Am vierten Juli ist es wieder so weit. Dann startet die 113. Ausgabe des bekanntesten und prestigeträchtigsten Radrennens der Welt – der Tour de France. Der Startschuss fällt dieses Jahr in Barcelona und damit, wie so oft, außerhalb Frankreichs. 21 Renntage und 3.333 Kilometer später treffen die Fahrer zum legendären Finish auf der Champs-Élysées in Paris ein.
Bis zu zehn Millionen Menschen verfolgen die Tour jedes Jahr vor Ort und machen die Frankreich-Rundfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis für Fans und Sportler. Besonders beeindruckend sind die Menschenmassen entlang der großen Anstiege in den Alpen und den Pyrenäen. Ein Großteil der Fans campt vor Ort. An den Hotspots der wichtigsten Etappen finden Campenden schon viele Tage vorher nicht einmal mehr inoffizielle Stellplätze für ihre Wohnmobile. Grund genug für uns, die wichtigsten Tipps für Camperinnen uncCamper sowie die schönsten Plätze entlang der Strecke der diesjährigen Ausgabe der Tour rechtzeitig herauszusuchen.
Bevor man sich aufmacht, um die Radprofis aus nächster Nähe zu sehen, sollte man jedoch wissen, worauf man sich einlässt. Die Tour de France besteht aus 21 Etappen sowie zwei Ruhetagen und dauert vom 4. bis zum 26. Juli. Zeit genug also, um die Superstars um Pogačar, Vingegaard, Lipowitz & Co. aus nächster Nähe zu sehen? Ja, aber nicht immer werden die großen Namen des Gesamtklassements vorne um den Etappensieg mitfahren.
Welche Etappen lohnen sich?
Denn neben den spektakulären Bergankünften bietet die Tour de France auch einige flache Etappen, optimal für Sprinter, die am Ende des Rennens ein explosives Finish hinlegen. Die großen Favoriten auf den Gesamtsieg lassen es an solchen Tagen etwas ruhiger angehen. Einen großen Vorsprung kann man sich auf flachem Terrain nur selten herausfahren, die Tour wird schließlich in den Bergen gewonnen.

An den großen Bergen versammeln sich die meisten Fans, um die Profis anzufeuern.
Und genau dorthin zieht es die Menschenmassen. Egal ob Zentralmassiv, Vogesen, Jura, Alpen oder Pyrenäen. Quälen sich die Profis am Berg, stehen die Fans eng gedrängt am Straßenrand. Entsprechend umkämpft sind die Plätze hier. Wer an den Hängen der legendären Pässe wie dem Col du Tourmalet, Alpe d’Huez oder dem Col du Galibier einen ordentlichen Standplatz für sein Reisemobil ergattern will, sollte bereits einige Tage im Voraus dort aufschlagen. Alternativ kann man sich auch am frühen Morgen des Rennens mit dem Fahrrad, E-Bike oder zu Fuß aufmachen, um einen Platz an der Strecke zu finden.
Eine frühe Anreise ist Pflicht
Apropos Strecke, die wird je nach Ort unterschiedlich früh gesperrt. In der Regel gilt dies am Tag der Etappe ab circa 8 Uhr für den allgemeinen Verkehr. Radfahrer haben oft noch bis 11:30 Uhr Zugang. An berühmten Anstiegen ist der Zugang oft schon am Vortag gesperrt, mit Einschränkungen für Wohnmobile bereits Tage vorher. Entsprechend früh sollte man eine Anreise planen.
Wer nicht direkt am Berg stehen möchte oder am Tag des Rennens mit dem Fahrrad anreisen will, sollte also auch schon frühzeitig einen Camping- oder Stellplatz reserviert haben. Wir haben für fünf interessante Etappen eine Handvoll Plätze zusammengetragen.
09. Juli, Etappe 6: Pau – Gavarnie-Gèdre
Die ersten großen Herausforderungen warten in den Pyrenäen auf die Fahrer. Vor allem die sechste Etappe von Pau nach Gavarnie-Gèdre hat es in sich. Dabei muss das Peloton den legendären Col du Tourmalet in 2115 Metern Höhe überqueren. Bereits zuvor geht es über den knapp 1500 Meter hohen Col d'Aspin, ehe am Ende ein letzter kleinerer Anstieg zum Zielort bevorsteht.

Die malerische Stadt Pau am Fuße der Pyrenäen. Hier endet die fünfte und startet die sechste Etappe der diesjährigen Tour.
Etwas nördlich, zwischen Col d’Aspin und dem Col du Tourmalet, befindet sich der Ort Bagnères-de-Bigorre. Zwar führt die Strecke nicht genau durch die Stadt, jedoch lässt sich diese perfekt als Basis nutzen, um von dort mit dem Fahrrad an die Strecke zu fahren oder vor beziehungsweise nach dem Rennen ein paar Nächte zu verbringen.
Der gebührenpflichtige Camping Les Fruitiers liegt am Rand von Bagnères-de-Bigorre und bietet alles, was es braucht, um das Flair der Tour vor Ort aufzusaugen, bevor es an die Strecke geht. Vom Platz ist das Stadtzentrum fußläufig zu erreichen. Außerhalb der Stadt finden sich zudem zahlreiche Wanderrouten und Highlights wie das Höhlensystem Grottes de Médous, das bei einem Besuch zwingend erforscht werden sollte.
10. Juli, Etappe 7: Hagetmau – Bordeaux
Nur einen Tag später sind die Sprinter am Zug. Auf der 175 Kilometer langen flachen Etappe von Hagetmau nach Bordeaux können sich die Favoriten auf den Gesamtsieg ausruhen und ihren muskulöseren Kollegen das Rampenlicht überlassen. Für das optimale Erlebnis empfiehlt es sich, das Rennen am Zieleinlauf in Bordeaux zu verfolgen, um den spektakulären Sprint auf die Zielgerade nicht zu verpassen.
Entsprechend bieten sich mehrere Campingplätze in oder um Bordeaux herum an. Wer am Renntag etwas weiter fahren will, kann auch auf einem der Plätze direkt an der Atlantikküste übernachten. Stellvertretend haben wird den Camping Beausoleit in Gradignan, einem Vorort im Süden der Weinmetropole, herausgesucht. Der gebührenpflichtige Platz für bis zu 27 Mobile liegt am Waldrand und gilt trotz seiner Nähe zur Großstadt als ruhig und sauber. Direkt vor der Tür befinden sich Restaurants sowie ein ÖPNV-Anschluss. So kommt man am Renntag schnell in die Innenstadt oder kann mit dem Wohnmobil an die Strecke entlang der Garonne fahren.

Die Pont de Pierre spannt sich über die breite Garonne und gilt als eines der wichtigsten Wahrzeichen von Bordeaux.
Selbstverständlich ist Bordeaux auch außerhalb der Tour de France einen Besuch wert. Ein Abstecher an die Atlantikküste sollte ebenso auf dem Programm stehen wie die Altstadt von Bordeaux samt Sehenswürdigkeiten wie dem Place de la Bourse oder der Pont de Pierre. Und natürlich kann man nicht über Bordeaux sprechen, ohne die weltbekannten Weine der Region zu erwähnen. Ein Besuch in der Cité du Vin (Weinmuseum) ist hier selbstverständlich absolute Pflicht.
18. Juli, Etappe 14: Mülhausen – Markstein
Deutsche Radsportfans, die nicht ganz so weit weg möchten, können am 17. Juli die Chance die Tour fast vor der eigenen Haustür sehen. Als drittes Gebirge der Tour stehen in diesem Jahr wieder die Vogesen auf dem Programm. Diese sind nicht ganz so hoch wie die Gipfel der Alpen oder Pyrenäen, trotzdem kommen auf der 155 Kilometer langen Strecke ganze 3800 Höhenmeter zusammen, die die Fahrer überwinden müssen.
Von Mülhausen aus führt die Route das Peloton um die deutsche Radsporthoffnung Florian Lipowitz über den Großen Belchen (Grand Ballon) und den Col du Haag direkt in den Zielort Markstein. Von dort muss das Feld allerdings noch eine Runde über den Elsässer Belchen (Ballon d’Alsace) und den Hundsruck-Pass drehen, bevor es zum finalen Anstieg von der anderen Seite wieder auf den Col du Haag und weiter nach Markstein zur Zieleinfahrt geht.
Für die Übernachtung bieten sich gleich zwei kostenlose Stellplätze in der romantischen Kleinstadt Thann an. Der Parking du Centre bietet Platz für 30 Mobile, der Arrêt Camping-Car Place du Bungert nur für zehn. Beide Stellplätze sind ähnlich aufgebaut und eignen sich am besten für autarke Fahrzeuge.
Thann stellt den perfekten Ausgangspunkt für die Etappe in den Vogesen dar. Von hier aus gelangt man mit dem Fahrrad oder Auto schnell in den Startort Mülhausen. Nur einen Ort weiter in die andere Richtung führt die Strecke dann auf ihrer Runde durch Bitschwiller-lès-Thann und einige Kilometer weiter in Saint-Amarin beginnt der finale Aufstieg zum Col du Haag. Ebenfalls interessant: Am Tag zuvor endet die Etappe in Belfort, das ebenfalls nur eine halbe Autostunde von Thann entfernt liegt.
21. Juli, Etappe 16: Évian-les-Bains – Thonon-les-Bains
Die sechzehnte Etappe der diesjährigen Tour ist das einzige Einzelzeitfahren der Rundfahrt. Start und Ziel liegen jeweils am Genfersee, dazwischen ein 26 Kilometer langer Kurs samt 500 Höhenmetern. Wer die Tour einmal ganz anders erleben möchte, ist hier genau richtig. Beim Einzelzeitfahren starten die Fahrer zeitversetzt in Abständen von ein bis zwei Minuten und nicht im Pulk. So bekommt man als Fan alle zwei Minuten einen Fahrer zu Gesicht und nicht das gesamte Peloton auf einen Schlag.
Dementsprechend gibt es keinen bestimmten Punkt an der Strecke, den man sich unbedingt aussuchen müsste, um das größte Spektakel zu sehen. Selbstverständlich ist der Start in Évian-les-Bains und die Ankunft in Thonon-les-Bains einen Besuch wert. Hier werden allerdings die Menschenmassen nur so aneinanderdrängen. Wer es also ein wenig ruhiger haben möchte, kann sich stattdessen einfach entlang des Kurses aufstellen.
Zur Übernachtung eignet sich der Campingplatz Le Disdillou in Thonon-les-Bains. Der gebührenpflichtige Platz kann bis zu 25 Mobile am Stadtrand des Kurorts beherbergen und liegt direkt am Genfersee. Das Zentrum ist zu Fuß erreichbar und ein ÖPNV-Anschluss ist ebenfalls vorhanden. Selbstverständlich ist der Genfersee neben der Tour de France das absolute Highlight in Thonon-les-Bains. Aber auch ein Ausflug nach Genf, das etwa eine Stunde mit dem Auto entfernt ist, lohnt sich allemal.
25. Juli, Etappe 20: Le Bourg-d'Oisans – Alpe d'Huez
In der Liste taucht natürlich auch die Königsetappe in unsere Liste mit auf. Die hat es dieses Jahr so richtig in sich. Unglaubliche 5600 Höhenmeter müssen die Fahrer am vorletzten Tag bewältigen. Gestartet wird in Le Bourg d’Oisans, bevor es auf über 2000 Meter auf den Col de la Croix de Fer geht. Anschließend wartet das Dach der Tour 2026, der Col du Galibier mit 2642 Metern. Bevor es dann in den Schlussanstieg in Alpe d’Huez geht, muss zuvor noch der Col de Sarenne auf 1999 Meter Höhe überquert werden. Ein Tag, der mit Sicherheit die Tour entscheiden wird, wenn sie bis dahin noch offen ist.

Vielleicht einer der schönsten Stellplätze Europas. Direkt am Col de Lautaret an der Abfahrt vom Col du Galibier.
Eine frühe Anreise, um einen Platz zu erhaschen, ist hier unabdinglich. Insbesondere, da die Etappe am Tag zuvor ebenfalls in Alpe d’Huez, von der anderen Seite kommend, endet. So werden unzählige Radsportfans an den Hängen des Galibier und des Sarenne zu finden sein.
Ein Stellplatz, der sich vor allem für autarke Fahrzeuge sowie große Wohnmobile anbietet, ist der Wohnmobilstellplatz Parking in Villar-d'Arène. Vermutlich der höchstgelegenen offiziellen Wohnmobilstellplatz in den Alpen auf etwa 2300 Metern. Der gebührenfreie Platz für bis zu 40 Mobile liegt direkt an der Strecke auf dem Col du Lautaret. Während des Rennens wird hier vielleicht weniger los sein, weil der Col du Lautaret bei der diesjährigen Routenführung an der Abfahrt vom Col du Galibier und nicht am Aufstieg. Wer einen Übernachtungsplatz haben will, muss aber sicherlich auch hier früh anreisen. Dafür wird man mit atemberaubenden Ausblicken und Natur belohnt. Am Renntag können Campende dann mit dem Fahrrad auf die andere Seite des Galibiers fahren oder wandern. Die ungefähr acht Kilometer hinauf zum Pass haben es allerdings in sich.





