Sitzheizung im Wohnmobil nachrüsten Karl-Heinz Augustin

Ratgeber: Sitzheizung im Wohnmobil nachrüsten

Sitzheizung im Wohnmobil nachrüsten Warme Hintern auf den Fahrersitzen im Reisemobil

Wenn es draußen kälter wird, beginnt die Zeit des Fröstelns. Wer nicht gleich die Aufbauheizung anwerfen möchte, wünscht sich vielleicht auch für sein Reisemobil eine Sitzheizung. So funktioniert der Einbau.

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür. Zu Hause dreht man die Heizung auf, Jacke und Schal werden rausgekramt, der Kragen hochgeklappt – Hauptsache, nicht frieren. Wer jetzt auf Reisemobiltour gehen möchte und vergessen hat vorzuheizen, wartet unterwegs oft ziemlich lange, bis das Fahrerhaus nennenswert warm wird. Und selbst wenn die Heizungen von Basisfahrzeug und Aufbau ihr Möglichstes tun, wird es nicht in jedem Reisemobil auf den Cockpitsesseln und drum rum wirklich angenehm warm.

Ein Segen, wer dann eine Sitzheizung anknipsen kann. Doch während dieses Komfortdetail inzwischen in kaum einem Pkw mehr fehlt, bleibt es in Reisemobilen die absolute Ausnahme. Dabei ist der Einbau einer Sitzheizung längst nicht so kostspielig und kompliziert, wie manche vielleicht denken. Wie es geht, haben wir uns einfach mal angeschaut.

Sitzheizung im Wohnmobil nachrüsten
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Da wir bei beiden Sitzen den Komfort einer Sitzheizung genießen möchten, müssen beide raus.

Damit aus Frost kein Frust wird, steuern wir also mit dem Fiat-Ducato-Campingbus, der optimiert werden soll, das pfälzische Enkenbach-Alsenborn an, wo der Sitz- und Polstermöbelspezialist G +S beheimatet ist. Dort dauert es keinen Tag, bis beide Pilotensitze mit Heizungen ausgestattet sind.

So läuft der Einbau der Sitzheizung ab

Sitzheizung im Wohnmobil nachrüsten
Karl-Heinz Augustin
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Wie lange der Einbau aber letztlich dauert, ist von mehreren Faktoren abhängig. Da im ersten Schritt die Sitze ausgebaut werden müssen, kommt dabei bereits die erste Unwägbarkeit auf die Monteure zu. Denn in Reisemobilen kommt eine große Vielfalt unterschiedlichster Fahrerhaussitze zum Einsatz. Wie sieht der Sitz genau aus und wie lässt er sich ausbauen? Müssen zudem Sonderfunktionen wie eine Luftfederung demontiert werden?

Unsere Originalsitze eines 290er-Ducato machen dem Werkstattmonteur keine Probleme. Zunächst kommen die Armlehnen ab und die Plastikverkleidungsteile runter. Vier Schrauben an den Ecken müssen gelöst und dann die Technik für den Anschnallgurt abgeknipst werden, schon wackelt der Sitz, auf dem wir gerade noch hergefahren sind, bedenklich. 20 Minuten später sind beide Sitze ausgebaut und werden auf einem Wagen in die Werkstatt gebracht.

Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Die Zündung sollte ab jetzt vorerst ausgeschaltet bleiben, denn da die Kabel zum Sitz unterbrochen sind, erkennt die Fahrzeugelektronik ansonsten einen vermeintlich unangeschnallten Fahrer. Das System quittiert dieses "Fehlverhalten" mit nervtötendem Piepston, der erst später durch Fehlerlöschung im System korrigiert werden kann.

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Zunächst müssen die Armlehnen und die Seitenverkleidung demontiert werden, dann lässt sich der Sitzpolsterbezug abziehen.

In der Werkstatt heißt es nun runter mit der Bepolsterung, wenn auch nur temporär. Der Sitz wird entsprechend in seine Einzelteile zerlegt: Rückenlehne, beide Armlehnen, Sitzfläche und Sitzgerüst – alles landet auf dem Tisch. Schrauben und Klammern, die das Gebilde vor wenigen Augenblicken noch zusammengehalten haben, kommen zur Aufbewahrung in einer Plastikbox unter. Übrig bleiben das Metallgerüst des Sitzes, an dem auch die Lehne hängt, sowie die Sitzschale.

Wir nutzen die Gelegenheit, um einen tieferen Blick in das Innenleben des Sitzes zu erhaschen. Wir sehen auf Polsterteile aus Polyurethan-Schaum (PUR), der für die Sitze wegen seiner dauerelastischen Eigenschaften verwendet wird. Der Schaumstoff besitzt eine hohe Festigkeit und ist extrem verschleißfest –genau richtig, um einer ständigen Sitzbelastung standzuhalten.

Zentrales Element: Die vier Heizmatten

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Für zwei Sitze sind vier Heizmatten nötig – für Sitzflächen und Lehnen. Der Heizdraht ist in das Gewebe eingearbeitet. Um die Matte an den Sitz anzupassen, kann sie vom oberen Rand her gekürzt werden.

Nun folgt die Anbringung der vier Heizmatten, je eine für Sitzfläche und Rücken. Das textile Gewebe der Matte ist durchwebt mit Heizdraht und sieht eigentlich recht unspektakulär aus. Am unteren Ende lugt die Verkabelung heraus, ein kleiner Trafo wandelt die Spannung auf den passenden Wert.

Damit er beim Sitzen nicht stört, schneiden die Monteure eine entsprechende Aussparung in den Schaum der Sitzfläche. An den Rändern sind die Matten mit selbstklebender Folie ausgestattet, die Polstermacher greifen aber zusätzlich zu Sprühkleber – doppelt hält besser –, schließlich muss gerade die Sitzfläche einiges aushalten, und der Ärger ist groß, sollte die Matte verrutschen.

Mancher Kunde oder Hersteller lässt sich auch Heizmatten in die Matratzen der Betten einziehen. Wir belassen es bei den Sitzen und sind nun gerüstet für den finalen Schritt des Einbaus. Ein Blick auf die Uhr: Sitzausbau, das Abziehen der Polster, das Verkleben der Matten sowie die erneute Bepolsterung dauern bei unserem Fahrzeug keine zwei Stunden. Allerdings ist der Arbeitsaufwand immer auch abhängig von der Ausführung der Sitze.

Letzter Schritt: Die Fahrt zum Kfz-Elektriker

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Sind alle Kabel unter der Fahrerhaus-Bodenmatte und hinter der Mittelkonsole verlegt, können die Sitze wieder festgeschraubt werden.

Da es sich beim Sitzheizungseinbau um einen Eingriff in die Bordelektronik handelt, muss ein Kfz-Elektriker die Geräte letztlich anschließen. Unter monotonem Gepiepse wegen der verwirrten Gurtüberwachungselektronik rollen wir zum Elektro-Fachbetrieb – gut, dass der gleich um die Ecke liegt. Da die Aufbaubatterie die Sitzheizungen mit Strom versorgen soll – so können wir auch bei ausgeschalteter Zündung den Wärmekomfort genießen – und diese in der Beifahrersitzkonsole ihren Platz hat, bleibt der rechte Sitz zunächst ausgebaut.

Der Kfz-Mechaniker mit Elektrokenntnissen nimmt zudem den Drehteller des Sitzes ab. Die Batterie ist so frei zugänglich und die Anschlüsse können einfacher verlegt werden. Zusätzlich werden sämtliche Plastikabdeckungen im Fußraum und das Formteil in der unteren Mittelkonsole abgenommen. Hier sollen nun die Kabel verlegt und später die Schalter für die Sitzheizung installiert werden.

Der Aufwand für die Kabelverlegung hängt von der Ausstattung des Reisemobils ab. In unserem Fall sind die Sitze leicht zu demontieren, und im Fußraum liegt eine lose Bodenmatte.Andere Fahrzeuge haben verklebte Teppiche und Sitze mit empfindlichen Bezügen, die während der Montagearbeiten zusätzlich geschützt werden müssen.

Für die beiden Schalter bohrt der Monteur zwei Löcher in ein Plastikteil der Mittelkonsole. "Das lässt sich leicht ersetzen, falls was schiefgeht", erklärt er. Bei uns geht alles glatt, und so dauert es nicht mehr lange, bis die Sitzheizungen ihren angenehmen Dienst aufnehmen können.

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