Nach Erkenntnissen des Kraftfahrtbundesamtes gibt es aktuell keine Anzeichen dafür, dass durch Ausdünstungen krebserregender Schadstoffe im VW Grand California eine Gefahr für den Straßenverkehr entsteht. Die Behörde beurteilt dabei aber nur die Frage, ob die Fahrtüchtigkeit beeinflusst wird. Nicht zur Zuständigkeit des KBA gehört die Frage, ob die Ausdünstungen in Modellen, die vor 2022 gebaut worden sind, gesundheitsschädlich sind oder Verstöße gegen Produktsicherheitsbedingungen darstellen.
Mitte 2025 war VW wiederholt wegen schädlicher Ausdünstungen im Camper VW Grand California unter Beschuss geraten. Ausgehend von einer Recherche des ZDF-Magazins Frontal berichteten verschiedene Medien über zu hohe Schadstoffbelastungen durch Ausdünstungen in der Schlafkabine. Betroffen waren Modelle des Campingbusses, die vor 2022 gebaut worden sind. Daraufhin schaltete sich auch das Kraftfahrtbundesamt ein. Allerdings lediglich in Hinsicht auf mögliche Einflüsse auf die Verkehrssicherheit. Die damalige Begründung zur Untersuchung: "Um zu klären, ob sich eine erhöhte Schadstoffkonzentration auch auf die Fahrtüchtigkeit des Fahrzeugführers auswirkt und damit Belange der Straßenverkehrssicherheit betrifft, hat das KBA den Hersteller um Stellungnahme gebeten."
KBA begründet Aussage mit dem Alter der Fahrzeuge
Auf Nachfrage von promobil erklärte das KBA nun: "Nach heutigem Kenntnisstand liegen keine Hinweise vor, die darauf hindeuten, dass aktuell durch Ausdünstungen eine Gefährdung für den Straßenverkehr ausgeht. Dies ist sowohl auf das Alter der von Ausdünstungen betroffenen Fahrzeuge (eventuelle Ausdünstungen haben hier bereits stattgefunden) beziehungsweise auf die geänderte Bauweise von Fahrzeugen neuerer Bauart zurückzuführen, die nach Kenntnisstand des KBA Ausdünstungen wirkungsvoll vermindert." Ob die Schadstoffausdünstungen in der Vergangenheit ein Verkehrsrisiko gewesen sein könnten, beantwortet die Aussage des KBA jedoch nicht.

Kritische Schadstoffwerte wurden angeblich hauptsächlich im Hochdach gemessen, wo sich oft die Schlafplätze für Kinder auf einem bis zu 1910 x 1170 Millimeter großen Dachbett befinden. Seit 2022 versiegelt VW die Haube daher mit einem speziellen Lack.
Dies deckt sich mit der damaligen Stellungnahme von VW bezüglich der Schadstoffkonzentration, dass sämtliche gemessenen Werte unterhalb der derzeit gültigen Schwellen für unbedenkliche Emissionen liegen würden. Die gemessenen Substanzen stammten aus typischen Materialien im Fahrzeugbau und würden mit der Zeit von selbst abnehmen, da es sich um flüchtige Stoffe handelt. Eine Gesundheitsgefährdung sei aus Sicht von VW nicht gegeben. "Da es sich um flüchtige Substanzen aus Kunststoffen handelt, ist deren Konzentration stetig abnehmend", erklärte VW-Nutzfahrzeuge damals auf Anfrage gegenüber dem ZDF.
Anerkannte Gefahrenwerte deutlich überschritten
Strenge gesetzliche Grenzwerte für Schadstoffbelastungen im Innenraum von Fahrzeugen gibt es nicht. Gerichte und Gutachter orientieren sich oft an den Gefahrenwerten des staatlichen Umweltbundesamtes. Frontal zitierte einen internen Prüfbericht von VW, der Schadstoffwerte aufführt, die deutlich darüber liegen – bei Benzol um das 35-fache, bei Styrol um das 15-fache. In dem Dokument wird davon ausgegangen, dass die Überschreitungen "mit hinreichender Wahrscheinlichkeit" zu gesundheitlichen Gefährdungen der Insassen führen könnten. Das sei VW schon 2019 bei Marktstart bekannt gewesen, reagiert hat der Hersteller aber erst 2022.
Aufgekommen war das Thema wegen auftretender Gerüche und damit einhergehender gesundheitlicher Beschwerden. Das aktuelle Modell des Grand California ist von den Problemen nicht betroffen. Erhöhte Schadstoffwerte gibt es nur in Fahrzeugen, die vor 2022 produziert worden sind. Seitdem versiegelt VW die Dachhaube mit einem Schutzlack. Seit 2025 verkauft VW zudem die zweite Generation des Grand California und hat dafür viele Details überarbeitet.
Kommt es doch zum Gerichtsverfahren gegen VW?
Ob für Campende in den betroffenen Fahrzeugen eine Gesundheitsgefährdung ausgeht, ist unklar. Laut der Anwaltskanzlei Stoll & Sauer sei die Überschreitung der Emissionswerte nicht mit deutschen Rechten zum Verbraucherschutz und zur Produktsicherheit vereinbar. Die Kanzlei kündigte deshalb im Herbst 2025 an, in Vertretung eine Sammelklage gegen VW anzustreben. Stoll & Sauer bestätigte auf Nachfrage von promobil, dass das Thema für viele Kundinnen und Kunden der Kanzlei weiterhin aktuell sei.
Im Herbst 2025 wurde durch die Braunschweiger Zeitung ebenfalls bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen der hohen Schadstoffwerte im VW Grand California Ermittlungen gegen VW aufgenommen hat. Juristisch ist das Thema für den Autohersteller also noch nicht ausgesessen, auch wenn das KBA keine Gefahr für den Straßenverkehr erkennen kann.





