Noch ist das neue Kärntner Tourismusgesetz nicht einmal beschlossen, doch die Wogen schlagen bereits hoch. Vor allem eine Neuerung treibt Campingplatz-Betreibern den Schweiß auf die Stirn: die einheitliche Nächtigungsabgabe von vier Euro pro Person und Nacht.
Während Hotels die Kosten einfach auf den Zimmerpreis umlegen können, trifft die Pauschale Camper mit voller Wucht. "Das ist, als würde man eine Flasche Champagner und ein Glas Wein um denselben Betrag erhöhen – wer würde da noch das Glas bestellen?", sagt Michael Ramsbacher, Betreiber des Campingplatzes in Rennweg, gegenüber der Kronenzeitung. Sein Fazit: Vier Euro klingen harmlos, doch sie könnten das Aus für seinen Betrieb bedeuten.
Kärntner Campingplatz schließt nach 39 Jahren
Ramsbacher hat bereits die Konsequenzen gezogen. Nach fast vier Jahrzehnten schließt er seinen Campingplatz in Rennweg am Katschberg noch in diesem Jahr. Der Grund? Die neue Abgabe frisst 28 Prozent seines Jahresumsatzes – bei Hotels sind es gerade einmal 1,5 bis 2 Prozent.
Besonders bitter: Die Abgabe trifft alle gleich – ob Luxushotel oder einfacher Stellplatz. "Ein Doppelzimmer am Katschberg kostet 560 Euro, ein Campingplatz 28 Euro. Beide zahlen dieselben vier Euro. Das ist weder fair noch wirtschaftlich sinnvoll", kritisiert Ramsbacher. Für ihn bedeutet die Abgabe drei bis vier Monate Gratisarbeit pro Jahr.
"Ein Gast hat ein festes Urlaubsbudget. Ihm ist egal, wie viele Abgaben im Preis versteckt sind. Er zahlt am Ende einfach den Gesamtbetrag", erklärt Ramsbacher. Sein Sohn hatte den Betrieb übernommen und wollte investieren – doch unter diesen Bedingungen lohnt sich das nicht mehr. Ein geplantes Umwidmungsverfahren wurde bereits zurückgezogen. Auch andere Campingplatz-Betreibende fürchten um ihre Existenz.
Wettbewerbsnachteil durch starre Abgabe
Die Kritik der Campingplätze ist einhellig: Die Pauschalabgabe von vier Euro ist ein gigantischer Wettbewerbsnachteil. Während Kärnten mit diesem Betrag allein dasteht, zahlen Gäste in Italien maximal 1,50 Euro – oft sogar gar nichts, besonders in der Nebensaison. "Die Welt schaut leider so aus, dass beispielsweise in Italien die Nächtigungsabgabe auf 1,50 Euro gedeckelt ist. Jetzt haben wir insbesondere in den Nebensaisonen das Problem, dass wir einen Wettbewerbsnachteil nur von der Nächtigungsabgabe von fünf Euro bei zwei Personen haben", sagt Sepp Kolbitsch, der seit Jahrzehnten einen Campingplatz in Kötschach-Mauthen betreibt, gegenüber dem ORF Kärnten.
Kolbitsch rechnet vor: Bei einem durchschnittlichen Stellplatzpreis von 30 Euro pro Nacht bleiben nach Abzug der acht Euro Abgabe (für zwei Personen) nur noch 22 Euro übrig. "Von diesen 22 Euro müssen wir investieren, überleben, Mitarbeiter bezahlen und alle anderen Kosten decken. Das ist schlicht nicht machbar", so Kolbitsch.
Auch Georg Mössler, der am Millstätter See zwei Campingresorts betreibt, warnt im Gespräch mit ORF Kärtnen: Die Abgabe werde rund 30 Prozent des Bruttopreises ausmachen – und das werde sich in den Tourismus-Bilanzen deutlich niederschlagen.
Politik ignoriert Warnungen
Die Betreiber fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. "Uns passt die Relation nicht, dass es da keine Gesprächsbereitschaft gegeben hat und keine Einsicht, dass das schwierig wird", sagt Mössler. Besonders kleine Campingplätze, die nicht so hochpreisig sind, werden unter der neuen Regelung leiden.
Ramsbacher geht noch einen Schritt weiter: "Das Gesetz ist sehr zentralistisch aufgebaut. Ein Wettbewerb der Gemeinden über künftige Investitionen ist vorprogrammiert. Warum künftige Tourismusverbands-Sitzungen der Geheimhaltung unterliegen sollen, ist mir unverständlich."
Hoffnung auf Last-Minute-Rettung
Trotz aller Kritik gibt es noch einen Funken Hoffnung. Nach Gesprächen zwischen Bürgermeister Franz Aschbacher und dem zuständigen Landesrat könnte sich bis zum Inkrafttreten des Gesetzes noch etwas ändern. Ramsbacher und sein Sohn wünschen sich nichts sehnlicher als ein Fortbestehen ihres Campingplatzes. Doch die Uhr tickt. Wenn die Politik nicht handelt, werden nicht nur Gäste, sondern auch Arbeitsplätze und jahrzehntelange Traditionen verloren gehen.





