Auf der Autobahn ist der Luftwiderstand der größte Energiefresser – gerade bei hohen und breiten Fahrzeugen wie Wohnmobilen oder Wohnwagen-Gespannen. Da liegt der Gedanke nahe, sich hinter einen Lkw zu hängen und dessen Windschatten zu nutzen. Aber wie groß ist der Effekt tatsächlich – und zu welchem Preis?
Messungen aus der Aerodynamik zeigen: In engem Windschatten kann der Luftwiderstand um 20 bis 40 Prozent sinken. Das klingt beeindruckend, ist aber nur unter Labor- bzw. Extrembedingungen erreichbar. Untersuchungen für den Straßenverkehr gibt es zum Beispiel von den Verkehrswissenschaftlern der Organisation SAE International und von der schwedischen Chalmers University of Technology.
In der Praxis bedeutet das: Fährt ein Wohnmobil sehr dicht hinter einem Lkw, sind Einsparungen von etwa fünf bis maximal zehn Prozent realistisch. Bei einem Verbrauch von zwölf Litern wären das vielleicht ein Liter auf 100 Kilometer. Klingt nett – ist aber kein Selbstläufer.
Wie dicht müsste man auffahren?
Hier liegt der Knackpunkt: Der spürbare Windschatten beginnt oft erst bei Abständen unter 20 Metern, teils sogar unter zehn Metern. Bei 80 km/h entspricht das weniger als einer halben Sekunde Reaktionszeit. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch klar verboten. In Deutschland gilt für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen auf Autobahnen mindestens 50 Meter Abstand – und der ist aus gutem Grund vorgeschrieben.
Sich zu dicht hinter einen Lkw zu klemmen, birgt noch weitere Gefahren, etwa wenn von dem Lastwagen Ladung herabfällt oder im Winter Eisplatten vom Dach rutschen. Auch Versicherungen raten deshalb klar davon ab, durch zu dichtes Auffahren den Windschatten nutzen zu wollen.
Bringt der Windschatten bei Sicherheitsabstand noch etwas?
Kurz gesagt: kaum. Bei den vorgeschriebenen Abständen ist der direkte Windschatten weitgehend "verweht". Was bleibt, ist allenfalls eine minimale Beruhigung der Luft, die sich im Verbrauch kaum messbar niederschlägt. Wer also glaubt, mit korrektem Abstand nennenswert Sprit zu sparen, wird enttäuscht.
Viel wichtiger, um den Verbrauch des Wohnmobils oder Wohnwagen-Gespanns zu senken: gleichmäßig fahren und die Geschwindigkeit reduzieren. Dazu kann das Fahren hinter einem Lkw mit korrektem Sicherheitsabstand natürlich beitragen – der Windschatten spielt dabei jedoch kaum eine Rolle.
Kann der Verbrauch hinterm Lkw sogar steigen?
Ja, das ist möglich. Hinter einem Lkw herrscht kein gleichmäßiger Luftstrom, sondern ein Bereich mit starken Verwirbelungen. Gerade in einem Abstand von etwa 20 bis 50 Metern – also dort, wo man sich instinktiv "sicher" fühlt – können diese Turbulenzen den Luftwiderstand sogar erhöhen. Das Fahrzeug muss ständig gegen wechselnde Druckverhältnisse anarbeiten, was den Verbrauch leicht steigen lässt und zudem das Fahrverhalten unruhiger macht. Besser ist es folglich, einen etwas größeren Abstand zu halten.





