Umsatz 2019: 1,7 Milliarden Euro
  • Website: www.dometic.com

Lippert Components Industries

  • Standorte: Hauptsitz in Elkhart (Indiana), über 65 Standorte in Irland, Italien, Kanada und USA
  • Mitarbeiterzahl: ca. 11.000
  • Produkte: u.a. Achsen, Chassis, Leitern, Elektronik, Fenster, Hub- und Nivelliersysteme, Slide-Outs, Türen
  • Umsatz 2019: 2,18 Milliarden Euro
  • Website: www.lippertcomponents.eu

Thetford

  • Standorte: Hauptsitz in Etten-Leur (Niederlande), 16 Niederlassungen in Australien, China, Europa, Großbritannien und Nordamerika
  • Mitarbeiterzahl: ca. 1.450
  • Produkte: Kühlschränke, Küchengeräte, Sanitärzusätze, Serviceklappen, Toilettensysteme
  • Umsatz 2019: keine Angaben
  • Website: www.thetford-europe.com

Truma

  • Standorte: Hauptsitz in Putzbrunn (Bayern), fünf Niederlassungen in China, Großbritannien, Italien, Schweden, USAJoint Venture in Australien
  • Mitarbeiterzahl: ca. 700
  • Produkte: digitale Vernetzung, Gasversorgung, Heizung, Klimaanlagen, Kühlsysteme, Rangiersysteme
  • Umsatz 2019: 210 Millionen Euro
  • Website: www.truma.com

Fazit

Wachstum, Wachstum, Stagnation?

Die Zulieferer blicken erneut auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Wie in der gesamten Reisemobilbranche sind die Auftragsbücher mehr als ordentlich gefüllt. Der Report verdeutlich dabei jedoch eindrucksvoll, dass vor allen Dingen amerikanische Unternehmen ein Auge auf den in Europa immer beliebter werdenden Freizeitmarkt werfen – und mit Übernahmen auch Taten folgen lassen. Dass dabei kleinere, familiengeführte Unternehmen auf der Strecke bleiben, ist jedoch nicht zu befürchten. Auch wenn aktuell alle mit dem Coronavirus und den wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen haben.