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Wohnmobil-Fahrwerk optimieren

Mehr Komfort und Sicherheit

Reisemobile optimieren: Fahrkomfort Foto: Jacek Bilski 16 Bilder

Die Fahrt im Reisemobil ist meist unkomfortabler als im Pkw. Zumindest mit Serienfahrwerk. Besser reist es sich mit optimierten Federbeinen und Zusatzluftfedern. Wir haben’s ausprobiert.

Schlaglöcher, Bodenwellen, zerfurchter Asphalt: glatte Pisten sind Straßen nur selten. Da merkt der Reisemobilfahrer schnell, dass sein Fahrzeug im Grunde nur ein modifiziertes Nutzfahrzeug ist. Aber während Transporter in der Regel mit ständig wechselnden Lasten unterwegs sind, werden Reisemobile häufig voll beladen bewegt. Das Standard-Fahrwerk ist nicht optimal auf das hohe Grundgewicht des Aufbaus ausgelegt, weshalb manches Reisemobil schon im Stand nahezu voll einfedert.

Beim Überfahren von Unebenheiten bleibt damit kaum Restfederweg übrig, und die Federn schlagen auf den Endanschlagsdämpfern durch. Das dürftige Feder- und Dämpfungsverhalten sorgt aber nicht nur für Komforteinbußen. Auch die Sicherheit kann unter einem schlecht abgestimmten Fahrwerk leiden, denn kurze Federwege haben eine geringere Verschränkungsfähigkeit zur Folge. Bei wechselseitigem Einfedern kann so unter Umständen ein Traktionsverlust an den Antriebsrädern entstehen.

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Um herauszufinden, wie sich ein gezielt angepasstes Fahrwerk tatsächlich im Fahrverhalten auswirkt, haben wir die Fiat-Ducato-Basis eines Carado T 448 beim Fahrwerksspezialisten Goldschmitt Techmobil in Walldürn optimieren lassen. Die McPherson-Federbeine an der Vorderachse wurden komplett entfernt und durch eine modifizierte Feder-Dämpfer-Einheit Modell Route Comfort ersetzt. Einschließlich Montage und TÜV fallen für zwei neue Federbeine dieses Typs 1314 Euro an.

Die Blattfedern der Hinterachse wurden dagegen nicht ersetzt, sondern nur durch eine Zweikreis-Zusatzluftfederanlage mit acht Zoll großen Bälgen ergänzt. Sie nehmen den Platz der Endanschlagspuffer zwischen Originalfeder und Fahrzeugrahmen ein und übernehmen deren Aufgabe mit. Die Blattfedern haben fortan vor allem achsführende Funktion.

Reisemobile optimieren: Fahrkomfort Foto: Jacek Bilski
Der Schnitt zeigt den Aufbau des luftgefüllten Gummibalgs.

Anders als bei Stahlfedern lässt sich die Unterstützung der Federbälge über den Luftdruck an die Beladung anpassen. In unserem Fall geschieht das über ein Bedienteil im Armaturenbrett. Bei vollem Luftdruck lässt sich das Heck in beladenem Zustand zudem um bis zu acht Zentimeter anheben. Da sich der Druck in den beiden Bälgen unabhängig voneinander einstellen lässt, ist auch das Ausgleichen seitlicher Lastunterschiede möglich. Der dazugehörende Druckluft-Kompressor kann in der Heckgarage oder einem anderen Staufach installiert werden.

Höhere Preise bieten höheren Komfort

Das gewählte Zweikreissystem zählt mit 1364 Euro (inklusive Montage und TÜV) zu den eher im unteren Preissegment angesiedelten Luftfederungen. Es ist somit auch eine gute Wahl für die Nachrüstung an günstigeren und besonders auch älteren Reisemobilen. Denn mit der Zeit verlieren die serienmäßigen Blattfedern aus Stahl an Spannkraft und in der Folge verringern sich Federweg und Bodenfreiheit.

Reisemobile optimieren: Fahrkomfort Foto: Jacek Bilski
Neue Komponenten: Zusatzluftfedern (v. l.) mit Kompressor (h. l.) für die Hinterachse, Route-Comfort-Federbeine (v. r.) für die Vorderachse.

Als Highendlösung zur Optimierung der Federung gelten automatische Vierkanal-Vollluftfedersysteme. Dafür fallen je nach Ausführung und Anbieter aber nicht selten 6500 Euro und mehr an. Solche Vollluftfederungen nivellieren sowohl die Vorder- als auch die Hinterachse und erlauben verschiedene Fahrmodi, bei denen beispielsweise das Fahrwerk ab einer festgelegten Geschwindigkeit automatisch abgesenkt wird. Zum Entleeren des Wassertanks kann das Fahrzeug auf Knopfdruck auch einseitig abgesenkt werden.

Das Fahrwerk des Testwagens dagegen sollte gegenüber dem Serienstand mit moderaten Mitteln optimiert werden – spür- und messbar. Den Luftdruck der Reifen, die Fahrverhalten und -komfort ebenfalls beeinflussen, stellten wir bei allen Testfahrten auf ein dem Fahrzeuggewicht angepasstes Niveau ein. Um den Effekt der optimierten Federn zu überprüfen, kamen zwei Methoden zum Einsatz: Zum einen zeichneten Beschleunigungssensoren während der Fahrt die vertikalen Aufbaubewegungen auf. Zum anderen hielten drei Testfahrer ihre subjektiven Fahreindrücke in Bewertungsprotokollen fest.

Reisemobile optimieren: Fahrkomfort Foto: Jacek Bilski
Über die Bodenwellen rollt das optimierte Fahrzeug ruhiger und schwingt weniger lang nach.

Dem optimierten Fahrwerk kann eine fühl- und messbare Verbesserung des Federungskomforts attestiert werden – auch wenn der Ducato immer noch keineswegs zur Sänfte wird. Doch Zusatzluftfedern und Route-Comfort-Federbeine lassen die Unebenheiten beim Überfahren weniger hart durchdringen. Maßgeblichen Anteil daran haben der längere Federweg und das sensiblere Ansprechen. Die Mehrzahl der Stöße wird vollständig absorbiert, während die Serien-Blattfedern hinten bei gleicher Belastung bereits hart auf den Gummipuffern aufschlagen.

Weiterer positiver Effekt: Das Fahrzeug beruhigt sich nach dem Eintauchen der Federn schneller. Hatte das Serienmobil noch viermal nachgeschwungen, waren mit neuen Dämpfern an der Vorderachse nur noch zwei Pendelbewegungen messbar.

Auch das Kurvenverhalten fällt mit dem modifizierten Fahrwerk etwas besser aus. So neigt das Reisemobil in geringerem Maß zu Lastwechselreaktionen und in langen Kurven macht sich eine höhere Spurtreue bemerkbar, die weniger Lenkkorrekturen erfordert. Generell wirkt das Lenk- und Bremsverhalten durch die optimierten Federelemente sicherer, weil spurstabiler. Im Grenzbereich bleibt das Fahrzeug so besser kontrollierbar. Kurven können mit etwas höherer Geschwindigkeit durcheilt werden, ohne dass das Fahrwerk die Bodenhaftung verliert oder auf der kurvenäußeren Seite übermäßig einfedert. Auch bei Vollbremsungen bleibt das Reisemobil stabiler in der Spur.

Nicht zuletzt sinkt auch das Heck bei entsprechender Beladung der Garage oder eines Fahrradträgersweniger stark ab. Die Gefahr des Aufsetzens beim Befahren steiler Rampen wird reduziert, etwa bei der Auffahrt auf eine Fähre. Fazit: eine fühlbare Verbesserung mit moderatem Aufwand.

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Testergebnisse im Detail

Um sowohl reproduzierbare als auch praxisnahe Ergebnisse zu ermitteln, wird das Testfahrzeug im Leerzustand gewogen und mit Sandsäcken bis zum zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen beladen. Dabei berücksichtigen wir die maximalen Achslasten.

Reisemobile optimieren: Fahrkomfort Foto: Jacek Bilski

Als Teststrecke für die subjektiven Eindrücke dient ein 24 Kilometer langer Rundkurs durch den Odenwald. Der Fahrbahnbelag besteht überwiegend aus Asphalt, teils aus Schotter. Einige Abschnitte sind mit Furchen und Bodenwellen durchzogen. Zudem drehen wir eine Runde über die Goldschmitt-eigene Schlechtwegestrecke, eine speziell angelegte Strecke mit extrem ausgeprägten Fahrbahnunebenheiten.

Objektive Messwerte ermitteln wir mit zwei Sensoren, die auf dem Fahrzeugboden über den Achsen angebracht werden und messen, mit welcher Beschleunigung sich der Aufbau nach einer Anregung bewegt. Die Diagramme unten veranschaulichen die Messergebnisse.

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Eine große Auswahl unterschiedlicher Zusatz- und Vollluftfedern sowie Federbeine für alle gängigen Basisfahrzeuge haben die folgenden Spezialisten im Programm. Teilweise kann damit auch eine Auflastung verbunden werden.

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