Wohnmobiltour durch die PyrenŠen Manu und Steffi Thier
Wohnmobiltour durch die PyrenŠen
Wohnmobiltour durch die PyrenŠen
Wohnmobiltour durch die PyrenŠen
Wohnmobiltour durch die PyrenŠen 9 Bilder

Campingbus-Tour durch die Pyrenäen

Campingbus-Tour durch die Pyrenäen Einzigartige Reise zwischen Meer und Bergen

Wer sich nur schwer zwischen Meer und Bergen entscheiden kann, der bekommt rund um die Pyrenäen beides. Wir wollen das Gebirge zwischen Spanien und Frankreich in voller Länge durchreisen. Die mediterrane Leichtigkeit weicht bald abenteuerlichen Pässen und Schluchten.

Bevor wir für die nächsten Wochen ins Landesinnere verschwinden, tanken wir in Spanien an der Costa Brava noch einmal ausgiebig Sonne. Nicht ahnend, dass uns das mediterrane Feeling und das milde Klima im östlichen Teil der Pyrenäen begleiten würde. Die Pyrénées-Orientales sind landschaftlich stark geprägt vom milden Klima des Mittelmeeres. Hier wachsen Palmen genauso wie Bananenstauden, was in Kombination mit den Bergen für uns ein völlig neues Erlebnis ist.

Wir fahren ins Landesinnere, passieren den ersten Gebirgskamm und gelangen so wieder von Spanien nach Frankreich. Eine alte Steinbrücke führt uns über die Tech in den kleinen Ort mit dem langen Namen Prats-de-Mollo-la-Preste. Oberhalb thront eine alte Burg auf dem Hügel. Wir parken unseren Campingbus auf dem Parkplatz unter der Brücke und gelangen entlang der mittelalterlichen Stadtmauer zu Fuß in den urigen Ortskern. Nach der Besichtigung der Burgruine schlendern wir durch die kleinen Gassen zurück zum Campingbus. Als es draußen dunkel wird, erstrahlt die Fassade der alten Stadtmauer im Wechsel in den Farben der französischen und katalanischen Flagge. Keine Menschenseele ist mehr auf den Straßen unterwegs, und wir genießen die Lichtershow beim Spaziergang von der Steinbrücke aus.

Wohnmobiltour durch die PyrenŠen
Manu und Steffi Thier
Die mediterrane Leichtigkeit weicht bald abenteuerlichen Pässen und Schluchten.

Über den Gebirgspass Col de Puymorens erreichen wir am nächsten Tag Andorra. Das kleine, eigenständige Fürstentum liegt zwischen Frankreich und Spanien und ist vor allem für seine zollfreien Einkaufsmöglichkeiten bekannt. Wie eine Modelllandschaft wirkt die Aussicht hinunter auf die Passstraße mit den sanften grünen Hügeln im Hintergrund. Die Idylle wird allerdings getrübt vom Einkaufsort Pas de la Casa, der mit seinen retortenhaft aussehenden hohen Gebäuden inmitten der unberührten Natur liegt.

Rekord Gebirgspass

Schon von weitem sieht man es überall blinken. Die Straßen sind gesäumt von Werbebannern mit Preisangeboten. Aber leider oder wahrscheinlich auch absichtlich führt daran kein Weg vorbei. Zum Glück ist der Ort schnell durchfahren, und es folgt wieder eine unbeschreiblich schöne Naturlandschaft und der höchste Straßengebirgspass der Pyrenäen. Der Port d’Envalira ist mit seinen 2.407 Metern sogar der höchstgelegene, ganzjährig befahrbare Pass Europas.

Wir halten im Skiort Grau Riog. Die meisten Hotels sind außerhalb der Wintersportsaison geschlossen, und der kleine Ort wirkt wie ausgestorben. Entlang der stillgelegten Skilifte wandern wir mühsam die Abfahrten hinauf. Nach einer Stunde Fußmarsch erreichen wir einen Aussichtspunkt mit atemberaubendem Blick über den Gebirgssee Llac Dels Pessons inklusive Bergpanorama. Am Ufer wachsen zahlreiche rosafarbene Blümchen und vor den großen, schroffen, grauen Felsen des Gebirges stehen kleine Tannen zwischen den moosigen Steinen. Wir machen Rast auf einem großen, flachen Stein am Ufer. Der Abstieg geht dann wesentlich schneller.

Wohnmobiltour durch die PyrenŠen
Manu und Steffi Thier
Auf einer stillgelegten Straße wandern wir in die Congost de Collegats. Durch die Schlucht fließt die hier ruhige Nouguera Pallaresa.

Ein Paradies für Naturliebhaber

Zurück am Wohnmobil haben wir allerdings nicht viel Zeit, um uns auszuruhen. Ein Gewitter zieht auf, und wir flüchten ins 25 Kilometer entfernte Andorra La Vella, die Hauptstadt des Fürstentums. Hier finden wir auf dem Stadtcamping La Valira ein Plätzchen für die Nacht. Zu Fuß geht es am nächsten Morgen in die Innenstadt. Doch statt individueller Geschäfte und kleinen Bars erwarten uns nur Allerwelts-Boutiquen, Juweliere, Alkohol- und Elektronikmärkte. Das hätten wir uns in einem Steuerparadies wie Andorra auch denken können. Also machen wir uns mit dem Campingbus lieber wieder auf den Weg in die Natur und passieren die Grenze nach Spanien. Immer wieder halten wir an den kleinen Buchten der Passstraßen an, um die einmalige Weitsicht über die Bergspitzen mit der Kamera festzuhalten. Unten im Tal führt die Straße entlang einer riesigen rötlichen Gebirgskette. Wir parken am Rand und wandern über die stillgelegte, alte Hauptstraße in die Schlucht Congost de Collegats. Neben uns tobt der längste Fluss der Pyrenäen, die Nouguera Pallaresa. Die Gegend ist ein wahres Paradies für Wanderer, Kletterer und Wassersportler.

Serpentine für Serpentine schrauben wir uns den Gebirgspass Port de la Bonaigua hinauf. Plötzlich stehen Pferde mitten auf der Fahrbahn. Bei der nächsten Gelegenheit halten wir an und bieten den sanften Riesen vorsichtig ein paar Äpfel an. Als ich im Wohnmobil Nachschub holen will, folgen sie mir und werfen einen neugierigen Blick durch die Schiebetür. Nachdem unser Vorrat an Äpfeln verfüttert ist, fahren wir die letzten wolkenbehangenen Serpentinen bis auf 2.072 Meter hinauf. Oben verschwinden wir vollständig im Dunst der Wolken und können nur noch wenige Meter weit sehen. Sehr langsam folgen wir den Serpentinen herunter.

Wohnmobiltour durch die PyrenŠen
Manu und Steffi Thier
Auf dem Port de la Bonaigua begegnen uns plötzlich freilaufende Pferde.

Im Tal finden wir am Ufer der Esera einen schönen Platz für die Nacht. Bevor wir am Morgen aufbrechen, genießen wir noch unser Frühstück am Flussufer. Hinter dem kleinen Ort Campo halten wir für einen Spaziergang durch die gleichnamige Schlucht. Das türkisblaue Wasser schlängelt sich wunderschön entlang der kalkweißen Felsen unter zwei alten Steinbrücken hindurch. Mit dem Camper geht es dann einmal mehr in die Berge. Die Garganta de Escuain ist so schmal und tief, dass wir beim Fahren keinen Einblick aus dem Fenster erhaschen können. Also halten wir an einer der wenigen Buchten der kurvenreichen Straße und bekommen dank Drohne doch noch einen fantastischen Blick in die Tiefen.

Wir erreichen den von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Nationalpark Ordesa y Monte Perdido in den Zentralpyrenäen. Das höchste europäische Kalksteingebirge ist umgeben von grünen Wiesen und Wäldern, Palmen wachsen hier nicht mehr. An einer Gabelung biegen wir falsch ab. Zum Wenden ist die Straße aber zu schmal und steil, und so gelangen wir durch Zufall an einen Aussichtspunkt mit atemberaubendem 180-Grad-Panorama über den gesamten Canyon de Añisclo. Der Ausblick macht uns neugierig, und wir planen spontan für den nächsten Tag eine Wanderung in den Canyon hinein.

Bei jedem Felsüberhang fragen wir uns, ob unser Bus hier durchpasst

Schon früh am Morgen fahren wir in Richtung Schlucht. Ein Hinweisschild am Straßenrand warnt vor herabfallenden Steinen und einer engen, schlecht befahrbaren Straße. Solche Schilder sieht man hier aber häufiger, und so machen wir uns keine weiteren Gedanken. Die Straße wird tatsächlich bald schmaler und holpriger, Felsvorsprünge ragen weit über die Fahrbahn. So eine abenteuerliche Strecke haben wir wirklich nicht erwartet. Kleine Brocken liegen am Straßenrand, und die wenigen Leitplanken, die noch stehen, sind teilweise stark beschädigt. Bei jedem Felsüberhang fragen wir uns, ob unser Campingbus darunter hindurchpasst, und halten hinter jeder Kurve Ausschau nach Gegenverkehr. Neben uns rauscht der Rio Bellós durch ein spektakuläres Flussbett, dessen Anblick wir leider nicht so ganz genießen können. Die aufregende Fahrt endet schließlich auf einem kleinen Parkplatz. Hier sehen wir erst, dass wir aus einer Einbahnstraße gekommen sind, und müssen lachen. Wir schnüren unsere Wanderschuhe und folgen dem Pfad über eine schmale Steinbrücke hinüber zu den riesig steilen Felswänden. Entlang des Rio Bellós gelangen wir immer weiter in die Schlucht. Der Rundweg endet nach etwa einer Stunde Fußmarsch an einem kleinen Wasserfall, der sich in mehrere Lagunen ergießt.

Wohnmobiltour durch die PyrenŠen
Manu und Steffi Thier
Ein schöner Kontrast zu den Konsumtempeln in Andorra ist der Gebirgssee Llac Dels Pessons.

Auf der Weiterfahrt werden wir auf mehrere parkende Autos aufmerksam, die an einem kleinen Bergpass am Straßenrand stehen. Wir sind neugierig, parken dort ebenfalls und erkunden die Umgebung. Auf einer Anhöhe entdecken wir im urigen Garten eines kleinen, alten Steinhauses ein Café. Unter einem der Sonnenschirme nehmen wir Platz und richten unsere Blicke auf das Bergpanorama, aus dem wir gerade gekommen sind. Nach der Wanderung haben wir Lust auf eine Abkühlung im Pool. Gleich beim ersten Campingplatz, an dem wir vorbeikommen, haben wir Glück. Camping Gavin hat ein wirklich schön angelegtes Schwimmbecken auf einer Wiese mit Blick auf die Berge. Wir breiten unsere Decke im Schatten der großen Bäume aus und hüpfen ins kühle Nass.

Zwischen Berg und Tal

Am nächsten Tag kommen wir an dem wunderschön gelegenen Embalse de Bubal vorbei. Wir sind schon an unzähligen Stauseen entlanggefahren, aber hier müssen wir einfach kurz anhalten und Rast machen. Anschließend fahren wir hoch auf den Col du Pourtalet. Der 1.794 Meter hoch gelegene Gebirgspass ist nicht nur die Grenze zu Frankreich, hier beginnt auch der Nationalpark der Pyrenäen. Nach einem kleinen Spaziergang über Stock und Stein genießen wir vorm Campingbus die einmalige Aussicht und beobachten die Schafe, die in der Ferne auf den Wiesen grasen. Auf der französischen Seite rollen wir das Gebirge wieder herunter und merken, wie sich Landschaft und Klima wieder ändern.

Wohnmobiltour durch die PyrenŠen
Manu und Steffi Thier
Pause vor dem Campingbus auf dem fast 1800 Meter hohen Col du Pourtalet. Mehr über unsere Reisen seht ihr auf Instagram unter Vantasticamper.

Wir durchfahren die Pyrénées-Atlantiques und lassen die Bergwelt hinter uns. Es fühlt sich ungewohnt an, wieder durch flache Landschaften zu fahren und weit in die Ferne blicken zu können.

Wir erreichen den Atlantik und beenden unsere Pyrenäenreise an der größten Wanderdüne Europas. Die bis zu 110 Meter hohe, 500 Meter breite und 2,7 Kilometer lange Dune du Pilat liegt entlang eines Pinienwaldes und ist seit 1978 Naturschutzgebiet. Dem riesigen Sandkasten liegen einige Campingplätze zu Füßen. Wir entscheiden uns für Camping Pyla. Der naturbelassene Platz liegt im Schatten der Pinien und ist entgegen unserer Vermutung kaum belegt. Wir haben Glück und ergattern einen Platz vorne an der Düne. Sofort kraxeln wir hinauf, was sich als gar nicht so einfach herausstellt. Mindestens die Hälfte jeden Schrittes rutschen wir durch den pudrigen Sand wieder zurück. Oben angekommen bietet sich als Abschluss unserer Reise ein überwältigender Rundblick: Vor uns erstreckt sich der tiefblaue Atlantik, neben uns scheinen die Ausläufer der Düne geradezu unendlich, und hinter uns blicken wir über die saftig grünen Baumkronen der Pinien hinweg.

Wohnmobiltour durch die PyrenŠen
Manu und Steffi Thier
Angekommen am Atlantik, erklimmen wir die höchste Wanderdüne Europas. Richtung Osten blickt man auf den Camping Pyla, der sich in den endlos scheinenden Pinienwäldern versteckt.
Camping Gavin 22639 Gavin (ES) 1 Bewertung 30,30 EUR/Nacht
Jetzt Verfügbarkeit und Preise prüfen bei:
* Bei einer Buchung erhält Promobil eine Provision. Es entstehen dadurch keine Mehrkosten.
Pyla Camping 33260 La Teste-de-Buch (FR) 65 EUR/Nacht

Fazit

Ein Trip durch die Pyrenäen bietet Camping-UrlauberInnen nicht nur eine wilde Gebirgswelt, sondern auch einsame Ausblicke und mediterrane Wälder. Wer dazu aufregende Straßen und Wandertouren mag, wird sich im Gebirge zwischen Spanien und Frankreich austoben können.

Reise Touren & Tipps Leser auf Tour Willi Ziegenfuß, Mont Blanc Schöne Orte für Wohnmobil-Touren Magische Momente in Mitteleuropa

Die promobil-Leserinnen und Leser zeigen die Highlights ihrer Touren.