Usedom Andreas Dumke
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Stellplatz-Tipps Usedom

Ein Platz an der Sonne

Wo der Kaiser seinen großen Zeh in die Ostsee hielt, ein Größenwahnsinniger Raketen entwickeln ließ und Kinder Sandburgen bauen, kann man ganz manierlich stehen.

Wenn der Tag mit Sonnenschein beginnt, ist er für viele Reisemobilfahrer schon so gut wie gelaufen: Er hat dann das Zeug, ein guter zu werden. Dabei scheint die Sonne ja unablässig – wir sehen sie nur nicht immer. Nachts zum Beispiel oder wenn allerhand Wetter die Sicht trübt. Mit rund 2000 Sonnenstunden pro Jahr zählt die Insel Usedom zu den sonnenreichsten Gegenden der Republik. Kein Wunder, dass besonders im Hochsommer die Stellplätze dort überfüllt sind – und teuer obendrein.

Die touristische Nachfrage begann vor 200 Jahren zunächst bei den Herrschaften, die Geld, Zeit und Zugang zu Informationen hatten. Zur Blüte gelangte der Inseltourismus erstmals Ende des 19. Jahrhunderts, als Kaiser Wilhelm II. geruhte, dem Süden der Insel seine Aufwartung zu machen. Andere Mächtige und Reiche, meist aus Berlin, taten es ihm gleich. Die Orte Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck titulieren seitdem als die Kaiserbäder und gelten im Volksmund als die Badewanne Berlins. Prächtige Bauten entstanden, heute als „die Bäderarchitektur“ bekannt.

Die Bernsteinbäder Usedoms

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Andreas Dumke
Die Ostseebäder im Süden punkten mit der „Kaiserarchitektur”, hier in Bansin.

Nördlich der Kaiserbäder liegen die „Bernsteinbäder“ Zempin, Koserow, Loddin und Ückeritz. Ihr Oberbegriff speist sich aus dem „Gold des Meeres“, das dort an den Steilufern gefunden wird, und aus ihrer Lage, die Perlen einer Kette gleicht. Hier, wo die Insel mit ihrer Wespentaille auseinanderzubrechen droht, haben die reetgedeckten Häuser und kleinen Häfen am Achterwasser ihren ursprünglichen Charakter als Fischerdörfer am sichtbarsten bewahrt. Hier liegen die bewegte salzige offene Ostsee und das ruhige süße landumschlossene Achterwasser eng gegenüber.

Orte mit Geschichte

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Klaus Zwingenberger
Wo die Sonne zu Hause und der Strand schier ohne Ende ist: im Sand Usedoms.

Im Norden laden weitere Seebäder wie Zinnowitz, Trassenheide und Karlshagen zum Bade ein. Mit Peenemünde muss dieser Inselteil allerdings ein Stück deutsche Vergangenheit verarbeiten, die alles andere als sonnig war. Der Ort stand im braunen Deutschland für die Raketenentwicklung (V2). Zu DDR-Zeiten beherrschten Marine und Luftwaffe das gesperrte Gebiet. Ein Museum und abgewrackte, rostende Schiffskörper geben Stoff zum Nachdenken.

Zwischen 1945 und 1990 nutzte die neue Arbeiter- und Bauernmacht zwar die alte Kaiserarchitektur, tat aber fast nichts zu ihrer Erhaltung. Die Pracht zerbröselte. Mit der Wende von 1989/90 erwachte sie dank kräftiger Kapitalströme aus dem Westen. Am 42 Kilometer langen Ostseestrand gerieten sich anfangs g’schamige Wessis und nackte Ossis in die Haare. Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt.

Kunst, Kultur und Wassersport

Wer die Ruhe auf der Insel sucht, wird im Hinterland oder an den Ufern von Achterwasser und Stettiner Haff fündig – ein Eldorado für Wassersportler. Die Moränenlandschaft schuf eine „Usedomer Schweiz“; schilfgesäumte Seen, Wiesen und Wälder laden zum Wandern und Radeln ein.

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Susanne Krauss
Auf Entdeckungstour: Usedoms Naturlandschaft bietet Wege für Neugierige.

Wer im Norden über Wolgast auf die Insel fährt, schaue sich vorher in Greifswald um und versäume nicht den Weg nach Wieck und zur Klosterruine Eldena, bekannt durch die Gemälde Caspar David Friedrichs; erlebenswert die Fischerdorfatmosphäre und sehenswert das moderne Sperrwerk. Auf der Rückfahrt über den Ort Usedom im Süden ist der Weg nicht weit nach Anklam. Die Hansestadt bietet eine Fülle und Vielfalt an Backsteingotik wie kaum eine andere. Und die Peene wird gerade hier ihrem Ruf als „Amazonas des Nordens“ gerecht – eine wilde Natur-/Flusslandschaft.

Nicht so wild, aber auch vom Wasser geprägt gibt sich das Seebad Ueckermünde etwas weiter südlich am Stettiner Haff. Die Stadt ist für ihre Cafés in einer sehenswerten Altstadt mit erlebbarem Hafen bekannt. Von hier starten Schiffe zur Haffrundfahrt und zur Insel Usedom – zurück zur Sonne.

Fazit

Usedom ist in der Nebensaison am schönsten! Viel Natürlichkeit, keine aufwendigen Neuanlagen: Die Stellplatzszene entspricht dem Inselcharakter. Die Plätze für Reisemobilisten sind gut verteilt über die Insel und in der Hauptsaison großenteils mehr als ausgelastet. Vorwiegend private Betreiber bieten meist guten Service bei bescheidener, doch auskömmlicher Qualität. Die Preise entsprechen der Spitzenposition bei den Sonnenstunden. Wer kann, nutzt die etwas ruhigere Vor- und Nachsaison.

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