Camping Oldtimer Peugeot 505 Andreas Becker
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Auto-Trail Cheyenne (Baujahr 1982/83)

Oldtimer-Rarität aus den USA

Wortwörtlich aus der Hecke gezerrt wurde dieser Auto-Trail auf Basis eines Peugeot 504. Doch erst zu Hause entdeckte Peter Uehlin, was für eine Sensation er im Tessin geborgen hat ...

Dass da ein markanter Camper im Gebüsch parkt, das war dem Oldiefan aus Lörrach auf den ersten Blick klar: „Das war 2013, wir waren auf einem Ententreffen“, erinnert sich Peter Uehlin an die erste Begegnung, auch wenn zunächst keine Zeit blieb, um das Vehikel näher zu inspizieren. „Das nahm ich mir dann aber fürs folgende Jahr vor. Und tatsächlich stand die Kiste immer noch, nur das Gebüsch war gewachsen.“

Der Anblick muss wahrlich grausig gewesen sein: Eine Seitenscheibe des Aufbaus fehlte, im Inneren lagen zahllose Autoteile, „und im Wohnraum stand das Wasser 30 Zentimeter hoch“, schaudert der heutige Besitzer, der zunächst bei einer Kneipe und schließlich beim Patron des angrenzenden Campingplatzes um Infos bat. „Was mir der erzählte, das konnte ich kaum glauben: Das Auto habe einem Ehepaar aus Wimbledon gehört, sei aber nicht mehr angesprungen. Die beiden hätten es deshalb kurzerhand stehen lassen, mit Schlüsseln und Papieren als Bezahlung – und sich dann aus dem Staub gemacht.“ Man merkt Peter an, wie unglaublich ihm die Geschichte noch heute vorkommt. „Ist aber alles wahr“, versichert er.

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Hinter der geteilten Tür des Cheyenne verbirgt sich eine schier unglaubliche Geschichte, die Peter Uehlin für die Zulassung recherchieren musste.

Aus alt mach neu

Es folgte der Traum vieler Oldiefans: Er solle die Kiste einfach mitnehmen, lieber heute als morgen, bitteschön am liebsten gleich, was Peter denn auch organisierte. Binnen kürzester Frist überführte er das vermeintliche Wrack auf dem Hänger ins südbadische Land, um sich ans Werk zu machen, wobei er zunächst dachte, die vielen Teile im Auto würden von vergeblichen Reparaturversuchen herrühren. Doch je mehr er ausräumte, desto hoffnungsvoller wurde das Projekt. Außer dem Deckel des Bremsflüssigkeitsbehälters und besagter Seitenscheibe des Aufbaus fehlte nicht ein Detail, der Wagen wurde wohl schlicht als Schrotthalde missbraucht.

Peter fasste Mut: Er wechselte alle Betriebsstoffe, um das Wagnis eines Startversuchs zu unternehmen. „Die Kupplung trennte, die Gänge flutschten, durchdrehen ließ sich der Motor auch: Und weil auch ein Starthilfekabel im Auto lag, hab ich einfach mal von einer anderen Batterie auf die vorhandene überbrückt und den Schlüssel gedreht. Aber es blieb alles tot und dunkel.“

Also wieder raus aus dem Auto, prüfender Blick auf das Kabel: „Das war reichlich dünn, für einen Diesel sicher zu dünn. Also hab ich mein eigenes Starterkabel geholt, und das war wie eine Erleuchtung!“ Schon beim Vorglühen gingen sämtliche Lampen im Cockpit an, selbst die Scheinwerfer und die Innenbeleuchtung erwachten zum Leben, „und beim dritten Startversuch dann auch der Vierender!“ Er lief, als hätte er nur einen Tag gestanden und nicht über Jahre, auch die ersten, noch zaghaft gefahrenen Meter waren kein Problem. „Ich weiß bis heute nicht, was an dem Auto kaputt gewesen sein soll, dass es als irreparabel abgestellt wurde!“

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Beim Fund hatte der Camper 74.000 Meilen auf der Uhr, seitdem kamen etliche hinzu: „Im Schnitt braucht er zehn Liter bei Tempo 80 bis 100.“

Absolute Rarität: Nur drei Modelle weltweit

Den 37 Jahre alten Camper wieder auf die Straße zu bringen, war anschließend Ehrensache und dank Unterstützung auch zu meistern: Ein britischer Freund erkundigte sich bei der noch heute existenten Firma Auto-Trail, auch wenn es dort nur einen Nachweis zum Fahrzeug gab, die Fahrgestellnummer im „Chassisbook“ nämlich. „Gerade mal drei Stück wurden von diesem Modell gebaut, mein Exemplar ist das letzte“, meint Peter immer noch staunend.

„Auto-Trail war damals in den USA erfolgreich mit Campern auf Pick-up-Basis, das sollte auch in England so sein, und der Peugeot 504 schien wegen seiner guten Zuladung ideal.“ Nur verkaufen ließ sich die Kreation nicht, nach nur drei gebauten Rechtslenkern wurde der Plan aufgegeben.

Camping Oldtimer Peugeot 504
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So solide und talentiert der 504 auch war, eine Erfolgsgeschichte wurde aus diesem Camper von Auto-Trail nicht. Er ist der dritte und letzte der Baureihe.

Peters „504 Cheyenne“ weist denn auch einige Besonderheiten auf, die man als typisch britisch bezeichnen kann: Sowohl der Grill wie auch der Backofen oder der Gas-Durchlauferhitzer sind voll funktionsfähig, befeuert wird alles aus zwei je 2,8 Kilo fassenden Butanflaschen im Außenfach. Auch Markise, Reserveradhalter und die Anhängerkupplung sind original, bis zu 600 Kilo darf das französisch-britische Gemeinschaftsprojekt zusätzlich zur Zuladung von 550 Kilo ziehen. „Ich nehme aber lieber meine beiden Velosolex aus den 1960erJahren mit“, meint Peter, der dem Wagen hierfür einen stabilen Heckträger gönnte. Darüber hinaus erhielt das Auto eineprofessionelle Innenreinigung, neue, von der Limousine des 504 stammende Scheinwerfer, eine Chromstoßstange sowie einen feschen Außenlack. Nur der „neue“ Deckel des Bremsflüssigkeitsbehälters ist ein Gebrauchtteil: „Der stammt von einer Ente.“

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Den Wohnbereich ließ Peter professionell reinigen, links sieht man noch die britischen Stecker samt notwendigen Adaptern.

Heute nutzt Peter den Cheyenne auch für lange Strecken, 2019 war die Bretagne dran, aber auch gern für Wochenendtrips, knapp 10.000 Kilometer kommen jede Saison dazu. „Es ist ein echter Genuss, mit diesem Klassiker in den Urlaub zu cruisen“, versichert Peter, der 2020 einer Einladung von Auto-Trail nach Lincolnshire folgen will. Keine Frage: Solch einen Heckenfund präsentiert man gerne …

Daten und Fakten

Bis heute baut die seit 1999 zu Trigano gehörende Marke Auto-Trail Reisemobile; zu den auf Basis des Peugeot 504 gefertigten Cheyenne gibt es aber selbst im Mutterhaus keine Unterlagen. Nur die Fahrgestellnummern wurden vermerkt, was die Zulassung des Campers erst ermöglichte, von dem zwischen Oktober 1982 und Mai 1983 lediglich drei Exemplare entstanden: Auto Nr. 2 fährt heute in Neuseeland, der Besitzer hat bereits Kontakt mit Peter Uehlin aufgenommen, Auto Nr. 1 soll Gerüchten zu Folge im arabischen Raum gelandet sein. Möglicherweise steht es heute in einem Gebüsch...

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