Sizilien Carolin Hlawatsch
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Mit dem Mobil auf der italienischen Insel Sizilien

Mit dem Wohnmobil auf Sizilien Dem Frühling entgegen

Den Winter abkürzen: Das gelingt nicht nur in Spanien und Marokko, sondern auch in Italien. promobil lädt ein zu einer Rundtour durch die größte Insel des Mittelmeers.

Sizilien – das scheint zunächst überraschend – liegt näher an Libyen und Tunesien als an Mailand. Und selbst Malaga an der Costa del Sol ist kaum südlicher gelegen als Siziliens Südspitze. Da rechnen wir uns gute Chancen aus, auch dort den Frühling schon ganz früh im Jahr zu finden. Acht Wochen verbringen wir auf der dreieckigen Insel. Wer sich nicht ganz so viel Zeit gönnen will, schafft die hier vorgeschlagene Rundreise auch in vier Wochen. Wanderschuhe nicht vergessen! Mit Tagestemperaturen von etwa 15 bis 22 Grad herrscht in Siziliens Vorfrühling bestes Klima für Entdeckungstouren auf Schusters Rappen.

Die Ostküste

Recht eng geht es zu, als wir den Camper von Messina die Ostküste entlang Richtung Taormina steuern. Sizilien hält für Reisemobilfahrer fahrerische Herausforderungen parat. In Taormina verfolgen wir zum ersten Mal die Strategie, die wir von nun an bei jedem Ort anwenden: Wir parken außerhalb und gehen zu Fuß ins Zentrum. Auch wenn es steil bergauf geht, ist das in jedem Fall weniger anstrengend, als sich mit dem Wohnmobil aus Sackgassen heraus zu manövrieren.

Unterhalb Taorminas parken wir an der Seilbahn. Von hier aus kann man beides gut erreichen: die Altstadt hoch oben und die schöne "Isola Bella" weit unten. Zum ersten Mal sehen wir den Ätna, den höchsten aktiven Vulkan Europas. Was wäre hier passender, als sich als Snack einen "Arancino" zu gönnen, herzhaftes Reisgebäck, das wie der Ätna geformt ist?

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Ätna-Ausbruch am 21. Februar 2021: fotografiert gegen drei Uhr nachts vom New Ranch Club aus.

Die Ostküste empfängt uns im Januar 2021 warm und feucht dampfend, überbordend vor Grün und ein bisschen verschlafen. Zwölf Kilometer südlich von Taormina in Calatabiano finden wir den passenden Strand zu dieser tropisch anmutenden Landschaft. "Fast wie in Panama", staunen wir, barfuß im Sand stehend, hinter uns die schneebedeckte Zuckerguss-Spitze des Ätna. Wie anders das Bild im Sommer hier sein muss. Mit Hitzerekorden von über 40 Grad und extremer Trockenheit wüteten im vergangenen Sommer Waldbrände. "Diese Brände haben wir im Sommer seit Jahren, zumeist im einsameren Inland. In Calatabiano haben wir zum Glück nichts abbekommen. Die Überschwemmungen im Herbst in Catania waren schlimmer, aber jetzt ist alles im Griff, alle Straßen sind befahrbar, und ein Camper-Trip dürfte durch die zurückliegenden Naturereignisse nicht beeinflusst werden", so Natalie Bonsignore auf unsere Nachfrage später am Telefon.

Ein paar Feldstraßen hinter dem Naturstrand, an dem wir im Januar 2021 staunen, gibt es einen besonderen Ort für Tierfreunde: den "New Ranch Club". Natalie und Agostino Bonsignore leiten die Reitanlage, die auch botanischer Garten, Hunde-Auffangstation und individueller Campingplatz ist. Im New Ranch Club übernachten wir unter Zitrusbäumen und werden morgens von frei umherlaufenden Pferden begrüßt.

Bei einem weiteren Aufenthalt auf der Ranch im Februar erleben wir einen Ätna-Ausbruch. Ein dreimaliger wuchtiger Knall, dazu Rumoren. Die rund 30 Kilometer Luftlinie entfernte Vulkanspitze leuchtete rot, Lava floss zu Tal. Immer wieder dampft und spuckt Siziliens Wahrzeichen. Die Einheimischen gehen gelassen mit dieser Naturmacht um: "Wir leben seit jeher mit den Launen von Mama Ätna."

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Feines in Graniti: Salvatore Romano in seiner Manufaktur „Tasting Sicily“.

Tipp für Kunstliebhaber: das Dorf Graniti. Auf dem "Graniti Murales Art Walk" durch den am Hang liegenden Ort sind 35 Wandkunstwerke zu bestaunen. Nationale und internationale Künstler kommen und präsentieren sich im öffentlichen Raum mit Malereien, aber auch anderen Kunstformen. Rund zwei Stunden benötigen wir für den Art Walk, dann ist es Zeit für einen Cappuccino. Für Leckerschmecker: Salvatore Romanos "Tasting Sicily". Die Produktionsstätte sizilianischer Köstlichkeiten befindet sich in der Via Monsignor Francesco Maria Di Francia 8 und hat keinen regelrechten Verkaufsladen, denn der Vertrieb findet online statt. Doch anklingeln lohnt! Ist Salvatore vor Ort, empfiehlt er seine Öle, Pesti oder Fruchtaufstriche.

In der Nähe Granitis liegt die Alcantara-Schlucht. Der Fluss hat sich dort tief in das schwarze Vulkangestein eingegraben. An der "Gole dell’Alcantara" kann man im Fluss an einer der engsten Stellen in die Schlucht hineinwandern – allerdings nicht im Winter und Frühling, da ist der Fluss reißend und eiskalt. Zahlreiche Wege entlang der Schlucht bieten Alternativen. Weiter südlich, etwa in Höhe der geschichtsträchtigen Stadt Syrakus, lohnen die Erkundung der Pantalica-Felsnekropole mit ihren über 5000 Grabkammern sowie der Abstieg in den 250 Meter tiefen Canyon "Cava Grande" mit seinen türkis leuchtenden Wasserbecken – zwei echte Abenteuerziele.

Die Südküste

Nach der verwunschenen Vulkanlandschaft am Ätna, gigantischen Schluchten im Hinterland der Ostküste und der wundervollen Barockstadt Noto enttäuscht uns zunächst das Landschaftsbild auf dem Weg zum südlichsten Punkt Siziliens: alles karg, flach und voller Plastikplanen-Gewächshäuser. Doch dann entschädigt der weite Strand des Capo delle Correnti mit der vorgelagerten "Insel der Ströme". Ionisches und Mittelmeer treffen hier aufeinander. Der Wind bläst beinahe die Kamera um, die wir für ein Selfie vor der Christus-Statue von Paolo Greco platziert haben. Sie soll an die Rettung von geliebten Menschen aus dem Feuer des 21. Juli 2017 am Scialai-Strand erinnern.

Nun ist die Schokoladenstadt Modica nicht mehr fern. Doch erst mal steht Camper-Logistik an. Unsere leeren Gasflaschen tauschen wir im Gewerbegebiet in der Neustadt(ausgeschildert in der Nähe des Lidl an der SS 115). Die Altstadt von Modica liegt spektakulär am Hang. Erfassen kann man ihre Lage am besten vom gegenüberliegenden Hügel. Dazu fahren wir über die Ponte Guerrieri und parken auf dem großen Parkplatz des "Cimitero Comunale". Google navigiert uns von dort zu Fuß Richtung Altstadt. Es geht vorbei am Aussichtspunkt über schlängelige Treppen steil hinab und wieder hinauf. Die dickflüssige heiße Schokolade haben wir uns danach redlich verdient.

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Die Barockstadt Modica wird nicht allein für ihre architektonische Schönheit gepriesen, sondern auch für ihre Schokolade.

Nach drei entspannten Tagen am Meer auf dem ganzjährig geöffneten Campingplatz Scarabeo in Punta Braccetto verlassen wir die Küste für eine Weile. Im Binnenland finden wir in der Region Mussomeli ein sehr uriges Sizilien, wo kaum etwas vom Tourismus zu spüren ist. Da geht es leger, mitunter etwas kantig und nicht so herausgeputzt zu.

Von Mussomeli aus geht es zurück zur Südküste, geradewegs zum Highlight "Scala dei Turchi", der Treppe der Türken. Leider darf man den weißen Mergel-Felsen nahe Agrigent, der treppenartig in das Meer ragt, heute nicht mehr betreten. Doch besser gefällt uns ohnehin die 25 Kilometer entfernte Steilküste bei Eraclea Minoa. Sie leuchtet genauso hell, bietet dazu aber einen unbebauten und weiteren Strand und die Ruinen der antiken Stadt Herakleia Minoa.

Wie schon der südlichste Zipfel Siziliens, Capo delle Correnti, wirkt auch der westlichste karg und läuft flach zum Meer hin aus. Hier liegt Marsala, bekannt für den gleichnamigen Likörwein. Den kosten wir im Altstadtkern in der Enoteca Garibaldi und lernen, dass Marsala nicht immer süß sein muss: Es gibt ihn auch in trockener Variante.

Der weitere Weg gen Norden in Richtung Trapani führt uns durch Salinen mit Salzaufschüttungen, die wie Schnee wirken, vorbei an Mühlen und dem sehenswerten Salzmuseum. Gegenüber dem Museum gibt es eine kleine Einkehrmöglichkeit mit Marsala-Verkostung und angeschlossenem Stellplatz. Salute!

Die Nordküste

Das mittelalterliche Städtchen Erice thront spektakulär auf dem Berg Monte Erice und bietet einen sagenhaften Fernblick. Man kann Erice mit der Seilbahn von Trapani aus erreichen. Außerhalb der Saison ist es durchaus machbar, die serpentinenreiche Strecke mit dem Reisemobil zu bewältigen. Oben gibt es Parkplätze. Manchmal ist Erice von einem Wolkenteppich eingehüllt. Die dann fehlende Aussicht wird durch mystische Stimmung wettgemacht. Irre, wenn die Nebelschwaden durch die Gassen wabern und wie aus dem Nichts der angestrahlte Glockenturm auftaucht. Noch irrer, wenn sich die Wolken auflösen und Sicht auf die Lagune von Marsala, die Hafenstadt Trapani und auf unser nächstes Ziel San Vito lo Capo freigeben.

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Erice: Weitblicke und Mittelalter-Flair nach der Serpentinentour hinauf.

San Vito am Kap im Nordwesten Siziliens hat einen der schönsten Strände Italiens. Der weiße Sand zu Füßen des grünen, aufragenden Monte Monaco mutet brasilianisch an. Wir schlendern zum Leuchtturm, der dem Ort vorgelagert ist. Dort lebt eine Katzenkolonie, wie wir sie bereits an mehreren Stellen Süditaliens beobachten konnten. Vielerorts werden Straßenkatzen gefüttert und Häuschen als Unterschlupf gebastelt.

Schön ist auch die Gegend rund um San Vito. Eigentlich wollen wir im Zingaro Naturschutzgebiet entlang der Küste wandern, doch der Weg ist im Februar 2021 aufgrund der Corona-Maßnahmen gesperrt. So brechen wir zu einer alternativen Wanderung auf, die eine unserer schönsten auf Sizilien wird: Auch wenn sein Aussehen Respekt einflößt – man muss kein geübter Bergsteiger sein, um den 532 Meter hohen Monte Monaco zu erklimmen. Eineinhalb Stunden benötigen wir, bis wir am Gipfelkreuz stehen, wo wir uns in das Gipfelbuch eintragen.

Vielen klingen die Ohren, wenn sie den Namen Palermo hören; wir naturverliebt mobile Reisende mit Hund meiden Großstädte meist. Blicke auf die Außenbezirke Palermos erhaschen wir beim Durchfahren. Uns zieht es weiter in die beschauliche Küstenstadt Cefalù mit dem unverkennbaren "Rocca-Felsenberg" und riesigem Normannendom.

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Irgendwie wirkt Ätna magnetisch auf uns. Es zieht uns noch einmal in Richtung Vulkan, bevor wir die dreieckige Insel über Messina wieder verlassen. Bizarre Felsformationen, Megalithe und Menhire auf einer Hochebene im Nordosten nahe Ätna – das ist Argimusco, das Stonehenge Siziliens. Wesen aller Art sind in den Gesteinsformen zu erkennen. Nebel verhüllt die Liparischen Inseln, ebenso den Ätna. Bei klarem Wetter soll man von hier oben weit gucken können. Einer von vielen Gründen wiederzukommen!

Campingplätze im Osten

Mons Gibel Camping Park 95032 (IT) 26 EUR/Nacht
New Ranch Club 95011 (IT) 30 EUR/Nacht
Stellplatz Vita Sicula 98036 Graniti (IT)

Campingplatz im Süden

Camping Scarabeo 97017 Punta Braccetto (IT) 1 Bewertung 30 EUR/Nacht

Campingplätze im Norden

Agricampegggio Alessandra 98070 Torrenova (IT) 2 Bewertungen 30 EUR/Nacht
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Camping Village la Pineta 91010 (IT) 19 EUR/Nacht

Mit der Fähre nach Sizilien

Um die Insel Sizilien zu erreichen, gibt es mehrere Alternativen.

• Die kürzeste Fährverbindung ist von Villa San Giovanni in Kalabrien nach Messina auf Sizilien. 20 Minuten Überfahrt, die Fähre fährt etwa alle zwei Stunden. Beim Fährunternehmen "Caronte & Tourist" haben wir 57 Euro für jeweils eine Überfahrt bezahlt (Campingbus, 2 Personen, Hund). Tickets gibt es direkt am Hafen oder online.

• Von Neapel verkehren Fähren nach Palermo. Überfahrt meistens nachts, 9 bis 11 Stunden. Rund 200 bis 350 Euro pro Fahrt (Mobil mit 2 Pers.), Preis abhängig von Normalplatz, Schlafsessel, Kabine oder Kabine mit Haustier.

• Auch von Livorno und Genua kommt man nach Palermo. Überfahrt meistens nachts, rund 20 Stunden. Rund 200 bis 380 Euro pro Fahrt (Mobil mit 2 Pers.), Preis abhängig von Normalplatz, Schlafsessel, Kabine oder Kabine mit Haustier.

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