Woelcke Autark Raptor Juergen Bartosch
Woelcke Autark Raptor
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Woelcke Autark Raptor 20 Bilder

Woelcke Autark Raptor (2023) im Test

Woelcke Autark Raptor (2023) Offroad-Winzling auf Ford Transit

Mit dem Ford Transit Trail wagt sich ein weiterer 3,5-Tonnen-Transporter ins Gelände. Woelcke macht daraus ein kompaktes Offroad-Mobil, das mit Komplettausstattung als Kleinserienmodell antritt.

Woelcke Autark Raptor heißt der Camper mit Offroad-Genen, den wir im Test haben. Woelcke, wer? Nicht jedem wird die kleine Manufaktur aus dem schwäbischen Heimsheim geläufig sein, obwohl hier schon seit über 30 Jahren vor allem individuelle Wohnmobile, meist für den Offroad-Einsatz, konzipiert und gebaut werden.

Basis für die Woelke-Fahrzeuge ist die solide Kabine aus GFK-PU-GFK-Sandwichplatten, die an den Kanten zusammen laminiert wird und so auch Rüttelpisten klaglos erträgt. Als mobiles Tragwerk dafür kommt vieles in Frage – vom Iveco Daily 4x4, Mercedes Unimog bis hin zum MAN TGM. Spezialität sind aber insbesondere die kompakteren Modelle der Autark-Linie, die häufig auf VW T6 oder Mercedes Sprinter aufbauen.

Woelcke Autark Raptor

Woelcke Raptor
promobil
Der Grundriss des Woelcke Raptor.
  • Grundpreis ab: 119.900 Euro
  • Gurte/Schlafplätze: 2/2
  • Zul. Gesamtgewicht: 3,5 t
  • Länge/Breite/Höhe: 5,99/2,08/2,90 m

Geländetauglicher Ford Transit Trail

Dass es den Ford Transit inzwischen als Trail-Version mit Allradantrieb und Offroad-Optik inklusive sogenanntem Raptor-Kühlergrill mit markigem Ford-Schriftzug gibt, hat die Woelcke-Mannschaft nun dazu inspiriert, ein speziell auf dieses Auto abgestimmtes Modell zusammenzustellen. Zum Start wird es mit umfangreicher Ausstattung zum attraktiven Komplettpreis in Kleinserie produziert: der Autark Raptor.

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Juergen Bartosch

Mit knapp sechs Meter Länge und 2,08 Meter Breite samt kurzen Überhängen bringt er gute Voraussetzungen für Geländeeinsätze mit, unterstützt von den 18-Zoll-ORC-Felgen mit AT-Bereifung. Das Allradsystem verteilt die Motorkraft elektronisch geregelt nach Bedarf zwischen reinem Heckantrieb und einer Fifty-fifty-Verteilung auf die Achsen. Sperren gibt es keine, der Fahrer oder die Fahrerin kann lediglich den Drive Mode auf "Schlamm" stellen, dann ist der Allradantrieb permanent und das ESP deaktiviert. Außerdem kann er die Traktionskontrolle ausschalten. Ein Untersetzungsgetriebe ist ebenso wenig vorhanden, doch die Gesamtübersetzung ist kürzer als beim Transit-Hecktriebler, sodass der erste schon fast zum Kriechgang wird.

Was im Gelände Vorteile hat, sorgt andererseits auf der Autobahn dafür, dass bei Tempo 120 bis 130 bereits höhere Drehzahlen anliegen und dem Transit – trotz 170-PS-Motor – etwas die Puste ausgeht. Vermehrte Fahrgeräusche, auch von den grobstolligen Reifen, mahnen aber ohnehin zu gemütlicherem Reisetempo – 100 km/h sind ideal. Wobei sich die Grabber-AT-Pneus von General Tire mit mehr Sicherheitsreserven bei Seitenführung und Bremsweg, besonders auf nasser Straße, einmal mehr als guter Kompromiss zwischen Straße und Gelände zeigen.

Woelcke Autark Raptor
Juergen Bartosch
Sehr solide Aufbautür mit Verriegelung an drei Seiten.

Fast schon an einen Tresor erinnert die Aufbautür, die nach Öffnen des Sicherheitsschlosses und Zurückziehen der Riegel an drei Seiten per solider Klinke massig aufschwenkt. Hier wird deutlich, dass man bei Woelcke auch an Reisen in weniger sichere Weltgegenden denkt. Das zeigt sich ebenso innen an der Schiebetür, mit der das Fahrerhaus abgeschottet werden kann. Sie lässt sich vom Wohnraum aus blockieren – hilfreich etwa, wenn man den Zündschlüssel für eine Verschiffung vorübergehend in fremde Hände geben muss.

Variable Bettenkonstellation

Den Ausbau dominiert eine üppige Hecksitzgruppe mit Aussicht an drei Seiten. Küche und Bad sind vorn platziert. Dieser Grundriss schafft es – trotz der kompakten Aufbauabmessungen –, eine beachtliche Großzügigkeit zu verbreiten, die gerade auch auf langen Reisen und bei möglichen Schlechtwetterphasen zur Vermeidung von "Lagerkoller" beitragen kann. Kehrseite der Medaille ist allerdings der Verzicht auf feste Betten. Ein gewisser Umbauaufwand ist also abends nicht zu vermeiden.

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Bequeme Rundsitzgruppe im Heck mit Ausblick auf drei Seiten. Der Ausbaustil ist markentypisch nüchtern und sachlich – optional aber farblich variierbar.

Der lässt sich aber auf das Nötigste begrenzen, wenn man die Längsbänke als Einzelbetten nutzt und morgens Kissen und Decken einfach nach hinten auf die breite Querbank schiebt – und davor auf dem Tisch dann zu zweit gemütlich frühstücken kann. Wahlweise lässt sich der Tisch aber auch absenken und mit Zusatzpolstern belegen, sodass ein großes Querdoppelbett entsteht. Und wer das Bettzeug tagsüber sauber verstauen möchte, findet im großen Fach in der T-Haube über dem Cockpit einen adäquaten Platz. Da Sitzpolster und Bettmatratzen hier ein- und dasselbe sind, musste für die Schaumhärte ein Kompromiss gefunden werden, der zum Schlafen etwas straff ausfällt, zumal es keine Unterfederung, sondern nur eine Unterlüftung gibt.

Die kompakte Küche steht vorn rechts quer zur Fahrtrichtung. Ihr würde es massiv an Arbeitsfläche fehlen, gäbe es nicht ein solides Klappbrett zur Überbrückung des Mittelgangs. Zweiflammkocher und Spüle bilden eine Einheit. Auf den nicht versenkt angeordneten Brennern findet auch mal eine größere Pfanne Platz. Eine Zündhilfe wäre aber ebenso wünschenswert wie eine wertigere Spülenarmatur. Versöhnlich stimmt dagegen die solide und praktische Besteckschublade mit herausnehmbarem Kasten. 85 Liter fasst der Kompressorkühlschrank, der linker Hand über dem Kleiderschrank in Augenhöhe eingebaut ist.

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Die kompakte Küche steht vorn quer hinter dem abschottbaren Fahrerhaus. Die klappbare Verlängerungsplatte schafft Arbeitsfläche.

Bad mit Trockentrenn-Toilette

Gleich benachbart steht der Sanitärraum mit integrierter Dusche. Das große, hochklappbare Waschbecken schafft den nötigen Freiraum, um auf begrenzter Grundfläche auch die Toilette bequem nutzen zu können. Die stammt vom Hersteller Nature’s Head und vertraut dem zunehmend populären Trockentrennprinzip. Urin und Kot werden dabei getrennt gesammelt und sind so einfacher zu entsorgen. Eine Ventilatorentlüftung hilft bei Geruchsbelästigung.

Zum Duschen muss ein Vorhang ringsum vorgezogen werden. Der lässt sich per Klettverschluss in Hüfthöhe an den Wänden fixieren und klebt nicht am Körper. Alternativ kann der Brauseschlauch auch durchs Fenster nach außen gereicht werden. Ein Hängeschrank mit drei Fächern, genug Abstellfläche, eine Steckdose und ein Klorollenhalter runden das sonst eher nüchterne Bad sinnvoll ab. Hilfreich wäre noch eine Stange zum Trocknen nasser Kleidung.

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Duschen kann man innen und außen. Der Waschtisch wird hochgeklappt, um die Toilette zu benutzen: Trockentrennklo mit Entlüftung.

Ausreichend Stauraum

Ein angemessen großer Kleiderschrank steht indessen zwischen Bad und Sitzbank parat. Dazu kommen acht Hängeschränke im Wohnzimmer, die mit Wäsche und Reisezubehör gefüllt werden können. Von dem großen Staufach in der T-Haube war schon die Rede. Hier können gut Badetücher oder Ersatzbettwäsche eingelagert werden. Schwereres Gepäck lässt sich in den beiden Sitztruhen unterbringen. Die linke ist etwas kleiner (205 L), weil unter einem herausnehmbaren Boden Boiler und Wasserpumpe installiert sind. In beiden Truhen finden sich – gut verzurrt – Standard-Kunststoffboxen, die zum bequemen Beladen und Ordnen des Gepäcks gute Dienste leisten.

Die rechte Truhe (440 L) hat zudem eine Außenklappe, die unten angeschlagen ist und durch zwei Fangketten nach dem Öffnen in waagerechter Stellung gehalten wird, so kann sie als Abstellfläche dienen. Simple Sache, aber sehr praktisch. Im Heck wartet schließlich noch der Außenstauraum (1470 L) auf sperriges Gepäck. Normale Fahrräder passen bei 82 Zentimeter Innenhöhe zwar nicht hinein – für Mountainbikes mit ausgebautem Vorderrad sollte es aber reichen.

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Juergen Bartosch
Heckgarage: Für hohe Tourenräder reicht es zwar nicht, für Mountainbikes mit entferntem Vorderrad aber schon. Große Sitztruhen.

Bordtechnik für Autarkie

Die Elektroanlage setzt auf eine Powerbox, die Lithium-Batterie, Ladegerät, -booster und Wechselrichter in einem Gerät zusammenfasst. Unterstützung kommt zudem von einer 200-Watt-Solaranlage. Sehr ungewöhnlich ist die Boiler-Lösung der Marke Pundmann. Warmwasser kann dadurch erzeugt werden, dass die Warmluft der Diesel-Gebläseheizung gezielt durch das Boilergehäuse geleitet wird – ähnlich wie bei der häufig in Wohnwagen eingesetzten Truma Therme.

Alternativ wird das Wasser mit 230-Volt-Strom erwärmt, entweder per Landstromanschluss oder mit dem erwähnten Wechselrichter aus der Powerbox. Schließlich ist der Name "Autark" kein leeres Versprechen, sondern ernst gemeint.

Daten und Preise Woelcke Autark Raptor

  • Aufbau: Sandwich-Bauweise, aus laminiertem GfK, außen und innen, PU-Schaumisolierung, kein Doppelboden, 4 Kunststoff-Isolierfenster mit PU-Rahmen, 2 Dachhauben.
  • Ausbau: Möbel aus Sperrholz, Hecksitzgruppe ohne Gurte, Einzelbetten 2 x 1.880 / 1.970 x 640 mm oder Doppelbett 1.970 x 1.590 mm, Sanitärraum mit Trockentrenntoilette, integrierte Dusche, Küche mit Zweiflammkocher und Kompressorkühlschrank 85 L, Gefrierfach k.A.
  • Bordtechnik: Diesel-Gebläseheizung Autotherm Air 4D, 4.000 W, Elektro-Boiler Pundmann Therm Air, Inhalt 9,9 L, Frischwassertank 110 L, Abwassertank 80 L, Druckpumpe, Bordbatterie LiFePO4-Typ, 100 Ah, Wechselrichter 1.300 W, 2 x 100-W-Solarpaneele, Gasflasche 1 x 11 kg.Basisfahrzeug: Ford Transit Trail, Flachrahmen, Vierradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 1.995 cm3, Leistung 125 kW/170 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe.
  • Maße (LxBxH): 5,99 x 2,08 x 2,9 m, Radstand 3,5 m
  • zulässiges Gesamtgewicht: 3,5 t
  • Preise: Grundpreis 119.900 Euro, inklusive 170-PS-Motor, Allradantrieb, 18"-Alufelgen, AT-Bereifung, Silbermetallic-Lackierung, Assistenz-Paket, Abstandstempomat, Rückfahrkamera, Bi-Xenon- u. Nebelscheinwerfer, 95-L-Dieseltank, Fahrerhaussitze mit Lederbezügen und Sitzheizung, Auflastung Vorderachse (1,85 t), Anhängerkupplung, Trockentrenntoilette, 100-Ah-Lithiumbatterie, Wechselrichter 1.300 W, Ladebooster, 2 x 100-W-Solarpaneele unter anderem.; Markise 1.400 Euro, Heckwandschienen und Fahrradträger 1.060 Euro.

Wertung Autark Raptor

  • Betten: 2,5 von 5 Punkten
  • Sitzgruppe: 3,5 von 5 Punkten
  • Küche: 3 von 5 Punkten
  • Sanitärraum: 3 von 5 Punkten
  • Möbelbau: 3,5 von 5 Punkten

Maßstab für die Bewertung: Teilintegrierte über 70.000 Euro

Fazit

Der Offroad-Camper von Woelcke trägt autark nicht nur im Namen, sondern auch in seiner DNA. Von der Trenntoilette bis zur Powerbox ist der Autark Raptor auf unabhängiges Campen ausgerichtet. Beim Fahren punktet er mit seinen Eigenschaften fürs Gelände, auf der Autobahn fordert er aber eher gemütliches Reisetempo. In der Kabine gibt es Platz für zwei Reisende und eine großzügige Hecksitzgruppe.

Alle neuen Campingbusse auf Ford Transit finden Sie hier im Überblick. Einen Ford-Transit-Campingbus mit Offroad-Look haben wir auch hier getestet: Sunlight Cliff 4x4 im Test.

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