Neue Verkleidung am Wohnwagen spart massig Sprit

Unterbodenverkleidung für Wohnwagen
Dieses neue Wohnwagen-Teil spart 15 Prozent Sprit

ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.03.2026
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Bei Sportwagen und modernen E-Autos ist er längst Standard: ein glatt verkleideter Unterboden, der dem Fahrtwind keine Angriffsfläche bietet. Bei Wohnwagen sieht das völlig anders aus. Blickt man unter den Caravan, zeigt sich ein gewaltiger Windfang. Deichsel, Achsrohre, Leitungen und Reserveräder ragen ungeschützt in die Strömung. Die Folge: extreme Verwirbelungen, die den Luftwiderstand und damit den Spritverbrauch des Gespanns massiv in die Höhe treiben.

14 Prozent Ersparnis – schon in der Theorie

Josef Strasser, Entwicklungsleiter bei Knott, wollte es genau wissen: Welchen positiven Effekt hätte eine Unterbodenverkleidung am Caravan? Dafür fütterte er seine Strömungs-Simulationssoftware mit den Daten eines 2,30 Meter breiten und 2,60 Meter hohen Wohnwagens. Das Ergebnis: Schon in der Theorie errechnete der Computer eine Reduktion der nötigen Zugkraft bei 100 km/h von 1750 auf 1510 Newton – sprich 14 Prozent.

Um exakt diesen Wert würde auch der Kraftstoffverbrauch und damit der CO2-Ausstoß von Verbrennungsmotoren sinken, während sich die Reichweite eines Elektro-Zugwagens entsprechend erhöht. Ein konkretes Zugfahrzeug hat Strasser bei der Simulation übrigens absichtlich nicht berücksichtigt. "Denn egal, was wir annehmen, es wird immer falsch sein", erklärt der Ingenieur.

Von der Theorie auf die Straße

Messung mit UBO, Wohnwagen, Unterboden, Effizienz, Zugkraft, TÜV
Knott

Mit rein theoretischen Werten wollte sich Strasser jedoch nicht zufriedengeben. Also wurde die V-Deichsel des Testcaravans – ein technisch unveränderter Hobby-Wohnwagen – mit einem bereits seriennahen Kunststoff-Tiefziehteil verkleidet. Für große Teile des Unterbodens samt Chassis und Quertraversen nutzte die Knott-Crew passgenau zugeschnittene Multiplex-Platten vom Schreiner.

Für die Praxistests holte sich Knott den TÜV Süd als unabhängigen Partner an Bord. Mitte Dezember 2025 fanden auf dem ADAC-Testgelände in Penzing die Messfahrten mit einem Skoda Octavia statt. Die reale Zugkraft wurde dabei über eine mit Dehnmessstreifen präparierte Zugeinrichtung erfasst. Um verlässliche Daten zu erhalten, absolvierte das Gespann je 20 Fahrten in Ost-West- und West-Ost-Richtung bei konstanten 100 km/h. Insgesamt kamen so 40 Kilometer reine Messstrecke zusammen.

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Knott

Die Überraschung bei der Datenauswertung

Die große Überraschung folgte am Laptop: Die ersten realen Messdaten zeigten eine Reduktion der Zugkraft um enorme 49 Prozent. Wirklich erklären konnten sich diesen Wert im ersten Moment weder der TÜV noch das Knott-Team. Die Lösung fand sich, als Josef Strasser verschiedene Korrekturrechnungen durchführte. Er berücksichtigte die leichte Fahrbahnneigung sowie die exakte Windsituation, deren Daten der benachbarte Flugplatz lieferte. Danach zeigte sich das realistische Bild: Auch in der Praxis erreicht der verkleidete Caravan eine Zugkrafteinsparung von rund 15 Prozent. Dass sich dieser Wert fast exakt mit der vorherigen Simulation deckt, beweist die hohe Präzision der eingesetzten Software.

Doch Strasser weiß, dass sogar noch mehr herauszuholen wäre: "Es ist davon auszugehen, dass sich die Verbrauchsreduktion durch die Unterbodenverkleidung noch deutlicher bemerkbar macht, wenn der Aufbau selbst ebenfalls strömungsoptimiert wird." Die Entwicklung eines aerodynamischen Wohnwagen-Aufbaus liegt dann allerdings in der Verantwortung der jeweiligen Caravan-Hersteller – und freilich nicht mehr in der des Fahrgestell-Lieferanten.

Potenzielle Serienproduktion

Aktuell prüft Knott mögliche Partner für die Fertigung der seriennahen Verkleidungselemente. Diese sollen für weitere Praxistests genutzt werden, die noch detaillierteren Aufschluss über die Wirksamkeit des Systems geben. Die Patente sind jedenfalls bereits angemeldet, und Strassers Optimismus ist groß.

Gut möglich also, dass die Unterbodenverkleidung künftig tatsächlich erhältlich sein wird. Dank leichter, flexibler Materialien und einem durchdachten Schnellbefestigungssystem wird das Konzept auch für die Nachrüstung bestehender Wohnwagen hochinteressant. Wann genau es so weit ist und was das Spritspar-Upgrade kosten soll, darüber gibt Knott aktuell allerdings noch keine Auskunft.

Fazit