Mit dem Wohnmobil durch SŸdfrankreich Dirk SchŠfer
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Mit Wohnmobil und Motorrad durch Südfrankreich

Mit dem Wohnmobil und Moped durch Südfrankreich Top oder Flop? Womo-Urlaub mit Motorrad

Wohnmobilreisen sind fabelhaft. Motorradtouren aber auch. Dirk Schäfer versucht beides unter einen Hut zu bekommen. Er sucht das Beste aus zwei Welten und findet es in Südfrankreich.

Es gibt Orte, die haben Signalwirkung. Die Rhône-Brücke bei Viviers ist so einer. Zwei gewaltige Portale auf beiden Seiten der Rhône halten die Seile, an denen die Brücke hängt. Als ich auf die Brücke rolle, sehe ich auf der anderen Seite gleich den hellen Altstadthügel von Viviers mit der Kathedrale. Diese Brücke setzt bei mir dieses herrliche "Jetzt bin ich im Urlaub"-Feeling frei.

Als Motorradfahrer im Wohmobil unterwegs

Gleichzeitig komme ich aber auch bei einem guten Freund an, der gleich am Ufer des Stroms wohnt. Raoul weiß, dass ich komme, traut aber seinen Augen nicht, was da über den Kies seines Parkplatzes knirscht. "Seit wann fährst du ein Wohnmobil? Ich dachte, du wolltest mit dem Motorrad kommen!" Ich muss lachen "Bin ich auch. Sogar mit zwei Motorrädern." Über Raouls Kopf türmen sich Fragezeichen, die erst in sich zusammenfallen, als ich die Hecktüren des Weinsberg Outlaw öffne. Zwei schicke Bikes parken dort. Schnell baut sich ein neues Fragezeichen bei meinem Reisepartner auf: "Aber, womit wollen wir fahren?" "Mit allem!"

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Sogar zwei Motorräder hat unser Autor im Wohnmobil.

Mit Ducati und Weinsberg an die Côte d’Azur

Einen Tag später hat sich eine äußerlich nicht erkennbar zusammengehörige Reisegruppe formiert. Raoul, der mit der Ducati aus dem Wohnmobil vorausfährt, unser gemeinsamer Kumpel Thierry, der seine eigene BMW pilotiert, und ich mit dem Outlaw, der in der Heckgarage noch einen weiteren Boxer spazieren fährt. Vorerst. Unser Ziel: Cassis an der Côte d’Azur. Mit Blick auf meine 6,36 Meter lange Wohnanlage konnte Thierry sich ein Grinsen nicht verkneifen und hatte gefragt, ob wir bis Cannes die Autobahn nehmen sollen.

"Kommt gar nicht in die Tüte!" hatte ich gesagt, und so cruisen wir jetzt gemeinsam an der Berglegende Mont Ventoux vorbei und touchieren das charmante Aix-en-Provence. Ich bin überrascht: Mit ein bisschen Mühe kann ich trotz des fahrzeugspezifischen Dynamiknachteils mit den Jungs mithalten. Das ändert sich hinter Auriol. "Willst du nicht mal das Motorrad auspacken? Vor uns liegt der Col de l’Espigoulier." "Ach was! Für die paar Meter. Ist doch nicht mehr weit bis Cassis." Was für ein Fehler!

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Im Hafen von Cassis geht es trotz der Nähe zu den mondäneren Yachthäfen noch gemütlich zu.

Klarer Vorteil für die Motos auf schmalen Straßen

Schon kurz nach dem Ortsausgang von Auriol sind mir Thierry und Raoul auf den Motorrädern weggeschnurrt. Nicht weil sie davonrasen, sondern weil die Straße schmal wie ein Giraffenhals wird, eine Kurve nach der anderen produziert und den Vorausfahrenden Freudentränen und mir feuchte Hände beschert. Aber das ist erst der Anfang. Jetzt zappelt die Strecke regelrecht an der Bergflanke entlang. Eine Bruchsteinmauer soll Abstürze in die Tiefe verhindern. Zwischen dürren Pinien leuchtet das nahe tiefblaue Meer hindurch und ich schalte im Wohnmobil einen Gang zurück. Aus dem anfänglichen Versuch, im Racingmodus Meter gutzumachen, drehe ich Motordrehzahl und Puls runter auf Relaxen. Was soll’s auch? Verlieren können wir uns nicht, wir kommen ohnehin am gleichen Ort an. Ich weiß auch schon, wo.

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Nicht jede Straße eignet sich fürs Womo, dann steigen die Reisenden aufs Motorrad um.

Die Sonne hat ihr schweißtreibendes Tagewerk gerade ins Mittelmeer getaucht, als wir uns auf einem Parkplatz in Cassis wiedersehen. Die Jungs, von den immer noch über 25°C schwitzig, strahlen über beide Backen. Ich kann es, wohl klimatisiert, nachempfinden. Was eine Superstrecke für die Motoräder war, entpuppte sich im Wohnmobil als Herausforderung. Aber jetzt halte ich einen Trumpf in der Hand.

Besser gesagt: im Kühlschrank. "Bier gefällig, Messieurs?" Auf einmal hat das am Morgen noch geschmähte Gefährt doch seine veritablen Pluspunkte. Die Flaschen klirren zusammen, und unter das "Prost!" und "Santé" mischt sich die Erkenntnis, dass wir morgen etwas anders agieren sollten. Und das schon zum Sonnenaufgang.

Moped-Tour am frühen Morgen bis an die Küste

Eine angenehm erfrischende Kühle strömt durch die stillen Gassen von Cassis. Ich rolle die BMW Urban GS aus dem Outlaw und treffe Raoul und Thierry vor ihrer Herberge. Die Sonnenstrahlen reichen noch nicht über das Massiv de la Sainte Baume, da sind wir schon auf dem Weg zur sogenannten Route des Crêtes. Die Panoramastrecke folgt den Klippen zwischen Cassis und La Ciotat. Salzige Luft aus der Gischt unter uns mischt sich mit dem schweren Duft der Garrigue. Erstes Licht bricht über die Hügel, taucht alles in warmes Orange, duelliert sich mit dem Leuchtfeuer auf dem Bec d l’Aigle und gewinnt wie nach jeder Nacht die Oberhand. Wir halten am Klippenrand, schalten die Motoren aus und atmen in den Morgen hinein. Puls: maximal gechillt. Emotionslage: nahe am Weltfrieden. Kann es besser kommen? Nein. Aber anders!

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Ein Traum im Sonnenuntergang: die Route des Crêtes bei Cassis.

Unterwassermuseum in Cannes

Im Urlaub möchte ich große Städte mit hektischem Verkehr gerne meiden. Aber es kann gute Gründe geben, sich dennoch in ein Stauparadies einzureihen, wenn nur das Ziel verlockend genug ist. Cannes ist eines dieser Ziele. Aber es sind weder die Riviera noch die Filmfestspiele, die Thierry auf französisch-selbstverständliche Art veranlassen, die BMW durch den Berufsverkehr von Cannes zu manövrieren. Es versteht sich von selbst, dass Raoul und ich – man will ja kein Spielverderber sein – ihm folgen. Aber wo wollen wir hin? Am Hafen von Cannes bleiben die Bikes stehen und wir erstehen Tickets für ein Boot zur Île Sainte Marguerite, die vor Cannes liegt. Die meisten Gäste an Bord wollen die Strände genießen. Wir dagegen wollen in ein neu eröffnetes Museum. Das Besondere daran: Es befindet sich unter Wasser.

Es ist nicht das erste Unterwassermuseum, dass der Engländer Jason deCaires Taylor mit seinen Skulpturen bestückt hat. Aber es ist das neben Zypern einzige im Mittelmeer. Unter Eukalyptusbäumen stapfen wir über die sandigen Wege auf der Suche nach dem sinnvollsten Einstieg in die nautische Ausstellung, denn einen expliziten Hinweis darauf gibt es nicht. Was manche beklagen werden, finde ich sehr wohltuend. Es verschafft mir das seltene Gefühl, etwas selbst zu entdecken. Dazu gesellt sich das für einen Nicht-Taucher eigenwillige Empfinden, etwas unter der spiegelnden Wasseroberfläche zu suchen. Wir tauchen ab. Nur mit Taucherbrille.

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Das Unterwassermuseum von Cannes kann man sich erschnorcheln.

Im Meer versenkte Betonköpfe entdecken

Außer dem schimmernden Meeresboden, blassgrünem Seegras und dem blaugrünen Raum aus Wasser um uns herum ist nichts von den Skulpturen zu sehen. Sind wir an der falschen Stelle? Ich tauche auf, japse nach Luft. "Hier, hier!" ruft Raoul übers Wasser und ist im nächsten Moment wieder abgetaucht. Dann sehe ich sie auch. Zwei Meter hohe Gesichter ragen surreal aus dem Meeresgrund heraus. Gesichter, die Taylor sechs Bürgern aus Cannes mit Gips abgenommen und auf Gullivergröße maximiert hat. Das Liliput-Gefühl zwischen den Gesichtern wird sich später am Tag noch einmal einstellen. An einer ganz anderen Stelle.

Es ist der Traum jedes Urlaubsprospekts: Die Lavendelfelder bei Valensole stehen in voller Blüte, und selbst bei geschlossenen Fenstern im Weinsberg Outlaw dringt der betörende Duft der lila Blüten in jede Pore. Aber klar: Die Fenster sind weit unten, Reggaesounds von Stick Figure blasen aus dem Soundsystem. Thierry und Raoul cruisen voran. Zeit und Raum: Sind das wirklich zwei getrennte Elemente? Es könnte ewig so weitergehen. Die Ewigkeit legt in Bauduen einen Zwischenstopp ein.

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Mit dem Womo gut machbar: durch die Lavendelfelder von Valensole cruisen.

Malerische Natur auf der Strecke

Der beschauliche Ort am Südende des unwirklich türkisen Lac de Sainte-Croix ist weit weniger überlaufen als das touristische Epizentrum Moustiers-Saint-Marie. Und hier zeigt sich, dass wir die Lektion des Col de l’Espigoulier gelernt haben. Das rollende Wohnzimmer darf am Seeufer bleiben, und mit den Bikes drehen wir die fabulöse Runde durch eine der schönsten Schluchten Europas, den Canyon du Verdon. Eine Landschaft, von Titanen geschaffen und von kleinen Wesen besucht. Liliput lebt! Wieder so ein Ort, der sich in die Synapsen einbrennt und an tristeren Tagen die innere Sonne hervorholen wird. Was soll an Großartigkeiten jetzt noch kommen? Einen Wunschort habe ich noch im Köcher. Und der hängt an der Rallye Monte Carlo. 150 km von Bauduen entfernt. Der Weg dahin ist ein klarer Fall für den Outlaw.

Ein Blick in die Straßenkarte offenbart nördlich von Nizza die Abwesenheit jedweder großzügiger Verkehrswege. Und gerade weil man dort nicht schnell vorankommt, versuchen es einmal im Jahr ein paar Spezialisten. Die Fahrer der Rallye Monte Carlo. Schon die Anfahrt zu unserem Ausgangsort Valberg ist ein Highlight. Für Thierry und Raoul wegen des Fahrvergnügens. Für mich wegen der Aussichten. Genug zu kurbeln gibt es aber auf jeden Fall. Schließlich sind wir hier schon in den Hochalpen. Die Etappe, die wir uns herausgesucht haben, wäre auch mit dem Outlaw machbar. Das Gewichtslimit würde er einhalten. Aber die Streckenführung! Die Haarnadelkurven zwischen Pierlas und Ilonse zwingen schon Standard-Pkw zum Reversieren. Der Outlaw müsste dort ohne Not leiden. Also nichts wie in die Mobilgarage und wieder die BMW Urban GS gesattelt. Inzwischen schaffe ich den Ladevorgang in weniger als drei Minuten. Und los geht’s!

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Erstes Licht bricht über die Hügel und duelliert sich mit dem Leuchtfeuer auf dem Bec dE l’Aigle.

Mein lieber Scholli! Den winzigen Abzweig in der tiefroten Schlucht der Gorges du Cians hätten wir fast übersehen. Die Straße ist so schmal, dass selbst mit den Motos ein entgegenkommender Fiat 500 zum Problem wird. Aber der Knaller kommt kurz vor dem Weiler Pierlas. Erst überwindet eine enge Brücke den Taleinschnitt des Riu. Und dann kurvt die Strecke derart irrwitzig bergan, dass Peter Jackson sie problemlos für ein Remake von "Herr der Ringe" nutzen könnte. Im ersten Gang und am Lenkanschlag manövrieren wir die Bikes durch die Kehrenanlage und erreichen im letzten Büchsenlicht das pittoresk auf einem Hügel liegende Ilonse. Was für eine Fahrt!

In Ilonse gibt es übrigens keine freien Betten mehr. Für uns kein Problem, in Valberg steht mein mobiles Bett. Mit Platz für zwei. Nummer drei wird sich was einfallen lassen. Aber zwischen hier und Valberg liegt noch jede Menge Zeit. Und die vielen Serpentinen von Pierlas.

Reiseroute durch Südfrankreich mit Stellplätzen

Suedfranreich Reiseroute
Campingbusse
Die Reiseroute der Motorrad-Wohnmobil-Urlauber.

An diesen Stellplätzen hat unser Autor übernachtet

  1. VIVIERS PARKING DU CREUX
  2. APARCAMENT GRATUIT AUTOCARAVANES
  3. BAUDUEN 60 RUE GRANDE
  4. VALBERG
  5. 5 ENTREVAUX

Fazit

Südfrankreich ist das Sehnsuchtsziel von MotorradfahrerInnen und ReisemobilistInnen. Aber geht das gut, mit Motorrad und Wohnmobil unterwegs zu sein? Unser Autor hat es ausprobiert und ist begeistern, denn nicht nur auf dem Zweirad gibt es Nervenkitzel.

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