Camping mal anders: Vier Tage Wildnisschule Schorfheide – lohnt sich das für Familien?

Wildniscamp statt Stellplatz
Vier Tage Familien-Abenteuer in der Schorfheide

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.03.2026
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Wer bei promobil "Camp" liest, denkt zuerst an Parzellen, Stromsäulen und Sanitärgebäude. Dieses Camp ist das Gegenteil: kein Campingplatz, sondern ein Wildnis-Familiencamp auf einer Waldlichtung bei Eberswalde (Brandenburg), organisiert von der Wildnisschule Schorfheide. Man übernachtet im Zelt, Tarp oder in Tipis, gekocht wird am Feuer, und statt Animation gibt es Naturhandwerk, Orientierung, Spurenlesen, Wildpflanzen – kurz: ein Wochenende (bzw. vier Tage), das Familien bewusst raus aus dem Alltag holt.

Abenteuer Wildniscamp

Schon der Weg dorthin macht klar, worum es geht. "Vom Parkplatz aus musst du Richtung Südwest einen kleinen Weg gehen, der dann einen Sandweg kreuzt. Von dort biegt nach 200 Metern ein kleiner Pfad nach Süden ab ..." Die Wegbeschreibung zum Wildniscamp bei Eberswalde in Brandenburg ist der erste Pfadfinder-Test für die Teilnehmer, und einige verirren sich schon hier ganz am Anfang. Sich im Wald zu orientieren, ganz ohne Handy, das können viele nicht mehr. Da stehen ja gar keine Schilder! Und so müssen sie dann doch vom Campleiter zur Waldlichtung gelotst werden, in der das Wildniscamp stattfindet.

Zwei große Tipis sind schon aufgebaut, aber man kann für das Camp auch sein eigenes Zelt mitbringen und darin schlafen. Wenn man denn schlafen kann – im April sinkt in der Schorfheide die Nachttemperatur fast auf den Gefrierpunkt, und einige Teilnehmerinnen geben am Morgen zu, vor Kälte kaum geschlafen zu haben. Hätten sie die Nacht doch lieber gemeinschaftlich im Tipi verbracht, dort drinnen brannte die ganze Nacht ein holzbefeuerter Ofen und sorgte für Wärme. Ansonsten ist das Wildniscamp, das die Wildnisschule Schorfheide veranstaltet, ein Riesenspaß. Die zwölf Kinder, die dabei sind, haben für vier Tage lang völlig vergessen, dass es überhaupt Handys gibt. Und das will was heißen.

Kleine Meisterwerke aus Ästen und Moos

Wildniscamp, Brandenburg, Kinder, Lager, Höhle
Dirk Engelhardt

Im Wald ist es tatsächlich nie langweilig – auch dann nicht, wenn der Campleiter gerade keine Spiele veranstaltet. Am ersten Tag steht unter anderem der Hüttenbau auf dem Programm. Genauer gesagt geht es um eine Laubhütte, in der man auch ohne Schlafsack schlafen kann – zugedeckt nur von trockenem Laub. Errichtet wird die Laubhütte ausschließlich mit dem Material, das der Wald hergibt – also Äste, Reisig und Laub, 100 Prozent Bio. Die Zweige werden so zusammengefügt, dass eine Art Höhle entsteht. Dieses Gerüst wird dann mit trockenem Laub zugedeckt, was auch gleichzeitig eine krasse Tarnung ergibt. Vorne gibt es sogar eine kleine Tür aus Zweigen und Heu, so dass die Hütte richtig dicht gemacht werden kann. In der ersten Nacht probiert eine Betreuerin aus, wie es sich in der Laubhöhle schläft – mitten im Wald.

Kräuterwanderung und Bogenschießen

Das Bogenschießen ist bei Jungen und Mädchen gleichermaßen beliebt, wobei hier erst einmal Grundkenntnisse vom Übungsleiter vermittelt werden. Danach eine kleine Waldwanderung, bei der es auch etwas zu essen gibt – nämlich Blätter und Kräuter. Im April sind zum Beispiel die zarten grünen Blätter der Buche sehr schmackhaft, auch wenn sie leicht bitter sind. Richtig sauer schmeckt der Sauerklee, der grün aus dem Waldboden sprießt.

Wildniscamp, Brandenburg, Kinder, Bogenschießen
Dirk Engelhardt

"Das macht richtig Spaaaß!", ruft Emma und balanciert auf einem riesigen Baumstamm, der einen Meter hoch über dem Waldboden liegt. Nadja traut sich, im Wald barfuß zu laufen, auch wenn es manchmal piekst. Dreckige Füße und dreckige Finger sind hier im Wildniscamp normal, selbst die Erwachsenen haben dunkelbraune Fußsohlen. Niemand hier stört es.

Eine kleine aber ernste Lehrstunde zum Thema Feuer

Da ertönt ein Ruf eines Kolkraben – "kräk, kräk". Alle wissen, was dieser Ruf bedeutet: Jetzt sollen sich alle am Lagerfeuer versammeln. Zurück an der Feuerstelle, sind vor allem die Jungs Feuer und Flamme, denn der Campleiter erklärt, wie man ohne Streichhölzer eine Glut entfachen kann. Dazu liegen verschiedene Werkzeuge bereit, ein Feuereisen, Zunderschwamm eines Baumpilzes und Spindeln aus Holz, die schnell über ein Brett gedreht werden, das dann bald anfängt zu glühen. Natürlich wird erklärt, dass man mit Feuer im Wald sehr sorgsam umgehen muss und wie man im Wald eine sichere Feuerstelle anlegt, denn Brände sind unbedingt zu vermeiden. Auch Holz hacken und Holz sammeln für das Lagerfeuer stehen auf dem Programm.

Das Schöne für die Eltern: Wenn die Kinder mit den Betreuern im Wald sind, können die Eltern richtig ausspannen und über "Erwachsenenthemen" reden. In Eberswalde gibt es zusätzlich noch ein Angebot einer Familientherapeutin, über Beziehungsarbeit zu sprechen mit dem Fokus auf wertschätzender Kommunikation, Gleichwürdigkeit und Empathie. Achtsamkeitsübungen sollen dabei helfen, im Hier und Jetzt anzukommen.

Gemeinsames Kochen gehört zum Programm

Wildniscamp, Brandenburg, Kinder, Kochtopf, Feuer
Dirk Engelhardt

Mitten in der Natur wird auch das Essen adäquat zubereitet. Und zwar in einem großen Kessel, der über dem Feuer hängt und in dem die Tomatensauce für die Spaghetti schmurgelt. Höhepunkt der kulinarischen Genüsse ist eine riesige Wildschweinhaxe, die über der Glut gegrillt wird. Ein befreundeter Jäger hat das Wildschwein in diesem Wald erlegt. In der zweiten Nacht schläft es sich dann schon besser – nach einer Nachtwanderung, bei der die Teilnehmer eine halbe Stunde lang einem Froschkonzert lauschen und in den Sternenhimmel blicken.

Das Wichtigste zum Familiencamp

  • Was ist das? Ein 4-tägiges Familiencamp der Wildnisschule Schorfheide: Naturhandwerk, Spiele, Feuerkunde, Wildpflanzen, Gemeinschaft und (optional) Eltern-/Achtsamkeits-Elemente. Kein klassischer Stellplatz/Campingplatz, sondern Übernachtung "minimalistisch" im Wald.
  • Wo? Nahe Eberswalde / Forstbotanischer Garten Eberswalde (genauer Ort/Anfahrt gibt es nach Anmeldung).
  • Dauer / Zeiten: Do 18:00 Uhr Start (inkl. Abendessen) – So 14:00 Uhr Ende.

Termine (2026):

  • 30.04. – 03.05.2026
  • 13.08. – 16.08.2026

Teilnehmerzahl: max. 20 Personen

  • Übernachtung: Zelt/Hängematte/Tarp auf dem Gelände möglich; Tipi-Übernachtung ebenfalls möglich; Gelände eingezäunt.
  • Verpflegung: inklusive; regional/biologisch; vegetarisch/vegan möglich; gemeinsames Kochen am Feuer (teils mit Wildfleisch-Option).

Kosten (pro Person):

  • Erwachsene: 290 €
  • 2. Erwachsener/Partner: 240 €
  • Jugendliche (13–17): 220 €
  • Kinder (4–12): 145 €
  • bis 3 Jahre: frei

Fazit