Reimo im VW New Transporter: Ist das der bessere Bulli?

Reimo Trio Style auf VW New Transporter
1. Test des VW New Transporter als Reimo-Campervan

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.01.2026
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Reden wir über das Gesicht. Kaum ein anderes Auto-Frontdesign hat in letzter Zeit so polarisiert wie das des VW New Transporters. Weich, rund, beinahe lieblich wirkt es. Der Gewöhnungseffekt will sich bei vielen Kollegen aber zunächst nicht recht einstellen.

Alternativ steht der technisch baugleiche Trio Style auf Basis des Ford Transit Custom bereit. Beide Vans kommen aus derselben Fabrik in der Türkei, unterscheiden sich jedoch im Design von Front, Heck und Lenkrad – und im Preis. Fest steht: Die VW-Basis wird von Reimo im Innenraum sichtbar hochwertiger ausgestattet als der Ford. Einen Mehrwert muss man den Kundinnen und Kunden schließlich bieten, denn der VW ist der Teurere.

Reimo VW Trio Style

  • Gurte/Schlafplätze: 5/4
  • Zul. Gesamtgewicht: 3300 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 5,05/2,28/2,05 m
  • Grundpreis ab: 73.499 Euro

Der Name Trio Style hat Tradition. Seit vielen Jahren bauen die Reimo-Spezialisten ihr Erfolgsmodell auf unterschiedlichsten Basisfahrzeugen. Der Ausbau wird kontinuierlich weiterentwickelt – spätestens dann, wenn eine neue Van-Generation ansteht. Unser Testwagen ist der erste Ausbau im New Transporter, ein echter Prototyp. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, so früh hineinzuschauen. Es wurde Zeit, sich endlich mit dem VW zu beschäftigen, zumal das Schwestermodell von Ford längst auf dem Markt ist. Das bedeutet allerdings auch: Einiges am Testwagen lässt sich noch nicht mit den üblichen Maßstäben bewerten.

Der Trio Style war schon immer ein vollwertiger Camper klassischer Bauart, ohne Kompromisse, mit vielen durchdachten Details. In ihm steckt jahrzehntelange Ausbauerfahrung. Die Dreiersitzbank von Reimo – inklusive Boden und eigenem Schienensystem – ist dabei ein zentrales Element. Sie lässt sich leicht verschieben, einfach verriegeln, und das Bett ist mit wenigen Handgriffen hergerichtet. Geschlafen wird auf den Rückseiten von Sitzfläche und Lehne, die dafür eigens gepolstert sind. Keine Kanten, keine Fugen – ein Topper wird nicht benötigt, was Stauraum spart. Unter der Sitzfläche findet sich eine große Schublade. Dieser Stauraum ist im Vergleich zu Banksystemen ohne Schublade ein echter Gamechanger. Tolle Bank.

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Ingolf Pompe

Klassischer Möbelbau mit Luft nach oben

Die linksseitige Möbelzeile verläuft – ganz klassisch – komplett durch und beherbergt einen Kompressorkühlschrank der Reimo-Eigenmarke Carbest. Daneben liegt ein großes, mit Rollo verschließbares Fach, in dem eine portable Toilette Platz findet. Wer keine Toilette benötigt, gewinnt Stauraum. Zudem gibt es zwei große und eine weitere kleine Schublade sowie eine Lichtumrahmung.

In der handwerklichen Ausführung ist jedoch Luft nach oben: Die Schublade hat etwas viel Spiel und auch die Nut-und-Feder-geführte Schiebetür des hinteren Kleiderschranks entspricht nicht der ansonsten von Reimo bekannten Fertigungsqualität. Auch manche Scharniere wirken eher nach Controlling- als nach Qualitätsgesichtspunkten ausgewählt. Reimo verspricht nachzubessern. An anderer Stelle zeigt sich der Möbelbau wiederum durchdacht ausgeführt. Clever gelöst ist die Konstruktion des hohen Schranks hinten links.

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Ingolf Pompe

An der vorderen Ecke klappt ein dreieckiges Sanitärschränkchen auf – mit Spiegel, Ablage für Seife und Gummibandhalterung für Zahnbürsten. Eine charmante und praktische Idee. Der anschließende Hauptschrank bietet zwei kleine und ein großes Fach und einen herausnehmbaren Einlegeboden. Da an der Decke eine Kleiderschiene montiert ist, lassen sich hier auch Hemden aufhängen – ideal auf beruflichen Fahrten, wenn die Kleidung knitterfrei bleiben soll für den Business-Termin.

Reimo glänzt mit eigenem Zubehör

Reimo ist nicht nur Ausbauer, sondern weltweit bedeutender Zubehöranbieter. Unter Marken wie Camp 4, Reimo Tent und besonders Carbest vertreibt das Unternehmen zahlreiche Eigenentwicklungen. Carbest-Produkte finden sich im Trio Style bei Heizung, Kühlschrank, Fenstern und Verdunklungen. Links ist ein hochwertiges Glas-Ausstellfenster montiert, davor eine kombinierte Einheit aus Verdunklung und Fliegengitter. An der Heckklappe sitzt ein zweigeteiltes Plissee, in der rechten Schiebetür ein Carbest-Schiebefenster mit Plissee und Insektenschutz. Jeweils Top-Produkte.

Der Tisch ist ordentlich verstaut und sitzt dank kräftigem Federdruck sicher an der Innenseite der Schiebetür. Der Innenraum ist bis Sitzhöhe mit Velours, darüber mit Kunstleder bezogen. Das Aufstelldach stammt ebenso aus eigener Fertigung. Reimo beliefert damit seit Jahren zahlreiche andere Hersteller, aber auch Selbstausbauer. Die Verschlüsse sind etwas gewöhnungsbedürftig, verhindern aber zuverlässig Beschädigungen am Zeltstoff. Das Dach lässt sich leicht hochdrücken und der Zeltbalg komplett öffnen. Der Zuschnitt ist so gewählt, dass der Reißverschluss problemlos ohne großen Krafteinsatz schließt. Das Bett im Dach hat schmale Kunststoffleisten als Unterfederung, die man durch die dünne Matratze etwas spürt.

Der Test-Transporter

Die Konfiguration des VW-Testwagens wurde nicht bewusst gewählt, es gab einfach noch nichts anderes. 150-PS-Motor mit Schaltgetriebe – grundsätzlich spricht nichts dagegen. Doch hier trifft Handschaltung auf moderne Assistenten: elektrische Feststellbremse, Anfahrhilfe und ein Steuergerät, das beim Auskuppeln die Drehzahl anhebt. Alte Schaltgewohnheiten geraten da durcheinander. In dieser Kombination besser Automatik wählen.

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Ingolf Pompe

Der Test-Transporter hatte zudem auffällig ungleichmäßige Spaltmaße besonders an der Tür. Bisher getestete Transit Custom waren da sichtbar sauberer verarbeitet. Grundsätzlich aber bleibt diese Basis ein hervorragendes Auto – langstreckentauglich, komfortabel, schnell, souverän. Das liegt auch am Fahrwerk. Es ist dynamisch, federt gut, schaukelt erst bei hohen Geschwindigkeiten ein wenig.

Zugute kommt ihm, dass der Ford-VW auch an der Hinterachse eine Einzelradaufhängung hat – so wie es einem Bulli zusteht. Etwas monieren kann man den 150-PS-Motor. Der läuft zwar ruhig und geschmeidig, glänzt aber nicht gerade mit druckvollem Drehmoment. Auf der Autobahn lässt er sich Zeit, seine Arbeit zu verrichten. Die optisch reizvollen Loder-AT-Reifen zeigen im Test einmal mehr ihre Schwächen bei Nässe.

Das fiel uns auf

 Hochwertiges Ausstellcampingfenster aus Glas mit Alurahmen. Trägt von außen nicht auf.

 Innen keine Kompromisse bei der Verdunkelung und beim Fliegenschutz. So geht gutes Vanlifecamping.

 Diese Schublade bringt einen im Campingleben weiter, weil hier viel reinpasst. Samt guter Zugänglichkeit.

 Auch ohne den Van verlassen zu müssen, kommt man von innen an den Kofferraum ran, etwa nachts.

  Alles, was man schiebt statt klappt, ist im kleinen Bus eine gute Lösung. Könnte aber feiner laufen.

  Farbton und Helligkeit der LED-Leisten sind stufenlos per Fernbedienung steuerbar. Die kann man aber verlieren.

Daten und Preise

  • Aufbau: Stahlblechkarosserie mit GfK-Aufstelldach, Innenverkleidung mit Velours und Kunstleder, li. 1 Glas-Isolierfenster mit Alurahmen, re. 1 Schiebefenster mit Sicherheitsglas, komplettes Verdunklungssystem.
  • Ausbau: Möbel aus Sperrholz, Sitzbank mit drei Dreipunktgurten, Bankbreite 1205 mm, Bett unten 2000 x 1320 mm, Bett oben 2000 x 1200 mm, Außendusche, Küche mit Zwei-flammkocher und Kompressorkühlschrank 36 L.
  • Bordtechnik: Dieselheizung Carbest Vanheat 2 kW, Frischwasserkanister 2 x 19 L, Abwassertank 25 L, Warmwasserboiler 3 L, Bordbatterie LifePo 100 Ah, Gasflasche 1 x 2,7 kg.
  • Basisfahrzeug: VW New Transporter, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 1996 cm3, Leistung 81 kW/110 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe.
  • Maße und Gewichte: Länge x Breite x Höhe 5050 x 2032 x 2050 mm, Radstand 3100 mm, zulässiges Gesamtgewicht 3300 kg.
  • Preise: Grundpreis 73.499 Euro, Testwagenpreis 88.900 Euro, Multirail Regenrinne pro Seite 469 Euro, Warmwasserboiler 3 Liter 595 Euro, Schiebefenster mit Rollo rechts 598 Euro.

Fazit