Campingbus-Reise Obere Havel Annette Frühauf
Campingbus-Reise Obere Havel
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Campingbus-Reise Obere Havel 14 Bilder

Camping auf dem Wasser auf der Oberen Havel

Campingreise an die Obere Havel Ahoi, Campingfans!

Seen und Kanäle prägen den Nordosten Deutschlands. Warum also nicht mit dem Wohnmobil auf Wasserwegen reisen? Hört sich fantastisch an? Ist es auch: Mit dem Freecamper auf der Oberen Havel durch Brandenburg.

Das Abenteuer beginnt für uns, zwei Erwachsene und zwei Jugendliche, in Zehdenick, etwa eine Autostunde nördlich von Berlin. Im Neuen Hafen am Ziegeleipark Mildenberg, dem ehemals größten Ziegeleirevier Europas, liegen zwischen Segelyachten, Haus- und Motorbooten die schwimmenden Plattformen mit dem Führerstand zum Steuern.

Wenn dort alle angelegt haben, sind es neun an der Zahl. "Die Nachfrage war 2020 besonders groß", erzählt uns Markus Frielinghaus, der die Idee vom Camping auf dem Wasser bereits vor über zehn Jahren hatte und heute von seiner Vision lebt, die unter dem Namen Freecamper bekannt wurde.

Boarding mit Campingbus

Für unseren Fahrer ist es die erste Herausforderung, den Campingbus rückwärts über die Rampe auf den rund zwölf Meter langen Trimaran mit den drei parallel angeordneten Rümpfen zu steuern. Geschafft, Markus Frielinghaus sichert die Räder mit Gurten und macht das Freecamper-Floß klar zum Ablegen.

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Es dauert etwas, bis der Campingbus sicher auf dem Freecamper-Floß steht. Das funktioniert ebenso mit Wohnwagen, Vans oder größeren Wohnmobilen.

Dann wird es ernst: Bei der Einweisung unseres künftigen Kapitäns werden Vor- und Rückwärtsfahren geübt und der Einsatz des Seitenstrahlruders, hilfreich beim An- und Ablegen. Wer keinen Sportbootführerschein Binnen hat, bekommt nach einem mehrstündigen Theorie- und Praxistraining eine Charterbescheinigung.

Die Vorräte sind aufgefüllt, der Frischwassertank des Wohnmobils ist voll, und der Abwassertank ist mit dem Abwasserbehälter des Freecamper verbunden. Also, Leinen los. Langsam und mit einem völlig neuen Fahrgefühl bewegen wir uns aus dem Hafen und auf die Havel. Das Gewässer ist zwar über 300 Kilometer lang, doch liegen die Quelle in Mecklenburg und die Mündung in die Elbe in Sachsen-Anhalt nicht einmal 100 Kilometer auseinander. Für uns stellt sich zuerst die Frage:

Wollen wir ins pralle Leben oder in die ruhige Natur?

Im Süden liegt Berlin, gen Norden dominieren Wasser und Wälder. Letzteres klingt für uns gut, denn schließlich ist hier auf dem Wasser der Weg das Ziel. Unser Boot mit Campingbus plätschert munter durchs Wasser, vorbei am Restaurant "Alter Hafen", das für seine Gäste einen eigenen Anleger hat, an bunten Bootsgaragen und raschelndem Schilf.

In vielen Schleifen mäandert die Havel durch die grüne Landschaft. Ab und zu muss der Steuermann dem Gegenverkehr ausweichen, was schnell zur Routine wird. Kaffee kochen und gleichzeitig fahren funktioniert hier ausnahmsweise auch – ebenfalls eine ganz neue Erfahrung, denn während der Fahrt ist das Abschnallen und Aufstehen ja sonst im Camper tabu.

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Die Obere Havel schlängelt sich durch die Naturlandschaft nördlich von Berlin. Auch der Kapitän kann hier die Ruhe genießen.

Liegeplatz für die Nacht

Bei so viel Ruhe verflüchtigen sich die Gedanken. Auf dem Wasser scheint alles weit weg, das Hier und Jetzt zählt, so wie der Eisvogel mit den blauen Flügeln und der orangefarbenen Brust, der aufgeschreckt davonfliegt. Die Sonne steht inzwischen tief, Zeit, nach einem Platz zum Übernachten zu schauen. In Burgwall, am Gasthaus zur Fähre, legen wir das erste Mal an, nicht ganz ohne mulmiges Gefühl. Doch dank Seitenstrahlruder und genügend Matrosen ist das kein Problem. Sicher liegt das Boot am Kai, wo es, wenn nötig, auch Strom und Wasser gibt. Und wer im Gasthaus isst, spart sich die Liegeplatzgebühr. In der Nacht bewegt sich das Bett leicht hin und her, auf und ab. Es ist das Plätschern der Wellen, das uns ganz sanft in den Schlaf wiegt.

Früh am Morgen, die Sonne hat es noch nicht hinter den Wolken hervorgeschafft, fahren wir weiter. Mit wenigen Handgriffen gelingt das Ablegemanöver. Flussabwärts geht es Richtung Stolpsee. Weite Teile der Umgebung gehören zum Naturpark Stechlin-Ruppiner Land, so auch der besonders idyllische Havelabschnitt zwischen Burgwall und Stolpsee.

Auf fast 30 Kilometern schlängelt sich die Havel vor uns durch eine kaum besiedelte Naturlandschaft. Buchenwälder und Seen mit besonders klarem Wasser, das sind die Besonderheiten des Schutzgebietes. Neben den ausgedehnten Wäldern gib es 150 Seen im Naturpark, darunter die selten gewordenen Klarwasserseen, die besonders nährstoffarm sind. Der bedeutendste ist der Große Stechlinsee mit einer Maximaltiefe von 69 Metern.

Schleusen wird schnell zur Routine

Vor allem die Mischung aus kleineren Kanälen in Verbindung mit den Seen macht den besonderen Charme der Strecke aus. Dank Karte behalten wir auf dem Wasser die Orientierung. Es gibt nicht viel zu tun, doch langweilig wird es nie. Und dann ist sie da – die erste Schleuse. Ein Boot wartet bereits vor der roten Ampel der automatischen Anlage. Also, erst einmal festmachen und in Ruhe die Anweisungen auf der Informationstafel studieren.

Dann schaltet die Ampel auf grün, das bedeutet für uns: Ablegen und langsam einfahren. Viel Platz bleibt nicht zwischen den hohen, dunklen Schleusenwänden. Hinter dem Heck schließt sich langsam das Tor und das Wasser fließt ein, der Pegel steigt. Wichtig ist, so haben wir gelernt, dass die Leinen immer genug Spiel haben und die Höhenunterschiede durch ein- oder ausströmendes Wasser ausgleichen können. Das ist auch für Landratten gar nicht so schwer.

Vier Schleusen liegen auf dem Weg nach Fürstenberg. An der in Regow verkauft der Capriolenhof Käse, Eis und Kuchen aus frischer Ziegenmilch. Ein Stopp lohnt sich. Vom Freecamper aus sehen wir die ehemaligen Anleger der Eisenbahnfähre Fürstenberg/Havel, die über den Fluss ging. Der Fährbetrieb wurde 1934 aufgenommen und 1993 eingestellt. Seitdem steht die Anlage unter Denkmalschutz.

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An den Schleusen herrscht reger Verkehr. Hier heißt es Ruhe bewahren und den Anweisungen auf den Info-Tafeln folgen.

Im Stolpsee angekommen, ist es nicht mehr weit bis nach Fürstenberg. Die Havelstadt liegt auf drei Inseln zwischen Röblinsee, Baalensee und Schwedtsee – umgeben von Wald und Wasser. Angeblich befinden sich hier die saubersten Badeseen Deutschlands. Also werfen wir vor dem Festmachen im Hafen den Anker und springen hinein ins klare Gewässer. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages trocknen das Wasser auf der Haut.

Fürstenberg ist das südlichste Tor zur Mecklenburgischen Seenplatte und entwickelte sich frühzeitig zum Luftkurort und beliebten Ausflugsziel im Sommer. Das Konzentrationslager Ravensbrück aus der Zeit des Dritten Reichs prägte die Stadt, die bis Anfang der 1990er Jahre auch Garnisonstadt war – mit bis zu 25.000 sowjetischen Soldaten.

Frischwasser und Strom finden wir im Hafen von Fürstenberg vor, dem Grillabend auf dem Boot steht also nichts im Wege. Ein Reiher sucht am Ufer nach Nahrung. Dann breitet er seine Flügel aus und fliegt davon. Vielleicht hat ihn das Klirren unserer Gläser beim Anstoßen erschreckt?

Am nächsten Morgen gibt es frische Brötchen. Ins Zentrum sind es vom Hafen nur wenige Minuten. Der Tag hat erst angefangen und für einen Rundgang und den Besuch der eindrucksvollen Stadtkirche von 1845 bleibt uns genug Zeit. Spaß macht die Fahrt mit der Fahrrad-Draisine auf den stillgelegten Bahngleisen. Weil es so schön ist, einfach so durch die Landschaft zu schippern, machen wir auf dem Rückweg noch einen Abstecher in den Großen Kuhwallsee. Aber Achtung: Sackgasse. Zum Zeitpunkt unserer Reise geht es hier nicht weiter, denn die Schleuse zum Lankensee wird renoviert.

Wenn das Essen ausgegangen ist, empfiehlt sich ein Halt an der Gaststätte des Tinkerhof Kannenburg, der an der alten Schleuse liegt. Allzu schnell kommt am nächsten Tag der Anleger und Markus Frielinghaus in Sicht. Nach kurzer Zeit hat der Camper wieder festen Boden unter den Rädern und das Wasserabenteuer ist auch für uns zu Ende.

Camping mit Freecamper

Kosten je nach Campingmobil ab etwa 350 Euro für ein Wochenende. Alle Details zur Verwandlung in ein Hausboot bei Freecamper.

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Die Anlegemanöver werden für uns schnell zur Routine. In den Yachthäfen gibt es wie auf dem Campingplatz Duschen und Toiletten. Reservierungen sind hier nicht üblich, aber es findet sich in aller Regel noch ein Platz.

Abstecher am Wasserweg:

Camping-Tipps an die Obere Havel, Brandenburg

Zwei Plätze nahe der Freecamper-Ablegestelle: (Saison von April bis Oktober)

Stellplatz Marina Alter Hafen 16792 Zehdenick (D) 18 Bewertungen 16 EUR/Nacht
Campingplatz am großen Wentowsee 16798 Fürstenberg/Havel (D) 1 Bewertung 21 EUR/Nacht
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