Gemütlich im Liegestuhl, mit einem Baguette und etwas Käse, einer Flasche Rotwein (natürlich mit richtigen Gläsern dazu!), die Füße im warmen Sand und dazu den wundervollen Blick auf die Seine und die Île de la Cité, die Insel mitten in Paris mit dem Palais de Justice und Notre-Dame darauf, während die abendliche Sonne den klassischen hellen Kalkstein der Häuserfassaden in ein leichtes Rosa taucht.
Alles nur ein Traum? Nein, das ist Paris Plage, der Stadtstrand an den Seine-Ufern mitten im Trubel der französischen Hauptstadt. Wo sonst der Verkehr durchbraust, wird ab Juli und bis Ende August zwischen den Brücken Pont des Arts und Pont de Sully Sand aufgeschüttet, spenden Sonnenschirme Schatten, sitzen Pariser und Touristen zusammen, es gibt kleine Cafés, coole Bars, spannende Foto-Open-Air-Ausstellungen und Straßenmusik aus aller Welt.
Als Student vor langer Zeit in Paris, mit winzigem Zimmer in einer Dachgaube, wäre das alles für mich wirklich ein Traum gewesen. Doch heute gibt es sogar am Bassin de la Villette im 19. Stadtbezirk (die Pariser denken und leben sehr in ihren Arrondissements), ganz am Ende des von der Seine abzweigenden Canal St. Martin, einen Sand-Strand vor allem für Familien. Ein abgesperrter Teil im Fluss lädt zum Schwimmen, unter strenger Aufsicht der Bademeister, versteht sich.
Mit dem ersten Café au lait zum Eiffelturm
Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, die bis Anfang 2026 zwölf Jahre im Amt war, hat die meistbesuchte Stadt Europas nachhaltig verändert: Autos raus aus der Innenstadt, mehr Grün in die Straßen und eine Flaniermeile am Seine-Ufer. So ist es heute kein Albtraum mehr, mit dem Rad durch die Stadt der Liebe zu kreuzen. Starten wir also am Camping de Paris in ruhiger Lage an der Seine im Westen. Vor der Pforte beginnen schöne Joggingstrecken, ganz in seiner Nähe gibt es zudem für Familien ein(ent-)spannendes Klein-Kinderprogramm: den Jardin d’Acclimatation mit Riesenrad und alten Karussells.
Also los, auf den Sattel geschwungen und mitten durch den Park sind es knappe zehn Minuten in das ruhige Promi-Viertel im 16. Arrondissement. Vorbei am Pariser Hippodrome, die legendären Tennis-Courts von Roland Garros einfach rechts liegen lassen, geht es zur Porte d’Auteuil und weiter in die gleichnamige gemütliche Einkaufsstraße. Einst war das hier ein Dorf weit vor Paris, gut zu erkennen an den eher niedrigen weißen Häusern. Mittwochs und samstags lockt hier der charmante Wochenmarkt mit großer Auswahl an Fisch und Gemüse vom Land.
Wer schon jetzt einen Café au lait haben möchte, ist im kleinen Bistro Le Village am Marktplatz richtig. Unbedingt stoppen sollte man aber am unteren Ende der Rue d’Auteuil an einer Pariser Institution: Servant gehört zu den ältesten Schokoladen-Manufakturen der Stadt, und wer Glück hat, trifft hier Prominente wie Carla Bruni oder Gérard Depardieu beim Pralinen-Einkauf. Die junge Claire Autret führt die Familientradition fort.

Das Chocolaterie Servant wurde 1913 im Pariser Viertel Auteuil gegründet.
Den Hügel hinunter geht es weiter Richtung Seine. Von der Brücke Pont Mirabeau hat man den schönsten Blick auf die Pariser Freiheitsstatue an einer Inselspitze, denn es war die französische Nation, die die größere Statue New York schenkte. Im Hintergrund lockt schon der Eiffelturm. Doch bei schönem Wetter biegen wir immer rechts ab: Im nahen Park André Citroën steigt dann der Heißluftballon auf. Sicher verankert mit Stahlseilen ermöglicht er in 150 Meter Höhe einen wunderbaren Blick auf die Seine-Metropole. So über Paris zu fliegen, ist für unsere Kinder noch immer das Größte.
Weiter mit dem Rad am linken Seine-Ufer (Rive Gauche nennen die Pariser die südliche Seite), vorbei an Hausbooten und schwimmenden Cafés, ist das Ziel schnell erreicht: Der Eiffelturm. Das Meisterwerk von Gustave Eiffel (Online-Tickets frühzeitig reservieren) kann man am besten erleben, wenn man seine 704 Stufen bis zur zweiten Ebene selbst hochsteigt. Der Turm wurde im Jahre 1889 eröffnet und war eigentlich nur für die Weltausstellung gedacht. Wer einmal im Leben im Eiffelturm-Restaurant speisen möchte: Gut 100 Euro pro Person muss man rechnen für ein Menü mit weitem Blick über die Pariser Sehenswürdigkeiten.
Den Eiffelturm könnte man aber auch kostenlos vom Trocadéro gegenüber auf der anderen Seine-Seite im Blick haben: neben den Wasserspielen im Gras sitzen und den artistischen Rappern zusehen. Oder den Hochzeitspaaren aus aller Welt, die von der Terrasse auf dem Chaillot-Hügel ihre Bilder für die Ewigkeit vor der Kulisse des Pariser Wahrzeichens machen.
Im Herzen von Paris
Radeln wir auf der rechten Seite (Rive Droite) weiter in das Herz von Paris: über die viel befahrene Place de la Concorde mit dem Obelisken in die bunten Tuilerien-Gärten, vielleicht mit Pause an einer typischen Pariser Brasserie im Schatten der Ahornbäume, dem Café des Marronnniers, und weiter zum kleinen Arc de Triomphe am Parkende. Wer jetzt durch den Torbogen zurückschaut, erblickt eine der schönsten Pariser Sichtachsen: den großen Arc de Triomphe und auch dahinter den neuzeitlichen dritten Torbogen Grande Arche in der Bürostadt La Défense.

Das Arc de Triomphe wurde von 1806 bis 1836 errichtetet.
An der Pyramide des Louvre entlang geht es weiter über die Brücke Pont Neuf zur schiffförmigen Insel, auf der Paris einst gegründet wurde. Hier versteckt sich am Boulevard du Palais ein Pariser Juwel: die Sainte Chapelle mit ihren über 1.000 Mosaikfenstern, die ein beinahe unwirkliches Licht in die Kapelle zaubern (Online-Ticket). Keine zwei Minuten später stehen wir vor Notre-Dame. Nach dem tragischen Brand ist sie jetzt ein besonderes Erlebnis: statt dunklem Innern nun helle Steine, restaurierte Gemälde, leuchtende Glasmosaike an den Fenstern. Notre-Dame erstrahlt wie zu ihrer Eröffnung im 14. Jahrhundert.
Wem es hier mit den Touristen aus aller Welt doch mal zu voll wird, dem sei der kleine, versteckte historische Blumenmarkt am Place Louis Lépin auf der Insel empfohlen. Und zwei Ecken nördlicher von Notre-Dame kann man ganz in Ruhe in der Bar Au vieux Paris d’Arcole stoppen.
Für den Rückweg geht es vom Paris Plage nun weiter über die Pont de Carrousel zurück auf die linke Seite nach St. Germain-des-Prés. Zeit zum Entdecken: Galerien und die legendären Literaturcafés, in deren Bistrostühlen im vergangenen Jahrhundert berühmte Schriftsteller saßen, wie im Café de Flore. Schlag nach bei Ernest Hemingway: Nicht von ungefähr nannte er seinen Roman über diese Zeit: Paris – ein Fest fürs Leben. Vielleicht doch noch schnell für einen leckeren Crêpe in der Rue l’Odéon im Breizh Café halten? Oder das beste Baguette der Stadt bei La Parisienne (Boulevard Saint Germain) mitnehmen?
Zurück im Sattel geht es vorbei am Invaliden-Dom zu den Champs de Mars, dem großen Park hinter dem Eiffelturm. Über die Brücke Pont de Bir-Hakeim, die einzige Brücke, bei der die Metro oberirdisch in einer Etage über dem Verkehr fährt, geht es wieder ins 16. Arrondissement. Durch die Rue de Passy mit kleinen Geschäften und Zeit für den Vorräte-Einkauf, kommen wir zum Jardin du Ranelagh. Dort gibt es oft nachmittags Pony-Reiten für Kinder und altehrwürdiges Puppentheater. Durch die Porte de Passy sind wir zurück am Bois du Boulogne, vorbei an Seen und kleinen Wasserfällen, wartet der Campingplatz.
Eine unterirdische Einkaufspassage und Kunst auf der Pont des Arts
Nach der langen Radtour wäre für den zweiten Paris-Tag die Métro-Variante für die Museen von Vorteil, um schneller durch die Stadt zu kommen. Aber Leihräder können in Paris auch jederzeit per App gestartet werden. Wer ohne Riesenschlange dann in die weltweit größte Kunstsammlung im Louvre möchte, nimmt statt dem Haupteingang durch die Glas-Pyramide entspannt den unbekannten Nebeneingang an der Rue de Rivoli 99 (Online-Ticket buchen) am Ende der unterirdischen Einkaufspassage. Dem Gedrängel vor der Mona Lisa entkommt man allerdings nicht.
Auf der Pont des Arts mit Blick auf die glitzernde Seine in der Nachmittagssonne kann man jeden Tag Künstler erleben oder den Straßenmusikern lauschen. Denn Paris verlangt ständig Entscheidungen: vorbei an den Ständen der Buchhändler an der Seine oder weiter Richtung Jardin du Luxembourg und noch zur Ruhmeshalle Panthéon? Oder die 136 Treppenstufen runter in die kühlen Katakomben von Paris?

Eine Fahrt auf der Seine gilt am Abend als besonders romantisch.
Familien müssen auch Pausen für die Kinder einplanen: Unsere beiden Mädchen lieben den Jardin du Luxembourg über alles. Die großen Spielplätze mit alten Karussells oder die Schiffchen-Schaukeln, original aus den 1950er Jahren. Danach geht es wieder gut gelaunt auf Entdeckungsreise.
Kulturgenuss mit Museen und dem Phantom der Oper
Das Panthéon ist nur noch einen Katzensprung entfernt, parallel dazu ist die Rue de Fossés, wo viele Folgen der erfolgreichen Netflix-Serie "Emily in Paris" spielen, und auch die älteste Marktstraße, die noch immer mit Kopfsteinpflaster versehene Rue Mouffetard, mit den vielen trendigen Bars lohnt genauso wie die engen Gassen Richtung Jardin des Plantes.
Natürlich muss man den Prunkbau der Opéra Garnier, die als eines der schönsten Opernhäuser der Welt gilt, gesehen haben. Hier spielt übrigens auch die Geschichte vom Phantom der Oper. Für den Arc de Triomphe dagegen reicht der Postkarten-Blick vom unteren Ende der weltbekannten Champs-Élysées. Die Prachtstraße selbst lohnt ebenfalls kaum, außer kurz für unsere modebewussten Teenager, um dann festzustellen, dass man mit Taschengeld hier nicht viel ausrichten kann.
Für den Ausflug zum berühmten Montmartre-Hügel muss man auf jeden Fall früh aufstehen, um da zu sein, wenn die Maler ihre Stände aufbauen. Sonst steckt man später in den Touristenmassen regelrecht fest. Am späteren Abend, wenn die Musiker auf den Stufen vor der wie von einem Zuckerbäcker geschaffenen Kirche Sacré-Cœur mit Blick auf das erleuchtete Paris spielen, ist der Charme des Künstlerhügels aber wieder zurück. Auch in den 179Museen gibt es endlich die nötige Ruhe für den Kulturgenuss. Oder einfach mal ganz spontan: Denn Paris ist jedes Mal ein Fest fürs Leben.
Paris-Tipps für eine Camping-Tour
Das sollten Sie wissen und beachten, wenn Sie einen Campingtrip nach Paris planen.
Metro: Unbedingt die App der Pariser Verkehrsbetriebe laden: Bonjour RATP. So findet man sekundenschnell die besten Métro-Verbindungen. Tickets gibt es per App oder am Automaten. Der sogenannte Navigo Pass ist die erste Wahl für viele Fahrten am Tag. Die Tageskarte kostet dann 12 Euro.
Fahrrad leihen: In Paris gibt es mehrere Möglichkeiten, Fahrräder zu mieten. Vélib ist das öffentliche Leihfahrradsystem in Paris. Man kann schon von zu Hause aus "einchecken". Verschiedene Anbieter wie 6clo, Paris à vélo, und Rentabike Paris bieten neue Räder, darunter Elektrofahrräder und Mountainbikes, aber auch Anhänger für Kinder. Einige Anbieter (Paris Bike Tour, Holland Bikes etc.) haben geführte Radtouren im Angebot, eine gute Möglichkeit, um die Stadt mit Guide zu erkunden.
Infos: www.parisjetaime.com ist eine gute offizielle Website. Hier gibt es auch den Paris-Pass mit verschiedenen Stufen als Option für günstigere Museumseintritte, inkludiert auch den Fahrrad-Verleih. Autos brauchen in Paris eine französische Umweltplakette. Gibt es auf der offiziellen Website www.certificat-air.gouv.fr
Campingplätze in und um Paris
Hier finden Sie Stellplätze und Parzellen.
Camping de Paris: Liegt mit schön viel Schatten im großen Park Bois du Boulogne im Westen an der Seine. Nettes Team und mit allen Einrichtungen und renovierten Sanitäranlagen. Beliebtester Campingplatz in Paris und daher unbedingt auch in der Nebensaison reservieren. Gute Verbindungen mit Camping-Shuttle und öffentlichem Bus zur Metro Linie 1(Station Porte Maillot). Ebenso eine gute Idee: mit dem Fahrrad durch den Park und weiter bis zum Eiffelturm in gut 25 Minuten. Ganzjährig geöffnet.
Sandaya Camping Paris Maisons-Laffitte: Liegt ebenfalls am Ufer der Seine im Grünen und hat rund 200 schattige Stellflächen. Ein Tipp für Familien mit Kindern, denn es gibt einen Swimmingpool mitsamt Wasserpark. Der Platz grenzt an den Wald von Saint-Germain-en-Laye. Ebenfalls gute Verbindungen in die Innenstadt, zur RER-Station geht man in 10 Minuten und benötigt 25 Minuten bis Notre-Dame. Auch das Schloss Maisons-Laffitte ist zu Fuß erreichbar. Öffnungszeiten: April bis November.
Camping Paris Est: Die Wahl dieses Platzes in Champigny-sur-Marne ergibt vor allem dann einen Sinn, wenn man auch Disneyland im Osten von Paris besuchen will. Allerdings ist die nahe Autobahn je nach Windrichtung zu hören. Es gibt 188 Stellflächen im großen Park mit Kinderspielplatz. Verbindung mit der RER-Linie A ab Joinville-le-Pont in gut 25 Minuten bis Notre-Dame. Ganzjährig geöffnet.





