Auch als digitale Ausgabe für iPad und Android-Tablets.
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Sauberes Trinkwasser dank Befüllfilter

So filtern sie Trinkwasser fürs Wohnmobil

Aufmacher Foto: Fotos: Ingolf Pompe, Dieter S. Heinz, Archiv 20 Bilder

Aus zweifelhafter Brühe sauberes Trinkwasser zu machen, das versprechen die Befüllfilter. promobil nimmt alle Typen genau unter die Lupe. Welcher sorgt für das klarste Wasser mit neutralem Geschmack?

30.06.2017 Dieter S. Heinz

Auf Nummer sicher möchten all jene gehen, die ihr Frischwasser bereits vor dem Einfüllen in den Reisemobiltank durch einen sogenannten Befüllfilter jagen. Dabei darf man getrost attestieren, dass das Trinkwasser, so wie es hierzulande, aber auch in den Alpenstaaten und in Skandinavien aus dem Hahn kommt, zu den best überwachten Lebensmitteln zählt und im Allgemeinen unbedenklich ist.

Kompletten Artikel kaufen
Wasser im Wohnmobil pro 06/15 Das 17 Seiten Wasser-Spezial
Promobil 07/2017
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 17 Seiten)

Ganz anders kann es jedoch in Südeuropa und im ferneren Ausland aussehen, wobei gilt: Je tropischer, desto kritischer. Aber selbst in eigentlich unkritischen Regionen kann Frischwasser an hygienisch nicht einwandfreien Zapfstellen verschmutzt und mit Keimen belastet sein. Etwas Vorsicht, ein kritischer Blick und womöglich eine Sicht- und Geruchsprobe vor dem Einfüllen sind daher nie fehl am Platz.

Was bringen Befüllfilter fürs Frischwassertanken?

Befüllfilter halten mittels Membranen oder Kartuschen feinste Stoffe zurück, wobei die Poren so klein sind, dass nicht nur unerwünschte Schwebstoffe, sondern auch Bakterien, Algen und Pilze keine Chance haben, durchzuschlüpfen. Beim Klassiker, der Katadyn-Patrone, wie sie beispielsweise auch im Water-Jack fresh Ceradyn verwendet wird, muss das Zulaufwasser von außen nach innen durch die feinporöse Keramikkartusche gepresst werden. Etwas weniger Widerstand setzen die neueren Hohlfaser-Membranfilter dem Wasserfluss entgegen. Beide Filtertypen halten alle Partikel zurück, die mindestens 0,2 µm groß sind, was zwei Zehntausendstel Millimeter entspricht.

Gelöste Stoffe wie etwa Chemikalien können diese rein mechanischen Filter aber nicht aufhalten. Das schaffen in gewissem Umfang nur die Systeme, die auf Aktivkohle setzen. An ihrer enorm großen Oberfläche lagern sich die unerwünschten Stoffe an und werden so dem Wasser entzogen. Allerdings ist die Aktivkohle irgendwann gesättigt, verliert ihre Filterwirkung und muss dann ausgetauscht werden.

Auch die anderen Filter setzen sich bei der Benutzung zu – je stärker das Wasser verunreinigt ist, desto rascher. Herausgefilterte Keime können sich zudem im Filter weiter vermehren, weshalb es empfehlenswert ist, die Filter trocken zu schütteln und möglichst kühl zu lagern. Idealerweise eingetütet im Gemüsefach. Gegen Verkeimung des Filterelements hilft eingelagertes Silber, dessen Ionen die Vermehrung der Bakterien unterbinden. Ohne Abgabe von Ionen soll der für den Herbst angekündigte Befüllfilter von AE aqua funktionieren, dessen mikroelektrisches Feld die Keime abtötet. Er muss dazu allerdings auch bei Nichtgebrauch innen feucht bleiben.

So benutzen Sie Befüllfilter richtig

Befüllfilter sollten nur eine Saison (ca. sechs Monate) benutzt werden. Je nach Verschmutzung des Wassers ist die Wirkung auch schon früher erschöpft. Lediglich die Keramik-Patronen der Water-Jack-Filter können mit einem Spezialschwamm gereinigt und dadurch aufbereitet werden, was die Lebensdauer verlängert.

Alles zur Wasserhygiene im WohnmobilSauberes Wasser

Um die Leistungsfähigkeit zu veranschaulichen, haben wir für alle derzeit verfügbaren Befüllfilter die Herstellerangaben sowie die technische Daten aufgelistet und sämtliche Produkte einem Praxistest unterzogen (siehe Bildergalerie).

Die Anwendung selbst ist recht simpel und die adaptierten Gardena-Anschlüsse erleichtern den Einsatz erheblich. Während die Filter von Dr. Keddo und WM aquatec ohne Zubehör geliefert werden, sind die Kandidaten von Aqua free im kleinen Set-Köfferchen zusammen mit Schlauchadaptern und Einfüllstutzen zu haben.

Richtig üppig kommt der Water-Jack fresh von Famous-Water mit diversem Zubehör vom Gardena Durchflussmengenmesser bis hin zum Wassertester (TDS-Messgerät) in seinem robusten Setkoffer für rund 480 Euro daher. Die Filter gibt es auch separat zu günstigeren Konditionen. Spezielle Tankdeckel mit Gardena-Anschlussstutzen, Sperrhahn und Winkelstück können zudem als Extra geordert werden.

Befüllfilter im Test

Wichtigstes Kriterium unseres Praxistests ist die Durchflussmenge, denn sie entscheidet, wie schnell sich der Tank mit gefiltertem Wasser auffüllen lässt. Hier ergaben sich große Unterschiede zwischen den Filtervarianten. Patronenfilter reduzieren den Wasserfluss teils ganz erheblich, während die Hohlfaser-Membranfilter mehr durchlassen. Im Extremfall quälen sich statt der möglichen 15,8 Liter pro Minute,die der Wasserhahn im Testansatz maximal abgab, nur noch 2,1 Liter pro Minute durch die Reinigungsstufe, womit die Füllung eines 100-Liter-Tanks rund 48 Minuten dauern würde. Die Herstellerangaben wichen dabei teils stark von den gemessenen Werten ab.

Versuchsweise wollten wir uns auch von der Filterleistung überzeugen und setzten einen Spezial-Cocktail an: Wasser gemischt mit Kohlenwasserstoffen, Glykosiden, Farbpartikeln, Schwebstoffen und einzelligen Pilzen. Klingt für eine geschmackliche Beurteilung recht bedrohlich – ist es aber nicht. Denn es handelte sich um ein Hefeweizen-Mixgetränk mit Grapefruit-Geschmack (0,6 Liter), das kurzerhand mit drei Litern Wasser verdünnt als Testansatz mittels einer Tauchpumpe durch die Filter geschickt wurde. Die kamen angesichts der Konzentration ziemlich rasch an ihre Grenzen und setzten sich zu. Verdünnt auf 100 Liter würde sich das Ergebnis aber auch nicht ändern, denn die Schwebstofffracht bliebe die gleiche – es würde nur länger dauern.

Das Fazit zu unserem Test:

Alle Filter lieferten eine klare Flüssigkeit, und selbst die Farbe wurde stark eliminiert. Geruch und Geschmack blieben in geringer Ausprägung mehr oder weniger erhalten, wobei die Aktivkohlefilter tatsächlich mehr herausfilterten. Wenn auch aus trüber Brühe kein klarer Bergquell wird – die Keimbelastung vermindern die Befüllfilter auf jeden Fall. Und das ist für die Gesundheit auf Reisen ein gutes Argument.

Praxistipps zur Frischwasserhygiene im Wohnmobil

Sauberes und keimarmes Trinkwasser im Reisemobil erfordert konsequentes Vorgehen. Haben sich die Keime erst einmal im verschmutzten Leitungssystem eingenistet, wird man sie nicht mehr so leicht los. Hier die fünf wichtigsten Tipps:

  1. Generell sind dubiose Quellen möglichst zu meiden. Vorsicht an kombinierten Ver- und Entsorgungsstationen, wo nachlässige Camper schon mal die Toilettenkassette mit dem vorhandenen Frischwasserschlauch ausspülen. 
  2. Am besten, man hat seinen eigenen Frischwasserschlauch aus lebensmittelechtem Kunststoff dabei, der nur fürs Zapfen verwendet wird. Diesen vor dem Auffüllen einige Zeit gut durchspülen.
  3. Schon eine einfache Geruchs- und Sichtprüfung mittels Wasserglas kann Aufschluss über die örtliche Qualität geben. Schlauch nach dem Befüllen komplett entleeren und mit offenen Enden austrocknen lassen. Im Zweifelsfall können Befüllfilter Keime und Verschmutzungen davon abhalten, überhaupt ins Bordsystem zu gelangen.
  4. Grundvoraussetzung für sauberes Wasser an Bord ist ein hygienisches Frischwassersystem. Daher regelmäßig Tank, Warmwasserbereiter und Leitungssystem mit speziellen Reinigungspräparaten behandeln. Im Zweifelsfall die Keimbelastung mit einem Wassertestset prüfen und im Labor auswerten lassen.
  5. Getanktes Frischwasser konservieren: Dafür gibt es Tankzusätze in flüssiger oder Pulverform sowie Konservierungs-Patronen zum Einhängen in den Tank. Achtung: Zusätze nicht überdosieren.

Filter mit neuer Technik

Zum Caravan Salon 2017 will AE aqua auch einen Befüllfilter anbieten, der zu unserem Test aber noch nicht als Serienprodukt verfügbar war. Dabei handelt es sich um eine Patrone mit Membranfilter, die jedoch mit einem speziellen AGXX-Gewebe kombiniert ist. Dieses Metallgeflecht erzeugt ein mikroelektrisches Feld, das die Keime abtötet, ohne Stoffe ins Wasser abzugeben. Zudem soll damit dauerhaft die Rückverkeimung der Filtermembran von außen und das Bakterienwachstum innerhalb des Mikrofilters verhindert werden. Der neue Filter ist auch für Warmwasser geeignet und kann bei dubiosen Duschen etwa als Legionellen-Sperre eingesetzt werden. www.edelhoff-aqua.de

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie uns Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
pro 06/2017
Heft 07 / 2017 7. Juni 2017 146 Seiten Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
Fahrzeug-Angebote
Sponsored Section
Stellplatz-Radar