Campingreise durch Süd- und Nordamerika Hans Becker
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Campingreise durch Süd- und Nordamerika 13 Bilder

Große Süd- und Nordamerikareise

Nord- und Südamerika-Tour im Camper, Teil 1 Mit dem Campingbus ans Ende der Welt

Sabine, Hans und ihr Campingbus sind in Uruguay angekommen. Sie wollen sich den Traum einer großen Süd- und Nordamerikareise erfüllen. Auf der ersten großen Etappe nach Feuerland gewöhnen sie sich an die etwas anderen Verkehrsverhältnisse.

Etappe 1: Start ins Abenteuer

Es geht ab jetzt für die nächsten Wochen immer nach Süden. Unser Ziel ist die südlichste Stadt der Welt, Ushuaia. Das sind von Buenos Aires 3079 Kilometer auf der Nationalstraße Ruta 3 in Argentinien und Chile bis an das Ende der Welt am südlichen Zipfel von Südamerika.

Das rollende Zuhause

Für diese Reise haben wir, Sabine und Hans, uns einen Campingbus zugelegt. Es ist ein Weinsberg Carabus 631 mit 130 PS. Nun meinen sicher viele Menschen, dass dieses Fahrzeug nicht das richtige für solch eine Tour ist. Aber wir haben uns aus mehreren Gründen dafür entschieden. Wichtig war uns, dass es im Straßenverkehr nicht unnötig auffällt. Dieser Bus ist zum Vergleich zu anderen Wohnmobilen wendig und passt auch mal durch eine enge Durchfahrt oder auf eine kleine Fähre.

Wir haben uns für die 6,40-Meter-Variante entschieden, da wir hier bequeme Längsbetten zur Verfügung haben. Sonst ist das Fahrzeug mit einer 200-Watt-Solaranlage, Markise und Rückfahrkamera ausgestattet. Auf den Fernstraßen macht der Weinsberg eine gute Figur. Es geht auf der Ruta 3 aber auch fast immer geradeaus, und die Steigungen sind nicht aufregend. All das wird sich noch ändern.

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Unser Weinsberg schlägt sich trotz Staub und Steinschlägen tapfer. Inzwischen mussten wir aber nach mehrmaligem Aufsetzen die Trittstufe abmontieren.

Unser Start in Buenos Aires hat gut begonnen, und so fahren wir gemütlich gen Süden. Anfangs ist die Umgebung noch abwechslungsreich. Es gibt immer wieder Ortschaften, die zu einem Abstecher einladen. Auf den riesigen Weiden stehen Rinder und Schafe. Ab und zu sehen wir am Straßenrand Grillstationen, an denen frisch gegrilltes Fleisch und Würste angeboten werden.

Doch auch wenn die Straßen kilometerweit gerade verlaufen und das Fahren mit Tempomat sehr einfach wird, heißt es aufpassen: Plötzlich ist mitten in der sonst guten Fahrbahn ein tiefes Loch, der Absatz einer Brücke oder eine Vertiefung vor der Ortschaft, damit man das Tempo drosselt. Alles ist sehr schmerzhaft, und das nicht nur für das Fahrzeug. Deshalb heißt es, die Augen immer auf die Fahrbahn richten und auf farbliche Veränderungen achten, denn manchmal sind große Löcher markiert.

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Riesige Weideflächen prägen das Land. Die Gauchos sind die Cowboys Südamerikas. Sie haben immer noch eine hohe Bedeutung für das argentinische Nationalgefühl.

So fährt es sich auf den Straßen der anderen Seite der Welt

Die Verkehrsregeln in Argentinien entsprechen im Wesentlichen den unseren. An die Verkehrszeichen hat man sich auch schnell gewöhnt. Ampelanlagen sind immer auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung angebracht. Dadurch ist man nicht gezwungen, den Kopf zu verrenken, wenn man in der ersten Reihe steht. Das Fahrverhalten ähnelt auch europäischen Verhältnissen. Je weiter man nach Süden kommt, desto aggressiver wird gefahren. Jeder will der Erste sein. In den Ortschaften wird nicht gern Platz gemacht. Wer ist man denn?

"Blinken ist auch hier nicht besonders beliebt."

Also aufgepasst. Allerdings wird bei fast allen Gelegenheiten die Warnblinkanlage betätigt. Wenn man anhalten, losfahren, abbremsen oder sonstige Aktionen machen will, blinken sofort die Leuchten. In der zweiten Reihe halten, um etwas zu erledigen, gehört zum Alltag. Aber daran stört sich auch niemand. Südamerikaner sind gelassen in allen Lebensfragen. Beim Anstehen an der Supermarktkasse entsteht kein Stress, selbst wenn die Kassiererin ins Plaudern gerät.

Außerhalb der Ortschaften zeigt man dem nachfolgenden Verkehr an, dass dieser überholen kann, indem der linke Blinker betätigt wird. Aber vielleicht will jemand auch links abbiegen. Am besten fährt man also vorausschauend.

Eine weitere Besonderheit gilt noch für große Teile Südamerikas: Es weht ständig ein Wind.

Und der ist kräftig. Das ist besonders zu beachten, wenn man die Fahrzeugtür öffnet, man auf der Fernstraße überholt oder überholt wird und wenn entgegenkommende Trucks eine Bugwelle vor sich her schieben, deshalb das Lenkrad immer gut festhalten.

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Wegen heftigem Seitenwind muss man auch auf geraden Strecken das Lenkrad im Griff behalten.

Das Tankstellennetz ist modern und gut ausgebaut, allerdings ohne Selbstbedienung. Die meisten Fahrer steigen gar nicht aus. Man gibt den Tankschlüssel ab, nennt die Menge, bezahlt mit der Karte und ruft dem Tankwart oft noch die Geheimzahl zu. An nahezu allen Tankstellen gibt es einen kleinen Shop, und Toiletten sind auch oft verfügbar.

Inzwischen liegen einige hundert Kilometer hinter uns. Wir haben mal einen Stopp an der Atlantikküste gemacht, mal einen Hafen begutachtet, und wir sehen immer öfter Guanakos und Nandus am Straßenrand. Allerdings passiert es auch nicht selten, dass die Tiere auf der Straße ihr Leben lassen.

Wilde Tiere und abenteuerliche Straßen

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Die Hafenstadt Puerto Deseado ist uns einen Abstecher wert. Von hier aus unternehmen wir Bootstouren, um aus nächster Nähe Pinguine, Seelöwen und Delfine zu sehen.

Bei der Einreise in die Region Patagonien und an der chilenischen Grenze, die man auf unserer Route passieren muss, gibt es mehr oder weniger strenge Kontrollen zum Schutz vor Krankheitserregern. Daher wird hier besonders das Einfuhrverbot von Fleisch, Gemüseund Früchten kontrolliert. Sonsthalten sich die Kontrollen in Grenzen. Die Papiere werden durchgesehen, nach unserer Herkunft gefragt, was oft staunende Gesichter auslöst, und weiter geht es mit guten Wünschen für die Fahrt.

Wir entschließen uns, auf die Halbinsel Valdés zu fahren. Dort gibt es mit etwas Glück Pinguine, Seelöwen, See-Elefanten, Wale und Orcas zu sehen. Wir sind gespannt. Mangels Hauptstraßen erleben wir hier, was es bedeutet, über Pisten zu fahren. Um die Aussichtspunkte zu erreichen, sind rund 200 Kilometer Schotter zu bewältigen. Es staubt, es schüttelt, und alles, was nicht fest verstaut ist, wird durchgerüttelt. Dafür ist unser Campingbus nicht gebaut.

Die Argentinier haben keine Bedenken. Sie fahren mit ihren Autos, ob kleinem Pkw, Pick-up oder Lkw, ohne Rücksicht über diese Straßen, was wir später noch öfter ertragen müssen.

Nach dieser Etappe ist unser Campingbus so eingestaubt, dass es Tage dauern wird, bis es wieder sauber ist – ich meine den Innenraum. Es gibt kein Fleckchen und kein Fach, das nicht dick mit Staub ausgefüllt ist. Der Haussegen hängt schief, und bis die ersten Reinigungen vollbracht sind, herrscht dicke Luft.

Also wird in Zukunft langsam auf derartigen Pisten gefahren und nur dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Mehrmaliges Aufsetzen an verschiedenen Straßenhöckern gibt unserer ausfahrbaren Eingangsstufe den Rest. So demontiere ich das Teil, und wir trennen uns schweren Herzens davon.

Außergewöhnliche Landschaften

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200 Millionen Jahre alt sind die versteinerten Baumstämme in der patagonischen Steppe bei Sarmiento. Ein Rundweg führt durch den Bosque Petrificado.

Abseits der Hauptroute unternehmen wir Abstecher. Bei Sarmiento besuchen wir versteinerte Wälder. Die Stadt ehrt mit einem Denkmal den Abenteurer Aimé Tschiffely, der mit zwei Pferden von 1925 bis 1928 von Buenos Aires bis nach Washington D.C. geritten ist. Was für eine Tour.

Von Puerto Deseado aus unternehmen wir Bootstouren an die Küsten des Atlantiks, um aus nächster Nähe Pinguine, Seelöwen und Delfine zu sehen. Es ist ein lustiges Spiel. Seit ein paar Jahren gibt es dort Felsenpinguine, die sonst nur auf den Falklandinseln, weit vor der Küste, vorkommen.

Für Argentinier ist der Falklandkrieg um genau diese Inseln im ganzen Land gegenwärtig. Es gibt keine Ortschaft, in der nicht mit einem Denkmal an die sinnlos gefallenen jungen Menschen gedacht wird.

Wir nähern uns dem Ziel unserer ersten großen Etappe, überqueren die Magellanstraße und erreichen Feuerland. Das Gelände erhebt sich, und schon bald können wir über den Wäldern die ersten schneebedeckten Berge entdecken.

Eine herrliche Landschaft empfängt uns nach unzähligen Kilometern durch ebene Wiesen und Steppen. Und da breitet sich diese besondere Stadt im Süden der Welt vor uns aus: Ushuaia. Die äußeren Stadtgebiete glänzen aber nicht unbedingt durch Schönheit. Auch das Zentrum am Hafen, wo Antarktis-Kreuzfahrtschiffe anlegen, hat eher den Charme einer Touristenmeile.

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Wir haben Ushuaia erreicht. Das Stadtzentrum am Hafen, wo Kreuzfahrtschiffe anlegen, hat allerdings eher den Charme einer beliebigen Touristenmeile.

Keine Campingplätze weit und breit

Campingplätze sind im Süden des Landes nicht mehr zu finden. So bezeichnet man hier meist Rasenflächen mit Grillplätzen, auf denen sich einheimische Familien am Wochenende treffen, oft umrahmt von lauter Musik. Deshalb müssen wir uns anders behelfen. Mal übernachten wir an einer Tankstelle, die für Lkw-Fahrer mit WC und Duschen ausgestattet ist, mal auf einem Parkplatz und manchmal einfach am Straßenrand.

Um unser Ziel, das Ende der Ruta 3, zu erreichen, fahren wir weiter durch enge und hügelige Waldwege. Am "Unidad Postal del Fin del Mundo", dem südlichsten Postamt lassen wir uns noch eine Garnitur Erinnerungsstempel in den Pass eintragen. Und dann fahren wir noch ein wenig – bis die Straße am Kilometer 3079 endet.

Ab jetzt geht es wieder nach Norden entlang der Westseite des Kontinents, wo Gletscher, Vulkane und das längste Gebirge der Welt auf uns warten.

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