Der Markt der ausgebauten Kastenwagen ist ein echtes Haifischbecken. Da geht ganz viel über den Preis. Doch günstige Camper hat La Strada nicht zu bieten. Wie also überlebt eine relativ kleine Marke mit 200 bis 300 Einheiten pro Jahr in so einem wettbewerbsintensiven Umfeld und das bereits seit 40 Jahren? Fragt man Geschäftführer und Gesellschafter Marco Lange, kommt prompt die ebenso pflichtbewusste wie überzeugte Antwort: "Qualität, Qualität, Qualität." Die Antwort ist weder unerwartet noch unbegründet.
Was macht La Strada so besonders?
La Strada liefert das, was man bei anderen Campingbusmarken nicht bekommt. Zum Beispiel Fiat-Ducato-Ausbauten mit Karosseriehöhe drei (2,89 m), die andere Marken teils aus Budget-, teils aus Optikgründen nur vereinzelt anbieten. Lange und sein 50-köpfiges Team bauen sie, nicht weil der H3-Ducato so hübsch aussehen würde, sondern weil er praktisch ist. Es schafft viel Stehhöhe und mehr Stauraum sowie Platz für ein besonderes La Strada-Merkmal: einen Doppelboden im Campingbus. Sechs der acht Avantis auf Fiat-Basis sind H3-Modelle. Daneben spielt – als Basisfahrzeug mit Premiumanspruch – der Mercedes Sprinter eine wichtige Rolle im Programm. Zum einen als Hülle für die Regent-Campingbusse mit drei Grundrissen zwischen 5,93 und knapp sieben Meter Länge, zum anderen als Chassis für den exklusiven Nova, der inzwischen in dritter Generation der solventen Kundschaft angeboten wird. Das Topmodell mit zwei Grundrissen ab 6,49 Meter Länge und 148.000 Euro Grundpreis entsteht als einer der ganz wenigen Teilintegrierten mit einer Monocoque-Karosserie, die den Designanspruch auch durch ihre außergewöhnliche Formgebung unterstreicht. So besetzt die Marke als Manufaktur für überwiegend kompakte Reisemobile konsequent ihre Nische mit spezialisierten Modellen für den gehobenen Geschmack.
Der individuelle Innenausbau eines La Stradas
Geht es um den Möbelbau, zitiert Lange gern einen alten Testbericht, in dem von der völligen Abwesenheit von Klapper- und Quietschgeräuschen die Rede ist. Tatsächlich fallen die Möbel regelmäßig positiv auf. Oberschränke beispielsweise werden schon vor dem Einbau zusammengesetzt und dann am Stück eingebaut. Das gibt dem Mobiliar ebenso Stabilität wie die 15 (statt nur wie üblich nur 12) Millimeter dicken Sperrholzplatten. Die Beschläge stammen durchweg aus dem oberen Regal. CPL-Laminatoberflächen statt des weithin üblichen Papierdekors machen das Geschränk zudem unempfindlicher gegen Kratzer, was sich zumal in großen Stauräumen für Sperriges wie der unter dem Heckbett auszahlt. Schaut man hinter die Fassade, entdeckt man ordentlich installierte Elektrik und Wasseranlagen – mit Uniquick-Verbindern statt gewöhnlicher Schlauchschellen. Das kostet natürlich mehr im Einkauf, geht aber in der Montage schneller und bringt Prozesssicherheit. Doch solche Details erkennt ein Kunde nicht auf Anhieb. La Strada-Käufer sind in der Regel keine Ersttäter, sondern haben schon ein, zwei Mobile zuvor besessen.

Mit weit über 1.000 Kombinationsmöglichkeiten für die Wohnwelt ist jeder La Strada Avanti ein Unikat.
Und dann sind da natürlich noch diese enormen Individualisierungsmöglichkeiten. Käufer können aus zig Polsterstoffen, Möbeldekoren und Korpusfarben wählen, sowie einer umfangreichen Auswahl an werkseitig eingebauten Extras. So ergeben sich etliche, teils auch extravagante Varianten. Für so ein persönlich auf den individuellen Bedarf zugeschnittenes Wunschmobil sind viele auch bereit, sechs bis neun Monate auf einen Avanti zu warten. Beim Nova beträgt die Lieferzeit sogar 1,5 Jahre.
Ein Stück Geschichte: La Strada auf der Überholspur
"Die Lieferfristen sind deutlich kürzer geworden," verglichen mit den Zeiten hoher Nachfrage im Corona-Boom und unterbrochener Lieferketten, relativiert Lange. Überhaupt hat La Strada in vierzig Jahren schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Um das Jahr 2000 – La Strada hatte sich da mit kompakten Reisemobilen auf einer Reihe von Basisfahrzeugen schon einen Namen gemacht – kann die Gründerfamilie Baumgartner in einem schwierigen weltwirtschaflichen Umfeld und rückläufiger Nachfrage nach Reisemobilen die Insolvenz nicht mehr abwenden. Eugen Immler, prägende Unternehmerpersönlichkeit der Branche und zwischenzeitlich auch Inhaber von Eura Mobil, einer Reisemobilvermietung sowie mehrerer Handelsbetriebe steigt als Investor ein. 2006 setzt Immler Marco Lange als Geschäftsführer ein. Der Betriebswirt und gelernte Kfz-Fachmann entscheidet schnell, die Produktauswahl zu straffen und das Händlernetz in andere europäische Länder auszuweiten. 2011 übernehmen Marco Lange und Andreas Dalchow die Firma im Rahmen eines Management-Buyouts. Der ruhige Dalchow, La Strada-Mitarbeiter der ersten Stunde, und der quirlige Lange ergänzen sich gut in der Führung von Unternehmen und Marke. Der eine kümmert sich um die Produktion, der andere um den Vertrieb "und den ganzen Normen- und Homologisierungswahnsinn". Die Firmenkultur ist noch immer familiär – auch Hygienefaktoren sind zum Überleben im Haifischbecken wichtig. Ebenso dazu gehört ein guter Draht zu den Partnern. Lange kennt alle seine Händler persönlich, mit Zulieferern werden langjährige Beziehungen gepflegt. Bei aller Professionalität lässt sich da vieles auf dem kurzen Dienstweg regeln. 2025 bekommt La Strada den "Partnerschafts-Oskar" LUPO, den der deutsche Caravan Handels Verband (DCHV) vergibt, vor allem für die "stets enge Zusammenarbeit mit dem Handel (und inoffiziell seine hohe Auslieferungsqualität an den Handel), sticht dabei sogar weit größere Unternehmen wie Hymer und Fendt aus. Ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk und ein überaus ehrendes zudem zum 40sten.










