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Ersatzteile für Reisemobile

Wie gut ist die Versorgung?

Bei der Versorgung mit Ersatzteilen ist noch viel Luft nach oben. Foto: Dieter S. Heinz 17 Bilder

Die richtigen Ersatzteile fürs Reisemobil zu besorgen, das kann mitunter schwierig sein – vor allem bei älteren Modellen. Mit welchen Engpässen muss man rechnen?

14.08.2017 Anne Mandel 1 Kommentar

Es war nur eine kleine Notiz im Journal der Maiausgabe von promobil, doch sie rief eine unerwartet hohe Resonanz hervor: Dutzende Leserbriefe gingen in der Redaktion ein, alle mit demselben Tenor. Was war passiert? Unter der Überschrift „Teurer Cent-Schaden“ berichtete Kollege Jürgen Bartosch, wie beim Inbetriebnehmen der Wasseranlage nach dem Winter plötzlich Wasser hinter der Toilette hervorplätscherte. Frost hatte die Überwurfmutter am Ventil der Toilettenspülung gesprengt. Eigentlich ein Bagatellschaden, aber das Ventil gibt es laut Werkstatt nur als Komplettsatz für rund 60 Euro, mit Einbau summiert sich das schnell auf 120 Euro.

Offenbar war dieser Schaden kein Einzelfall, denn in sämtlichen Leserbriefen stand dasselbe: „Ist uns auch schon passiert.“ Manch einer hatte sich zu helfen gewusst, indem er eine Überwurfmutter aus dem Baumarkt für wenige Euro selbst einbaute. Andere fuhren vergeblich mehrere Reisemobil-Händler an, mit dem Ergebnis, dass keiner das passende Teil auf Lager hatte. Ein Mitarbeiter von Thetford hatte einen hilfreichen Tipp: Die Überwurfmutter kann doch einzeln bestellt werden, Kostenpunkt rund sechs Euro.

Schwierigkeiten bei Ersatzteilen fürs Reisemobil

Das Beispiel mit der Überwurfmutter zeigt: die Ersatzteilbeschaffung hat ihre Tücken. Ob nun selbstverschuldet oder durch Fremdeinwirkung, durch Materialermüdung oder Verschleiß: Irgendwann braucht jeder Reisemobilfahrer Ersatzteile für sein Fahrzeug. Wo verstecken sich dabei die Stolpersteine? Die Auswertung von zahlreichen Leserbriefen und einer Umfrage auf promobil.de bringt Licht ins Dunkel.

Kleinteile können platzsparend gelagert werden. Foto: Dieter S. Heinz
Bei Dethleffs können Kleinteile dank eines automatischen Aufzugs, des „Pater Noster“, platzsparend gelagert werden.

Fall eins: Das Reisemobil ist schon älter, Ersatzteile sind nicht mehr verfügbar. Davon kann auch promobil-Leser Harald B. ein Lied singen. Sein Reisemobil auf Ford-Basis mit Erstzulassung im Jahr 2006 blieb liegen, Diagnose: Getriebeschaden. Ein neues Getriebe ist laut Ford-Werkstatt nicht lieferbar, alternativ könne man ein überholtes Getriebe einbauen. Dass für ein elf Jahre altes Basisfahrzeug kein neues Getriebe mehr erhältlich sein soll, verwundert dann doch. Mögliche Erklärung: Gerade im Transporterbereich gehen verschiedene Hersteller bei Motor und Getriebe oft Kooperationen miteinander ein. So werden auch wichtige Baugruppen nicht mehr im eigenen Werk gefertigt, sondern zugeliefert. Läuft so eine Kooperation aus, kann es schwierig werden, passende Teile zu besorgen. Wer selbst auf die Suche nach Ersatzteilen fürs Basisfahrzeug geht, sollte einen Blick in den Autoteileshop unter www.axel-augustin.de werfen.

Was tun bei Ersatzteilmangel?

Schlechte Verfügbarkeit von Ersatzteilen bei älteren Modellen kommt aber nicht nur beim Basisfahrzeug vor – und wirklich alt muss das Fahrzeug auch nicht sein. Das merkte auch Leser Bernd S., dessen Gasdruckregler Duo Control CS von Truma einen Riss im Dichtkegel des Anschlusses aufwies. Vom Truma-Service erhielt er die Auskunft, dass man diesen Anschluss weder nachkaufen noch reparieren könne. Obwohl der Gasdruckregler erst fünf Jahre in Betrieb war, musste nun ein neuer her. Doch ist der Hersteller eines Produkts nicht gesetzlich verpflichtet, Ersatzteile über einen bestimmten Zeitraum vorzuhalten? Laut unserem promobil-Experten Rechtsanwalt Rüdiger Zipper besteht so eine Pflicht nicht, jedenfalls nicht in dem häufig zitierten Zehn-Jahres-Zeitraum. Lediglich während der zweijährigen Mängel-Gewährleistungsfrist muss die Versorgung garantiert sein.

Bei größeren Reperaturen führt der Weg meist in die Werkstatt des Herstellers. Foto: Dieter S. Heinz
Stehen größere Reparaturen an, wie etwa der Ersatz einer kompletten Seitenwand, führt der Weg meist in die Werkstatt des Herstellers, wo es die notwendigen Teile gibt.

Besitzer älterer Reisemobile haben auf dem Rechtsweg also schlechte Karten. Aussichtsreicher ist da noch die eigene Recherche. Während es beim örtlichen Verwerter mit Spezialteilen für Reisemobil oft mau aussieht, versprechen online-Plattformen mit Kleinanzeigen mehr Erfolg. Wer auf dem Weg nicht weiterkommt, kann sich auch einmal bei Onlineforen oder Oldie-Clubs erkundigen. Oft haben die Mitglieder dort noch den ein oder anderen Tipp parat.

Seltene Modell-Baureihen, seltene Ersatzteile

Schwierig wird die Ersatzteilversorgung auch dann, wenn ein Reisemobil nur kurz auf dem Markt war oder nur eine geringe Anzahl an Modellen produziert wurde. Aufgrund ständig wechselnder Modellbaureihen ist es keine Seltenheit, dass ein Mobil bereits nach zwei Jahren wieder von der Bildfläche verschwindet beziehungsweise zum „alten Eisen“ gehört.

Schnelle Hilfe in der Wohnmobil-WerkstattWie gut sind die Fachwerkstätten?

Fall zwei: So erging es auch einer promobil-Leserin (Name der Redaktion bekannt), an deren Fahrzeug noch während der zweijährigen Garantiezeit die Glasabdeckung über der Kochstelle kaputt ging. Da ihr der Händler nicht weiterhelfen konnte, wandte sie sich an den Hersteller. Im dortigen Ersatzteillager erfuhr sie, dass die Glasplatte weder vorrätig noch bestellbar sei. Erst der Hersteller der Küche, Dometic, konnte helfen und fertigte aus Kulanz eine Glasplatte im passenden Format. Weil die Wartezeit mehrere Monate betrug, bekam die Kundin die Platte letztendlich geschenkt. Auch wenn die Abdeckung der Kochplatte kein lebenswichtiges Teil für den Betrieb eines Reisemobils ist, kann man den Ärger der Leserin doch nachvollziehen.

Was sagen die Hersteller dazu?

Das Service-Center hat einen schnellen Zugriff auf Ersatzteile. Foto: Dieter S. Heinz
Das Service-Center am Dethleffs-Werk hat einen schnellen Zugriff auf Ersatzteile, Termine werden meist über den Händler vergeben.

Wir haben bei einigen nachgefragt, wie lange Ersatzteile vorgehalten werden. Bei Dethleffs verweist man dazu auf die Zehnjahresfrist, die hier auch für Fahrzeuge gilt, die nur kurz auf dem Markt waren, wichtige Bauteile halte man auch länger vor. Dieselbe Antwort kommt auch von Bürstner, Carthago, Hymer, Hobby und LMC. Knaus gibt an, Originalteile generell fünfzehn Jahre vorzuhalten. Ihrem eigenen Anspruch können die Hersteller in der Realität jedoch nicht immer gerecht werden. Gerade bei speziell für einzelne Baureihen angefertigten Teilen ist die Verfügbarkeit begrenzt. Generell gilt: Für den Kunden ist der Händler der erste Ansprechpartner, wenn dieser nicht weiter weiß, lohnt sich – wie gesehen – ein Anruf beim Zulieferer. Die wichtigsten Hotline-Nummern finden Sie am Ende des Artikels.

Die häufigsten Ärgernisse in puncto Ersatzteile

Häufig wurde in unserer Leserbefragung Fall drei genannt: Die Ersatzteile erscheinen überteuert. Leser Mark G. schreibt dazu: „An unserem 16 Jahre alten Weinsberg ist die Dichtung vom Kühlschrank defekt. Eine einzelne Dichtung gibt es angeblich nicht mehr. Jetzt sollen wir eine komplette Kühlschranktür für 169 Euro plus Versand kaufen, bei der noch nicht mal das Frontdekor passen würde.“ Ein anderes Beispiel liefert Leser Ludger D., bei dessen vier Jahre altem Integrierten von Adria der Fensterheber getauscht werden muss. Der von der Vertragswerkstatt beim Hersteller bestellte Fensterheber wurde mit 569 Euro in Rechnung gestellt. Zum Vergleich: Im Internet bekommt man Fensterheber für den Fiat Ducato bereits für unter hundert Euro.

Die Abwicklung von Ersatzteilbestellungen gelingt beim Basisfahrzeug besser als beim Aufbau. Foto: Dieter S. Heinz
Die Abwicklung von Ersatzteilbestellungen gelingt beim Basisfahrzeug besser als beim Aufbau. Die schlechteste Note wurde für den Fachhändler mehr als doppelt so oft vergeben wie für die Werkstatt.

Teure Ersatzteilpreise haben verschiedene Gründe. Originalteile kosten mehr als No-Name-Produkte, Spezialteile sind teurer als 10.000-fach produzierte Transportertechnik. Auch besteht manchmal ein Unterschied zwischen den Preisempfehlungen des Herstellers und dem tatsächlichen Preis beim Händler. Die einhellige Meinung der Hersteller: Die Händler seien angehalten, die UVPs zu übernehmen. Trotzdem gibt es schwarze Schafe.

Dem Kunden bleibt meist nichts anderes übrig, als die Rechnung zähneknirschend zu bezahlen. Möglich ist natürlich auch ein Preisvergleich bei verschiedenen Händlern, aber aufgrund der oftmals starken Auslastung der Werkstätten sind die meisten Kunden froh, wenn sie überhaupt einen verbindlichen Termin bekommen. Aussichtsreicher scheint da noch eher ein Besuch direkt beim Werk. Je nach Hersteller muss dieser aber über den Händler ausgemacht werden, manchmal kann man sich selbst telefonisch anmelden. Doch ob direkt beim Werk oder beim Händler: Kunden tun gut daran, ausreichend Zeit für Lieferung und Montage der Ersatzteile einzuplanen.

Rechtliche Ansprüche bei der Ersatzteilversorung

… bei Rüdiger Zipper Foto: Dieter S. Heinz
Rüdiger Zipper

Im Interview: Rüdiger Zipper, Rechtsanwalt aus Schwetzingen und langjähriger Präsident des Euro Motorhome Club.

Wie lange müssen Ersatzteile von Gesetzes wegen vorgehalten werden?

Weder aus einem Gesetz noch einer bestimmten sonstigen Verordnung oder auch nur einer EU-Richtlinie lässt sich eine Verpflichtung eines Herstellers zur Bevorratung von Ersatzteilen ableiten. Derartige Vorschriften existieren nicht. Die unter Laien häufig gehandelte Zehnjahresfrist zur Bereithaltung und Lieferung von Ersatzteilen ist eine Mär. Über den Umweg der Nacherfüllungspflicht ist der Herstellerlediglich im Rahmen der zweijährigen Mängel-Gewährleistungsfrist verpflichtet, Ersatzteile zu bevorraten und zu liefern. Das gilt sowohl für das Basisfahrzeug als auch für den Aufbau des Reisemobils.

Und was passiert nach diesen zwei Jahren?

Der Zeitrahmen über die Mängel-Gewährleistungsfrist hinaus ist rechtlich nicht geregelt. Man kann allerdings eine derartige Verpflichtung aus dem allgemeinen Grundsatz des Treu und Glauben gemäß Paragraph 242 BGB herleiten. Einen weiteren Anhaltspunkt dürfte der jeweilige konkrete Vertrag bieten. Allgemeine Regeln zur Dauer der Bevorratungsfrist lassen sich grundsätzlich nicht aufstellen.

Blick über den Tellerrand: Wie wird die Ersatzteilvorhaltung in der Automobilbranche gehandhabt?

Bei Automobilen hat sich herauskristallisiert, dass sich Händler/Hersteller für einen Zeitraum von zwölf Jahren verpflichten, Ersatzteile zu bevorraten. Die Frist beginnt nach der allgemein herrschenden Rechtsprechung mit der Auslieferung des letzten Fahrzeugs einer Modellreihe. Zu beachten ist, dass grundsätzlich nur der Hersteller gegenüber seinem Vertragspartner, also dem Händler, verpflichtet ist, Ersatzteile zu bevorraten und zu liefern. Ein Durchgriff des Endverbrauchers unter Umgehung oder Übergehung des Händlers direkt auf den Hersteller wird in der Regel von der Rechtsprechung nicht toleriert.

Was kann man machen, wenn der Hersteller keine Ersatzteile liefern kann?

Wenn Händler und Hersteller keine Ersatzteile liefern können, besteht ein Anspruch auf Schadensersatz. Nach Fristsetzung mit Ablehnungsandrohung kann man sich Ersatz anderweitig beschaffen.

Wie sieht die Situation aus, wenn sich nach dem Einbau herausstellt, dass das Ersatzteil fehlerhaft ist?

Wenn das Ersatzteil fehlerhaft ist, greift grundsätzlich die gesetzliche Gewährleistung wie beim Kauf, also für zwei Jahre. Das gilt grundsätzlich für jedes und auch bei jedem weiteren Ersatzteil. Bei erneutem Defekt des als Ersatz gelieferten Teils gelten die üblichen Fristen, genau wie beim Kauf.

Hotlines für Wohnmobil-Ersatzteile

Basisfahrzeuge:

  • FIAT PROFESSIONAL Telefon: 00 800/34 28 11 11 Erreichbar: 24 Stunden am Tag, die ganze Woche
  • FORD Telefon: 08 00/3 67 33 87 Erreichbar: 24 Stunden am Tag, die ganze Woche
  • IVECO Telefon: 00 800/48 32 60 00 Erreichbar: 24 Stunden am Tag, die ganze Woche
  • MERCEDES Telefon: 00 800/17 77 77 77 Erreichbar: 24 Stunden am Tag, die ganze Woche
  • RENAULT Telefon Inland: 0 18 02/36 53 65 Telefon Ausland: 0 49/22 32 73 78 00 Erreichbar: 24 Stunden am Tag, die ganze Woche

Zulieferer:

  • ALDE Telefon: 0 97 23/91 16 60 Erreichbar: Montag bis Donnerstag 8–12:15 Uhr und 13–17 Uhr (abweichende Zeiten, je nach Saison)
  • DOMETIC Telefon: 0 25 72/87 91 91 Erreichbar: Montag bis Donnerstag 8–17 Uhr, Freitag 8–16 Uhr
  • TELECO Telefon: 0 89/21 12 99 97 Erreichbar: Montag bis Freitag 8 bis 16 Uhr (kann variieren)
  • THETFORD Telefon: 0 21 29/9 42 50 Erreichbar: Montag bis Donnerstag 8 bis 17 Uhr, Freitag 8–14:30 Uhr
  • TRUMA Telefon: 0 89/46 17 20 20 Erreichbar: Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr
Neuester Kommentar

für mich ist einer der am wenigsten kooperiert -Truma-!
Für eine BoilerPlatine bekommt man nicht einmal einen
Schaltplan noch Reperatur nur das Angebot für 600.-€
einen Neuen zu kaufen.Der Lüftermotor für die Umluftanlage
kostet 86.-€ Herstellungspreis in dem Nürnberger Werk 10.- bis 15.-€.
mfG Helmut Poppenheger

Helmut P. 24. August 2017, 16:43 Uhr
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