Stuttgart, Mitte Januar: Der Industrieverband zieht Bilanz für 2025 und spricht insgesamt von einer stabilisierten Branche. Bestände gehen zurück, Privatkäuferinnen und Privatkäufer greifen wieder zu. Doch eine Zahl sticht heraus: Der Verkauf von Wohnwagen liegt 13,4 Prozent unter dem Vorjahr. Wohnmobile hingegen liegen – knapp, aber immerhin – rund ein Prozent über Vorjahr.
"Die Zahl der neu zugelassenen Caravans lag 2025 bei 18.766 Einheiten und damit deutlich unter dem Vorjahreswert, pendelt sich langfristig jedoch auf einem stabilen Niveau ein",
heißt es vom CIVD (Caravaning Industrie Verband Deutschland).
Reisemobile ziehen davon
Bereits 2022 überholte der Bestand an Reisemobilen erstmals den der Wohnwagen. Seitdem öffnet sich die Schere weiter. Zwei Jahre später standen 981.000 Reisemobile rund 200.000 Caravans gegenüber.
Ganz verschwinden die Wohnwagen dennoch nicht: Der Bestand wächst leicht, weil die Neuzulassungen weiterhin höher sind als Abmeldungen oder Exporte.
Ist der Caravan ein Auslaufmodell?
Die Frage liegt nahe – doch Ingo Wagner, Chefredakteur der Fachzeitschrift CARAVANING, widerspricht: "Ich schätze, rund 20 bis 25 Prozent der Wohnmobilkäufer wären mit einem Caravan besser bedient, weil sie ohnehin überwiegend auf dem Campingplatz stehen."

Caravans sind in der Regel deutlich familienfreundlicher.
Die Argumente sind bekannt, werden aber offenbar zu selten vermittelt. Wohnwagen sind deutlich günstiger in der Anschaffung, verursachen geringere Betriebskosten und bieten – je nach Einsatzzweck – völlig ausreichenden Komfort.
Günstiger, praktischer – vor allem für Familien
Auch der CIVD sieht klare Vorteile für Familien: "Das mobile Zuhause bleibt auf dem Campingplatz stehen, während Ausflüge flexibel mit dem Zugfahrzeug möglich sind." Wagner ergänzt: "Kinder sind in einem modernen Pkw meist sicherer und komfortabler untergebracht als auf der Sitzbank eines Reisemobils."
Warum der Handel lieber Wohnmobile verkauft
Das Problem liegt weniger im Produkt als in der Vermarktung. "Die Marge beim Reisemobil ist höher. Entsprechend wurde der Wohnwagen vom Handel lange vernachlässigt", sagt Wagner.
Gerade Familien schielen heute auf stylishe Campervans – und Verkäufer müssten sie aktiv davon überzeugen, dass ein deutlich günstigerer Caravan oft die sinnvollere Wahl wäre.
Vanlife statt Caravan-Life

Vanlife im Wohnwagen. Möglich, aber selten.
Auch Hersteller haben ihren Fokus verlagert. Die Modellvielfalt bei Caravans wurde reduziert, Marketingbudgets flossen in motorisierte Fahrzeuge.
Helge Vester von Dethleffs bestätigt: "Die Kommunikation – gerade auf Social Media – konzentriert sich stark auf Reisemobile. Der Wohnwagen kommt klar zu kurz."
Das wolle man ändern, denn gerade für Familien bleibe der Wohnwagen hochattraktiv. Wagner sieht zusätzliches Versäumnis: "Einige Hersteller haben dem Caravan weniger Liebe geschenkt, die Preise aber trotzdem stark erhöht."
Camping boomt – aber ohne Wohnwagen

Der Campingboom stabilisiert sich, doch die Wohnwagen verlieren. Haben Caravans ein Image-Problem?
Paradox: Campingplätze sind voller denn je. Der Bundesverband der Campingwirtschaft berichtet von Umwidmungen von Dauer- zu Touristikplätzen. Saisoncamper und Familien, die früher für den Sommer einen Wohnwagen fest am See platzierten, fallen zunehmend weg.
Für die Branche ist das lukrativ. Verbandspräsident Stefan Zierke bilanziert: "Die Saison 2025 war die erfolgreichste, die wir je hatten." Am Campingtrend selbst kann es also nicht liegen.
Das große Problem: Wohin mit dem Wohnwagen?

Wohnmobile werden häufig am Straßenrand geparkt. Mit dem Wohnwagen geht das langfristig nicht.
Ein strukturelles Problem bleibt das Abstellen. Wohnwagen dürfen auf öffentlichen Straßen maximal zwei Wochen unbewegt stehen, Reisemobile unbegrenzt.
Kurt Manowski von Adria Deutschland relativiert: "Das Abstellen ist heute nicht schwieriger als früher." Leserinnen und Leser von CARAVANING sehen das anders: In einer Umfrage liegt fehlender Stellplatz auf Platz zwei der Kaufhindernisse – knapp hinter den Anschaffungskosten.
Teurer Kauf, teurer Betrieb, komplizierter Führerschein
Hinzu kommen steigende Nebenkosten, etwa hohe Campingplatzgebühren. Erschwerend wirkt die Führerscheinregelung: Mit Klasse B sind Gespanne nur bis 3,5 Tonnen erlaubt. Die Führerschein-Erweiterung B96 kostet rund 400 Euro, der BE-Führerschein bis zu 1.200 Euro.
Dazu kommt ein psychologischer Faktor: "Viele Menschen haben schlicht Angst, mit einem großen Anhänger zu fahren. Schnuppertrainings gibt es praktisch nicht", so Wagner.
Viele Hürden für Familien
Unterm Strich steht der Caravan für Familien heute stärker zur Debatte als früher: hohe Preise, schwierige Abstellmöglichkeiten, Führerscheinfragen und Unsicherheit beim Fahren.
Der Verband verweist auf die gesamtwirtschaftliche Lage. Pandemie, Krieg und Unsicherheit bremsen Investitionen – besonders bei jungen Familien. Das bestätigt auch Hersteller Dethleffs.
Was müsste sich ändern?
Wenn der Caravan wieder attraktiver werden soll, braucht es günstigere Rahmenbedingungen. Doch dafür müssten alle Beteiligten mitziehen: Hersteller und Handel müssten Produkte mit geringeren Margen stärker pushen. Campingplätze wieder mehr Raum für Familienkonzepte schaffen. Der Verband müsste auf eine Anpassung der Führerscheinregeln drängen.





