Georgien im Campingbus: Wilde Nächte, gigantische Berge & unvergessliche Begegnungen

Neue Länder im Campingbus entdecken
Georgien verzaubert mit Wildnis und Menschlichkeit

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.02.2026
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Der erste Moment der Ehrfurcht kommt fast sofort, als wir das Land betreten. Es ist fünf Uhr morgens, Anfang Juli, in Stepantsminda am Fuße des Kazbegi-Bergs. Nach einer langen Nacht an der Grenze suchen wir einen Übernachtungsplatz. Eingehüllt in milchigen Nebel machen wir uns auf den Weg entlang blühender Felder, begleitet von großen Schatten – die sich später als frei grasende Kühe herausstellen. Als wir unser Ziel bei der Gergeti-Dreifaltigkeitskirche erreichen, steigen wir aus und hören Pferde direkt neben uns atmen, als wollten sie uns begrüßen. Ein magisches Gefühl begleitet uns die ganze Woche.

Die Reiseroute im kurzen Überblick

  • Stepantsminda (Kazbegi)
  • Georgische Heerstraße (Militärstraße)
  • Pasanauri
  • Tiflis (Tbilisi)
  • Sioni (Region Tiflis)

Einsame Wanderung am Kazbegi auf 3000 Metern

Als wir erfahren, dass man von unserem Parkplatz aus auch ohne Bergsteigerausrüstung ein gutes Stück Richtung Kazbegi-Gipfel wandern kann, nutzen wir die Gelegenheit und steigen einen Tag lang bis auf rund 3000 Meter Höhe. Worte können es kaum beschreiben und selbst Bilder vermitteln nur einen kleinen Teil dieser kargen und einsamen Gebirgswelt.

Gergeti Trinity Church With The Caucasus Mountains In The Background; Kazbegi
Universal Images Group Editorial

Nach unserer Kazbegi-Wanderung bleiben wir noch etwas in der Gegend – die Pferde scheinen uns zu akzeptieren. Eines nutzt unseren Außenspiegel als Kratzhilfe und reibt sich so heftig daran, dass der ganze Van wackelt. Als wir die Tür öffnen, schnappt es sich mutig unseren Schuh.

Später beim Betrachten der Fotos lachen wir über die Grimassen der Pferde. Ob sie Emotionen nachahmen oder wir unsere hineinprojizieren, wissen wir nicht – aber sie sind unvergesslich. In ganz Georgien haben wir vierbeinige Bekanntschaften gemacht. In einem Land, in dem Gastfreundschaft so selbstverständlich ist, wirkt es fast poetisch, dass auch die Tiere dieselbe Herzlichkeit ausstrahlen.

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Aleksej und Svetlana Carevskij

Wer aus dem Norden über die Militärstraße in Richtung Tiflis fährt, sollte in Pasanauri anhalten – dort fließen Weißer und Schwarzer Aragvi zusammen. Ein Paradies für Drohnen-Fans. Auf dem Weg nach Tiflis bieten Serpentinen und Wasserfälle perfekte Kulissen für Luftaufnahmen. Ein weiteres Highlight ist eine eisenhaltige Mineralquelle am Straßenrand: rostbraune Spuren am Fels, kräftiger Geschmack.

Confluence of Black and White Aragvi Rivers in Georgia
iStockphoto

Die Serpentinen sind oft schmal und steil – nimm dir Zeit, nutze die Motorbremse und versuche nicht, mit den Einheimischen mitzuhalten. Unterwegs kommen wir an einigen Touristenständen vorbei, die Touren zu nahe gelegenen Naturjuwelen anbieten – die Fahrzeit hängt also von deinem Zeitplan und Budget ab.

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Aleksej und Svetlana Carevskij

Was die vielen Einladungen angeht, die du in Georgien höchstwahrscheinlich erhalten wirst: Verpasse nicht das berühmte georgische Schaschlik, das oft gegrillt und am Straßenrand serviert wird. Aber für ein wirklich unvergessliches Geschmackserlebnis solltest du diesen kulinarischen Schatz auf eine persönlichere Art und Weise probieren – und hier ist unsere Geschichte.

Tiflis: Stadt zwischen Chaos, Charme und Basarleben

Alles beginnt mit einer ganz einfachen Sache: einem abgebrochenen Schlüssel. In Stepantsminda können wir eines der Außenfächer unseres Vans nicht mehr öffnen. Das ist zwar kein Weltuntergang, aber der Ersatz des Schlüssels wird zu einem echten Abenteuer. Einheimische weisen uns den Weg zum Basar von Tiflis, also machen wir uns auf den Weg. Schließlich kommen wir bei 40 Grad Sommerhitze mit der Mission an, einen Schlüsseldienst zu finden. Ein Mann verlangt einen hohen Preis. Ein anderer hat keine Werkzeuge. Ein Dritter schickt uns weiter.

Schließlich schaut sich jemand an einem winzigen Stand das abgebrochene Stück an und sagt: "Ja, das kann ich machen." Der Preis erscheint fair. Während wir darauf warten, fällt uns auf: Sämtliche Schlüsselmacher, mit denen wir gesprochen hatten, sind befreundet – ein eng verbundener Kreis von Handwerkern. Als der neue Schlüssel fertig ist, nennen wir sie liebevoll die "Schlüsselmafia".

Bevor wir gehen, sagt unser Helfer: "Wenn ihr noch ein paar Tage hier seid, kommt einfach vorbei." Das wollen wir auch. Aber zuerst sehen wir uns Tiflis an. Die Hauptstadt Georgiens ist authentisch, voller Vielfalt, charmant und charaktervoll. Außerhalb der Stadt kann man wild campen, zum Beispiel rund um das "Tiflis-Meer", einen künstlichen See, ideal für Kitesurfer. Es gibt auch private Campingplätze oder Stellplätze in bewachten Parkbereichen in der Innenstadt.

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Aleksej und Svetlana Carevskij

Nicht die schönste Aussicht, aber ideal, wenn man frühmorgens den berühmten Basar besuchen möchte. Der Basar – insbesondere das Paar, das selbstgemachte Gewürze verkauft – sollte auf deiner Liste stehen. Tipp: Nicht alle Verkäufer mögen es, wenn du sie oder ihre Produkte fotografierst, also frage entweder höflich oder tue so, als würdest du etwas anderes in der Nähe fotografieren.

Georgische Küche trifft auf Gastfreundschaft

Als wir zu unserem Freund von der Schlüsselmafia zurückkehren, überrascht er uns: "Heute Abend gibt’s Schaschlik. Kommt mit!" Natürlich sagen wir zu. Der Ort? Ein lokaler Imbiss am Straßenrand, in den wir alleine nie reingehen würden. Das Essen und die Gesellschaft? Ebenso fantastisch. Während des Essens sagt der Mann, der vorher den hohen Preis genannt hatte: "Hätte ich gewusst, dass ihr knapp bei Kasse seid, hätte ich es gratis gemacht. In unserem Land schätzt man Ehrlichkeit."

Wir schätzen seine Offenheit, und dann folgt eine weitere Lektion: Als wir anbieten, uns an den Kosten für das Essen zu beteiligen, werden wir entschieden davon abgehalten. "In Georgien ist es unhöflich, Geld anzubieten, wenn man eingeladen wird." Und dann: "Wir fahren zu unserer Datscha. Dort reißen wir ein altes Haus ab. Kommt vorbei – es gibt mehr Schaschlik." Wir helfen gerne – und verpassen keine Gelegenheit, beim Kochen zuzuschauen. In der Datscha steht die Gastfreundschaft an erster Stelle. "Setzt euch – Mama macht Kaffee." Sie bringt ein heißes Getränk und eine Schale Mandeln. Später erfahren wir: Die Mandeln kommen aus ihrem Garten, der Wein wurde aus ihren Trauben hergestellt. Alles hat diesen hausgemachten Touch.

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Aleksej und Svetlana Carevskij

Die Männer arbeiten, die Matriarchin kocht – aber das Schaschlik ist Männersache. Mama macht Khachapuri, georgisches Käsegebäck: falten, füllen, backen, mit Butter bestreichen – wie eine Choreografie. Dann kommen die Schaschlikspieße: frisches Schweinefleisch, gewürfelt, über Rebstöcken gegrillt. Grobes Salz sorgt für einen knusprigen Abschluss.

Traditionell wird das Fleisch mit Fladenbrot vom Spieß gezogen – das saftgetränkte Brot gebührt dem Familienoberhaupt. Wir sitzen da, als würden wir uns schon ewig kennen, tauschen Geschichten aus, lernen Traditionen kennen. Es ist nichts inszeniert – es ist ihr Alltag, und wir sind dankbar, Teil davon zu sein. Solche Verbundenheit erleben wir in Georgien öfter. Gastfreundschaft scheint hier tief verwurzelt. Sprache spielt kaum eine Rolle – die Menschen helfen einander einfach.

Begegnungen, die bleiben

Eine unvergessliche Begegnung hatten wir in Sioni, einem Ort, den wir zum Schwimmen und Übernachten ausgewählt hatten. Auf dem Markt werden wir von einem Verkäufer angezogen, dessen enorme Energie authentisch wirkt. "Gamarjoba!", begrüßen wir ihn auf Georgisch. Wir kaufen Gemüse für das Abendessen, und er schlägt uns einige Parkplätze vor. Aber der nächtliche Regen verwandelte den Boden in Schlamm. Am Morgen sitzen wir am Ufer fest. Als wir zum Markt zurückkehren, begrüßt uns Raj, derselbe Verkäufer, herzlich. Wir erklären ihm die Situation und bitten um Hilfe am Straßenrand. Raj sagt nur: "Keine Sorge, entspannt euch, wir finden eine Lösung." Er reicht uns hausgemachten Wein und ein Stück Lammfleisch – eine Bezahlung lehnt er ab.

An diesem Abend grillen wir und stoßen auf Raj an – gestrandet, aber seltsamerweise ganz ruhig. Am nächsten Morgen kommt ein großer ZIL-Lkw vorbei. Wir winken – Mikhail hält sofort. Die Verständigung ist schwierig, aber seine Taten sagen alles. Minuten später steht unser Van wieder auf festem Boden. Zurück bei Raj, grinst er: "Seht ihr? Hier bleibt niemand in Schwierigkeiten."

Campingleben zwischen Freiheit und Improvisation

Das Campingleben in Georgien bringt viele Begegnungen – mit Menschen, Tieren und mit Situationen, auf die wir nicht vorbereitet sind. Eines Abends huscht etwas Großes, Schattenhaftes durch den Van – wie eine Kreuzung aus Tintenfisch und Spinne. Wir springen nach draußen, packen den Van wie aufgeregte Biologen aus – nichts. Ein paar Tage später sehen wir die Kreatur wieder an der Decke. Mit Plastikdose und nervösem Lachen schaffen wir sie raus.

Es stellt sich heraus, dass es eine Kamelspinne ist – für Menschen harmlos, aber aus der Nähe betrachtet riesig und furchterregend. Tipp: Halte immer die Fliegengitter geschlossen und sei bereit, für ungebetene Gäste zu improvisieren. All diese Momente sind nur Fragmente unseres georgischen Kaleidoskops. Man kann sich leicht vorstellen, wie schwer es ist, nach mehr als einem Monat wieder abzureisen.

Was Camper über Georgien wissen sollten.

Fazit